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Verfolgte Minderheiten

Greenpeace Magazin Ausgabe 1.09

Verfolgte Minderheiten

Ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheiten leiden in vielen Teilen der Welt unter Diskriminierung und lebensbedrohender Verfolgung.

Die Unbeugsame Trotz Schikanen und Jahren im Gefängnis kämpft Rebiya Kadeer für die Rechte der Uiguren in China. Eine Zeit lang versuchen die Machthaber in Peking, diese unbequeme Frau für ihre Zwecke einzubinden: Sie berufen sie in den Volkskongress des Uigurischen Autonomen Gebietes Xinjiang im Nordwesten Chinas, später in den Nationalen Volkskongress. Sie bieten ihr den Schutz der Partei an – unter einer Bedingung: Die aufmüpfige Uigurin müsse „gehorsam“ werden. „Denken Sie daran“, warnt der Beamte des Ordnungsministeriums: „Sie sind nur eine Frau und können nicht die Probleme eines ganzen Volkes lösen.“ Doch genau das hat sich Rebiya Kadeer vorgenommen: Die Uiguren, ein muslimisches Turkvolk, sollen endlich die gleichen Rechte haben wie die Chinesen. Bisher ist ihre Kultur verboten, Männer werden von Polizisten geprügelt, junge Frauen zur Prostitution gezwungen. Die wohlhabende Geschäftsfrau nutzt ihr Geld, um Armen zu helfen, und ihre Abgeordnetenrechte, um die Übergriffe der Chinesen in Xinjiang anzuklagen. Als „Verräterin“ wird Rebiya Kadeer schließlich verhaftet und kommt erst nach sechs langen Jahren wieder frei. Seit 2005 lebt die heute 60-Jährige mit ihrem Mann und sechs von elf Kindern in den USA. Als Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren wirbt sie unermüdlich weiter um Solidarität mit ihrem unterdrückten Volk.
Rebiya Kadeer/Alexandra Cavelius: Die Himmelsstürmerin. Chinas Staatsfeindin Nr. 1 erzählt aus ihrem Leben. Heyne, München 2007, 416 Seiten, 19,95 Euro. Ab Januar auch als Taschenbuch für 9,95 Euro erhältlich.

Arm und ausgegrenzt
Roma bilden mit rund zwölf Millionen Menschen die größte ethnische Minderheit in der EU. Die meisten leben in Südosteuropa in gro­ßer Armut. Ausgrenzung und Arbeits­losigkeit sind an der Tagesordnung, Kinder werden vielfach nur aufgrund ihrer Herkunft in Son­der­­­schulen gesteckt. Laut Weltbank liegt die Lebenserwartung der Roma bis zu 15 Jahren unter dem euro­päischen Durchschnitt, die Säuglingssterblichkeit ist doppelt so hoch.

Vertriebene Insulaner
Die rund 2000 ehemaligen Bewohner des Chagos-Archipels im Indischen Ozean dürfen nicht in ihre Heimat zurück, entschieden kürzlich die Lordrichter des britischen Oberhauses. Die Chagossianer wurden vor 40 Jahren brutal von ihren – unter britischer Herrschaft stehenden – Atollen vertrieben, da die größte Insel Diego Garcia für den Bau einer Militärbasis an die USA verpachtet wurde.  
Mehr zum Thema: Greenpeace Magazin 4.08

Christenverfolgung in Indien
Im ostindischen Bundesstaat Orissa sind Zehn­tausende Christen auf der Flucht. Seit der Ermordung eines Hindu-Führers im August, zu der sich inzwischen Maoisten bekannt haben, überfallen fanatische Hindus Christen, zerstören Häuser und Kirchen. Wie viele Menschen dabei starben, ist unklar. Rund zwei Prozent der indischen Bevölkerung gehören dem christlichen Glauben an.

Universitäten fürs Volk
Aymara, Quechua und Guaraní sind die Unterrichtssprachen dreier neuer Universitäten in Bolivien. Mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind Indigene, die große Mehrheit von ihnen lebt verarmt auf dem Land oder in Slums. Sehr viele sprechen kein Spanisch, die Sprache der weißen Oberschicht. Ein­nahmen aus der seit 2007 verstaatlichten Erdgasförderung finanzieren die neuen Hochschulen.

Bedrohte Minderheiten  
In vielen Ländern der Welt ist das Leben für ethnische und religiöse Minderheiten extrem gefährlich. Am meisten fürchten müssen sie sich in:
Somalia, Irak, Sudan, Afghanistan, Burma, DR Kongo, Pakistan, Nigeria, Äthiopien und Tschad.
Lesben und Schwule werden in folgenden Staaten mit der Todesstrafe bedroht:
Afghanistan, Iran, Jemen, Mauretanien, Pakistan, Saudi-Arabien, Sudan, Vereinigte Arabische Emirate, Teile Nigerias

Quellen: Minority Rights Group International: State of the World’s Minorities 2008, International Lesbian and Gay Association, Lesben- und Schwulenverband Deutschland

Eine Demokratie, die die Anerkennung der Minderheitenrechte nicht als grundlegend begreift, kann nicht lange überleben.
Franklin D. Roosevelt, US-Präsident 1933-1945