Wegweiser

Charis Wuthenow

„Alle können etwas gegen Lichtverschmutzung tun.“
© LemrichCharis Wuthenow

Rettung für Nachtschwärmer

Charis Wuthenow hätte nicht gedacht, dass sie einmal 8334 Mücken zählen würde. Einzeln. Sie hätte auch nicht geahnt, dass sie einmal Nachtfalter durch ein Mikroskop betrachten und „wahnsinnig schön und gruselig“ zugleich finden würde. Wuthenow, 29 Jahre alt, Biologin, arbeitet für das Umweltzentrum Fulda. Aktuell kümmert sie sich um nachtaktive Insekten, die durch die Lichtverschmutzung immer seltener werden.

Überall strahlt das Licht: Leuchtreklame, Gartenlichter, Gebäudebestrahlung und natürlich Straßenlaternen. „Man spricht von einem Staubsaugereffekt“, sagt Charis Wuthenow. Das Licht strahlt in alle Richtungen und zieht Insekten an, die dann so lange um die Lichtquelle schwirren, bis sie erschöpft sterben. „Dadurch werden zum Beispiel Straßenlaternen zu Lichtbarrieren. Sie zerschneiden die Lebensräume der Insekten und sorgen dafür, dass die Falter nicht mehr von Wiese zu Wiese kommen“, erklärt Wuthenow.

Um diese Todesfalle zu entschärfen, haben sich das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und der Fachbereich Lichttechnik der TU Berlin sowie vier Städte und Gemeinden, darunter Fulda, für ein Pilotprojekt zusammengetan. Gerade läuft Phase eins. Dazu hat die Biologin die Straßenlaternen entlang des Fuldaer Flussuferweges mit Insektenfallen ausgestattet. Diese werden ab Sonnenuntergang aktiviert. „Alle Wanzen, Falter, Köcherfliegen und andere Insekten, die wir fangen, werden von mir gezählt und nach Ordnungen sortiert“, sagt Wuthenow.

Ende 2021 beginnt Phase zwei. Dazu werden die Straßenlaternen so umgebaut, dass das Licht nicht mehr breit streut, sondern direkt auf den Boden fällt. So soll verhindert werden, dass es in die Flugbahnen hineinscheint und die Insekten anzieht. Anschließend werden wieder zwei Jahre Insekten gefangen. „Dadurch erhalten wir Vergleichszahlen und können so hoffentlich die Effektivität beim Insektenschutz beweisen“, sagt Wuthenow. Ihr Ziel: bundesweit Städte davon zu überzeugen, ihre Laternen umzurüsten. Übrigens könne „fast jeder etwas gegen Lichtverschmutzung tun. Den Garten nicht durchgängig beleuchten zum Beispiel, oder das eigene Haus nicht mehr anstrahlen.“

© LemrichCharis Wuthenow

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