Guten Abend,

auch ohne „Bong“ von Big Ben: Heute um Mitternacht schlägt unweigerlich die traurige Stunde. Nach 47 Jahren endet die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens, und es beginnt das große Verhandlungspalaver. An der geografischen Lage der Insel wird sich zwar nach heutigem Kenntnisstand nichts ändern, und an den zahllosen privaten, historischen und kulturellen Verbindungen mit Europa hoffentlich auch nicht. Wie es aber sonst weitergeht – wer weiß. Vielleicht werden wir gegen Ende des Jahres klarer sehen, vielleicht aber auch nicht.

Die Brexiteers versprechen, nun werde das Land in eine güldene Zukunft reiten. Schon hört man es murmeln, auch die lästigen Umweltvorgaben könnten jetzt doch eigentlich mal weg, diese Fesseln für die glorreiche britische Wirtschaft. Containerhäfen in Naturschutzgebieten, laxere Auflagen für Chemikalien und beim Wasserschutz, mehr Fracking – etliche Firmen warten ungeduldig auf den Startschuss. Sie hoffen auf ein herrliches Zeitalter der Deregulierung und Privatisierung.

Kleine Rückblende: Als Großbritannien 1973 der EU beitrat, hatte das Land den wenig schmeichelhaften Beinamen „Dirty Man of Europe“. Ungeklärte Fäkalien in Gewässern, Ölfilme an Stränden, Smog, saurer Regen und Atommüllverklappung im Meer waren gang und gäbe – der Organisation Friends of the Earth zufolge gehen 85 Prozent der britischen Umweltgesetze auf die EU zurück und mussten teils gegen erbitterten Widerstand durchgesetzt werden. Natur- und Umweltschützer fürchten, dass vieles davon wieder zurückgedreht werden könnte. Vor allem der Wegfall des Vorsorgeprinzips, nach dem Firmen die Umweltverträglichkeit ihrer Projekte vorab beweisen müssen, könnte sich schmerzlich bemerkbar machen.

Zwar pocht die EU auf die Einhaltung ihrer Standards, aber ein paar Joker hat Boris Johnson auch. Zum Beispiel Fisch, roh und ohne Chips. Johnson will, logisch, „die Kontrolle über unsere Fischereigewässer zurückholen“. Regelte bislang die Gemeinsame Fischereipolitik der EU, wie viel von welchem Fisch gefangen werden durfte, so haben ab Jahresende die Briten das Sagen über ihre Ausschließliche Wirtschaftszone, die 200 Seemeilen umfasst. Rund 60 Prozent der Fangquoten in britischen Gewässern werden bislang von anderen EU-Ländern ausgeschöpft. Andererseits: Mehr als zwei Drittel dessen, was britische Fischer aus dem Wasser ziehen, landen auf dem europäischen Markt. Also Fischereirechte gegen Finanzdienstleistungen? Wait and see.

Die britische Landwirtschaft allerdings könnte sogar vom Brexit profitieren. Ein kürzlich vorgelegter Gesetzentwurf sieht die Abkehr von den in der EU üblichen Flächenprämien vor, stattdessen sollen Landbesitzer künftig für die Produktion „öffentlicher Güter“ (z. B. saubere Luft, sauberes Wasser, Artenschutz) entlohnt und die Landwirtschaft „dekarbonisiert“ werden. Noch ist nicht ausgemacht, ob die Bauern da mitziehen werden, aber der Plan klingt zunächst mal gut.

Unklar ist jedoch, ob und wie britische Landwirte vor billigen Agrarimporten aus Drittstaaten geschützt werden sollen, für deren Erzeugung viel niedrigere Standards gelten. Und ohne den EU-Binnenmarkt müssen neue Märkte her. Boris Johnsons Kumpel im Weißen Haus verspricht tolle „Deals“, und man kann sich denken, was er sich darunter vorstellt: Hormonfleisch, Gentech-Soja und pestizidgeduschte Ackerprodukte warten auf Abnehmer. Weil der Europäische Gerichtshof als Korrektiv wegfällt, müsste es eine unabhängige Überwachungsinstanz für Agrarprodukte geben, die bislang nicht existiert.

Und das Klima? Bislang hat das Vereinigte Königreich seine Klimaziele eingehalten, die Treibhausgasemissionen sanken bis 2018 um 44 Prozent gegenüber 1990. Doch der „grüne“ Sektor, zu dem auch die erneuerbaren Energien gehören, verzeichnet seit 2014 einen Arbeitsplatzrückgang, vor allem wegen der drastischen Kürzungen der Subventionen für die Solarindustrie.

Quo vadis, Great Britain? Diese paar Fragen sind ja nur ein winziger Teil dessen, was innerhalb von elf Monaten geklärt werden muss, wenn es nicht doch noch zu einem harten Brexit kommen soll. Was dann passieren würde, will und kann ich mir nicht ausmalen. Deshalb schließe ich mit den Worten William Shakespeares: „Der Rest ist Schweigen.“

Wem die Stunde schlägt

Kerstin Eitner
Redakteurin

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