Greenpeace Magazin Ausgabe 6.98

Unfruchtbarkeit aus der Hansestadt

Bremen verklappt weiter giftigen Hafenschlamm im Wattenmeer.

Große Schiffe werden im Bremer Überseehafen bald auf Grund laufen, wenn nicht umgehend 350.000 Kubikmeter Schlick ausgebaggert werden. Der Aushub landet seit über 20 Jahren im niedersächsischen Wattenmeer. Obwohl Niedersachsen im vergangenen Jahr die Verklappungen stoppte, hat Bremen bis heute kein umweltschonendes Entsorgungskonzept vorgelegt. Trotz des Protestes vieler Städte und Ge- meinden an der Nordseeküste will Bremen seinen giftigen Hafenschlamm weiterhin vor Wangerooge verklappen, weil das die billigste Lösung ist. Der Hafenschlick ist hochgradig mit dem hormonell wirkenden Umweltgift Tributylzinn (TBT) verseucht. TBT ist in „Antifouling“-Schiffsfarben enthalten. Das Gift soll Algen und Seepocken abtöten und so ihr Anwachsen an die Schiffsrümpfe verhindern. Das spart Treibstoff und erhöht die Fahrgeschwindigkeit. „TBT hat die Giftigkeit von Dioxin“, sagt Hermann Michaelis von der Forschungsstelle Küste auf Norderney. Ihm fiel als erstem das Verschwinden der Wellhornschnecke an der Nordseeküste auf. TBT greift in kleinsten Mengen in den Hormonhaushalt von Lebewesen ein. Weibliche Meeresschnecken bilden einen Penis aus und werden unfruchtbar. Weltweit sind 100 Schneckenarten von diesem „Intersex“ oder „Imposex“ genannten Phänomen betroffen. Einzelne Arten drohen auszusterben. Bei Muscheln führt TBT zu Wachstumsstörungen. Fische reichern das Gift im Fett an. So gelangt TBT zum Menschen. Obwohl TBT-haltige Schiffsanstriche international für Schiffe unter 25 Metern Länge verboten sind, gelten in Deutschland gerade die kleinen Sportboothäfen an der Nord- und Ostseeküste als extrem belastet.