Wegweiser

Valentin Gutknecht

„Wir wollen Beton CO2-neutral machen.“
© Philip FroweinValentin Gutknecht© Philip Frowein

Wirkmächtiger Werkstoff
Der Schweizer Valentin Gutknecht und sein Mitgrün der Johannes Tiefenthaler setzen mit ihrem Start-up „Neustark“ da an, wo ein großer Teil der Emissio nen entsteht: in der Baubranche. Allein die Zementindustrie verursacht acht Prozent des weltweiten jährlichen CO2-Ausstoßes, schuld ist der energieintensive Brennvorgang bei der Herstellung von Zement, der anschließend durch Vermengen mit Kies oder Sand und Wasser zu Beton wird.

„Beton hat die Eigenschaft, durch einen natürlichen Vorgang CO2 aufzunehmen“, sagt Gutknecht. „Das kann allerdings bis zu tausend Jahre dauern – wir haben diesen Prozess beschleunigt.“ Der 32-Jährige hat Betriebsökonomie studiert und zuvor bei Climeworks gearbeitet, einem Unternehmen, das CO2 aus der Luftfiltern will, was extrem aufwendig ist. Sein Kollege Johannes Tiefenthaler erforschte als Ingenieur an der Universität Zürich, wie sich Kohlendioxid im Boden lagern lässt.

Mit ihren zehn Beschäftigten gehen die beiden nun einen anderen Weg. „In einem Spezialcontainer versetzen wir Betongranulat aus Bauschutt mit hochkonzentriertem CO2.“ Das Kohlendioxid mineralisiert zu Kalkstein und lagert sich in den Poren der Betonstückchen ab. So binden die Tüftler pro Stunde hundert Kilo CO2 in dem Material, das sich danach direkt für den Straßenbau eignet oder zur Herstellung von neuem Beton. Schöner Nebeneffekt: Der benötigt dann zehn Prozent weniger Zement. Ein lokaler Baustoffrecycler nutzt bereits eine solche Anlage, sechs kommen bald hinzu.

Das genutzte CO2 fällt in Biogasanlagen an und würde sonst in der Atmosphäre landen. Es wird verflüssigt und per Lkw zu den Containern von Gutknecht und Tiefenthaler gebracht, was energieaufwendig ist. Doch der Aufwand lohnt sich laut Neustark, denn für jede gespeicherte Tonne CO2 würden nur fünfzig Kilo CO2 freigesetzt. Das Ziel: „Die Emissionen der Zementwerke ausgleichen.“ Laut Institut für Energie- und Umweltforschung kann der Prozess die Umwelt „relevant“ entlasten. Im Herbst soll ein Container in Berlin den Bau städtischer Wohnungen klimaverträglicher machen.

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