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Greenpeace Magazin Ausgabe 3.17

Trennungsschmerz

Text: Frauke Ladleif

Europa und die USA bauen wieder Zäune und Mauern, um sich nach außen abzuschotten. Das gefährdet viele seltene Tiere

Einsam streift „El Jefe“, der Chef, durch die Berge von Santa Rita im US-Bundesstaat Arizona. Biologen hoffen, dass bald eines der Weibchen, die im mexikanischen Teil des Gebirges leben, den Weg zu dem Jaguarmännchen findet. Noch gibt es offene Stellen entlang der Grenze zwischen beiden Ländern. Doch die will Donald Trump mit dem Bau einer neun Meter hohen Mauer schließen. Durch das Vorhaben könnten viele seltene Arten in den USA verschwinden, da es Lebensräume zerschneiden, kleine Populationen voneinander trennen und Brutgebiete zerstören würde. 111 gefährdete Spezies wären dadurch in ihrer Existenz in der Region bedroht, hat das amerikanische Outside Magazine auf Basis von Daten der US-Wildtierbehörde errechnet: Ozelots etwa, Dickhornschafe – und ausgerechnet der südliche Bestand des Weißkopfseeadlers, des amerikanischen Wappentiers.

Eine Mauer als Instrument der Abschottung – auch in Europa feiert dieser Anachronismus ein Comeback. Seit 2015 wurden viele hundert Kilometer Zäune verlegt, die nicht nur Kriegsflüchtlingen den Weg versperren, sondern auch Wölfen, Bären und Luchsen. Dabei hatten sich deren Populationen gerade erst langsam erholt. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind riesige, grenzüberschreitende Naturreservate entstanden. Biologen feierten die Rückkehr der „Wildnis“ nach Westeuropa. Besonders das Dinarische Gebirge, das sich von Griechenland bis zu den Alpen erstreckt, bot vielen bedrohten Arten eine grenzenlose Heimat. Die neuen Zäune durchkreuzen nun überlebenswichtige Wanderrouten.

Dass die Grenzanlagen in Europa und in den USA gegen mehrere Artenschutzrichtlinien verstoßen, scheint bisher nur Umweltbehörden zu stören. Aber die sind einem Donald Trump ohnehin ein Dorn im Auge. Er hat bereits Budgetkürzungen angekündigt. Die Umweltschützer könnten bald so isoliert sein wie El Jefe, der Jaguar von Santa Rita.