Wegweiser

Lorenz Halt

„Beim Recyceln von Elektroauto-Akkus ist Automatisierung angesagt.“
Lorenz Halt

Mit Robotern Rohstoffe wiedergewinnen

Jeder Akku hat mal ausgedient, auch der eines Elektroautos. Um den ökologischen Reifenabdruck schmal zu halten, muss er recycelt werden: Je nach Verfahren kann viel vom verbauten Kobalt, Nickel, Lithium, Kupfer, Grafit, Mangan und Aluminium wiederverwendet werden. Dafür muss man die Rohstoffe trennen – und das bald massenhaft, wenn es mit der Elektromobilität vorangeht. Doch so ein Akku wiegt oft mehr als 300 Kilogramm, Hunderte Volt brandgefährliche Spannung können anliegen. Eine Aufgabe für Roboter, dachten sich Lorenz Halt und sein Team vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. Mit Hochschulen und Industriepartnern, etwa dem Batterierecycler Erlos, tüfteln sie seit drei Jahren, der Prototyp steht. Er heißt nüchtern Demobat: Demontage von Batteriesystemen. Und Halt, der sich schon als Student auf Kybernetik spezialisiert hat, sagt über sein Fach: „Das hört sich abgefahrener an, als es ist.“ Man bringe einfach Maschinen per Software Verhaltensmuster bei.

Bei dieser Maschine ortet eine Kamera zunächst die Schrauben. An die hundert müssen gelöst werden – und sie liegen stets woanders, denn die Akkus sind nicht genormt. Halts Team hat Demobat beigebracht, wie ein Mensch vorzugehen: Peu à peu greift er zu härteren Mitteln. Nach einer halben Umdrehung mit dem Schrauber weiß er, ob er Erfolg haben wird. Nein? Dann drückt er fester oder schraubt aus einem anderen Winkel. Noch immer kein Erfolg? Dann wird gebohrt oder gefräst. „Dabei fliegen aber Späne“, sagt Halt. „Die Schraube kann dann nicht sortenrein sortiert werden.“

Ist das Gehäuse dank Schrauber und Bohrer, Knacker und Greifer, Saugnapf und Absauger geöffnet, „kommen wir an die Innereien“, sagt Halt. Dort kappt Demobat Kabel und zieht Stecker. Dann sind die Akkuzellen frei und bereit fürs chemische Recycling – der nächste Roboter übernimmt, auch er in Entwicklung beim Fraunhofer-Institut. Fertig wäre die Kreislaufwirtschaft.

Eins betont Lorenz Halt aber noch: Bevor Demobat ans Werk geht, sind schwächelnde E-Auto-Akkus oft noch für eine zweite Karriere gut – etwa als Puffer, der Solarstrom vom Dach eines Wohnhauses zwischenspeichert. Der destruktive Roboter muss sich dann noch eine Weile gedulden.

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