Greenpeace Magazin Ausgabe 6.97

Windkraft: Gefährliche Flaute

Politik und Stromkonzerne setzen der Windbranche zu.

Der Westerwälder Öko-Unternehmer Joachim Fuhrländer genießt die Millimeterarbeit bei der Montage seiner tonnenschweren Windkraftanlagen, doch damit könnte es bald vorbei sein. Neun Anlagen wird Fuhrländer dieses Jahr noch aufstellen, danach sieht es mau aus. „Meine Hausbank hat sich jüngst nach 30 Jahren mit dem Hinweis verabschiedet, daß ihr die Finanzierung von Windprojekten zu unsicher ist.“

Fuhrländer sieht sich als Opfer einer Kampagne, die von den Energiekonzernen geschürt wird. Im Visier haben sie dabei das Stromeinspeisungsgesetz. Danach sind alle Energieversorger verpflichtet, Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind, Wasser oder Sonne zu festen Preisen (derzeit 17,15 Pfennige pro Kilowattstunde) in ihr Netz aufzunehmen. Dank dieser Abnahmegarantie entstanden in der Windbranche allein in den vergangenen sieben Jahren mehr als 10.000 neue Arbeitsplätze. Die Bundesrepublik ist mit 1800 Megawatt installierter Leistung Wind-Weltmeister. Das ärgert die Stromwirtschaft: „Wir haben die Windkraft mit mehr als 250 Millionen Mark subventioniert“, rechnet Hans-Dieter Harig, Chef des Stromkonzerns „PreussenElektra AG“, vor.

Diese Botschaft kam auch bei Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) an. Das Wirtschaftsministerium legte ein Konzept vor, das die Vergütung in Dauer und Umfang drastisch begrenzt. Die Novelle des Stromeinspeisungsgesetzes, ursprünglich für Ende September vorgesehen, wurde zwar verschoben, doch die ständigen Angriffe der Stromlobby wirken: Bereits im vergangenen Jahr mußten die Anbieter ein Minus von über 20 Prozent hinnehmen. Im Sommer ging die „Tacke Windtechnik“, bisher zweitgrößter deutscher Hersteller, in die Knie: Gläubiger stellten einen Konkursantrag. Anfang Oktober wurde das Verfahren eröffnet.

Die Verunsicherung zieht Kreise: „Nach dem Tacke-Konkursantrag stoppte unsere Bank die Finanzierung eines neuen Projektes“, sagt Ralf Bußberg vom Planungsbüro „Umweltkontor“ aus Hückelhoven. Verzögerungen drohen, der Auftrag ist gefährdet. „Bei uns liegen Aufträge in Höhe von 18 Millionen Mark auf Eis“, klagt Volker König, einer der drei Geschäftsführer der „Nordex GmbH“ in Melle.

In Husum hätte Volker Friedrichsen, Geschäftsführer der „Vestas Deutschland GmbH“, längst zwölf neue Mitarbeiter eingestellt, aber: „Ich kann diesen Leute in sechs Monaten schlecht sagen, das war’s.“ Neueinstellungen hat auch Windkraftanlagen-Hersteller Fuhrländer verschoben: „Ich kann die Klagen über die angeblich so schlechten Bedingungen am Standort nicht mehr hören. Die Politik selbst tut doch alles, damit unserer Branche die Puste ausgeht.“

Von RALF KÖPKE