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„Time to talk Talanoa“

Greenpeace Magazin Ausgabe 6.17

„Time to talk Talanoa“

Text: Bastian Henrichs Foto: Christian Grund

Ein pazifischer Inselstaat mit weniger als einer Million Einwohnern betritt die Weltbühne. Die Republik Fidschi hat die Präsidentschaft der Klimakonferenz COP23 in Bonn übernommen und wird die Verhandlungen leiten. Ihre Aufgabe ist es, den Industrienationen klarzumachen, dass den Versprechen zum Schutz des Klimas nun Taten folgen müssen – und dass die Zeit drängt: Nazhat Shameem Khan, Chefunterhändlerin des vom Anstieg des Meeresspiegels bedrohten Pazifikstaates, liefert überzeugende Argumente

Frau Shameem Khan, für Europäer sind die Fidschi-Inseln vor allem eines: ein Paradies. Durch den Klimawandel ist dieses Paradies bedroht. In Paris hat sich die Weltgemeinschaft endlich zu einem Klimaabkommen durchgerungen, doch es beruht auf Freiwilligkeit und die Umsetzung stockt. Würden Sie es begrüßen, wenn es verbindlichere Ziele für alle geben würde?
Ich denke nicht, dass das eine gute Idee wäre. Es ist ein hoher Wert des Abkommens, dass es freiwillig ist, dass es auf dem guten Willen der Beteiligten beruht, auf dem kollektiven Bewusstsein, dass wir ein gemeinsames Problem haben. Und ich denke, es gibt genug Anzeichen, dass es neben dem kollektiven Bewusstsein auch eine kollektive Entschlossenheit gibt. Obwohl eine Veränderung der Einstellung bei den Menschen nur sehr schwer zu erreichen ist, haben wir rund um den Globus enorme Fortschritte gemacht. Das ist sehr positiv. Die Weltgemeinschaft ist sich mittlerweile nahezu einig darüber, dass es ein globales Problem gibt, dass etwas dagegen getan werden muss und dass dafür ein allgemeingültiger Mechanismus notwendig ist. Nun ist die Frage, wie wir es schaffen, die Klimaschutz-Ambitionen jeder einzelnen Nation zu erhöhen, um die gesteckten Ziele dann auch zu erreichen.

Wie sieht ihre Strategie für die Verhandlungsführung aus?
Die Strategie hängt mit einer Tradition aus unserer Heimat zusammen: „Talanoa“. Dabei geht es darum, Geschichten zu erzählen und dadurch Vertrauen und Empathie aufzubauen. So lassen sich Streitigkeiten einfach lösen und Konsense erzielen. Ein Beispiel: Ich erzähle Ihnen, was in meinem Leben passiert, was für eine schreckliche Zeit ich gerade hinter mir habe, dass ich am Rande einer Katastrophe stand. Dann empfinden Sie Empathie, weil Sie merken, dass ich Probleme habe. Umgekehrt könnten Sie mir dann erzählen, was Sie bewegt, und ich werde Vertrauen zu Ihnen aufbauen. Das ist wichtig für die COP-Verhandlungen. Dort sitzen Entwicklungsländer und hoch entwickelte Industrienationen zusammen, mit sehr unterschiedlichen Ansätzen, Hindernissen und Ambitionen. Wir müssen also mehr reden und zuhören, um Vertrauen und Verständnis aufzubauen.

Sie sprechen von Empathie und Verständnis. Ist es nicht eher so, dass die Industriestaaten ein schlechtes Gewissen haben und die Fidschi-Inseln auf ihr Mitleid angewiesen sind? (...)

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