Guten Abend,

wo könnte es bei so einer Hitze schöner sein als am, im oder auf dem Wasser? Das dürften sich dieser Tage viele Menschen fragen.

Wie Landtiere die Sache sehen, ist nicht bekannt. Vielleicht sollte man dazu mal die 32 Kühe der Maas-Rhein-Ijssel-Rasse befragen, die Mitte Mai die obere Etage der doppelstöckigen „Floating Farm“, eines schwimmenden Bauernhofs also, in Rotterdam bezogen haben – eine Immobilie mit 1-a-Wasserlage auf der Neuen Maas, einem Flussarm im Maas-Rhein-Delta.

Glaubt man Minke und Peter van Wingerden, die unter dem Eindruck der 2012 von Hurrikan „Sandy“ hinterlassenen Verheerungen und Versorgungsengpässe an der Ostküste der USA dieses Projekt ausheckten, dann fühlen sich die Rindviecher in ihrem neuen Domizil sauwohl. Als sich nämlich nach ein paar Wochen erstmals die Stalltore öffneten und sie mit ein paar Schritten über eine Rampe die grüne Uferwiese hätten erreichen und dort grasen können, hätten sie erst mal in aller Ruhe abgewartet.

Das Futter für die Kühe stammt aus der Stadt – zum Beispiel Gras von Fußball- oder Golfplätzen, Kartoffelschalen aus der Pommes-Produktion und Kleie aus örtlichen Getreidemühlen. Das Melken und Ausmisten besorgen Roboter, die Oberaufsicht hat Jungbauer Albert Boersen. 23 Verkaufsstellen in Rotterdam werden bereits mit Milch von der Floating Farm beliefert.

Während die Weltbevölkerung wachse, die verfügbare Agrarfläche aber gleich bleibe und sich zudem das Klima verändere, müsse man eben nach anderen Wegen für die Versorgung der städtischen Bevölkerung suchen, so der Ausgangsgedanke der Iniatoren. Außerdem sei es nach Katastrophen durch Hurrikane, Starkregen oder Ähnliches schwierig, Städte von außen mit Lebensmitteln zu versorgen. Zeit also für „Transfarmation“, wie die beiden ihr Konzept nennen, eine Wortschöpfung aus Transition, also Wandel, und Farming.

Wo sonst als in den Niederlanden hätte so eine Idee entstehen können – nirgendwo auf der Welt lebt ein größerer Teil der Bevölkerung unter dem Meeresspiegel (in Rotterdam sind es allein 80 Prozent). Überdies sind Innovationsfreude, Pragmatismus und die Einstellung „Einfach mal machen“ in unserem Nachbarland sehr verbreitet, wobei die Stadt Rotterdam der schwimmenden Farm zunächst skeptisch gegenüberstand und sich an der Finanzierung nicht beteiligen wollte. Seit der Prototyp zu Wasser gelassen wurde, haben der Bürgermeister und die Stadtregierung ihre Meinung allerdings geändert.

Natürlich gibt es Kritik, und schwimmende Farmen können auch kaum die Lösung für alle Versorgungs-, geschweige denn Klimaprobleme sein, vielleicht aber immerhin einen Beitrag leisten – Städte wie Singapur, Nanking, Shanghai und Kapstadt, aber auch New York City, Los Angeles und New Orleans sollen schon ihr Interesse bekundet haben.

Ohnehin kann sich die Floating Farm über mangelnde öffentliche Aufmerksamkeit nicht beklagen. Gruppen von Landwirten aus anderen Ländern, Schulklassen und andere Interessierte kommen zu Besuch, lassen sich herumführen und lauschen Präsentationen.

Schon tüfteln sie bei Beladon, der Firma der van Wingerdens, an der Umsetzung weiterer Pläne: Die Rinderfarm soll Gesellschaft von zwei weiteren schwimmenden Plattformen für landwirtschaftliche Projekte bekommen. Auf der einen soll Gemüse angebaut, auf der anderen Hühner gehalten werden. Der Baubeginn ist noch für dieses Jahr geplant.

Bei allem niederländischen Pragmatismus blieb noch Raum für eine hübsche kleine Designidee: Schwimmende Solarpaneele, angeordnet in Flaschenform, liefern die Energie für die Farm. Nachts werden sie beleuchtet, Reihe für Reihe. Sieht aus, als füllte sich eine Milchflasche.

Transfarmation // Unsere Leseempfehlungen zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

PS: Auch Seekühe wollen in einer intakten und sauberen Umgebung leben: „Save our Oceans“ lautet die Parole auf unserem Papierklebeband. Jetzt eine Woche lang 20 Prozent reduziert.

image description
Greenpeace Warenhaus Button
Vier fürs Klima
18,00 €
Vier fürs Klima

„Wie reduzieren wir unseren ökologischen Fußabdruck?“ Die Familie Pinzler-Wessel hat es ein Jahr lang ausprobiert. Anregende und mutmachende Erlebnisse in einem alltagsprallen Erfahrungsbericht.

WormUp - Küchenkomposter WormUp - Küchenkomposter WormUp - Küchenkomposter
295,00 €
WormUp - Küchenkomposter

Im Garten, auf dem Balkon oder in der Wohnung  - mit dem WormUp kann jeder seinen Bioabfall in nährstoffreiche Erde wandeln.

10,00 € 8,00 €

Poster "Tierrechte"

Das Poster zum Cover! Unser Magazincover „Tierrechte“ (Ausgabe 2.19) als hochwertiges Poster.