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Tiere beobachten direkt vom Sofa Von Irena Güttel, dpa

Schon mal gesehen, wie Wanderfalken-Küken schlüpfen? Oder wie Schneeleoparden geboren werden? Webcams machen das live möglich, ganz bequem von zu Hause. Nürnberg (dpa) - Kino, Museum, Spielplatz, alles wegen Corona dicht. Doch die Natur pausiert nicht. Dort kann man zurzeit viel beobachten: Überall grünt, summt und zwitschert es. Viele Vögel brüten jetzt, und die ersten Küken schlüpfen. Um richtig nah ranzukommen, muss man noch nicht einmal das Haus verlassen. Webcams übertragen das Naturspektakel direkt ins Wohnzimmer. Ihre Zahl steigt nach Angaben des Naturschutzbunds (NABU) Jahr für Jahr. Täglich fiebern Tausende Zuschauer mit. Eine Auswahl: FALKEN Die Falken sind sozusagen die Filmstars unter den Vögeln, die man via Webcam beobachten kann. «Das sind Einblicke in die Natur, die man sonst nicht bekommt», sagt Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern. Turmfalken nisten - wie der Name schon sagt - bevorzugt in Kirchtürmen oder anderen hohen Gebäuden, Wanderfalken in Mulden an hohen Felsen. Seine erste Webcam hat der LBV deshalb 2013 an einem Wanderfalkenhorst auf einem Mobilfunkmast in einem Wald nördlich von München installiert. Diese kommt während der Brutzeit auf eine Viertelmillion Seitenaufrufe, hat allerdings gerade immer wieder technische Aussetzer - möglicherweise weil zurzeit so viele Menschen im Internet sind, meint Erlwein. Genauso lange gibt es die Webcam auf der Nürnberger Kaiserburg. 5000 bis 6000 Menschen schauen gerade täglich zu, wie das Wanderfalken-Paar dort drei Eier ausbrütet. Zurzeit ist das besonders spannend, denn die Küken sind kurz davor zu schlüpfen. «Es müsste jeden Moment losgehen», sagt Stefan Böger von der Bezirksregierung Mittelfranken. In der letzten Zeit schauen seinen Angaben nach besonders viele Naturfreunde der Webcam zu. Ob das mit der unfreiwilligen Corona-Freizeit zusammenhängt oder damit, dass die Wanderfalken inzwischen eine gewisse Berühmtheit genießen, kann er nicht sagen. SCHNEELEOPARDEN Webcams eignen sich vor allem bei Vögeln, die jedes Jahr am gleichen Platz brüten. Tiere, die durch ein großes Gebiet streifen, sind dagegen schwierig einzufangen. Zwar nicht in freier Natur, aber dafür von Nahem lassen sich die Schneeleoparden im Neunkircher Zoo im Saarland dank Webcams erleben. Drei Stück sind seit Ende März im Außengehege und an der Wurfbox installiert. «Leopardenweibchen Luisa ist hochschwanger», sagt Katharina Kronauer von der Zoopädagogik. Der Nachwuchs soll in den nächsten Tagen auf die Welt kommen. Wer regelmäßig auf die Webcam schaut, kann also Glück haben und live bei der Geburt dabei sein. SAATKRÄHE Webcams können auch helfen, Tiere besser zu verstehen - und vielleicht eine bessere Meinung von ihnen zu bekommen. Diese Idee steckt hinter der Webcam im Schlosspark im niedersächsischen Jever, die ins Nest von Saatkrähe Mathilde und ihrer Familie blickt. Denn im Frühling ärgern sich viele Menschen über die Krähen, die auf Bäumen in Städten nisten. «Sie sind natürlich sehr laut», gibt Petra Walentowitz von der Mobilen Umweltbildung zu. Aber sie seien eben auch sehr intelligent und faszinierend. Die Webcam zeigt zurzeit zwei winzige Vogelküken, die ihre rosa Schnäbelchen hungrig ihren Eltern entgegen strecken. Entzückende Bilder, die etwas bewirken: Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben von Walentowitz tatsächlich weniger Beschwerden wegen der Krähen. GROSSE HUFEISENNASE Fledermäuse schlafen nicht nur mit dem Kopf nach unten, sie bekommen so auch ihre Babys. Dabei zuschauen kann man dank der Webcam im Fledermaushaus im bayerischen Hohenburg. Dort lebt nach Angaben des LBV die letzte Kolonie der Großen Hufeisennase, der am stärksten bedrohten Fledermausart in Deutschland. Auf dem Dachboden des Hauses kann man etwa 200 Hufis - wie Tierschützer die nachtaktiven Jäger liebevoll nennen - beobachten. Manche von ihnen haben bereits einen dicken Babybauch. Der Nachwuchs lässt aber noch etwas auf sich warten: Im Sommer wird es so weit sein. WALDKAUZ Vor der Kamera können sich mitunter auch Tragödien abspielen. So bei einem Waldkauz-Pärchen, das seit Jahren in einem Nistkasten am Hermsdorfer See in Berlin brütet. Im Januar verletzte sich das Weibchen und machte lange keinen guten Eindruck. Dann endlich lagen Anfang März vier Eier im Nistkasten. Doch dann plünderte ein Waschbär das Gelege. Die Naturschützer schalteten die Webcam ab - bis zur nächsten Saison. STORCH Eine große Auswahl an Live-Bildern findet man dafür bei den Störchen. Allein die Homepage storchenelke.de listet mehr als 500 Webcams, die Storchen-Paare in ihren Nestern hoch oben auf dem Dach zeigen. Manche davon haben sogar einen eigenen Facebook-Auftritt und liebevoll gepflegte Tagebücher, so dass man selbst nichts verpasst, wenn man nicht ständig der Webcam zuschaut. So haben die Störche in Crailsheim in Baden-Württemberg eine treue Fangemeinde, die Fotos der Vögel in der Abendsonne und beim Eierwenden liken. SIEBENSCHLÄFER Selten sind dagegen die Bilder der Siebenschläfer-Webcam, die das quirlige Treiben aus jeweils einem von sechs Nistkästen überträgt. «Meines Wissens ist das einmalig», sagt die NABU-Projektkoordinatorin Regine Kossler in Leverkusen. Ein bisschen müssen sich Naturfreunde noch gedulden, denn die niedlichen Tierchen halten noch bis etwa Anfang Juni Winterschlaf. «Sie kommen raus, wenn alles grün ist», sagt Kossler. Dann tummeln sie sich in Gruppen in den Nistkästen. Später besetzen die schwangeren Weibchen diese, um dort ihre Jungen zu bekommen und aufzuziehen.

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