Guten Abend,

wer kennt es nicht: Mirácoli, ein vage an Spaghetti alla napoletana erinnerndes Halbfertiggericht. Ein Wunder (italienisch miracolo) ist eigentlich nur, dass das in den USA zusammengerührte und seit 1961 in Deutschland erhältliche Zeug offenbar gekauft wird, wo doch kaum etwas einfacher zu kochen ist als Nudeln mit Tomatensoße. Jetzt hat die Verbraucherzentrale Hamburg ihm einen Preis verliehen: Mirácoli ist „Mogelpackung des Jahres 2019“. Bei einer Abstimmung über fünf verschiedene Produkte votierte die Mehrheit für den Fake-Italiener. Zur Wahl stand er, weil der Hersteller den früher mitgelieferten Käse komplett aus der Packung verbannt und auch bei Tomatensoße und Würzmischung gespart hat, den Preis jedoch ohne jeden Hinweis unverändert ließ.

Seit fünfzehn Jahren wird die Mogelpackung des Jahres gekürt, und die Verbraucherschützer haben schon so einiges gesehen. Da werden Füllmengen verringert, während Packungsgröße und Preis gleich bleiben (mehr Müll und Luft fürs Geld); mitunter schrumpfen Packung und Inhalt, nicht aber der Preis, oder es gibt so lange mal mehr, mal weniger Inhalt, bis niemand mehr durchblickt. Fertiggerichte, Knabberkram, Süßigkeiten, Getränke, Kosmetik, Babywindeln, Waschmittel oder Tierfutter – alles dabei, Hauptsache verpackt.

Gemogelt wird auch auf andere Weise: Die Organisation Foodwatch prämiert mit ihrem „Goldenen Windbeutel“ jedes Jahr die dreisteste Werbelüge. 2019 durfte der Bio-Hersteller Zwergenwiese den Schmähpreis für seine total überzuckerte Kinder-Tomatensoße entgegennehmen – und tat das immerhin tatsächlich, ein Novum in der Windbeutel-Historie. Bei der Übergabe versprach der Geschäftsleiter vor laufender Kamera, die Rezeptur für die Soße zu ändern.

Schummeleien und falsche Werbeversprechen mögen moralisch oder ökologisch fragwürdig sein, illegal sind sie bislang nicht (es sei denn, sie überschreiten die Grenze zum Betrug wie bei den Abgasmanipulationen der Autoindustrie). Dabei kann so etwas beträchtlichen Imageschaden verursachen. Shell musste das vor 25 Jahren erfahren: Während der Konzern sich in einer millionenschweren Werbekampagne für sein ökologisches Verhalten lobte (Mülltrennung an Tankstellen und dergleichen), bereitete er zur gleichen Zeit die Versenkung ausgedienter Ölplattformen im Meer vor. Greenpeace deckte das auf und besetzte die Plattform Brent Spar. Es folgte ein mehrwöchiges Katz-und-Maus-Spiel auf hoher See, und der Konzern geriet auch wegen seines sturen und ruppigen Auftretens immer mehr in die Defensive. Als infolge von Tankstellenboykotts die Umsätze einbrachen, gab er schließlich klein bei, versenkte seine Versenkungspläne und gelobte in ganzseitigen Anzeigen, sich zu ändern.

Doch selbst der potenzielle Verlust von Glaubwürdigkeit und Kundschaft schreckt viele Firmen offenbar nicht ab. Machen doch alle! Derzeit gerade sehr angesagt: Greenwashing. Man gibt sich grün, nachhaltig und vor allem klimafreundlich, aber die britische Nichtregierungsorganisation CDP (Carbon Disclosure Project) hat festgestellt: Deutsche Firmen schneiden beim Klimaschutz im internationalen Vergleich nicht gut ab.

Wenn ich es recht überlege, ist auch die Politik keineswegs über Mogelpackungen erhaben. In letzter Zeit gab es ein paar. Klimapaket, Kohlekonsens, Finanztransaktionssteuer, das klingt erst mal beeindruckend, aber wenn man näher rangeht, sieht man: Viel Verpackung mit wenig Inhalt, und Otto und Ottilie Normalverbraucher kommt es ziemlich teuer zu stehen.

Wir sehen also: Mirácoli ist überall. Schön, wenn jemand aufpasst.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Kerstin Eitner
Redakteurin

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