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Wale und Weltraum? Der einzige Wal dort ist das Sternbild mit der unkorrekten Bezeichnung Walfisch (wie wir alle wissen, handelt es sich nicht um einen Fisch, sondern um ein Säugetier), das sich in der Umgebung des Himmelsäquators befindet und im Herbst sichtbar ist.

Doch der kommerzielle Erdbeobachtungssatellit WorldView3 macht es mit seiner sehr hohen Bildauflösung von 31 Zentimetern möglich, extraterrestrisches Whale Watching zu betreiben. Nicht zur Bespaßung von Touristen, versteht sich, wohl aber als wissenschaftliche Disziplin.

Genau das hat ein Forschungsteam des British Antarctic Survey (BAS) und der Universität Cambridge getan und erfreut festgestellt, dass der Satellit aus einer Höhe von 620 Kilometern ziemlich scharfe Bilder von Walen liefert. 200 Tiere, verteilt über vier Meeresgebiete mit einer Ausdehnung von 4320 Quadratkilometern, zählte die Doktorandin Hannah Cubaynes. Sie konnte nicht nur Rücken- und Schwanzflossen erkennen, sondern bei der Hälfte ihrer Sichtungen die jeweilige Art sicher identifizieren. Bei Finn- und Grauwalen war das recht einfach, weil sie sich durch ihre Körperfärbung deutlich vom Wasser abheben, bei Buckelwalen und Südkapern schon schwieriger.

Jetzt möchten die Wissenschaftler einen Algorithmus entwickeln, mit dem ein Computer künftig die Bilder automatisch vorsortieren kann. Als nächstes wollen sie dann ein 36.000 Quadratmeter großes Schutzgebiet für Meeressäuger im Ligurischen Meer nördlich von Korsika untersuchen. Wenn man weiß, wo Wale sind und wohin sie ziehen, lassen sich Kollisionen mit Schiffen besser vermeiden.

Denn die ganze Sache ist natürlich kein Selbstzweck. Wenn die Meeressäuger in Zukunft vom All aus überwacht werden können, ist das effektiver und kostengünstiger, als ihnen hinterherreisen und sie mühsam von gecharterten Booten oder Flugzeugen aus aufspüren oder gar von Land aus beobachten zu müssen. Wale, sagte Hannah Cubaynes der BBC, seien wichtige Indikatoren für den Zustand von Ökosystemen, und je mehr man darüber wisse, desto besser könne man sie schützen.

Das ist – anders als bei Überwachungsprogrammen, die menschliches Wohlverhalten dokumentieren oder militärischen Zwecken dienen – ein begrüßenswertes Beispiel dafür, dass der „Große Bruder“ auch Gutes bewirken kann. Fragt sich nur, wo wir ganz fix weitere Erkenntnisse herbekommen, die dabei helfen, das sechste große Artensterben wenn nicht zu stoppen, so doch aufzuhalten. Nach Aussage vieler Wissenschaftler schreitet es mit Riesenschritten voran. Das fünfte ist schon ein Weilchen her, so um die 65 Millionen Jahre, und löschte unter anderem die Dinosaurier aus.

Es herrscht zwar Einigkeit, dass die Lage dramatisch ist, aber wie viele Arten jedes Jahr verloren gehen, lässt sich nur schätzen. 20.000? Oder doch eher 60.000? Viele Spezies verschwinden, bevor sie überhaupt entdeckt worden sind, die meisten davon eher unspektakulär und so klein, dass auch ein Satellit sie nicht erspähen könnte. Anders als bei der am 24. Juni 2012 verstorbenen Galápagos-Schildkröte „Lonesome George“ wird niemand von ihrem Aussterben Notiz nehmen. Der von Krefelder Insektenforschern dokumentierte drastische Schwund bei den Fluginsekten sorgte immerhin dafür, dass nun auch die Politik aufgewacht ist, aber wer kümmert sich um die zahl- und namenlosen Schnecken, Fische, Vögel, Säugetiere und Pflanzen überall auf der Welt?

Das müssen wir tun, denn schließlich ist unser gigantischer Ressourcenverbrauch durch Überfischung, Abholzung, Versiegelung und Landschaftsverödung, Vergiftung, Vermüllung und Klimawandel die Ursache für das Schlamassel. Bei den Finnwalen haben wir die Kurve gekriegt: Das Verbot der kommerziellen Jagd und internationale Schutzabkommen haben dazu geführt, dass sich ihre Bestände seit den Siebzigerjahren auf heute etwa 100.000 verdoppeln konnten. Und so ziehen sie als mahnendes Beispiel durchs Meer, unter dem wachsamen Auge von WoldView3.

Wale, Weltraum, Wissenschaft

Kerstin Eitner
Redakteurin

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