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Sommeranfang! Am 21. Juni um 17.54 mitteleuropäischer Sommerzeit steht die Sonne über dem nördlichen Wendekreis, und nach unserem Kalender beginnt dann auf der Nordhalbkugel die nach Meinung vieler, wenn nicht der meisten Menschen schönste Jahreszeit. Schulferien, Urlaub, Gartenpartys, Festivals, Badesee, das ist ja auch alles ganz wunderbar, aber in Wirklichkeit ist der Sommer doch ein großer Betrüger, denn ohne irgendwem irgendwas vermiesen zu wollen: Eigentlich geht es ab jetzt wieder bergab. Die Tage werden, zuerst kaum merklich, unaufhaltsam kürzer.

Für die Biene jedenfalls war es das mit dem Wachstumskurs, nach der Sommersonnenwende beginnt die Vorbereitung auf den Winter. Schwarmbildung und Hochzeitsflüge hat sie erledigt, ab Juli legt die Königin weniger Eier, das Volk wird kleiner. Die Nektarvorräte werden unterdes fleißig weiter aufgestockt Im August schlüpfen die Winterbienen, die deutlich länger leben als ihre Schwestern – bis zu acht Monate statt nur fünf Wochen.

Spätestens im September ist für die männlichen Bienen, die Drohnen, Schluss mit lustig: Erst werden sie nicht mehr gefüttert, dann buchstäblich zur Tür, sprich zum Flugloch, hinausgeworfen und sind damit dem Tod geweiht. Ab Oktober herrscht Winterruhe im Stock. Aber was heißt bei Bienen schon Ruhe: Zusammengeballt zur Wintertraube, müssen sie durch Vibration ihrer Flugmuskeln die Innentemperatur auch bei Frost auf mindestens 20 Grad Celsius halten – im Rotationsverfahren. Wenn es am äußeren Rand der Wärmekugel zu kalt wird, tauschen sie die Plätze. Nach der Wintersonnenwende am 21. Dezember heizen sie das Innere der Kugel bis auf 35 Grad hoch, und der Kreislauf beginnt von vorn.

Der Klimawandel allerdings bringt bei Bienen und anderen Bestäuberinsekten die innere Uhr durcheinander. Wird es zu früh im Jahr wärmer als zehn Grad, fliegen einige schon los, auch wenn die Blüten noch geschlossen sind. Ein geänderter Temperaturverlauf kann dazu führen, dass Insekt und Pflanze sich sozusagen verpassen. Erstere finden kein Futter, Letztere werden nicht bestäubt. Die Verschiebung ist für Bienen misslich, für wild lebende Solitärbienen und andere Insekten kann sie dramatische Folgen haben. Denn anders als beim Nutztier Biene kümmert sich niemand um sie, und so verschwinden sie oft unbemerkt aus den ohnehin immer mehr verödenden Landschaften.

Brüten Bienen in warmen Wintern ganzjährig, können sich auch eingeschleppte Schädlinge wie die Varroamilbe prächtig vermehren, was womöglich erst im Herbst auffällt, wenn die Bienenvölker schrumpfen. Weitere Parasiten oder bienenjagende Insekten aus Afrika und Asien sind wegen der steigenden Temperaturen auf dem Vormarsch nach Norden und haben es teils bis nach Südeuropa, teils auch schon nach Deutschland geschafft. Weil Bienenköniginnen kreuz und quer durch die ganze Welt verschickt werden zwecks vermeintlicher Optimierung durch Zucht, wird die natürliche Selektion ausgebremst, die Widerstandsfähigkeit sinkt weiter.

Die Honigbienen selbst machen als effiziente Sammlerinnen ihren wilden Verwandten das Leben schwer – oder besser gesagt der Mensch, wenn er Bienenstöcke in der Nähe von Naturschutz- oder naturbelassenen Gebieten aufstellt. Die nicht so zahlreichen Wildbienen, oft auf bestimmte Pflanzen spezialisiert, kommen gegen die Übermacht der domestizierten Konkurrenz nicht an, auch andere Insekten haben das Nachsehen. Auch Krankheiten werden dabei leicht übertragen. Dabei geht es nicht um Hobbyimker, die im Garten oder auf dem Dach in der Stadt ein paar Bienenvölker halten, sondern um Intensivimkerei, die ähnlich wie Intensivlandwirtschaft eben nicht ohne ökologische Auswirkungen zu haben ist. „Eine wesensgemäße Bienenhaltung mit natürlichen Volksstärken, gesunden Völkern und mäßigen Wanderbewegungen geht einen Weg, bei dem Honigbienen und Wildbienen in Einklang leben können“, schreibt Matthias Wucherer vom Netzwerk Blühende Landschaft in einem Blogbeitrag.

Ich lasse die Bienen jetzt mal in Ruhe mit ihren Wintervorbereitungen beginnen und treffe meinerseits Vorbereitungen für den Sommerurlaub. Am 19. Juli melde ich mich in alter beziehungsweise neuer Frische zurück.

Von wegen Sommer: Fragen Sie mal die Biene // Unsere Leseempfehlung zum Wochenende

Kerstin Eitner
Redakteurin

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