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(Aktualisierung: Mit Mitteilung aus Rom) (Zusammenfassung 1700) Urlaub trotz Krise: Hoffnungen in Reiseländern und Hygienekonzepte Von Anne Pollmann, Michel Winde und Takis Tsafos, dpa (Foto - aktuell und Archiv vom 10. und 11.5.)

Ist der Sommerurlaub noch zu retten? In dieser Woche will die
EU-Kommission Leitlinien für die schwer getroffene Tourismusbranche
vorlegen. Schon jetzt laufen europaweit etliche Bemühungen.

Brüssel/Berlin (dpa) - Der Sommerurlaub steht für viele Menschen kurz
vor der Tür - wäre da nicht die Corona-Krise. Wie der Urlaub trotz
Pandemie aussehen könnte, darüber wird derzeit europaweit diskutiert:
Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, lotet mit
einigen EU-Staaten Möglichkeiten aus, in Südtirol bereiten sich die
Hotels auf deutsche Touristen vor.

Nach Angaben aus Rom schließt Bareiß Abkommen mit einzelnen Ländern
über Touristenkorridore aber aus. Statt bilateraler Abkommen sei eine
gemeinsame europäische Lösung notwendig, habe der deutsche Politiker
in einem Gespräch mit dem italienischen Ressortchef Dario
Franceschini betont, teilte das Ministerium für Kultur und Tourismus
am Montag in Rom mit.

Auch in Brüssel werden Pläne geschmiedet, wie europäischer Urlaub in
dem Pandemie gelingen kann. Die EU-Kommission will an diesem Mittwoch
Empfehlungen für die schwer von der Pandemie getroffene
Tourismusbranche vorlegen.

Die Sozialdemokraten im Europaparlament legen schon vorher einen
Vorschlag zur Rettung des Sommerurlaubs vor: ein EU-weit
einheitliches Hygienezertifikat für Hotels und Resorts. «Menschen,
die bereit sind, in den Urlaub zu fahren, werden nach einer
Orientierung schauen, wie das Infektionsrisiko minimiert werden
kann», heißt es in einem Positionspapier des SPD-Europapolitikers
Ismael Ertug, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

«Wenn wir in den Urlaub fliegen oder fahren, wollen wir sicher sein,
dass das gebuchte Hotel Maßnahmen zum Schutz vor Infektion getroffen
hat», sagte der Vize-Fraktionschef. «Solche gemeinsamen
Schutzstandards sollten durch ein Europäisches Tourismuszertifikat
sichtbar sein.» Dies trage zudem dazu bei, dass verantwortungsvolle
Anbieter nicht durch unseriöse Hotels aus dem Markt gedrängt würden.
Ein solche Zertifikat solle europaweite Hygienestandards festlegen
und von staatlichen Behörden oder Prüforganisationen wie dem Tüv oder
der Dekra ausgestellt werden können, heißt es in dem Papier.

Zustimmung zu dem Vorschlag kam vom Deutschen Reiseverband (DRV).
«Ziel aller Überlegungen - europäisch wie national - muss es sein,
zeitnah einen sicheren Weg zur Urlaubsreise zu ebnen - in
Deutschland, Europa und der Welt», sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig
dem «Handelsblatt». Dazu bedürfe es europäischer wie nationaler
Initiativen.

Die Hotels sollen nach dem Vorschlag auf etliche Aspekte geprüft
werden: Ertug nennt unter anderem ausreichende Möglichkeiten zur
Desinfektion und Reinigung, das Einhalten von physischer Distanz, das
Fiebermessen neuer Gäste, mehrsprachige Informationen etwa per App
sowie Lebensmittelhygiene während der Mahlzeiten. Buffets könne es
zwar geben, aber die Ausgabe der Speisen dürfe nur durch das Personal
erfolgen. Um Personal für zusätzliche Aufgaben zu gewinnen, sollten
andere Tätigkeiten weiter automatisiert werden - etwa das
Geschirrwaschen oder die Müllentsorgung.

Zudem dringen die Sozialdemokraten im EU-Parlament auf einen
europäischen Reisegarantiefonds. Dieser solle Gutscheine, die für
ausgefallene Flüge und Pauschalreisen ausgestellt werden, gegen die
Insolvenz der Unternehmen absichern. Nach EU-Recht müssen
Pauschalreisen und Flugtickets eigentlich zeitnah erstattet werden.
Ein solche Fonds könnte die Gutscheinlösung für Verbraucher
attraktiver machen und die Liquidität von Firmen sichern.

Auf die Idee eines europäischen Fonds ging EU-Verkehrskommissarin
Adina Valean am Montag bei einer Befragung im Umweltausschuss des
EU-Parlaments nicht ein, sondern bekräftigte ihre Position:
Passagiere sollen das Recht auf Erstattung haben, wenn sie keinen
Gutschein möchten. Die EU-Staaten könnten aber Gutscheine für
Verbraucher attraktiver machen.

Für den Fall, dass die EU-Staaten sich nicht auf einheitliche
Reise-Regeln einigen können, hat Griechenland nach Regierungsangaben
Kontakte mit Israel, Zypern, Österreich, Australien, Bulgarien und
anderen Staaten aufgenommen. Ziel ist es, auf bilateraler Ebene
Regeln für Reisen auszuhandeln, damit der Fremdenverkehr wieder
starten kann. «Die freie Bewegung ist eine der Grundlagen der EU und
kann nicht länger ignoriert werden», sagte Regierungssprecher Stelios
Petsas in Athen. Griechenland befürchtet katastrophale Folgen für die
überaus wichtige Tourismusindustrie.

Auch die Reiseveranstalter werden aktiv: Tui hat ebenfalls einen Plan
für die Wiederaufnahme des Hotelbetriebs entwickelt - von der Buchung
im Reisebüro bis zur Exkursion am Urlaubsort. Befragungen der Kunden
wiesen klar darauf hin, «dass Sicherheit und Hygiene in Zeiten nach
dem Lockdown an allererster Stelle stehen», teilte der Konzern mit.

Der Landeshauptmann von Südtirol, Arno Kompatscher, rechnet damit,
dass deutsche Touristen vom Sommer an wieder in die italienische
Provinz reisen können. Im Bayerischen Rundfunk sagte er, er hoffe,
dass die Reisefreiheit von Juni an und spätestens im Juli zumindest
teilweise wieder hergestellt sei. «Die Hotels bereiten sich vor.»

Den Hotels, die coronabedingt nicht alle Urlauber aufnehmen können,
empfahl der Toruismusbeauftragte Bareiß, Frühbucher und Stammgäste
bevorzugt zu behandeln. «Vor Ort muss geschaut werden, welche Gäste
wirklich längerfristig gebucht haben», sagte Bareiß im
RTL/ntv-«Frühstart». Bislang seien die Hotels aber nur zu 70 oder 80
Prozent ausgebucht.

Bareiß sagte mit Blick auf Gespräche mit den Tourismusministern
Griechenlands und Italiens, gemeinsam entwickele man Reise- und
Sicherheitskonzepte. Auch er hoffe auf eine schrittweise
Grenzöffnung, «sodass wir dann im Sommer Urlaub machen - nicht nur in
Deutschland, sondern dass Urlaub auch in Europa möglich ist».

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