Guten Abend,

die Niederlande, Streber in Sachen nachhaltige Mobilität, wo statistisch gesehen jeder 1,2 Fahrräder besitzt, haben es mal wieder geschafft: Seit Montag darf die Stadt Utrecht sich des mit 12.500 Stellplätzen größten Fahrradparkhauses der Welt rühmen. Mit der Inbetriebnahme der letzten Erweiterungsflächen habe man nun, so verkündeten stolz die Medien, den bisherigen Spitzenreiter Tokio (10.000 Stellplätze) „vom Thron gestoßen“. Der gigantische Fahrradkeller – die ganze Konstruktion befindet sich unter der Erde – ist 350 Meter lang und drei Etagen hoch. Über die Hälfte der Baukosten von rund 30 Millionen Euro hat der Eisenbahnkonzern „Pro Rail“ aufgebracht, den Rest teilten sich Stadt und Staat.

Utrecht selbst hat zwar nur gut 350.000 Einwohner (von denen sich mehr als ein Drittel täglich aufs Rad schwingt), verfügt aber über den größten Bahnhof der Niederlande mit knapp zwei Millionen Fahrgästen pro Tag. Während unten fleißig gebaut wurde, ging oben der Betrieb weiter. (Liebe Utrechter Stadtverwaltung! Wir hätten da auch so ein unterirdisches Projekt, es heißt „Stuttgart 21“. Wenn Ihr also mal Zeit habt…) Von dem Umsteigeknotenpunkt führen Verbindungen zu praktisch jeder Großstadt des Landes und auch nach Deutschland. Die Hälfte aller Bahnreisenden kommt mit dem Fahrrad zum Bahnhof. Da war der Platz zum Abstellen der fahrbaren Untersätze dann im Lauf der Zeit doch etwas knapp geworden.

Geplant wird in Utrecht nach dem Motto: Erst mal sehen, wie viele Fahrradspuren wir brauchen, dann sind die Fußgänger dran, und was übrig ist, können die Autos haben. So radeln die Niederlande im Allgemeinen und Utrecht im Besonderen munter von Superlativ zu Rekord. Kaum hat man die größte Fahrradgarage der Welt verlassen, landet man auf dem meistbefahrenen Radweg des Landes, 33.000 Räder täglich in jeder Richtung. Es kommt zu Staus vor den Eisenbahngleisen. Aber wohl nicht mehr lange, ein Fahrradtunnel ist in Planung.

Einen hab ich noch. Auch der Rückbau der autogerechten Stadt, die Utrecht in den Siebzigerjahren mal war oder zumindest sein wollte, läuft „op wieltjes“ (auf Rädern, ein Synonym für reibungslos), wie man auf Niederländisch sagt: Straßen zu Grachten. Direkt vor dem Bahnhof soll schon nächstes Jahr wieder Wasser durch den einst zugeschütteten ehemaligen Kanal fließen, bis 2030 will die Stadt daraus ein begrüntes Naherholungsgebiet machen. Schon 2025 wird die historische Innenstadt nach dem Willen der Stadtverwaltung eine „Zero Emission“-Zone sein, Zufahrt verboten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

So viel Grün, ich werde gelb vor Neid. Es heißt ja, auch unser Bundesverkehrsminister habe mittlerweile das Rad wenn nicht neu erfunden, so doch sein Herz dafür entdeckt. Damit meine ich nicht seine umstrittene Helmkampagne, sondern ein paar zaghafte Signale: Immerhin ist der Haushaltsposten für den Radverkehr von 100 auf 150 Millionen Euro aufgestockt und im Ministerium eine entsprechende Stabsstelle eingerichtet worden, das Zuparken von Radwegen soll teurer und ein paar Paragraphen in der Straßenverkehrsordnung geändert werden.

Netter Anfang, aber bis zur Verkehrswende sind noch ein paar hundert Millionen Euro und viele, viele beherzte Initiativen Luft nach oben – darunter Folterinstrumente wie Citymaut, Tempolimits, Abschaffung des Dieselprivilegs, Verteuerung des Parkens und Umwidmung von Pkw-Parkplätzen zu Radwegen oder Fahrradstellplätzen. Natürlich sind auch Bundesländer, Städte und Gemeinden herzlich eingeladen, sich für die Verkehrswende zu engagieren. Alle, die das schon tun, seien hiermit gelobt und beglückwünscht.

Ich halte mich einstweilen, was bleibt mir in Hamburg anderes übrig, an die Devise „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, holpere weiter über die schmalen Buckelpisten, die angeblich Radfahrwege darstellen sollen, suche verzweifelt nach einem Geländer oder Metallbügel zum Anschließen des Fahrrads und träume vom Utrecht-Utopia.

Und hier noch ein Hinweis, nicht nur für Radlerinnen und Radler (für die aber auch): Sollten Sie in Berlin wohnen oder vom 23. bis 25. August dort weilen, statten Sie doch mal bei bestem Wetter dem größten veganen Sommerfest auf dem Alexanderplatz einen Besuch ab. Das Greenpeace Magazin ist wieder Medienpartner des Festes und wird mit einem Stand vor Ort sein. Wir freuen uns, wenn Sie vorbeischauen!

Utopia in Utrecht // Unsere Leseempfehlung zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

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