Wegweiser

Claudia Leikam

„Die Schulen müssen für die Hightech-Bienenstöcke nichts bezahlen.“
Claudia Leikam

Die Bienen des Umweltprojekts „we4bee“ leben nicht in irgendeinem 08/15-Bienenstock. Was aussieht wie ein riesiges hölzernes Vogelhaus, ist ein „Smart Home“: Kameras und Sensoren messen elf verschiedene Werte wie Feinstaub, Luftfeuchtigkeit oder das Gewicht. Big Brother für Bienen, sozusagen: Die Forscher wollen mehr Wissen über die Insekten erlangen und brauchen dafür Partner, die bereit sind, die Bienenhäuser bei sich aufzustellen. Hier kommen vor allem Schulen ins Spiel, weshalb das Projekt auch eine wunderbare Form der Umwelterziehung ist.

Claudia Leikam ist die Geschäftsführerin von „we4bee“. Ihre Aufgabe: den Forschungspartnern für ihre Schulhöfe einen smarten Bienenstock auszuleihen. Lehrer und Schüler übernehmen die Verantwortung für das Wohl der Bienen – nahbarer kann Naturschutzunterricht kaum sein. „Die Schulen müssen für die Hightech-Bienenstöcke nichts bezahlen“, sagt sie.

Wie die Schüler musste sich auch Claudia Leikam erst in das Thema einarbeiten: „Ich bin wie Maria zum Kinde zu den Bienen gekommen“, erzählt die promovierte Biomedizinerin. Sie hatte bei einer IT-Firma gearbeitet, die im gleichen Gebäude saß wie „we4bee“ – und fand das Projekt spannend. Auch weil die Honigbiene ein Sympathieträger sei, erklärt sie, und damit perfekt geeignet, um auf den dramatischen Insektenschwund hinzuweisen und die Menschen für den Naturschutz zu mobilisieren. Also heuerte sie bei dem Bienenforscher Jürgen Tautz an, der das Projekt ins Leben gerufen hatte. Als dessen Mitarbeiterin kümmert sie sich neben der Bienenstock-Logistik auch um die Website, die App und die vielen Nutzerfragen.

„Wir sollten stärker auf die Natur hören“, sagt die 40-Jährige. „Denn Bienen sind sensible Bio-Sensoren für sämtliche Umwelteinflüsse, darunter auch Unwetter und Erdbeben.“ Sie seien vermutlich sogar Seismografen überlegen, erklärt Leikam, auch wenn das Verhalten der Insekten bei Katastrophen noch nicht erforscht sei. Das soll sich nun durch die Analyse des Informatikers Andreas Hotho von der Uni Würzburg ändern. Mit seinem Team wird er die zahlreichen Daten aus den smarten Bienenstöcken sammeln und aufbereiten. Bienen sind also nicht nur als Bestäuber und Botschafter der Artenvielfalt gefragt – sondern dank „wee4bee“ nun auch als wissenschaftliche Mitarbeiter.

Claudia Leikam

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