Wegweiser

Elena Tzara

„Wir fragen, wie viel jeder braucht.“
Elena Tzara

Flaschenweise anders wirtschaften
Eines Tages lag Uwe Lübbermann in seiner Badewanne, trank aus einer Flasche seiner Lieblingscola und stellte fest: Sie schmeckt anders. Er checkte das Etikett. Kein Hinweis. Lübbermann forschte nach und fand heraus, dass die Rezeptur geändert wurde. „Einfach so, ohne uns Kunden zu informieren.“ Der Hamburger suchte weiter und stieß auf das Originalrezept. Nach diesem ließ er tausend Flaschen abfüllen – für sich, für Freunde und Bekannte. Als die Flaschen leer waren, bestellte er noch einmal tausend Stück.

„Und damit hatte ich aus Versehen eine Getränkemarke gegründet, Premium-Cola.“ Doch ein klassischer Unternehmer oder gar Chef wollte er nicht sein. Gewinnmaximierung, Marktanteile, Hierarchien – in diesen Kategorien will er nicht denken. „Das ist es doch, was unseren Planeten zerstört“, sagt der 44-Jährige. Also gründete er ein Kollektiv, möglichst nachhaltig und fair. Das war vor knapp zwanzig Jahren. Heute produziert es neben der Cola auch Bio-Bier, Mate und Holunderbrause. Bis zu 1,6 Millionen Flaschen werden jährlich in Cafés, Kneipen und auf Festivals verkauft. Vom Erlös haben alle etwas.

Wie das funktioniert, erklärt Elena Tzara. Die 32-Jährige arbeitet seit 2014 für das Kollektiv: „Wir fragen, wie viel jeder braucht.“ Alle Händler und Dienstleister teilen regelmäßig mit, wie viel Cent pro Flasche an jeden von ihnen gehen sollen. Die Abfüller bekommen zum Beispiel 13,5 Cent. Vier Cent kosten die Zutaten. 0,5 Cent gehen an die Druckerei für das Etikett aus recyceltem Papier, Ökofarbe und veganem Leim. Das Besondere: Die Zahlen sind für alle Beteiligten einsehbar – in der Getränkebranche ist das nicht üblich.

Die elf Menschen, die direkt im Kollektiv tätig sind, bekommen 18 Euro pro Stunde, den Lohn haben alle gemeinsam festgelegt. Abgestimmt wurde schon vor der Pandemie online. Premium-Cola hat keine Büros oder Abfüllanlagen, nicht einmal eigene Lkws oder Lagerhallen. „So haben wir bereits mit 1700 Geschäftspartnern zusammengearbeitet, ohne einen einzigen Vertrag und nicht einen Rechtsstreit“, sagt Uwe Lübbermann. Die Pandemie ließ die Umsätze um bis zu 95 Prozent einbrechen. Also fragte das Kollektiv wieder nach den Bedürfnissen aller Beteiligten, bietet Vorauslieferung, Vorausbezahlung oder eine Liquiditätsüberbrückung. Die Kollektiv-Mitarbeitenden nahmen Zweitjobs an. „Niemand wird hängen gelassen“, so Lübbermanns Devise. „Gemeinsam überleben wir.“

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