Guten Abend,

Herbstferien! In vielen Bundesländern haben sie schon begonnen, in manchen stehen sie noch bevor. Für die meisten (sagt die Statistik) heißt das: Koffer packen und ab in die Sonne. Also erst mal zum nächstgelegenen Flughafen. Wer nicht bei einem Thomas-Cook-Ableger gebucht hat, sollte eine reelle Chance haben, sowohl den Urlaub als auch den Heimflug ordnungsgemäß antreten zu können. Klima und Umwelt, ach ja, irgendwas war da, aber so ganz ohne Fliegen, geht das überhaupt?

So war es nicht immer. Der Freizeitmensch jettet noch nicht so lange in großer Zahl und Frequenz durch die Lüfte. Ich selbst hob erst mit achtzehn das erste Mal ab. Allerdings hatte ich einen Standortvorteil: „Sommerferien“ war für mich als Sylter Schülerin in den Siebzigerjahren gleichbedeutend mit Strand. Nachmittags baden und sonnen, abends Party, alles gratis vor der Haustür. Später als Studentin nahm ich mir in den Semesterferien (West)-Deutschland und Europa vor. Dafür reichten Bahn, Schiff, Trampen oder Mitfahrzentrale (für Millenials: beides eine Art Carsharing, Ersteres sogar kostenlos).

Ein paar Jahre später ergriff allerdings die Dienstreise von meinem Leben Besitz. Ich stieg ins Flugzeug wie andere Leute in den Bus und dachte insgeheim: Was könnte schöner sein, als mal zwei Wochen zu Hause zu verbringen? Aufräumen, ausschlafen, Füße hochlegen, Bücher lesen... Ja, ich kam viel herum in der Welt, preisen könnte ich die architektonischen Schönheiten all der Flughäfen, Bahnhöfe, Hotelzimmer, Büros und Konferenzräume.

Über den Wolken, das war mir schnell klar, ist die Freiheit zwischen Vordersitz, Rücklehne und Ellbogen des Sitznachbarn sehr eng begrenzt. Bahnfahren wäre mir viel lieber gewesen, aber das ging leider oft aus Termin- und sonstigen Gründen nicht (fahren Sie mal nach Dublin mit dem Zug), und die Klimadebatte war in den Achtzigerjahren noch kaum mehr als ein fernes Wetterleuchten.

Dann aber lag die Zeit als Festangestellte und Reisekader hinter und das neue Abenteuer der Solo-Selbstständigkeit vor mir. Zwar vermisste ich die Kolleginnen und Kollegen aus vielen verschiedenen Ländern, nicht aber die Fliegerei. Endlose Schlangen an Check-in und Security, absurde Abflugzeiten, stundenlange Verspätungen, verpasste Anschlussflüge, klaustrophobische Enge, verlorenes Gepäck – zumindest in der Holzklasse war das alles im Ticketpreis mit drin. Der chronischen Unlust, so eine fliegende Sardinenbüchse zu besteigen, fielen nach und nach auch die privaten Urlaubsflüge zum Opfer.

Glück gehabt, die Entwöhnung verlief ohne einen Hauch von Verzicht und Askese. Kein Flugcharme, aber auch keine Flugscham. Die Frage, die ich mir nicht stellen musste – wie reisen und Urlaub machen, ohne das Klima anzuheizen und die Umwelt zu zerstören? –, treibt allerdings Redakteurinnen und Redakteure des Greenpeace Magazins um, die ihre Argumente und Entscheidungen für und wider das Fliegen für die neue Ausgabe aufgeschrieben haben.

Die handelt nämlich vom Reisen mit reinem Gewissen. Dafür sind wir, mal abgesehen von der oben erwähnten Selbstbefragung, schön am Boden geblieben, teilweise sogar in den eigenen vier Wänden. Daheimbleiben, findet die Autorin Harriet Köhler, sei ein „Akt der Rebellion“, und zwar „gegen Erderwärmung und Wachstumslogik, gegen Overtourism und den Irrglauben, der geistige Horizont eines Menschen korreliere mit seinem Meilenkonto“. 

Raus aus dem Alltag und rein ins Wagnis – manchmal reicht dafür schon eine Hängematte. Solche „Mikroabenteuer“ erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Wenn Sie seltene Tiere und wilde Natur lieben, begleiten Sie meine Kollegin Katja Morgenthalter auf „Ostsafari“ nach Brandenburg, Thüringen und Vorpommern. Warum genüssliches Gehen das Denken befeuert, erklärt ein Profi-Spazierer, der übrigens recht flott unterwegs ist. Außerdem schaukeln wir im Nachtzug durch Europa und kommen im Schlaf ans Ziel. 

Die neue Ausgabe des Greenpeace Magazins gibt es ab sofort am Kiosk, in unserem Warenhaus oder im Abo. Sie können das Greenpeace Magazin auch in unserer digitalen Version lesen: mit allen Inhalten der Print-Ausgabe, optimiert für Tablet und Smartphone. Viel Inspiration beim Schmökern, Schauen und Teilen – und gute Reise!

Urlaub mit Bodenhaftung

Kerstin Eitner
Redakteurin

PS: Es (k)lebe die Umwelt! Gute Parolen am laufenden Band: „Planet Earth First“ steht zum Beispiel auf unserem Geschenkklebeband zum Einwickeln von Dingen aller Art. Jetzt eine Woche lang 20 Prozent reduziert.

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Guardians of the Earth

Es ist fünf vor zwölf, daran lässt diese aufrüttelnde Doku über den Klimawandel und die Rettung unserer Welt keinen Zweifel.