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Wo Fuchs und Finne sich Gute Nacht sagen

Greenpeace Magazin Ausgabe 1.19

Wo Fuchs und Finne sich Gute Nacht sagen

Text: Teresa Kraft Fotos: Konsta Punkka

Fabelhaft, so ein Fotografenleben. Glamourös geradezu: 200 Tage im Jahr ist Konsta Punkka unterwegs, in der Welt und auf Instagram, wo 100.000 Menschen das Herzsymbol anklicken, wenn er ein Bild veröffentlicht. Die Nächte schlägt er sich um die Ohren, eh klar.

Wer hier an rote Teppiche denkt, ist aber auf dem Waldweg. Denn was nach Party klingt, ist vor allem: warten. Einen Großteil seiner Tage – oder vielmehr Nächte – verbringt der finnische Fotograf inmitten der Wälder seines Heimatlandes und harrt der Tiere, die da kommen mögen. „Es ist manchmal sehr langweilig, tagelang nicht zu sprechen“, sagt der 24-Jährige.

In den Sommermonaten sitzt er ab nachmittags in teils selbst gezimmerten Verstecken, die kaum mehr als eine Matratze enthalten und über ein langes Rohr den Geruch von Mensch und Proviant in höhere Luftschichten entlassen. So verborgen vor ihren Augen und Nasen wartet er auf seine Motive, in diesem Fall Bären. „Wenn man fertig ist“, sagt Punkka, „dreht man sich um und schläft.“ Die Wartezeiten sind bei Fuchs, Rentier oder Eule ähnlich, nur sitzt er dann unter freiem Himmel.

Da er seit etwa sieben Jahren die Wälder rund um sein Zuhause Espoo erkundet, eine Stadt im Speckgürtel Helsinkis, weiß er, wo er auf Motivjagd gehen kann. Er kennt die Reviere und Routen der Rudel und Herden und begegnet vielen von ihnen mehrmals: „Ich fotografiere sie zu verschiedenen Jahreszeiten, aber oft sind es dieselben Tiere“, sagt der Autodidakt. Mit 18 hängte er seinen Job als Schlagzeuger in einer Hochzeitsband an den Nagel und widmete sich der Fotografie. Von einem Freund  „ein professioneller Fotograf“, wie Punkka fast in Abgrenzung zu sich selbst sagt – leiht er sich Kameras und stromert durch die Wälder.

Und anschließend durchs Internet. Besonders wohl fühlt er sich auf der Fotoplattform Instagram: „Sie ist der Ort, an dem ich der Welt mein Werk zeige“, sagt er. Einer großen Fangemeinde zumindest: 1,2 Millionen Menschen folgen ihm. „Man muss nicht den oldschool Weg gehen – Leute kennen, an Wettbewerben teilnehmen, eine Legende werden“, sagt Punkka, der inzwischen von seiner Arbeit leben kann.

Seinen Bildern und ihren intensiven Farben sieht man an, dass er sie im Nachhinein bearbeitet. Er verkauft sogar vereinzelt die fertigen Fotofilter im Netz, sodass jeder seine eigenen Schnappschüsse im Punkka-Stil nachfärben kann. Der Finne findet nichts dabei, Naturmotive in solch künstlerisches bis künstliches Licht zu rücken. Gemälde und Bücher inspirieren ihn zu neuen Motiven, die er dann zu fotografieren sucht: „Ich sehe mich nicht als Dokumentarfotograf, sondern ich möchte schöne Bilder machen. Die Nachbearbeitung ist ein großer Teil davon, weil die Fotos dadurch diese mystische und dunkle Stimmung bekommen.“ Außerdem, sagt Punkka, erhielten seine Bilder so mehr Aufmerksamkeit.

Gemeinsam mit zwei befreundeten Kollegen bietet der Finne auch Fotoexpeditionen an. Dann streifen sie mit einer Handvoll Teilnehmer durch die winterliche Landschaft Lapplands und halten nach Polarlichtern und Rentieren Ausschau. Das mache er aber höchstens zweimal im Jahr, sagt Punkka, er habe weniger Lust zu unterrichten als selbst zu fotografieren. Also verkriecht er sich so bald wie möglich wieder allein in den Wald zu seinen Tieren.