So, 2018-02-18 06:46Stuttgart (dpa)

Kritik am Import polnischer Rohwurst

Stuttgart (dpa) - Ein Wurst-Angebot des Discounters Lidl hat für Ärger bei deutschen Schweinewirten gesorgt. Das Fleisch für Wurstwaren der Lidl-Eigenmarke «Kuljanka» - darunter Rohwurst - stammt zum Teil aus Polen, wo derzeit im Nordosten die Afrikanische Schweinepest wütet. Sie breitet sich in Osteuropa immer schneller aus. Lidl teilte mit, die Rohstoffe stammten aus nicht betroffenen Gebieten und unterliefen zudem strenge Qualitätskontrollen. Unterstützung erhielt der Discounter vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Es spreche nichts gegen ganz normale Lebensmittel aus jenen Regionen in Polen, die nicht von der Krankheit betroffen sind.

Verwirrung entstand wohl auch deshalb, weil das Bundeslandwirtschaftsministerium schon länger vor infizierten Wurst- und Fleischwaren warnt, die durch Fernfahrer und Saisonkräfte aus Osteuropa nach Deutschland mitgebracht werden könnten. Hier bestünde die Gefahr, dass Essensreste an Raststätten von Wildschweinen gefressen werden, die das Virus dann weiter verbreiten.

Menschen erkranken generell nicht an dem Erreger. Dennoch ist er gefürchtet, vor allem von Landwirten. Denn schon beim ersten Nachweis in Deutschland würde der Export von Schweinefleisch in Länder außerhalb der EU wie etwa nach China zum Erliegen kommen.

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So, 2018-02-18 06:30Berlin (dpa)

Umwelthilfe hofft auf Durchbruch für bessere Luft in Städten

Berlin (dpa) - Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erhofft sich von der Verhandlung des Bundesverwaltungsgerichts über die Rechtmäßigkeit von Diesel-Fahrverboten einen Durchbruch für saubere Luft in Städten. «Wenn das Bundesverwaltungsgericht uns zustimmt und die Revisionen abweist, gibt es für Städte und Bundesländer kein Argument mehr zu sagen, sie können nicht handeln», sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch der Deutschen Presse-Agentur.

Fahrverbote würden aber nicht dazu führen, dass am Tag darauf «Straßensperren» errichtet werden. «Eine klare Entscheidung würde aber sicher dazu führen, dass bis zum Sommer die konkrete Ausgestaltung der Diesel-Fahrverbote für die betroffenen Städte steht und binnen weniger Monate umgesetzt wird.»

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt am Donnerstag (22. Februar) über die Frage, ob Diesel-Fahrverbote rechtlich zulässig sind. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte nicht eingehalten, Diesel-Autos gelten als Hauptverursacher. Das Gericht verhandelt über eine Revision von Urteilen der Verwaltungsgerichte Stuttgart und Düsseldorf. Kläger war jeweils die Umwelthilfe. Besonders in der Autoindustrie, aber auch in der Politik ist die Umwelthilfe wegen ihrer Vielzahl an Klagen umstritten.

Resch sagte, die Verwaltungsgerichte hätten entschieden, dass im Laufe des Jahres 2018 die Luftqualitäts-Grenzwerte für Stickoxide eingehalten werden müssten. «Weitere Tricksereien wie aktuell durch die bayerische Landesregierung, die Entscheidungen ihrer Gerichte ignorieren, darf es nicht mehr geben.»

Der Geschäftsführer der Umwelthilfe zeigte sich zudem überzeugt davon, dass die «blaue Plakette» kommen werde. «Wir brauchen eine einheitliche Kennzeichnung sauberer Fahrzeuge, um eine ansonsten unvermeidbare Kleinstaaterei in der Luftreinhaltung zu verhindern.»

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So, 2018-02-18 06:30Germersheim (dpa)

Nischenprodukt mit Anspruch: Deutsche Märchen auf Arabisch Von Maximilian Perseke, dpa

Gute Geschichten funktionieren in allen Sprachen. Man muss sie nur übersetzen und Abnehmer finden. Bei deutscher Kinderliteratur, die ins Arabische übersetzt wird, ist beides nicht ganz einfach.

Germersheim (dpa) - Das eintönige Leben des Herrn Taschenbier in Paul Maars Kinderbuch «Eine Woche voller Samstage» stellte Mahmoud Hassanein einmal vor eine große Aufgabe. Der Ägypter übersetzte die Geschichte, aus der vielen vor allem das «Sams» im Gedächtnis geblieben sein dürfte, schon vor einigen Jahren ins Arabische.

Seit etwa drei Jahren melden sich bei Hassanein nun vermehrt Verlage, die deutsche Geschichten ins Arabische übersetzen lassen wollen oder zweisprachige Kinderbücher auf Deutsch und Arabisch herausbringen wollen. «Der Anlass ist eigentlich die sogenannte Flüchtlingskrise», sagt der 35-Jährige, der am Arbeitsbereich für Interkulturelle Germanistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim forscht und lehrt.

Bei vielen Verlagen bleiben solche Vorhaben aber im Planungsstadium. Die Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) sieht deutsch-arabische Kinderliteratur zwangsweise als ein Nischenprodukt. «Die Nachfrage besteht in wirklich homöopathischen Dosen», sagt Renate Reichstein.

Zwar sei nach dem Zuzug vor allem syrischer Flüchtlinge die Diskussion unter Verlagen wieder aufgeflammt, dass für deren Kinder Bücher benötigt werden - wie bei Kindern türkischer Einwanderer vor Jahrzehnten. Aber man bekomme die Eltern und Bezugspersonen nicht in den Buchhandel. Das Produkt ist für die Verlage nicht wirtschaftlich.

Dabei könnten die Bücher den Kindern helfen: «Für sie ist wichtig, dass sie ihre Heimatsprache, ihre Familiensprache gut können. Das heißt, ein syrisches Kind muss Arabisch gut können», sagt Reichstein. «Und es muss gleichzeitig Deutsch gut können, um sich hier zu integrieren und am schulischen Angebot teilnehmen zu können.»

Auch Mahmoud Hassanein musste mit beiden Sprachen jonglieren, um «Eine Woche voller Samstage» zu übersetzen. Eine Schwierigkeit lag in der Wocheneinteilung des Herrn Taschenbier: «Am Sonntag schien die Sonne, und am Montag kam Herr Mon zu Besuch. Herr Taschenbier hatte am Dienstag Dienst, und am Mittwoch, wie immer, war Wochenmitte. Donnerstag donnert es, und Freitag bekam Herr Taschenbier frei und musste nicht arbeiten. Und dann kam der Samstag und mit ihm das Sams.»

Paul Maars Verknüpfung deutscher Wochentagsnamen mit ähnlich klingenden Ereignissen hatte seit der Buchveröffentlichung 1973 bewirkt, dass Generationen von Kindern Herrn Taschenbiers Wocheneinteilung im Gedächtnis haften blieb. Doch Hassanein konnte Maars Verknüpfungen in seiner Muttersprache nicht einfach imitieren.

Das Problem: Die geläufigen Wochentagsnamen lauten im Arabischen nämlich recht nüchtern «der Erste» (für Sonntag), der «der Zweite» (für Montag), «der Dritte» (für Dienstag) und so weiter. So schöne Verknüpfungen wie im Deutschen sind da nicht möglich. Hassanein musste eine Lösung suchen.

Zum Glück hatte der gebürtige Ägypter schon damals reichlich Erfahrung: «Ich war eigentlich viele Jahre ein glücklicher Fachübersetzer», sagt er. Mit 18 Jahren hatte er in Kairo begonnen, Deutsch zu lernen, bald übersetzte er Bedienungs- und Betriebsanleitungen für die deutsche Industrie. Kinderliteratur begegnete ihm während des Aufbaustudiums, für das er an die Uni Mainz kam, genauer gesagt an den Fachbereich für Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft auf dem Germersheimer Campus. Ein Dozent drückte ihm «Das war der Hirbel» von Peter Härtling in die Hand und sagte «Es wird dir gefallen und du wirst es übersetzen», erinnert sich Hassanein.

Die nächste große Aufabe war dann die Übersetzung von Paul Maars Klassiker. Und Hassanein fand die Lösung, indem er alte arabische Wochentagsnamen benutzte. Montag heiße zum Beispiel Ahwan, erklärt Hassanein. Was auch ein Personenname sein könne. So lasse sich dieser Wochentag im Arabischen mit einem Besuch von Herrn Ahwan (alias Herr Mon) verknüpfen, erklärt Hassanein. So konnte Hassanein - mit dem zusätzlichen Handgriff der zur Geschichte passenden Einführung der alten, etwas vergessenen Wochentagsnamen - andere Verknüpfungen herstellen, die für arabisch-sprachige Kinder aber ähnlich funktionieren wie Maars Original für Kinder in Deutschland.

Die Herausforderung für Hassanein bei der Übersetzung des Maar-Klassikers war keine wirtschaftliche, sondern eine sprachliche. Die Verlage arbeiten aber wirtschaftlich, erklärt Reichstein. Die avj geht deswegen auf potenzielle Geldgeber zu, die sich engagieren möchten.

Auch beim Bundesfamilienministerium liegen mittlerweile ausgewählte Publikationen mehrsprachig vor, wie eine Sprecherin mitteilt. So wurde kürzlich das Bilderbuch «Spiel, Spaß und neue Freunde: Lina und Nuri in KITA & Co.», das sich an Familien richtet, deren Kinder noch keine Kita besuchen, mit arabischer Schrift veröffentlicht.

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So, 2018-02-18 06:00Berlin (dpa)

Kommunalverband warnt vor Diesel-Fahrverboten

Berlin (dpa) - Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat eindringlich vor möglichen Diesel-Fahrverboten in Städten gewarnt. «Wenn es zu Fahrverboten kommt in Deutschland, hat das tiefste Eingriffe in das kommunale Leben, in die kommunale Infrastruktur, in Arbeit und Wirtschaft», sagte der VKU-Präsident und Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling der Deutschen Presse-Agentur. «Das kommunale Leben wäre sehr stark bedroht.»

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt an diesem Donnerstag (22. Februar) die Frage, ob Diesel-Fahrverbote rechtlich zulässig sind. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte nicht eingehalten, Diesel-Autos gelten als Hauptverursacher.

Ebling forderte das Gericht auf, zu würdigen, was bereits auf den Weg gebracht worden sei. «Es sind viele Dinge in der Pipeline.» Berücksichtigt werden müsse auch die Frage der Verhältnismäßigkeit. Der Bund hatte im vergangenen Herbst ein milliardenschweres Programm für bessere Luft in Städten auf den Weg gebracht.

«Von der Entscheidung in Leipzig hängt schon sehr viel ab», sagte Ebling. Die Stadt Mainz bereite sich wie viele Städte intensiv vor. «Wir werden nicht müde weiter zu handeln, im Interesse der Luftreinhaltung und der Vermeidung von Fahrverboten.» In Mainz seien die Schadstoff-Werte besser geworden, auch wenn sie vielleicht noch nicht optimal seien. «Wir haben zum Beispiel neun Kilometer zusätzliche Straßenbahngleise ans Netz gebracht in den vergangenen 14 Monaten.» Auch die Elektromobilität sei ausgebaut worden.

Es bestünden aber Probleme bei der Umsetzung von Verbesserungen. «Ich würde gerne heute schon mehr Elektro- oder Wasserstoffbusse fahren lassen», sagte Ebling. Es gebe jedoch nur sehr wenige Hersteller. Die Stadt Mainz habe daher eine Ausschreibung für Wasserstoffbusse wiederholen müssen. «Auf die erste hin hat sich keiner gemeldet.»

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So, 2018-02-18 05:30München (dpa)

Kaeser hält Einschnitte nur für Vorgeschmack auf Industrie-Wandel

Die Siemens-Beschäftigten laufen seit Wochen Sturm gegen den Jobabbau im Kraftwerksgeschäft. Doch der digitale Wandel schreitet voran - und auch bei anderen Unternehmen wird er massive Folgen haben, ist Konzernchef Kaeser überzeugt.

München (dpa) - Die Einschnitte im Kraftwerksgeschäft von Siemens sind aus Sicht von Konzernchef Joe Kaeser nur ein Vorgeschmack auf die Folgen des tiefgreifenden Wandels der Industrie. «Das, was wir bei uns heute an Strukturveränderungen im fossilen Energieerzeugungsumfeld bewältigen, das wird in fünf bis zehn Jahren im Vergleich zu den Auswirkungen der industriellen Digitalisierung eher als Randnotiz gewertet werden müssen», sagte Kaeser der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Sicherheitskonferenz in München. Siemens gehe diese Themen vorausschauender und proaktiver an als viele andere Unternehmen in Deutschland.

Siemens plant in der Kraftwerks- und der Antriebssparte den Abbau von weltweit 6900 Arbeitsplätzen, den Löwenanteil davon in der unter Nachfrageschwäche und Preisdruck leidenden Kraftwerksparte. Etwa die Hälfte davon betrifft Jobs in Deutschland. Das Unternehmen hatte auch Standortschließungen angekündigt, darunter für das Werk im sächsischen Görlitz mit rund 720 Beschäftigten.

Als mögliche Lösung ist mittlerweile aber auch mit der Politik ein «Industriekonzept Oberlausitz» im Gespräch. Demnach wäre etwa vorstellbar, dass das Werk Görlitz eigenständiger wird, dabei aber zunächst unter dem Dach von Siemens verbleibt. In einigen Jahren könnte der Standort in einem Industrie-Verbund aufgehen, so Kaesr.

Auf die Frage, ob das Werk doch nicht geschlossen werde, sagte der Siemens-Chef kürzlich in einem Interview: «Wenn überhaupt, dann wäre das nicht vor 2023. Was danach ist, müssen wir sehen.»

In Sachsen stand neben Görlitz auch ein Standort in Leipzig mit rund 200 Jobs auf der Schließungsliste. Einschnitte sind früheren Angaben zufolge auch in Berlin, Offenbach und Erfurt geplant.

Kaeser bekräftigte, dass man die Menschen in Görlitz nicht allein lassen werde. Mit Blick auf andere bedrohte Standorte erklärte er, man müsse unterscheiden zwischen Regionen, die mit eklatanten strukturellen Herausforderungen zu kämpfen hätten, wie etwa die Oberlausitz, und anderen Gegenden mit einem stärkeren wirtschaftlichen Umfeld. Dort gebe es vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten, die in Betracht gezogen und genutzt werden müssten.

Auch die starke Konjunktur und der boomende Arbeitsmarkt bieten aus Kaesers Sicht gute Voraussetzungen, um die Probleme in der fossilen Energie-Erzeugung abzufedern. «Über die anderen Standorte wird derzeit mit den Arbeitnehmervertretungen gesprochen, was es da an Möglichkeiten gibt. Aber es wird ohne eine Strukturanpassung nicht gehen, die nicht auch die Fixkosten adressiert», sagte der Siemens-Chef.

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So, 2018-02-18 04:30Frankfurt/Main (dpa)

Deutsch-Arabische Kinderliteratur: Wenig Nachfrage von den Eltern

Frankfurt/Main (dpa) - Zweisprachige Kinderbücher in Deutsch und Arabisch sind nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen weiter ein Nischenprodukt. «Die Nachfrage besteht in wirklich homöopathischen Dosen», sagte die Vorstandsvorsitzende Renate Reichstein der Deutschen Presse-Agentur. Zwar sei nach dem Zuzug vor allem syrischer Flüchtlinge die Diskussion unter Verlagen wieder aufgeflammt, dass man wie bei Kindern türkischer Einwanderer vor Jahrzehnten zweisprachige Bücher für die Kleinen benötige. Aber man bekomme die Eltern und Bezugspersonen nicht in den Buchhandel.

Zweierlei ist laut Reichstein für die Kinder von Bedeutung: «Für sie ist wichtig, dass sie ihre Heimatsprache, ihre Familiensprache gut können. Das heißt, ein syrisches Kind muss Arabisch gut können», sagt sie. «Und es muss gleichzeitig Deutsch gut können, um sich hier zu integrieren und am schulischen Angebot teilnehmen zu können.»

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So, 2018-02-18 04:22Stuttgart (dpa)

Lidl bringt Schweinewirte mit «Polnischer Rohwurst» in Rage Von Alexia Angelopoulou, dpa

Besorgt verfolgen die deutschen Schweinebauern die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Osteuropa. Dass Lidl ausgerechnet jetzt Wurstspezialitäten aus Polen anbietet, stößt vielen bitter auf.

Stuttgart (dpa) - Am besten einen Haufen Gülle vor die nächste Lidl-Filiale kippen - diesen Wunsch hegt derzeit so manch ein deutscher Schweinebauer. Der Discounter hat die Branche mit seinem aktuellen Angebot osteuropäischer Spezialitäten vor den Kopf gestoßen, mit Produkten wie Polnischer Rohwurst der Lidl-Eigenmarke «Kuljanka». In den Augen der Landwirte ist das wegen der Afrikanischen Schweinepest, die im Nordosten Polens kursiert, ein Unding.

Die Schweinebauern fürchten, dass das Virus per Wurstimport auch nach Deutschland kommen könnte. An der Aufregung ist das Bundeslandwirtschaftsministerium wohl nicht ganz unschuldig: Hier wird davor gewarnt, dass Fernfahrer und Saisonkräfte aus Osteuropa infizierte Fleisch- und Wurtwaren mitbringen könnten. Wenn diese etwa an Raststätten auf die Wiese geworfen und dort von Wildschweinen gefressen werden, könne sich die Seuche ausbreiten.

Lidl verweist auf strenge Qualitätskontrollen und saubere Zulieferer, der Verband der Fleischwirtschaft warnt vor Panikmache, aber die Verwirrung und die Ängste hinsichtlich der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bleiben groß. «Wie soll Lidl zu 100 Prozent ausschließen, dass hier kein bereits erkranktes Schwein geschlachtet und verarbeitet wurde?», kommentiert ein Leser auf der Website der Fachzeitschrift «Top Agrar». Das Medium hatte das Lidl-Angebot als erstes thematisiert und damit den Nerv zahlreicher Tierhalter getroffen. «Die Landwirte sind derzeit alarmiert und sensibel bei dem Thema», heißt es aus der «Top Agrar»-Redaktion, «es geht schließlich im Zweifel auch um die Existenz eines landwirtschaftlichen Betriebes».

Denn obwohl es in Deutschland bisher keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest gibt, sind die Zahlen aus Osteuropa alarmierend. Neuerkrankungen von Wild- und auch Hausschweinen werden vor allem in Litauen und Polen verzeichnet. «Dort wurden im Jahr 2015 insgesamt 1639 Fälle gemeldet - aktuell haben wir schon über 1000 Fälle in den vergangenen zwei Monaten», sagt Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. «Diese Ausbruchszahlen sind schon heftig, und ein Ende ist nicht in Sicht.» Menschen erkranken generell nicht an dem Erreger.

Das Institut verweist jedoch auch darauf, dass nichts gegen ganz normale Lebensmittel aus jenen Regionen in Polen spricht, die nicht betroffen sind. «Man müsste sich nur einmal vorstellen, in Nord-Deutschland gäbe es Fälle von Schweinepest und in der Folge dürften auch süddeutsche Betriebe nichts mehr verkaufen», argumentiert Reinking. «Aus den restriktierten Zonen in Polen kommt nichts raus, dafür sorgen die Veterinärbehörden vor Ort.» EU-Regelungen legen fest, dass aus diesen Regionen kein Tier und kein Fleisch gebracht werden darf.

Darauf beruft sich auch Lidl. Der Rohstoff für die Wurstwaren stamme sowohl aus Zentral- als auch aus Osteuropa, teilte das Unternehmen mit. Und weiter: «In Ländern, die von der Afrikanischen Schweinepest betroffenen sind, beziehen wir ausschließlich Rohstoffe aus den sogenannten freien Gebieten, in denen gemäß des Durchführungsbeschlusses 2018/169 der Europäischen Kommission vom 1. Februar keine Beschränkungen aufgrund der ASP vorliegen. Zudem führen unsere Lieferanten beim Fleischrohstoff grundsätzlich strenge Qualitätskontrollen durch.»

Der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) steht dem Discounter bei. Die Debatte über polnische Wurst sei «kurzsichtig und schädlich, auch für deutsche Schweinehalter», sagt VDF-Geschäftsführerin Heike Harstick. Wer den Eindruck erwecke, dass Schweinefleisch aus Ländern mit ASP gefährlich sei, stelle die Wirksamkeit der gesetzlichen ASP-Maßnahmen in Frage. Dafür aber gebe es keinen Grund. «Die Festlegung von Restriktionsgebieten ist in der gesamten EU so gestaltet, dass eine Verbreitung der Seuche über Fleisch von Hausschweinen, das amtlich für genusstauglich erklärt ist und damit im gesamten Binnenmarkt frei verkehrsfähig ist, ausgeschlossen wird.»

Ob das 100-prozentige Sicherheit bringt, wie die Landwirte fordern, bleibt dennoch offen. «Wer tonnenweise Rohstoff einkauft, müsste Tausende von Schweinen prüfen, um absolute Sicherheit zu haben. Das wird nie gehen, es wäre auch zu kostenintensiv», sagt Veterinär Otto Hornstein vom Schweinegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg. «Eigentlich dürfte ja auch gar nichts in die Lebensmittelkette gelangen, aber es passiert eben doch auch immer wieder.» Hornstein und seine Kollegen führen deshalb vorsorglich für die Landwirte Info-Veranstaltungen durch. «Außer die Bestände selbst zu sichern, können wir nichts machen», sagt er.

Dass nicht nur Wildschweine das Virus weitertragen, sondern auch der Mensch ein großer Risikofaktor ist, zeigt ein Blick auf die Landkarte. In Polen ist der Nordosten des Landes betroffen. Mehr als 300 Kilometer südlich gibt es einen weiteren Ausbruch im östlichen Tschechien. Dazwischen: schweinepestfreie Zone. Dass der Erreger von Menschen über diese Distanzen von 300 bis sogar 1000 Kilometern transportiert wurde, gilt als so gut wie sicher.

Für die Fernfahrer und Saisonkräfte aus ASP-Gebieten wie Polen, Russland und der Ukraine hat das Bundeslandwirtschaftsministerium an Raststätten nun mehrsprachige Hinweisplakate angebracht mit dem Aufruf, Essensreste unbedingt in geschlossene Mülleimer zu entsorgen. Das Virus überlebt gerade in Wurst und sogar in tiefgekühltem Fleisch ausgezeichnet - es hält sich monatelang, sagt Elke Reinking vom FLI.

Sie glaubt, dass die Afrikanische Schweinepest Deutschland durchaus treffen kann - wenn auch nicht wegen der Wurst von Lidl. «Wir sehen derzeit eine neue Dynamik bei der Verbreitung der Seuche. Wir wissen nicht, ob sie kommt oder wann. Aber wenn man sich die Zahlen anschaut, kann es durchaus sein.» Wie Tierarzt Hornstein empfiehlt auch sie: «Jetzt ist es die Zeit für Schweinehalter, vorzusorgen und zu schauen, ob man sich an die Schweinehaltungshygieneverordnung hält. Durch Hygiene hat man gute Voraussetzungen, seine Tiere zu schützen.»

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So, 2018-02-18 04:02Stuttgart (dpa)

Afrikanische Schweinepest: Kritik an Import polnischer Rohwurst

Stuttgart (dpa) - Ein Wurst-Angebot des Discounters Lidl hat für Ärger bei deutschen Schweinewirten gesorgt. Das Fleisch für Wurstwaren der Lidl-Eigenmarke «Kuljanka» - darunter Rohwurst - stammt zum Teil aus Polen, wo derzeit im Nordosten die Afrikanische Schweinepest wütet. Sie breitet sich in Osteuropa immer schneller aus. Lidl teilte mit, die Rohstoffe stammten aus nicht betroffenen Gebieten und unterliefen zudem strenge Qualitätskontrollen. Unterstützung erhielt der Discounter vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Es spreche nichts gegen ganz normale Lebensmittel aus jenen Regionen in Polen, die nicht von der Krankheit betroffen sind.

Verwirrung entstand wohl auch deshalb, weil das Bundeslandwirtschaftsministerium schon länger vor infizierten Wurst- und Fleischwaren warnt, die durch Fernfahrer und Saisonkräfte aus Osteuropa nach Deutschland mitgebracht werden könnten. Hier bestünde die Gefahr, dass Essensreste an Raststätten von Wildschweinen gefressen werden, die das Virus dann weiter verbreiten.

Menschen erkranken generell nicht an dem Erreger. Dennoch ist er gefürchtet, vor allem von Landwirten. Denn schon beim ersten Nachweis in Deutschland würde der Export von Schweinefleisch in Länder außerhalb der EU wie etwa nach China zum Erliegen kommen.

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So, 2018-02-18 04:00München (dpa)

Siemens-Chef Kaeser: Jobabbau nur Vorgeschmack auf Industrie-Wandel

München (dpa) - Die Einschnitte im Kraftwerksgeschäft von Siemens sind aus Sicht von Konzernchef Joe Kaeser nur ein Vorgeschmack auf die Folgen des tiefgreifenden Wandels der Industrie. «Das, was wir bei uns heute an Strukturveränderungen im fossilen Energieerzeugungsumfeld bewältigen, das wird in fünf bis zehn Jahren im Vergleich zu den Auswirkungen der industriellen Digitalisierung eher als Randnotiz gewertet werden müssen», sagte Kaeser der Deutschen Presse-Agentur am Rande der Sicherheitskonferenz in München. Siemens gehe diese Themen vorausschauender und proaktiver als viele andere Unternehmen in Deutschland an.

Siemens plant in der Kraftwerks- und Antriebssparte den Abbau von weltweit 6900 Arbeitsplätzen, den Löwenanteil davon in der unter Nachfrageschwäche und Preisdruck leidenden Kraftwerksparte. Etwa die Hälfte davon betrifft Jobs in Deutschland.

Das Unternehmen hatte auch Standortschließungen angekündigt, darunter für das Werk im sächsischen Görlitz mit rund 720 Beschäftigten. Als mögliche Lösung ist mittlerweile aber auch mit der Politik ein «Industriekonzept Oberlausitz» im Gespräch.

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So, 2018-02-18 04:00Berlin (dpa)

Gegen Stress 'ne Tüte? Kiffende Promis und Jugendliche mit Psychosen Von Gisela Gross, dpa

Ab und an ein Joint, um Songs zu schreiben oder um abzuschalten - viele Prominente machen daraus keinen Hehl. Es gibt aber auch eine Kehrseite, die insbesondere Jugendliche zu spüren bekommen. Davor warnen Experten.

Berlin (dpa) - «Jedem mit Stress-Syndrom empfehle ich Yoga, Faulsein und 'ne Tüte.» Sie kiffe gern mal ab und zu, gab Fernseh-Kommissarin Maria Simon («Polizeiruf 110») einmal in einem Interview zu Protokoll. Ihre Kollegin Maria Furtwängler erzählte, sie habe als Schülerin gelegentlich gekifft und selbst Pflanzen angebaut. Schauspieler Jan Josef Liefers aß zwar nach eigenen Worten schon mal zu viele Haschkekse, er schätze aber auch die entspannende Wirkung.

Kreativität, Entspannen, ein intensiveres Leben - damit verbinden manche Promis die Droge. In einer aktuellen YouGov-Umfrage zeigen sich die Menschen in Deutschland kritischer: Nur vier Prozent der Befragten halten Cannabis für harmlos, mehr als zwei Drittel gaben an, noch nie gekifft zu haben. Auch Experten warnen im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur vor der heftigen Rauschwirkung heutiger Züchtungen und den Folgen für junge Konsumenten.

In den USA allerdings werden spätestens mit der Freigabe von Cannabis in mehreren Bundesstaaten nicht mehr nur die Reggae-Legende Bob Marley und Rapper wie Snoop Dogg mit Gras in Verbindung gebracht. Schauspielerin Jennifer Lawrence zum Beispiel ging schon einmal bekifft zu einer Oscar-Verleihung, wie sie sagte. Musiker John Mayer bekannte, inzwischen Cannabis dem Alkohol vorzuziehen - dadurch sei seine Lebensqualität gestiegen.

Ob das die zumeist jungen Patienten von Andreas Bechdolf auch von sich behaupten können? Vermutlich nicht - denn sie hören Stimmen oder fühlen sich verfolgt. Um die Angstgefühle in den Griff zu bekommen, kiffen manche Betroffene weiter. Die Wahnvorstellungen treten nicht zwangsläufig nur ein, wenn die Konsumenten gerade high sind, sie sind manchmal auch eine Spätfolge nach einer Phase regelmäßigen Konsums, wie Bechdolf sagt. Er ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Vivantes-Klinikum in Kreuzberg und behandelt mit Kollegen pro Jahr bis zu 900 Menschen mit psychotischen Symptomen. Etwa 80 Prozent derer, die zum ersten Mal Hilfe im Frühinterventionszentrum «FRITZ» des Klinikums suchen, wiesen einen relevanten Cannabis-Konsum auf.

Bechdolf gehört dennoch nicht zu den Experten, die Cannabis generell verteufeln: «Für einzelne Menschen, die mit Psychosen zu tun haben, hat der Konsum sehr negative Folgen, sie sollten es unbedingt lassen. Und für andere ist es unproblematisch», sagt er. Diese Differenzierung sei Jugendlichen in der Prävention, aber auch den Betroffenen sehr schwer zu vermitteln, sagt Bechdolf.

Der Psychiater erzählt von Konsumenten, die bereits im Hier und Jetzt deutlich negativ beeinträchtigt sind, ohne selbst wahrzunehmen, dass ihre Probleme etwa in der Schule im Cannabis-Konsum wurzeln. «Sie können sich schlechter konzentrieren, haben häufig mit der Stimmung Probleme, sind niedergedrückt. Angststörungen und Depressionen kommen häufiger vor.» Wer als Jugendlicher ans Kiffen gewöhnt ist, lernt nach seiner Einschätzung oft nicht, mit unangenehmen Gefühlen umzugehen und Konflikte zu bewältigen. Die einzige erlernte Möglichkeit, um die eigene Stimmung zu regulieren, sei das Kiffen.

Sorgen bereiten dem Mediziner zudem jene Konsumenten, die vor dem 15., 16. Lebensjahr mit dem Kiffen anfangen. «Die haben ein bis zu sechsfach erhöhtes Risiko, hinterher an einer Psychose zu erkranken», sagt Bechdolf. Hintergrund ist, dass der Stoffwechsel im Gehirn durcheinandergerät. Auch Stress, Konflikte und die genetische Veranlagung spielen beim Entstehen von Psychosen eine Rolle.

Wenn es um Cannabis geht, sei Eltern und Lehrern ein weiterer Aspekt oft unbekannt, was zu einer Verharmlosung des Kiffens beitrage, sagt Kerstin Jüngling von der Fachstelle für Suchtprävention in Berlin. Anders als früher enthielten die heutigen Züchtungen deutlich höhere Mengen des berauschenden Wirkstoffs THC. Gesenkt hätten die Züchter dagegen den Gehalt des psychosehemmenden Wirkstoffs Cannabidiol. Das Ziel sei mehr Rausch fürs Geld, fasst Jüngling zusammen. Auflagen zu Wirkstoffgehalten hält sie für dringend geboten - «aber das kann man natürlich nur, wenn man die Abgabe reguliert».

Jüngling fragt sich allgemein, warum Menschen in Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Italien oder der Schweiz überhaupt relativ viel Rausch zu brauchen scheinen - auch beim Umgang mit Alkohol. Sie vermutet hohen Druck im Arbeitsleben und in der Gesellschaft als Grund. Jugendliche spürten das. «Die sagen dann, sie steigen da aus, wenn sie sich überfordert fühlten», sagt sie. «Bei Überforderung macht Kiffen Sinn.»

Daneben scheinen das Image von Cannabis und der Reiz des Verbotenen gerade am Anfang bei Jugendlichen eine Rolle zu spielen: «Es erscheint cool, zu konsumieren, ein bisschen als Verstoß gegen dieses Bürgertum», sagt Bechdolf. Kerstin Jüngling sieht neben Menschen, die sich bewusst über das Verbot hinwegsetzen, auch einige unwissende Gruppen. Es komme vor, dass Cannabis nach Alltagsbeobachtungen - etwa ungeahndetes Kiffen an der Bushaltestelle - für legal gehalten wird.

«Und gleichzeitig gibt es keine strukturierte Prävention», bemängelt Jüngling. Apps und Flyer reichten dabei nicht aus - wichtig sei es, Jugendliche im Dialog etwa im Sportverein oder bei Kulturangeboten zum Nachdenken zu bringen - über die Motive des eigenen Konsums, aber auch über mögliche Folgen, etwa für die Führerscheinprüfung.

Und die Promis? Manche sind inzwischen im Cannabis-Geschäft aktiv. Mit dem früheren Box-Weltmeister Mike Tyson ist ein Ex-Sport-Star an einer Marihuana-Farm in Kalifornien beteiligt. Snoop Dogg verkauft Cannabis unter seinem eigenen Markennamen. Schauspieler Woody Harrelson («True Detective») wurde die Lizenz für den Marihuana-Anbau zwar verweigert - er behauptet aber, dass Sex und Drogen ihm früher bei der Selbstfindung geholfen und ihn klüger gemacht hätten.

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Sa, 2018-02-17 23:30Berlin (dpa)

Grüne schlagen kostenlose Busse und Bahnen für Kinder vor

Berlin (dpa) - Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hält den Vorstoß der Bundesregierung für kostenlose Busse und Bahnen im Kampf gegen zu schmutzige Luft in den Städten für unausgegoren - und fordert, nur Kinder und Jugendliche kostenlos fahren zu lassen. Das sei «machbar und sinnvoll», sagte er der «Bild am Sonntag».

Seine Partei fordere jedes Jahr eine Milliarde Euro für den Nahverkehr, um ihn auszubauen und fit zu machen. «Parallel sollte der Bund die Mobilität von jungen Leuten fördern. Für alle Kinder und Jugendlichen muss der Nahverkehr bundesweit kostenfrei sein.»

Finanziert werden solle der kostenlose Nahverkehr für alle Kinder und Jugendlichen aus den derzeitigen Geldern für die Schülertickets und aus dem Bundeshaushalt.

67 Prozent der Deutschen würden Bus und Bahn stärker nutzen, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel kostenlos wären. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die «BamS». 31 Prozent sagten, sie würden das nicht tun. Zwei Prozent waren unsicher oder machten keine Angabe.

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Sa, 2018-02-17 19:21Berlin (dpa)

Gegendemonstranten blockieren rechten «Frauenmarsch» in Berlin

Für Frauenrechte wollen sie demonstrieren - sagen sie. Der «Frauenmarsch zum Bundeskanzleramt» ist allerdings aus dem AfD-Umfeld organisiert worden und richtet sich vor allem gegen die «fatale Flüchtlingspolitik der Altparteien».

Berlin (dpa) - Rund 900 Menschen haben am Samstag in Berlin gegen einen rechten «Frauenmarsch zum Bundeskanzleramt» demonstriert. Mit einer Blockade wurde der Marsch am Nachmittag in der Friedrichstraße für mehrere Stunden von den Gegendemonstranten gestoppt, wie die Polizei mitteilte. Schließlich beendeten die Veranstalter des «Frauenmarsches» ihre Veranstaltung offiziell. Doch ließen sich die Teilnehmer am Ende nicht von einer Abschlusskundgebung am Kanzleramt abhalten.

Der Polizei zufolge nahmen an dem von AfD-Mitglied Leyla Bilge angemeldeten «Frauenmarsch» rund 500 Menschen teil. Bilge, die etwa im vergangenen Herbst bei einer Pegida-Veranstaltung auftrat, wollte mit dem «Frauenmarsch» nach eigenen Angaben für Frauenrechte demonstrieren. «Wir sind hier in Deutschland im 21. Jahrhundert, es darf keinen Rückfall ins Mittelalter und schleichenden Einführung der Scharia geben», hieß es auf der Facebook-Seite des Marsches. Eingeladen sei jeder, der gegen die «fatale Flüchtlingspolitik der Altparteien» sei. Die Gegendemonstranten warfen den Initiatoren Rassismus unter dem Deckmantel des Feminismus vor.

Die Polizei stand am Nachmittag mit gepanzerten Einheiten zwischen den beiden Gruppen. Dabei hatte die Polizei begonnen, vereinzelt die Identitäten der Gegendemonstranten festzustellen, sagte der Sprecher. Im Anschluss daran könnten einzelne Personen auch in Gewahrsam genommen werden. Die Gegendemonstrationen seien zwar inzwischen als solche anerkannt und somit prinzipiell legal, sagte der Sprecher. Die Blockade der angemeldeten Route des Frauenmarsches sei jedoch strafbar.

Auf Videos im Internet waren Rangeleien und Wortgefechte zwischen Gegendemonstranten und Polizisten zu sehen. Lutz Bachmann, Gründer des islamfeindlichen Bündnisses Pegida, war ebenfalls vor Ort und filmte bei dem «Frauenmarsch» mit seinem Handy. Auf Schildern der «Frauenmarsch-Teilnehmer» stand etwa: «Meine Mutter ist die Sprache, mein Vater ist das Land. Für die Zukunft meiner Tochter leiste ich hier Widerstand.» Viele Deutschland-Fahnen waren zu sehen.

Auf Schildern der Gegendemonstranten war etwa zu lesen «Für Frauenrechte kämpfe ich nur ohne rechte Frauen», «Nicht in unseren Namen. FCK AfD» oder «Feminismus bleibt antirassistisch». Auf Twitter postete etwa der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele ein Foto von sich und den Berliner Grünen-Politikerinnen Canan Bayram und Katrin Schmidberger und schrieb: «Gegen Rassismus und für Feminismus auf der Straße».

Gegen 18.30 Uhr hatten sich beide Demonstrationen auf Höhe des Checkpoints Charlie weitgehend aufgelöst. Rund 300 Teilnehmer des «Frauenmarsches» zogen dennoch weiter zum Kanzleramt, um dort ihre Abschlusskundgebung zu halten. Die Polizei war weiterhin mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die Lage habe sich jedoch entspannt, hieß es. Demnach waren auch Gegendemonstranten am Bundeskanzleramt, jedoch nicht so viele wie zuvor am Checkpoint Charlie.

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Sa, 2018-02-17 14:16Berlin (dpa)

Polizei: Einhaltung von Diesel-Fahrverboten nicht zu kontrollieren

Berlin (dpa) - Mögliche Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten sind aus Sicht der Polizeigewerkschaften wegen fehlender Kontrolle nicht durchzusetzen. «Wir müssen uns angesichts der Personaldecke auf Kernaufgaben beschränken», sagte der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, der «Welt am Sonntag». «Wer glaubt, dass wir solche Verbote dauerhaft durchsetzen können, der irrt.» Denkbar seien bestenfalls Stichproben. Dabei mache es keinen Unterschied, ob Fahrverbote mit oder ohne Einführung einer neuen blauen Plakette erfolgten.

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft betonte, man habe nicht das Personal, um neben dem Schutz der Bevölkerung auch noch Fahrverbote durchzusetzen. «Wir haben keine Hundertschaften im Keller, die nur auf neue Aufgaben warten», sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt der Zeitung. «Das ist nicht kontrollierbar und damit auch nicht durchsetzbar.»

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig verhandelt am 22. Februar über die Frage, ob Diesel-Fahrverbote rechtlich zulässig sind. In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte nicht eingehalten, Diesel-Autos gelten als Hauptverursacher.

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Sa, 2018-02-17 13:33Austin (dpa)

Stress bei Mäuse-Vätern wirkt sich auf Gehirn des Nachwuchses aus

Austin (dpa) - Stress bei Mäusemännchen wirkt sich über das Sperma auf das Gehirn ihres Nachwuchses aus. «Der vom Vater erlebte Stress programmiert die Nachkommen um», sagte die Neurologin Tracy Bale von der University of Maryland am Freitag (Ortszeit) bei der Wissenschaftskonferenz AAAS im texanischen Austin. «Die Gehirne des Nachwuchses werden verändert.» Dieser Effekt trete auch dann auf, wenn der Stress des Männchens bei der Zeugung schon mehrere Monate zurückliege. Die Ergebnisse bestätigen ähnliche Ergebnisse aus den vergangenen Jahren.

Weiblicher Nachwuchs sei in der gleichen Weise betroffen wie männlicher. Ursache für die Übertragung auf die nächste Generation sei eine Veränderung der Ribonukleinsäure (RNA) im Sperma der Mäuseväter. «Den genauen Effekt kennen wir noch nicht», sagte Bale. «Wir vermuten, dass es evolutionär darum gehen könnte, dass die Väter ihre Kinder fitter machen, so dass sie weniger stark auf Stress reagieren.» Andere Studien hatten unter anderem gezeigt, dass eine fettreiche Ernährung über das Sperma den Stoffwechsel der Nachkommen eines Mäusemännchens negativ beeinflussen kann.

Bale und ihr Team stressen Mäuse über längere Zeiträume, indem sie ihnen etwa zu verschiedenen Uhrzeiten immer wieder neue Objekte in den Käfig legen. Seit kurzem untersuchen die Forscher menschliches Sperma auf ähnliche Veränderungen wie die bei den Mäusen gefundenen.

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Sa, 2018-02-17 13:22Berlin (dpa)

AfD-Fraktionschefin Weidel: Yücel ist «antideutscher Hassprediger»

Berlin (dpa) - Die AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Alice Weidel, hat den aus türkischer Haft freigelassenen Journalisten Deniz Yücel einen «antideutschen Hassprediger» genannt. Auf Facebook schrieb Weidel am Samstag, Yücel als «deutschen Journalisten» zu bezeichnen, seien «zwei Fakenews in einem Satz». Weiter heißt es: «Ein unser Land regelrecht hassender "Journalist", der nicht nur einmal die Grenzen des guten Geschmacks verließ, sollte eigentlich keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.»

Weidel bezog sich dabei auf frühere Artikel Yücels, in denen er vom «Deutschensterben» geschrieben und dem umstrittenen Autor Thilo Sarrazin einen Schlaganfall gewünscht habe. Am Freitag hatte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen erklärt, er hoffe, dass Yücel die Zeit im Gefängnis zur Besinnung genutzt habe, um solche «menschenfeindlichen, zynischen Sprüche, wie er sie in der Vergangenheit häufiger getätigt hat, nicht mehr zu bringen.»

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