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London/Boston (dpa) - Verdienen schöne Menschen besser als weniger attraktive Kollegen? Eine neue Studie stellt die seit Jahren vorherrschende These einer «Schönheitsprämie» zumindest für den US-Arbeitsmarkt in Frage. Oft verdienten die am wenigsten attraktiven Menschen sogar mehr als besser aussehende, schreibt das Team um Satoshi Kanazawa von der London School of Economics im «Journal of Business and Psychology».

Merkmale wie Gesundheit, Intelligenz und günstige Persönlichkeitsfaktoren seien stattdessen ausschlaggebend für bessere Bezahlung. Grundlage der Resultate ist eine Langzeitstudie mit über 20 000 jungen Amerikanern. Andere Experten bemängeln den Studienaufbau. So sei der Anteil der sehr unattraktiven Menschen in der Probandengruppe viel zu klein gewesen.

Ein süßes Lamm sorgte vor 20 Jahren für eine wissenschaftliche Sensation - und machte zugleich vielen Menschen Angst. Was mit dem Bergschaf Dolly anfing, entwickelte sich schnell zum Klontier-Zoo.

Edinburgh/München (dpa) - Ein bisschen verschmitzt scheint Dolly die Besucher des Royal Museums im schottischen Edinburgh anzuschauen. Am 23. Februar vor 20 Jahren gab es erste Berichte über die Geburt des äußerst ungewöhnlichen Bergschafs, das jetzt ausgestopft in einer Vitrine steht. Dolly - benannt nach der Country-Sängerin Dolly Parton - war der erste Klon eines erwachsenen Säugetiers. Das süße Lamm schürte Ängste und löste weltweit eine Grundsatzdiskussion über Ethik in der Wissenschaft aus. Würde es künftig Klon-Menschen geben?

Dolly ist die Kopie eines Säugetieres und hat keinen biologischen Vater. Sie entstand mit Hilfe des somatischen Zellkerntransfers (SCNT). Um den Klon zu schaffen, entfernten Forscher um Ian Wilmut und Keith Campbell vom Roslin-Institut bei Edinburgh bei einer Eizelle den Zellkern, in dem die Erbinformation steckt. An seiner Stelle platzierten sie den Zellkern einer Körperzelle. Die veränderte Eizelle wurde dann in einer Nährlösung zur Teilung angeregt und einer Ersatzmutter eingepflanzt.

Auf Dolly folgte ein wahrer Klontier-Zoo - etwa aus Pferden und Rindern für die Zucht. «In den USA wird zum Beispiel das Sperma von geklonten Bullen verkauft», sagt Christoph Then vom Institut Testbiotech in München, das sich mit den Folgen der Gen- und Biotechnologie beschäftigt. «Es gibt dort auch Firmen, die in begrenztem Maße geklonte Rennpferde anbieten.» In Südkorea können trauernde Hundebesitzer Kopien ihrer verstorbenen Vierbeiner in Auftrag geben; auch besonders erfolgreiche Drogenschnüffelhunde werden geklont. China meldete die Geburt einer Klon-Kuh, die zusätzlich mit einem Gen ausgestattet worden war, um die Fleischqualität zu steigern.

Davon ist man in Deutschland weit entfernt. Hier wird das Klonen vor allem für die medizinische Forschung eingesetzt. So werden an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München zum Beispiel Schweine geklont, die an Diabetes oder Mukoviszidose erkrankt sind. «Man kann an diesen Tieren testen, wie die Krankheit verläuft und ob Medikamente wirken. Das ist eine sehr wichtige Ergänzung zu Experimenten mit Mäusen», so Eckhard Wolf vom Genzentrum der LMU.

Für solche Tiermodelle verändern Wissenschaftler häufig auch die Erbsubstanz, um dem Klon gezielt neue Eigenschaften zu verpassen. Das kann zum Beispiel von beschleunigtem Wachstum bis hin zu Resistenzen gegen Krankheitserreger reichen.

Professor Wolf klonte als erster Wissenschaftler in Deutschland ein Säugetier: Das Kalb Uschi kam 1998 auf die Welt. «Uschi wurde mehrfache Großmutter und war klinisch gesund», berichtet er.

So gut erging es dem Klonschaf Dolly nicht, das am 5. Juli 1996 in Schottland geboren wurde. Erst Monate später gingen die Forscher mit ihrem wissenschaftlichen Durchbruch an die Öffentlichkeit. Dolly lebte - zum Schutz vor Klongegnern und Hagelkörnern - in einem streng bewachten Betonblock und zerkaute Pillen mit Nahrungskonzentrat. Gras zupfen durfte es nicht. Doch das Tier kränkelte: Gelenkbeschwerden und ein Lungenleiden machten ihm zu schaffen. Dolly musste schließlich im Alter von nur sechs Jahren eingeschläfert werden. Normalerweise werden Schafe im Durchschnitt fast doppelt so alt.

Doch wie auch Uschi zeigt: Das muss kein typisches Schicksal eines Klon-Tiers sein. Forscher um Kevin Sinclair von der Uni Nottingham machten einen Gesundheitscheck bei 13 geklonten Schafen im Alter von sieben bis neun Jahren. Das entspricht einem Menschenalter von etwa 60 bis 70 Jahren. Vier der Tiere namens Debbie, Denise, Dianna und Daisy stammen aus derselben Zelllinie wie Dolly, besitzen also das gleiche Genmaterial. Die Schafe zeigten keine Zeichen frühzeitigen Alterns. Klon-Tiere könnten ein langes und gesundes Leben führen, schrieb das Team im Fachjournal «Nature Communications».

Dennoch gibt es viel Kritik am Klonen von Tieren, auch weil viele Versuche scheitern und dabei Embryonen sterben. «Ich bin aus Tierschutzgründen dagegen», sagt Then von Testbiotech. «Die Vielfalt wird reduziert», lautet eines seiner Argumente. Für besonders wichtig hält der promovierte Tierarzt mit Blick auf Klon-Fleisch die Transparenz und Wahlfreiheit für den Verbraucher: «In Großbritannien sind bereits geklonte Tiere in den Handel gelangt.»

Ein Horrorszenario für viele Kritiker ist die Erschaffung eines Klon-Menschen. Die Raelianer-Sekte hatte vor Jahren lauthals verkündet, solche menschliche Kopien seien bereits geboren und unter uns - gesehen hat man sie allerdings nie und Experten hatten auch damals schon den Wahrheitsgehalt sehr stark angezweifelt.

Das Klonen von Menschen lehnt Wilmut übrigens strikt ab. «Wie soll ich damit klarkommen, mit jemandem zusammenzuleben, der genau so ist wie ich?», fragte er in einem Interview. «Ich glaube, die meisten von uns fänden es ziemlich schwierig, mit sich selbst zu leben.»

Bis heute treibt sein Motor rund um den Globus Autos, Lastwagen, Lokomotiven, Schiffe und Kraftwerke an. Rudolf Diesel kam aus eher ärmlichen Verhältnissen, wurde zu einem der bekanntesten Erfinder und starb unter rätselhaften Umständen.

Berlin (dpa) - Der Motor, der seinen Namen trägt, ist eine Jahrhundert-Erfindung: Am 27. Februar 1892 meldet Rudolf Diesel beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin eine «neue, rationelle Wärmekraftmaschine» zum Patent an. Ein Jahr später erhält Diesel dieses unter der Nummer 67207. Es ist der Anfang einer Weltkarriere. Ohne seinen Dieselmotor wären Menschen und Güter in der heutigen Welt längst nicht so in Bewegung.

Diesels Idee war, Luft im Motorbrennraum so großem Druck auszusetzen, dass sich der Kraftstoff von selbst entzündet. Dieselmotoren arbeiteten deutlich effektiver als andere Antriebe. Sie hatten anfangs einen Wirkungsgrad - das Maß, in dem der Motor die zugeführte Energie nutzen kann - von etwa 26 Prozent und übertrafen damit die Dampfmaschine um mehr als das Doppelte. Moderne Dieselmotoren erreichen inzwischen einen Wirkungsgrad von um die 50 Prozent.

Für den weltweiten Handel ist der Dieselmotor immer noch elementar, vor allem im Schiffsverkehr. Als Antrieb von Autos ist er zwar durch den VW-Abgas-Skandal in Verruf gekommen. Vor allem in Deutschland aber haben Dieselfahrzeuge immer noch einen hohen Marktanteil, wenngleich dieser im vergangenen Jahr etwas abnahm.

Rudolf Diesel wurde 1858 als Sohn eines süddeutschen Buchbinders in Paris geborenen. In den Wirren des deutsch-französischen Kriegs 1870/71 kam er als Flüchtling von der französischen Hauptstadt über London nach Augsburg. Diesel wurde Ingenieur. Mit der Idee seines Lebens - dem später nach ihm benannten Wärmemotor - stieß er zunächst auf große Skepsis.

Der Direktor der Maschinenfabrik Augsburg, eine der Wurzeln des Lastwagenbauers MAN, bot Diesel schließlich einen Entwicklungsvertrag an. Gemeinsam mit den damaligen Krupp-Werken in Essen wurde ein Versuchsmotor gebaut. Der Ingenieur war endlich seinem «Lebenstraum» nahe: den Menschen die schwere Arbeit vor allem in den Kleinbetrieben abzunehmen, wo Dampfmaschinen aus technischen Gründen kaum zum Einsatz kamen.

Die Reaktion auf Diesels Erfindung war enorm. Auf der Weltausstellung in Paris 1900 wurde der Motor mit dem «Grand Prix» ausgezeichnet. Ausländische Unternehmen schlossen Lizenzverträge für den Bau von Dieselmotoren. Ein Buch Diesels über die Lösung zur sozialen Frage aber wurde kritisch aufgenommen. Die Anstrengungen und Kämpfe seiner Erfinderkarriere machten Diesel gesundheitlich zunehmend zu schaffen.

Am 29. September 1913 kam der Erfinder ums Leben. Sicher ist nur, dass Rudolf Diesel an jenem Tag auf dem Schiff «Dresden» eine Kabine für eine Fahrt über den Ärmelkanal von Belgien nach England gebucht hatte. In der Nacht ging der 55-Jährige über Bord und ertrank. War es ein Unfall, Mord oder Suizid? Diesels Tod ist bis heute rätselhaft.

Das Kauen von Khatblättern ist Teil der jemenitischen Kultur. Doch der boomende Drogenkonsum hat fatale Folgen für Wirtschaft und Umwelt in dem Bürgerkriegsland, wo Millionen von Menschen Hunger leiden.

Sanaa (dpa) - Auf dem Schumaila-Markt im Süden der Hauptstadt Sanaa prüft Schajef al-Thibjani ein Bündel Khatblätter nach dem anderen. Dann nimmt er eins heraus. «Die beste Qualität ist das nicht, aber es reicht mir. Ich habe nur 1500 Rial (knapp 6 Euro), und ich werde sie alle für Khat ausgeben und dann bis zum Abend weiterarbeiten», sagt der Taxi-Fahrer der Deutschen Presse-Agentur.

Millionen von Männern, Frauen und Kindern im Jemen kauen Khat. Es ist Teil der Kultur. Obwohl Al-Thibjanis Einkommen kaum für seine vierköpfige Familie reicht, kann er die Gewohnheit nicht aufgeben. Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Probleme seines Landes bietet die Droge oft die einzige Entspannung.

«Ich habe in den letzten zwei Jahren angefangen, mehr Khat zu konsumieren, als sich die Lage im Land verschlechterte. Früher haben wir unsere Freizeit mit Reisen oder im Park verbracht. Das gibt's heute nicht mehr. An manchen Tagen muss ich Überstunden machen, um es bezahlen zu können», sagt er. «Khat lässt uns all unsere Sorgen vergessen.»

Beim Zerkauen von Khatblättern werden amphetamin-ähnliche Stoffe freigesetzt, durch die der Konsument ein Stimmungshoch erlebt. Zwar zählt die Weltgesundheitsorganisation WHO Khat nicht zu den ernsthaft süchtig machenden Drogen, aber für die wirtschaftliche und ökologische Situation des konfliktgebeutelten Landes ist sie fatal.

Der Bürgerkrieg begann Ende 2014 mit der Besetzung der Hauptstadt Sanaa durch schiitische Huthi-Rebellen, denen immer wieder die Unterstützung des Iran nachgesagt wird. Im März 2015 starteten dann Saudi-Arabien und seine sunnitischen Bündnispartner mit Luftanschlägen gegen die Aufständischen. Die Bombardements trafen auch immer wieder viele Zivilisten, Gesundheitseinrichtungen und die Infrastruktur des bitterarmen Landes.

Als Folge des Konflikts gilt nach UN-Angaben die Ernährungslage von rund 17 Millionen Menschen als unsicher. Demnach erleidet der Jemen eine der schlimmsten humanitären Krisen weltweit. Trotzdem pflanzen die Bauern lieber Khat an als Obst, Gemüse, Getreide und Kaffee, weil es mehr Geld bringt.

«Der Khatanbau blühte während des Krieges und soll mit der steigenden Nachfrage in den kommenden Jahren weiter wachsen», sagt der Khatbauer Saleh al-Hamadani. «In diesen harten Zeiten macht es die Jemeniten glücklich. Wenn wir Khat nicht hätten, wären sie langsam an dem Grauen zugrunde gegangen.»

Die Einwohner des Jemens gäben jedes Jahr umgerechnet 7,1 Millionen Euro für ihre Freizeit aus, einen großen Teil davon mache auch Khat aus, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Achmed Saeed al-Schamach. Seiner Meinung nach hat das Land nur eine Chance, wenn es neue Arbeitsplätze schafft und den Anbau von Nahrungsmitteln streng überwacht.

Khatsträucher werden normalerweise im Gebirge 1500 bis 2500 Meter über dem Meeresspiegel angebaut. Doch wegen der steigenden Nachfrage pflanzen die Bauern sie inzwischen auch weiter unten auf den Bergen. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums werden jedes Jahr vier bis sechs Hektar Khat mehr angebaut, wodurch die Nutzfläche für dringend benötigte Nahrungsmittel schrumpft.

Die Entwicklung sei «alarmierend», meint Wagih al-Motawakel, Mitarbeiter an der staatlichen Agrarforschungsbehörde. Die Kämpfe in der südwestlichen Provinz Tais und in den nordwestlichen Provinzen Saada und Hadscha hätten es für die Bauern schwerer gemacht, die höheren Regionen zu kultivieren. Das Landwirtschaftsministerium habe zwar vor einigen Jahren eine Strategie entwickelt, um den Khatanbau auf bestimmten Flächen zu verbieten. Diese sei aber nie umgesetzt worden.

Anders als in Saudi Arabien, wo Khat verboten ist, ist der Anbau und Verkauf der Pflanze im Jemen weiterhin legal. Jeder Markt hat eine Ecke, in der Bündel von Khat verkauft werden. Der Laden von Ali al-Omari ist fast immer voll mit Kunden, die unter den kleinen Tüten nach ihrer liebsten Sorte suchen. «Was soll ich machen, wenn ich aufhöre, Khat zu verkaufen? Soll ich betteln gehen?», fragt er und kaut weiter an seinen Blättern.

Die Vorschläge des SPD-Kanzlerkandidaten zum Arbeitslosengeld stoßen beim Koalitionspartner Union und bei der Wirtschaft auf Widerstand gestoßen. Ein Wirtschaftsexperte aber gibt ihm Recht.

Berlin (dpa) - Der Wirtschaftsexperte Peter Bofinger hat die Vorschläge des SPD-Kanzlerkandidaten zur Verlängerung des Arbeitslosengeldes I begrüßt. «Martin Schulz hat in einem Punkt Recht: Die Globalisierung darf nicht dazu führen, dass Sicherheit auf der Strecke bleibt. Das Risiko, über Hartz IV ins Bodenlose zu stürzen, empfinden viele Menschen als große Belastung», sagte er der «Nordwest-Zeitung» (Mittwoch).

Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung schlägt «eine Art Schadensfreiheitsrabatt» in der Arbeitslosenversicherung vor: «Man könnte den Anspruch auf Arbeitslosengeld I abhängig davon verlängern, wie viele Beitragsjahre der Versicherte hat. Wer 30 Jahre lang gearbeitet hat und noch nie arbeitslos war, könnte dann länger Arbeitslosengeld I beziehen.»

Die Linkspartei erneuerte ihre Forderung an die SPD, über die Vorschläge von Schulz noch vor der Bundestagswahl im September im Bundestag abzustimmen. «Es gibt im aktuellen Bundestag eine Mehrheit von SPD, Linken und Grünen», sagte Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht der «Rhein-Neckar-Zeitung» am Dienstag. «Skeptisch macht aber, dass die SPD soziale Forderungen regelmäßig in Wahlkämpfen entdeckt», fügte sie hinzu.

FDP-Chef Christian Lindner warf dem SPD-Kanzlerkandidaten hingegen eine «Politik der Trostpflaster» vor. Zwar halte er es für gut, dass Schulz die Vermögensverteilung in Deutschland ändern wolle. Aber Schulz verspreche den Menschen «ein Leben mit Stützrädern». Er bringe Deutschland um Zukunftschancen, wenn er die Agenda 2010 «abwickeln» wolle, sagte Lindner der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch). Die FDP wolle die Menschen nicht alimentieren, sondern ihnen ermöglichen, sich selbst etwas aufzubauen.

Als Weckruf an die CDU bezeichnete deren früherer Generalsekretär Heiner Geißler die SPD-Initiative. «Die CDU würde eine Riesendummheit begehen, die Pläne abzulehnen, nur weil sie von Schulz kommen», sagte der frühere Bundesminister der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch). «Einige wie der CDU-Mann Michael Fuchs und der CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer schrecken nicht vor dieser Dummheit zurück», kritisierte Geißler. Die Union solle sich daran erinnern, dass sie eine Volkspartei sei und kein Interessenverband der Arbeitgeber.

Die Wirtschaft und Koalitionspartner Union lehnen die Reformvorschläge von Schulz ab. «Wir haben die Arbeitslosigkeit seit 2005 halbiert. Was Kandidat Schulz fordert, gefährdet diesen Erfolg», sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber dem «Handelsblatt». Nötig sei dafür Flexibilität am Arbeitsmarkt, nicht eine längere Bezugszeit von Arbeitslosengeld. CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn kritisierte in der «Rheinischen Post» (Mittwoch): «Es wäre gut, wenn Herr Schulz aus Brüssel mehr für die Zukunft Deutschlands drauf hätte, statt immer nur die Erfolge der Vergangenheit abwickeln zu wollen.»

Ginge es nach Umweltschützern, wäre er wohl ein Kandidat für das «Unwort des Jahres». Doch ganz so einfach ist es mit dem Motor, den Rudolf Diesel vor 125 Jahren erfand, nicht. Die Antriebsart ist arg in der Defensive, aber auch fest im Verkehrssystem verankert. Noch.

Berlin (dpa) - Vom Welterfolg und Paradebeispiel deutscher Ingenieurskunst zum Fortschrittsbremser und ewigen Schmuddelkind? Der Diesel hat es nicht leicht heutzutage. Die Motortechnik - vor 125 Jahren (27.02.1892) von ihrem Erfinder Rudolf Diesel in Berlin zum Patent angemeldet - ist durch den millionenfachen Abgasbetrug bei VW in Verruf geraten. Und als wären die gefälschten Werte zum Ausstoß von Stickoxiden bei Modellen des Autokonzerns nicht schon genug, entbrannte in ganz Europa auch noch eine Debatte darüber, ob man den Selbstzünder nicht aus städtischen Umweltzonen verbannen sollte.

Nie zuvor gab es solch eine Aufregung um die lange als «Traktor» mit nagelndem Lärm verspottete Technik. Dabei ist der Diesel eine Antriebsart, die mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Geburt zumindest übergangsweise durchaus eine Zukunft haben dürfte. Das Image mag angekratzt, aber besonders moderne Varianten der «rationellen Wärmekraftmaschine» können ökologisch auch im Vorteil sein.

Der Präsident des Autoverbands VDA, Matthias Wissmann, glaubt, dass neue Technologien mit synthetischem Öko-Sprit «einen neuen Frühling» in den klassischen Motoren erleben können: «Wir werden auch 2030 noch hocheffiziente Verbrenner brauchen.» Die Nachfrage entwickelte sich zuletzt durchwachsen. 2016 war in Deutschland knapp jedes zweite neue Auto ein Diesel, der Marktanteil sank jedoch von 48 auf 45,9 Prozent.

Verglichen mit Ottomotoren ähnlicher Leistung kamen ältere Diesel bis zur Euro-5-Abgasnorm meist nicht um ein Dilemma herum: Die Senkung des Verbrauchs - und damit auch des Klimagases CO2 - gelang in der Regel besser als bei Benzinern, weil Dieselmotoren aufgrund der Selbstentzündung des Kraftstoffgemischs im Zylinder effizienter arbeiten. Dafür stoßen sie im Schnitt aber größere Mengen Stickoxide (NOx) aus, die bei hoher Konzentration als Atemgifte wirken können.

Auf Superbenzin ausgelegte Motoren konnten demgegenüber mit einer besseren NOx-Bilanz punkten, pusteten dafür mehr CO2 in die Luft. In den vergangenen Jahren hat sich die Technik allerdings stark weiterentwickelt. Während Benziner durch kleinere Hubräume bei gleichzeitiger Leistungssteigerung («downsizing») oft deutlich sparsamer und CO2-ärmer als herkömmliche Spritschleudern wurden, hievten Ingenieure den Diesel in erträglichere NOx-Bereiche.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die zunehmende Verbreitung der «Adblue»-Technik. Die Einspritzung von Harnstoff in den Abgasstrom führt dazu, dass der Katalysator besser läuft und mehr Stickoxide zu harmlosen Stoffen reagieren, bevor die Rückstände den Auspuff verlassen. Autoexperte Willi Diez sieht hier aber primär große Wagen vorn: «Bei kompakten Fahrzeugen ist der Diesel auf dem Rückzug.»

Dennoch muss der Diesel mit großer Skepsis kämpfen - angesichts des in den USA ausgebrochenen Abgas-Skandals zum Teil durchaus zu Recht. In den Vereinigten Staaten sind Behörden und Gesundheitspolitik traditionell besonders sensibel, wenn es um NOx oder Feinstaub geht.

In der EU hingegen sind vor allem strenge CO2-Regeln ein zentraler Pfeiler der Umweltpolitik. Nach dem Jahr 2020 dürfen die Flotten der Autohersteller in Europa nur noch durchschnittlich 95 Gramm des Treibhausgases pro gefahrenen Kilometer in die Atmosphäre blasen. Für die deutschen Autobauer sind Dieselfahrzeuge relativ betrachtet bisher ungleich bedeutender als für die Konkurrenz in Übersee.

Mit ihrer Forderung einer «blauen Plakette» für Wagen mit geringem NOx-Ausstoß konnte sich Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bislang nicht durchsetzen. Dabei läuft gegen Deutschland seit 2015 ein Vertragsverletzungsverfahren der EU, weil vielerorts Grenzwerte nicht eingehalten werden. Seit dem Dezember muss die Bundesregierung sich außerdem wegen zu laxen Vorgehens gegen Abgas-Tricksereien der Autokonzerne gegenüber der Kommission in Brüssel rechtfertigen.

Der Ausbau der Elektromobilität und von weiteren Alternativen wie Brennstoffzelle oder Erdgasmotor - so schleppend er derzeit auch noch läuft - wird die Marktanteile mittelfristig sicher verschieben, schätzt der scheidende Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber: «Wir planen jetzt den Großangriff.» Auf dem Weg dorthin werde man jedoch kaum auf moderne Diesel verzichten können. Auf dem Davoser Weltwirtschaftsforum stellte eine Allianz aus Autobauern und anderen Konzernen im Januar eine globale Initiative für Wasserstoffautos vor.

Ein Faktor beim Diesel sind neben dem häufig hohen Anschaffungspreis auch die Betriebskosten. Solange die Kfz-Steuer für Dieselautos über der für Benziner liegt, ist der Umstieg nur bedingt attraktiv. Andererseits wird Diesel heute noch geringer besteuert als Benzin.

Hinzu kommt, dass der Antrieb aus anderen Branchen nicht wegzudenken ist. Beispiel Schifffahrt: Auf den Weltmeeren fahren Containerriesen mit teils haushohen Diesel-Aggregaten. Der Ausstoß von Schadstoffen hat auch hier Umweltschützer auf den Plan gerufen - ein Punkt, der laut Nabu lange unterschätzt wurde: «Die Seeschifffahrt hat ein massives Abgasproblem», so der Naturschutzbund. Die Branche will daher weg von Schweröl und altem Diesel - und schrittweise sauberere Motoren einsetzen. Der Lkw-Verkehr dürfte ebenfalls mittelfristig auf Diesel angewiesen bleiben, Hybrid- oder Elektro-Laster erreichen keine größeren Stückzahlen.

Ausgedient hat der moderne Diesel also noch nicht. Peter Mock - Europa-Chef der Umweltorganisation ICCT, die den VW-Skandal mit aufdeckte - betont: «Ihn sauber zu bekommen, ist absolut möglich.»

Jüngst ermittelte eine Studie des Forscherverbunds, dass viele Pkw sogar in der modernsten Schadstoffklasse Euro 6 noch mehr giftige Stickoxide aus dem Auspuff blasen als neue Lastwagen oder Busse. Die Erben von Rudolf Diesel müssten sich insofern ranhalten, mahnt der Ex-Mitarbeiter der Daimler-Umweltabteilung. «Die Reise geht immer mehr in Richtung Elektrifizierung. Das wird immer günstiger werden.»

In Mailand tobt ein bizarrer Streit um ein paar Palmen vor dem Dom. Dabei geht es nicht nur um die Bedrohung italienischer Kaffeekultur: Die Bäume sind zum Politikum geworden.

Mailand (dpa) - Wir sind sehr stolz, der Stadt Mailand einen wunderschönen Garten zu schenken. So einfach stellte es sich der Europachef der US-Kaffeehauskette Starbucks, Martin Brok, noch im Januar vor. Doch in der italienischen Metropole hat er sich damit keine Freunde gemacht. Das Problem: Jener Garten soll aus Palmen und Bananenstauden bestehen und vor dem Wahrzeichen der Stadt, dem Mailänder Dom, angelegt werden. Seit Tagen tobt ein Streit um die «Begrünung» des sonst eher grauen Platzes. Dieser gipfelte nun darin, dass Vandalen die ersten gepflanzten Palmen in Brand gesetzt haben.

Es sind zwei explosive Themen, die sich hier mischen. Erstens: Starbucks will im kommenden Jahr seine erste Filiale in Italien - dem Land der Kaffeekultur - eröffnen. Der Kulturkampf zwischen Fans der XXL-Kaffeelattesirupkaramell-Kreationen von Starbucks und dem kleinen schlichten italienischen Espresso hat längst begonnen. Nicht wenige Italiener haben bereits ihren Boykott der Kette angekündigt. Der Protest gegen den Garten passt da ins Bild. Zumal Kritiker auch vermuten, dass die Stadtregierung mit Unternehmensbossen im Boot sitzt, weil Starbucks den Auftrag für das «grüne restyling» bekommen hat.

Zweitens sind die Palmen und Bananen zu einem Politikum geworden. Denn rechte Parteien sehen in den exotischen Pflanzen eine «Afrikanisierung» Italiens und machen mit Ausländerhetze mobil. «Palmen und Bananen, fehlen nur noch die Affen und Kamele und wir haben Afrika in Italien. Die Illegalen sind schon hier», sagte der Chef der ausländerfeindlichen Partei Lega Nord, Matteo Salvini. Die konservative Forza Italia protestierte mit aufblasbaren Bananen im Stadtrat. Exotische Pflanzen passen nicht nach Norditalien, so die Meinung.

Bürgermeister Giuseppe Sala zeigte sich zwar ebenfalls als kein «Palmen-Enthusiast», aber immerhin rief er auf seinem Instagram-Konto die Bürger dazu auf, ihre Meinung über das Projekt kundzutun. Die Antworten: «grauenhaft», «eklig», «hässlich». «Palmen am Domplatz sind wie ein Ferrari mit Gepäckträger und Wohnwagenanhänger», schrieb ein Nutzer.

Das Paradoxe dabei: Das Symbol für das Stadtzentrum Mailands ist ausgerechnet eine Palme. Und den rechten Parteien scheint auch entgangen zu sein, dass Palmen schon im 19. Jahrhundert den Platz schmückten, wie Medien bemerkten. «Vor Jahren haben sie am Domplatz eine Eislaufbahn aufgebaut, und niemand hat gegen eine Skandinavisierung gewettert», kommentierte die linksliberale Zeitung «La Repubblica».

Immigration wird auch in Italiens Wirtschaftsmetropole und zweitgrößter Stadt mit mehr als einer Million Einwohner als Problem gesehen. Vor allem weil der Bahnhof in Mailand die wichtigste Durchgangsstation für Migranten in Richtung Nordeuropa ist. Der Präsident der Region Lombardei, deren Hauptstadt Mailand ist, wehrt sich seit langem gegen die Aufnahme von mehr «Illegalen», wie Roberto Maroni sie meist nennt.

Die Polizei ermittelt nun, wer hinter dem Brandanschlag steckt. Das Palmen-Projekt werde aber «auf keinen Fall» gestoppt, sagte eine Stadtsprecherin. Starbucks äußerte sich auf Anfrage nicht zu der Sache.

Doch nicht nur der Kaffeehausriese, auch die Hochkultur hat sich mit einem Baumprojekt in Mailand schon einmal «verbrannt». 2010 scheiterte ein Plan, den sich Stararchitekt Renzo Piano und der legendäre Dirigent der Mailänder Scala, Claudio Abbado, erträumt hatten. Über die Jahre sollten 90 000 Bäume in der Stadt gepflanzt werden, in der Grünflächen generell Not tun. Palmen und Bananen waren damals nicht geplant, aber das Vorhaben scheiterte auch so.

Die Bundesregierung will die Ausreisepflicht besser durchsetzen. Das Kabinett befasst sich mit einem Maßnahmen-Paket. Die Linken sehen «Grundrechte auf dem Altar der inneren Sicherheit geopfert».

Berlin (dpa) - Das geplante Auslesen von Asylbewerber-Handys durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stößt bei den Linken auf große Vorbehalte. «Handys und Computer gehören zu dem besonders schützenswerten Bereich der Privatsphäre», sagte Parteichefin Katja Kipping der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Inzwischen jedoch würden «Grundrechte im Minutentakt auf dem Altar der Inneren Sicherheit geopfert - bevorzugt bei Geflüchteten».

FDP-Chef Christian Lindner forderte strenge Vorgaben für den Zugriff auf Mobiltelefone von Asylbewerbern. Dies dürfe nur dann geschehen, wenn es «Anhaltspunkte für bewusste Täuschung gebe oder Flüchtlinge die Kooperation mit den Behörden verweigerten, sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch). Eine anlasslose Prüfung von Flüchtlingen lehne seine Partei ab.

Die geplante Auswertung der Daten von Handys ist enthalten in einem «Gesetzentwurf zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht», mit dem sich das Bundeskabinett am Mittwoch (09.30 Uhr) beschäftigen will. Den Regierungsplänen zufolge soll das BAMF künftig in bestimmten Fällen die Daten der Handys von Asylbewerbern durchsuchen dürfen, um deren Identität zu klären. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte es zuletzt als angemessen, verhältnismäßig und erforderlich bezeichnet, Identitäten wenn nötig über zusätzliche «Erkenntnisquellen» zu erschließen.

Der Entwurf dient auch der Umsetzung schärferer Abschiebe-Regelungen. Auf diese hatten sich die Ministerpräsidenten der Länder vor gut zwei Wochen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verständigt. Danach soll etwa die Abschiebehaft für sogenannte Gefährder ausgeweitet und deren Überwachung erleichtert werden. Vorgesehen sind auch härtere Sanktionen bei vorgetäuschten Identitäten oder Straftaten, etwa die Einschränkung des Aufenthaltsortes. Der Ausreisegewahrsam soll von vier auf zehn Tage verlängert werden.

Die Kanzlerin hatte damals betont, Bund und Länder setzten auf freiwillige Ausreisen, aber auch Rückführungen seien notwendig. Kritik gab es von der Opposition und der Organisation Pro Asyl.

Rund 55 000 Menschen waren 2016 freiwillig aus Deutschland in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt, 25 000 wurden abgeschoben. Ende 2016 lebten 207 484 ausreisepflichtige Ausländer in Deutschland. Davon besaßen 54 437 keine Duldung.

Der Kabinettsbeschluss könnte in zeitliche Nähe zu einer weiteren umstrittenen Maßnahme fallen. Flüchtlingsorganisationen rechnen damit, dass es am Mittwoch eine weitere Sammelabschiebung nach Afghanistan geben soll. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, kritisierte dies scharf. «Der Innenminister macht einen großen Fehler. Afghanistan ist nicht sicher, das sagt nicht nur der UNHCR, sondern das zeigt auch die Erfahrung der ersten beiden Sammelabschiebungen», sagte sie der «Passauer Neuen Presse» (Mittwoch).

Rückführungen nach Afghanistan sind umstritten, da in Teilen des Landes Regierungstruppen nach wie vor gegen radikal-islamische Taliban-Rebellen kämpfen. Die Bundesregierung hält aber Teile Afghanistans für ausreichend sicher. Die Sicherheitslage in Staaten einzuschätzen ist Sache des Bunds, die Länder sind aber für die Abschiebungen zuständig. Sie können diese aussetzen. De Maizière hatte zuletzt scharfe Kritik an einigen rot-grün regierten Bundesländern, die nicht nach Afghanistan abschieben wollen. 

Daumen hoch oder Daumen runter - welches Urteil werden die Kartellwächter über den geplanten milliardenschweren Zusammenschluss fällen? Die Prüfung der Monsanto-Übernahme durch Bayer kann sich noch Monate hinziehen. Und der Ausgang ist ungewiss.

Leverkusen (dpa) - Für Bayer-Chef Werner Baumann steht viel auf dem Spiel: Die Rekordübernahme des US-Saatgutriesen Monsanto soll sein Meisterwerk werden. Doch knapp ein Jahr nach seinem Antritt als Vorstandsvorsitzender und ein halbes Jahr nach der Einigung auf einen Zusammenschluss hängt der 66 Milliarden Dollar teure Deal in der Luft. Und es ist keineswegs sicher, dass er erfolgreich zum Abschluss gebracht wird, wie es sich die Konzernlenker in Leverkusen und St. Louis im US-Bundesstaat Missouri wünschen.

An diesem Mittwoch darf sich Baumann aber zurücklehnen und über die üppigen Früchte des Geschäftsjahres 2016 freuen. Angetrieben durch das Pharmageschäft und mit erfolgreichen neuen Medikamenten steht Bayer wieder vor Rekordergebnissen. Dabei fällt für die Aktionäre, wie das Unternehmen schon am Dienstag mitteilte, eine um 20 Cent auf 2,70 erhöhte Dividende ab. Die Werkstofftochter Covestro hatte bereits am Montag ihre Zahlen präsentiert und ebenfalls glänzende Ergebnisse geliefert. Viel Rückenwind also für den Bayer-Chef auf dem Weg zur Übernahme von Monsanto.

Die endgültige Entscheidung über den Zusammenschluss treffen die Kartellbehörden. In vielen Ländern werden Wettbewerbshüter in den kommenden Monaten den Deal auf Herz und Nieren prüfen. Entscheidend für das Gelingen wird vor allem der Entscheid der Behörden in den USA und Europa sein. In den USA wurde die Fusion schon im vergangenen Dezember zur Genehmigung angemeldet, in der EU soll der Antrag bis Ende März eingereicht werden. Bayer rechnet Ende des Jahres mit einer Entscheidung.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager deutete schon vor Monaten eine genaue Prüfung an. Landwirte müssten auch nach der Fusion weiter eine Alternative haben, wenn sie Saatgut und Pestizide kaufen, wurde sie zitiert. Die EU werde sicherstellen, dass es Wettbewerb im Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäft gebe.

Das begrüßen Kritiker, die in dem geplanten Zusammenschluss Teufelszeug sehen. Das Entstehen eines neuen Giganten in der Agrochemie treibe die Landwirte noch stärker in die Abhängigkeit, bedrohe Umwelt und Artenvielfalt. Dabei wenden sie sich besonders gegen gentechnisch behandeltes Saatgut und den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat, den die EU bis Ende 2017 zugelassen hat.

Nur drei Konzerne würden 65 Prozent des weltweiten Saatgutmarktes kontrollieren, bei Pestiziden hätten vier Konzern die Kontrolle über 80 Prozent des Weltmarktes, heißt es in einem offenen Brief der Grünen an Vestager vom Herbst. Die Kartellbehörden müssten die geplante Hochzeit der Chemie-Giganten um Bayer/Monsanto, ChemChina/Syngenta und Dupont/Dow Chemical verhindern.

Bayer-Chef Baumann geht derweil auf die Kritiker zu und versichert, dass sein Unternehmen mit dem Deal in Europa genveränderte Pflanzen nicht durch die Hintertür etablieren will. Sein Hauptargument für den Deal: Die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung könne nur mit höheren Erträgen auf den Feldern und einer größeren Wirtschaftlichkeit der Betriebe erreicht werden.

An der Börse scheint die anfangs sehr kritische Stimmung zu kippen, mehr Investoren rechnen inzwischen mit einem Gelingen des milliardenschweren Deals. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sich der Großinvestor Warren Buffett mit Monsanto-Aktien eingedeckt hatte. Hat er den richtigen Riecher? In die Richtung zielt auch eine Studie des US-Brokerhaus Bernstein, das die Wahrscheinlichkeit für ein Gelingen des Zusammenschlusses von 50 auf 75 Prozent anhob. Doch es bleiben Unsicherheiten. So notiert die Monsanto-Aktie derzeit bei 109 US-Dollar noch weit unter dem Bayer-Gebot von 128 Dollar - ein Zeichen, dass Börsianer noch nicht recht an das Geschäft glauben.

Die Konzerne lassen jedenfalls keine Gelegenheit verstreichen, um sich für die Übernahme ins Zeug zu legen. Bei einem Gespräch mit US-Präsident Donald Trump warben Baumann und Monsanto-Chef Hugh Grant im Januar für die Übernahme. Ein wichtiges Argument dabei: Arbeitsplätze und Investitionen in den USA.

Dass die geplanten Fusionen in der Branche ganz ohne Auflagen genehmigt werden, glauben allerdings auch ihre Befürworter nicht. Das Analysehaus Kepler Cheuvreux beispielsweise geht davon aus, dass wegen kartellrechtlicher Bedenken insgesamt Unternehmensteile im Wert von mindestens 11,5 Milliarden Euro auf den Markt kommen werden. Auch Bayer dürfte um Zugeständnisse nicht herum kommen.

Parteien lassen ihre Basis am Wahlprogramm oder bei der Kandidatenaufstellung immer aktiver mitwirken. Auch Nicht-Mitglieder sollen ihre Themen einbringen können. Die Grenzen der Beteiligung werden neu ausgelotet.

Berlin (dpa) - Sieben Monate vor der Bundestagswahl bringen sich die Parteien für den Wahlkampf in Stellung. Die Ernennung von Spitzenkandidat Martin Schulz hat der SPD einen kräftigen Schub an Neumitgliedern beschert. In Niedersachsen, wo die Landtagswahl wenige Monate nach der Bundestagswahl ansteht, registriert die CDU seit der Nominierung ihres Herausforderers von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Bernd Althusmann, Ende November 2016 mehr als 2000 Neueintritte.

Mit Zuhöreroffensiven, Facebook-Chats, Workshops oder Online-Debatten zum Wahlprogramm wollen Parteien ihre Basis stärken und Neumitglieder bei der Stange halten. «Es gibt eine stärkere Hinwendung zu mehr direkt-demokratischen Elementen innerhalb der Parteien», beobachtet Parteienforscher Uwe Jun von der Universität Trier; er ist zugleich Sprecher des Arbeitskreises Parteienforschung der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft.

Während sich das politische Frankreich zunehmend für offene Vorwahlen erwärmt, bei denen die Top-Kandidaten der Parteien auch von Nicht-Mitgliedern bestimmt werden, findet dieses System in Deutschland bisher nur wenig Anhänger. Einzig die Grünen haben hier ihre Spitze bei einer Art Schaulaufen gekürt. «Die SPD hat dieses 'französische Modell' ausführlich diskutiert», sagt ein SPD-Sprecher. Er betont aber: «Im Ergebnis hat sich aber die Position durchgesetzt, dass die Entscheidung in Personalauswahlprozessen den Mitgliedern vorbehalten bleiben soll.» Die FDP verweist auf den großen organisatorischen Aufwand, hat aber bereits Anfragen der Landesverbände, das System auszutesten.

Besonders kreativ wirkt die Beteiligung bei der Piratenpartei. Anders als bei anderen Parteien kann jedes Mitglied Anträge einreichen, kandidieren oder Kandidaten wählen - ein Delegiertensystem gibt es nicht. Parteienforscher Jun hält dieses Prinzip für wenig effizient. «Die Parteitage der Piraten waren Chaostage. Es gab sehr lange Diskussionen, aber inhaltlich kaum Ergebnisse», sagt der Wissenschaftler. Für die anderen Parteien sei das eine Warnung dafür, dass der Demokratisierung Grenzen gesetzt sind. «Die Wähler erwarten innerparteilich klare Linien», sagt Jun.

Dass zu viel Beteiligung die Entscheidungsfindung erschweren kann, meint auch Tim Weber vom Verein Mehr Demokratie, der sich für direkte Demokratie, wie zum Beispiel Volksbegehren, einsetzt. «Bei den Piraten wird aber übersehen, dass ein Lernen stattfand. Während zu Beginn der Piraten kaum Beschlüsse gefasst wurden, laufen die Parteitage mittlerweile viel runder», sagt Weber.

Nicht zuletzt der Abwärtstrend bei den Mitgliederzahlen zwingt die Parteien zu Veränderungen. Die FDP hat seit ihrem letzten Höchststand 2009 bei über 72 000 Mitgliedern rund 18 000 Mitglieder verloren. Generalsekretärin Nicola Beer sieht die Liberalen aber auf dem richtigen Kurs: «In Zeiten, in denen alles individueller, schneller und vernetzter wird, versuchen wir, jeden Einzelnen nach seinen Wünschen einzubinden und passgenaue Angebote zu machen.»

Auch die SPD hat von 2010 bis 2016 rund 69 000 Genossen verloren. Die Sozialdemokraten haben derzeit rund 433 000 Mitglieder. Ähnlich ergeht es der CDU, die Ende 2016 rund 432 000 Mitglieder zählte; 2010 waren es noch über 500 000. Erstmals hat die CDU auf ihrem Parteitag Ende 2016 in Essen einen Mitgliederbeauftragten gewählt. «Wir müssen mutiger werden. Und ich werde eng mit der Jungen Union und der Frauen Union zusammenarbeiten», kündigte der neue CDU-Mitgliederbeauftragte Henning Otte an.

Parteienforscher Jun sieht zwei große Probleme: Das Gesamtprogramm und die feste Bindung. Viele Menschen seien nicht mit allen Themen oder Inhalten einverstanden, sie wollten daher nicht für ein Gesamtprogramm eintreten. Zudem legen sie sich ungern langfristig auf eine Partei fest. Daher der Versuch, Interessierte über soziale Medien oder die Internetseite an Debatten zu beteiligen und themenbezogen mitarbeiten zu lassen. Eine Sprecherin der Linken: «Als Partei sind wir stark aktiv bei Bündnissen, wie der Anti-TTIP-Bewegung.»

Die Grünen wollen Basisbegehren einführen, mit denen 250 Mitglieder gemeinsam die Behandlung eines Themas im Bundesvorstand erzwingen können. Außerdem wollen sie das Parteiengesetz ändern, um verbindliche Entscheidungen, zum Beispiel über Parteiprogramme oder die Satzung, in Urabstimmungen zu ermöglichen.

Viele Prozesse würden sich durch die Digitalisierung verändern und dazu beitragen, dass sich Mitglieder einfacher selbst organisieren können, meint FDP-Generalsekretärin Beer. Nicht für alle Mitglieder sind solche Änderungen einfach: «Man muss auch die Leute mitnehmen, die 40 oder 50 Jahre aktiv sind, da gilt es eine Balance zu finden.»

Drohen in den USA Massenabschiebungen? Die US-Regierung sagt Nein, hat aber gleichwohl die Tür dafür geöffnet. Mögliche Abschiebungen werden erweitert - Menschenrechtler reagieren entsetzt.

Washington (dpa) - Nach der Veröffentlichung neuer Regeln zu Abschiebungen versucht die US-Regierung dem Eindruck entgegenzutreten, sie strebe massenhafte Deportationen an. US-Präsident Donald Trumps Sprecher Sean Spicer verneinte am Dienstag die Frage, ob dies das Ziel der neuen Anweisungen sei.

Die Regierung erweiterte die Gruppe jener Menschen, die festgenommen und abgeschoben werden können. Der Kampf gegen illegale Einwanderung war ein zentrales Wahlkampfversprechen des Republikaners. Damit droht einer größeren Zahl von Einwanderern ohne Aufenthaltsgenehmigung die Abschiebung.

Heimatschutzminister John Kelly wies die Behörden an, all jene Einwanderer ohne Papiere abzuschieben, die verurteilt wurden, wegen eines Verbrechens angeklagt sind oder einer Straftat beschuldigt werden. Auch Menschen, die in Betrugsfälle verwickelt waren oder missbräuchlich Sozialleistungen in Anspruch genommen haben, gehören dazu.

Die neuen Richtlinien öffnen die Tür für massenhafte Abschiebungen. Sie sind Teil einer Anordnung, die Trump am 26. Januar unterzeichnet hatte.

Gleichwohl sagten Vertreter des Ministeriums für Heimatschutz am Dienstag (Ortszeit): «Was wir nicht wollen, ist irgendeine Art von Panik in den Kommunen.» Sie fügten hinzu: «Wir haben nicht die Zeit, nicht das Personal und nicht die Möglichkeiten, in die Gemeinden zu gehen und mit allen Mitteln Leute in Bussen zusammenzukarren.» Solche Vorstellungen seien reine Fiktion.

Im Fokus sind nach Angaben des Weißen Hauses ausschließlich Menschen, die erwiesenermaßen eine Bedrohung darstellten. Oberste Priorität sei die Abschiebung bereits verurteilter illegaler Einwanderer. Spicer sagte, er wolle daran erinnern, dass jeder, der illegal im Land sei, jederzeit entfernt werden könne.

Unter Trumps Vorgänger Barack Obama wurden in erster Linie jene Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung abgeschoben, die wegen eines schweren Verbrechens verurteilt worden waren. Nach einem Rekordhoch im Jahr 2013 mit 434 000 Abschiebungen sank die Zahl 2015 auf 333 000, den niedrigsten Wert sei 2007.

Kelly wies die Behörde ICE an, 10 000 weitere Beamte einzustellen und die Zahl der Haftanstalten zu erhöhen. Die Grenzschutzbehörde CPB bekommt demnach 5000 zusätzliche Beamte.

Menschenrechtsorganisationen zeigten sich entsetzt. «Nun ist jeder ein «oberstes Ziel»», sagte Marielena Hincapié, Chefin des National Immigration Law Center. Jeder könne abgeschoben werden. Möglicherweise verletzten die neuen Regeln die Verfassung. Tom Jawetz vom Center for American Progress sagte: «Sehr wohl sind Massendeportationen oberstes Ziel. Die Regierung hat das Prinzip der Prioritätensetzung aufgehoben.»

In den Vereinigten Staaten leben nach Schätzungen rund elf Millionen Menschen ohne Papiere, etwa die Hälfte von ihnen sind Mexikaner. Trump hatte im Wahlkampf davon gesprochen, drei Millionen illegale Einwanderer mit krimineller Vergangenheit abschieben zu wollen.

Anders als im Wahlkampf angekündigt, lässt Trump eine Direktive seines Vorgängers unangetastet. Das Programm «Deferred Action for Childhood Arrivals» gewährt mehr als 750 000 Einwanderern Arbeitserlaubnisse, die als Kind in die USA gekommen waren. Trump sagte vergangene Woche, er wolle ein großes Herz zeigen und diesen Teil des Programms nicht kappen.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen gehören mittlerweile zu Karneval wie Kamelle und Kostüme. Nach dem Terroranschlag von Berlin wird nun noch einmal aufgerüstet. Die Feierlaune muss darunter nicht leiden, sagt ein Experte.

Köln/Mainz (dpa) - Am Donnerstag beginnen die tollen Tage - unter strengeren Sicherheitsvorkehrungen denn je. Als Reaktion auf Terroranschläge wie in Berlin werden vielerorts Fahrzeugsperren eingesetzt.

In Köln dürfen am Karnevalssonntag und an Rosenmontag keine Lastwagen über 7,5 Tonnen in die Innenstadt fahren. «Bei drohenden Gefahren werden wir konsequent einschreiten», kündigte Polizeipräsident Jürgen Mathies an. Auch Düsseldorf hat ein Lastwagen-Fahrverbot verhängt. In Düsseldorf und Köln will die Polizei zudem Beamte mit Maschinenpistolen einsetzen. Es gebe zwar keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung, aber ein abstraktes Sicherheitsrisiko.

In Mainz werden Spezialeinsatzkräfte und Hubschrauber in Bereitschaft gehalten. An neuralgischen Plätzen wie vor dem Mainzer Hauptbahnhof wird eine Videoüberwachung eingerichtet.

Das alles muss aber noch nicht bedeuten, dass an Karneval weniger Menschen auf die Straße gehen. «Karneval ist ein Fest des rauschhaften Vergessens», sagt der Psychologe und Buchautor Stephan Grünewald. «Man will sich von der Schwere befreien und in eine konsequenzlose Verwandlung eintauchen. In schlechten Zeiten wollen die Menschen erst recht Karneval feiern.»

Besonders im Blickpunkt der Karnevalisten steht dieses Jahr US-Präsident Donald Trump. Ein Wagen aus dem Kölner Rosenmontagszug zeigt ihn als Neuling in einer Schulklasse - mit den Nuklear-Codes in der Schultüte. In Mainz wird Trump als Elefant im Porzellanladen dargestellt. Düsseldorf hält sein Trump-Motiv noch geheim, doch Wagenbauer Jacques Tilly meint: «Er ist natürlich eine Karikatur an sich und damit ein Göttergeschenk für Karikaturisten.»

Eine Herausforderung für den Straßenkarneval wird das Wetter. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet an Weiberfastnacht mit Regen und Sturmböen zwischen 80 und 100 Kilometer in der Stunde. Wenigstens wird man bei Temperaturen bis 12 Grad nicht frieren müssen. Am Nachmittag seien auch Gewitter und Dauerregen nicht ausgeschlossen, sagte eine DWD-Sprecherin am Dienstag. Was die Sturmböen betreffe, könne es ähnlich kritisch werden wie vergangenes Jahr an Rosenmontag, als Karnevalszüge wegen Sturms abgesagt wurden. Das sei dann aber voraussichtlich der stürmischste der Karnevalstage, sagte die Meteorologin.

Um Abschiebungen zu vermeiden, fördert die Politik die freiwillige Ausreise von Asylbewerbern. Bei einer Beratungsstelle in Magdeburg gibt es deshalb Geld für den beruflichen Neustart in der Heimat. Für den Bundesinnenminister ein wichtiges Projekt.

Magdeburg (dpa) - Hashem stammt aus dem Sudan. Weil seine Mutter erkrankt ist, möchte der abgelehnte Asylbewerber so schnell wie möglich zurück nach Hause. Deshalb hat er sich an die Rückkehrberatung der Magdeburger Stadtmission gewandt. «Wir können in diesem Fall die Lebenshaltungskosten vor Ort für drei Monate finanzieren», sagt Beraterin Victoria Künnemann. Rund 140 Flüchtlinge wurden seit dem Start des Projekts Anfang 2015 beraten.

Das Beratungsgespräch für Hashem ist ein besonderes. Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist mit dabei. Er will sich die Arbeit der Beratungsstelle anschauen. Künftig solle es mehr von diesen Einrichtungen geben, kündigt der CDU-Politiker an. «Es darf nicht dem Zufall überlassen bleiben, dass es zur Rückkehrberatung kommt.»

Die Motivation zur freiwilligen Ausreise hat für die Politik vor allem einen Vorteil: Abschiebungen werden vermieden. Im vergangenen Jahr verließen rund 55 000 abgelehnte Asylbewerber Deutschland freiwillig, 25 000 wurden abgeschoben.

Dabei will nicht jeder Flüchtling, der in die Magdeburger Beratungsstelle kommt, auch ausreisen. «Wir informieren über die Möglichkeiten, erklären die Bescheide», sagt Künnemann. «Manche kommen ein zweites Mal zur Beratung, andere sehen wir nie wieder.»

Die Besonderheit der Magdeburger Rückkehrberatung: Die Betroffenen können eine Förderung für einen beruflichen Neustart in der Heimat bekommen - etwa für den Kauf einer Nähmaschine oder eines Autos für ein kleines Transportunternehmen. «Das soll den Menschen eine neue Lebensperspektive in der Heimat ermöglichen», sagt de Maizière. Geld werde erst ausgezahlt, wenn der Betreffende in seinem Heimatland ankommen ist. Die Magdeburger Berater erarbeiteten vorher mit den Rückkehrern einen richtigen Business-Plan, sagt Künnemann.

Die Förderung müsse hoch genug sein, damit die Betroffenen vor Ort wirklich in ein neues Leben starten können, sagt de Maizière. «Sie darf aber auch nicht zu hoch sein.» Sonst würden Anreize geschaffen, extra deswegen nach Deutschland zu kommen.

Um an die Mittel zu kommen, müssen sich Flüchtlinge selbst an die Stadtmission wenden. «Wir haben deshalb Informations-Veranstaltungen in allen Ausländerbehörden und fast allen Beratungsstellen in den Landkreisen gemacht», sagt Künnemann. Künftig wolle man noch mehr auf mobile Beratung setzen, also etwa direkt in die Unterkünfte fahren.

Der Flüchtlingsrat von Sachsen-Anhalt kritisiert das Bemühen der Politik um mehr freiwillige Rückkehrer. «Statt staatlicher Zwangsrückkehrberatung brauchen die Menschen eine ergebnisoffene Beratung zu ihren Perspektiven», sagt Sprecherin Stefanie Mürbe. Viele Flüchtlinge würden Deutschland verlassen, weil sie dem Druck nicht mehr standhielten und keine Perspektive mehr sähen. Ihnen werde vermittelt, ihr Asylantrag habe ohnehin keine Aussicht auf Erfolg.

Berlin (dpa) - Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping hat das geplante Auslesen von Asylbewerber-Handys durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) scharf kritisiert. «Handys und Computer gehören zu dem besonders schützenswerten Bereich der Privatsphäre», sagte Kipping der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Inzwischen jedoch würden «Grundrechte im Minutentakt auf dem Altar der Inneren Sicherheit geopfert - bevorzugt bei Geflüchteten».

Die Maßnahme ist Teil eines «Gesetzentwurfes zur besseren Durchsetzung der Ausreisepflicht», mit dem sich das Bundeskabinett am Mittwoch beschäftigen will. Den Regierungsplänen zufolge soll das BAMF künftig in bestimmten Fällen die Daten der Handys von Asylbewerbern durchsuchen dürfen, um deren Identität zu klären.

Spannung im Land am Äquator: Der linke Regierungskandidat Moreno, mit Vornamen: Lenín, kann noch nicht feiern, sondern muss wohl wieder in den Wahlkampf. Und in der Botschaft in London wird nun gezittert.

Quito (dpa) - Die Präsidentschaftswahl in Ecuador wird aller Voraussicht nach in einer Stichwahl am 2. April entschieden. Der linke Regierungskandidat Lenín Moreno verpasst nach Auszählung fast aller Stimmen hauchdünn einen Sieg schon in der ersten Runde. «Die Tendenz ist klar», sagte der Präsident der Wahlbehörde (CNE), Juan Pablo Pozo, am Dienstag.

Demnach liegt der frühere Vizepräsident Moreno nach 95,3 Prozent ausgezählter Stimmen bei 39,21 Prozent und kann laut CNE wohl nicht mehr die für einen Sieg nötigen 40 Prozent holen. Eine Änderung der Tendenz sei praktisch «nicht mehr möglich», so Pozo.

In einer Stichwahl muss Moreno gegen den konservativen Politiker Guillermo Lasso (28,34 Prozent) antreten, der nicht nur einen Politikwechsel anstrebt, sondern auch das Asyl für Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Botschaft in London beenden will.

Dieser verfolgt seit Tagen intensiv das Wahlgeschehen und setzte Dutzende Twitterbotschaften zu den Zwischenergebnissen ab. Assange muss eine Auslieferung nach Schweden fürchten, wo ihm ein Sexualdelikt vorgeworfen wird, auch in den USA droht ein Prozess.

Nach zehn Jahren an der Macht war Präsident Rafael Correa nicht mehr angetreten. Dieser warb für die Wahl Morenos und die Fortsetzung seiner «Bürger-Revolution». In einer zweiten Runde muss das Lager der von Correa gegründeten Partei Alianza País fürchten, dass andere unterlegene Kandidaten ihre Anhänger zur Wahl Lassos aufrufen.

Die beiden Kandidaten im Überblick:

LENÍN MORENO (63): Der Verwaltungsfachmann war unter Correa bis 2013 Vizepräsident, bevor er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat und sagte, dass er eigentlich kein Amt mehr anstrebe. Seit er 1998 Opfer eines Raubüberfalls wurde, sitzt Moreno im Rollstuhl, er setzt sich stark für die Rechte Behinderter ein. Zudem ist er ein fleißiger Buchschreiber - über den Humor. Eine Auswahl der Werke: «Theorie und Praxis des Humors», «Die besten Witze der Welt», «Humor der Berühmten». Er will Correas Politik der Modernisierung, die Verbesserung des Bildungs- und Gesundheitssystems fortsetzen und Sozialprogramme für arme Bevölkerungsschichten weiter ausbauen.

GUILLERMO LASSO(61): Der konservative Oppositionskandidat will mit der linken Regierungspolitik brechen. Er ist Eigentümer einer der größten Banken des Landes, der Banco Guayaquil, und Gründer der Partei Creando Oportunidades («Möglichkeiten schaffen»). Er will zahlreiche Steuererleichterungen durchsetzen, eine Million neuer Arbeitsplätze schaffen und das zuletzt wegen des gesunkenen Ölpreises in die Rezession abgerutschte Land attraktiver für Investoren machen.

Egal wer gewinnt, Ecuador ist in hohem Maße von der Entwicklung des Ölpreises abhängig. Dank lange sprudelnder Einnahmen wurden in Correas Amtszeit neue Straßen, Kraftwerke und Krankenhäuser gebaut.

Die Armutsquote sank deutlich; Bildungsmöglichkeiten gerade für untere Einkommensschichten wurden verbessert. Die Wirtschaft wuchs zeitweise kräftig. Für Kritik sorgten autoritäre Tendenzen und die Umweltzerstörungen durch die Ölförderung im Amazonasgebiet.

Als der Ölpreis fiel, gerieten die Programme unter Druck, es zeigte sich das Risiko der starken Öl-Abhängigkeit. Mehrere Steuern mussten erhöht werden. Die Zustimmung zu Correa sank auf rund 50 Prozent.

Berlin (dpa) - Schnippeln und Kochen mit der First Lady: Flüchtlingskinder einer Willkommensklasse in Berlin haben am Montag mit Daniela Schadt (56), der Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck (76), am Herd gestanden. Im Freizeitzentrum FEZ bereiteten die Kinder aus Syrien, Serbien, Afghanistan und anderen Ländern mit Schadt einen Auberginen-Hackfleisch-Auflauf zu.

«Die Kinder in Willkommensklassen kommen oft aus Kriegsgebieten und haben schlimme Geschichten erlebt. Umso wichtiger ist es, dass sie zur Schule gehen, lernen, Freundschaften schließen und stark werden für die Zukunft», sagte Schadt.

Die Aktion war Teil der noch bis Mittwoch laufenden 7. Kinderkochschule. Insgesamt schwingen laut einer FEZ-Sprecherin rund 1800 Kinder aus 24 Grundschulen mit TV- und Profiköchen in Teams den Kochlöffel. Die Kinder sollen lernen, wie man gesund und lecker kocht und die richtigen Lebensmittel auswählt.