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Hagen Matuszak

„Wenn wir billig produzierte Sneaker tragen, dann doch so lange wie möglich.“
Hagen Matuszak

Es ist 2019 und alle tragen Sneaker. Oder, wie sie in grauer Vorzeit hießen: Turnschuhe. Jugendliche, weil sie cool aussehen, Senioren, weil sie bequem sind, alle anderen, weil sie cool aussehen und bequem sind. Rund 67 Milliarden Euro wurden 2017 in der EU für Schuhe ausgegeben, 5,5 Paare leisten sich die Europäer pro Kopf und Jahr. Problem: Die Schuhe halten oft nicht lange – und landen dann in der Tonne.

Das will Hagen Matuszak ändern: „Wenn wir schon billig produzierte Sneaker tragen, dann doch wenigstens so lange wie möglich.“ Der Berliner hat eine bestechende Idee: Er bietet einen Reparaturservice für Sneaker an und macht dabei nebenbei sein Handwerk wieder zukunftsfähig. Warum ist eigentlich nicht schon früher jemand darauf gekommen?

Der 23-Jährige ist gelernter Orthopädieschuhmacher, nach der Schule erlernte er das Handwerk seines Vaters. „Für die meisten Menschen sind Turnschuhe Wegwerfware – auch, weil traditionelle Schuhmacher mit den verwendeten Mischmaterialien wenig anfangen können.“ 2018 gründete er „Sneaker-Rescue“: Er stopft Löcher, klebt abgelöste Sohlen, bessert kaputte Fersenfutter aus, um möglichst nah an den Originalzustand zu kommen. Zwischen zwanzig und fünfzig Euro kostet eine Reparatur je nach Aufwand.

Heute arbeiten vier Menschen in seinem Team, alles junge Schuhmacher. Kunden bringen ihre Schuhe in der Werkstatt in Pankow vorbei, schicken sie mit der Post oder werfen sie in Boxen ein, die in einigen Bioläden in Berlin stehen. 250 Paare repariert er im Monat, Tendenz steigend. Matuszak plant, bald jede Reparatur mit einer Spende an Organisationen zu verbinden, die sich für die Arbeiter in Turnschuhfabriken zum Beispiel in Asien einsetzen. „Uns geht es nicht darum, zu missionieren – wir gönnen uns alle gerne schöne Schuhe“, sagt Matuszak. „Aber wir wollen eben, dass die hübschen Teile nicht achtlos konsumiert werden.“

Hagen Matuszak

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