Greenpeace Magazin

Ausgabe 6.17

Zeitbomben auspumpen

Norwegen: Das skandinavische Land lässt Schiffswracks auspumpen, bevor sie bersten

Zeitbomben auspumpen

Mehr als 6000 Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg liegen auf dem Grund der Weltmeere. Mit ihnen sind bis zu 15 Millionen Tonnen Treibstoff, Rohöl und Schiffsdiesel untergegangen. Langsam zerfrisst die Korrosion die Stahltanks. Wenn nichts geschieht, werden die ersten nach Berechnungen der norwegischen Küstenbehörde „Kystverket“ in zehn bis zwanzig Jahren bersten und eine Umweltkatastrophe auslösen. Nur ein Land handelt präventiv: Norwegen ließ bereits sieben küstennah liegende Wracks leerpumpen. Das Auspumpen des Öls kostet zwar Millionen, Strandsäuberungen nach Ölunfällen sind aber um ein Vielfaches teurer. „Alle wissen das, doch das noch unsichtbare Problem wird totgeschwiegen“, sagt Christian Heynen. Sieben Jahre recherchierte der Filmemacher aus Remscheid zu den Schiffen am Meeresgrund. Sein Dokumentarfilm „Vergessene Wracks – Schwarze Tränen der Meere“ läuft derzeit auf verschiedenen Filmfestivals. Oft hatte er sich vergeblich um Unterstützung der Behörden bemüht, nur Norwegen zeigte sich kooperativ. „Die Deutschen sind fein raus“, sagt der Dokumentarfilmer. „In ihrem Hoheitsgebiet liegen nur wenige Wracks. Und bei ihren andernorts gesunkenen Kriegsschiffen können sie sich auf höhere Gewalt berufen und sich so juristisch aus der Verantwortung stehlen.“

Costa Rica: In Zukunft plastikfrei
In vier Jahren will Costa Rica nicht nur CO2-neutral sein, bis dahin soll es im ganzen Land auch kein Einwegplastik mehr geben. Um das als erstes Land der Welt zu schaffen, erarbeitet die Regierung Leitlinien für Hersteller und legt Förderprogramme auf. Zusätzlich unterstützt sie die Erforschung alternativer Materialien – zum Beispiel Bioplastik aus Bananenschalen.

Wallmerod: Gesund wachsen
In Deutschland wird jeden Tag eine Fläche von fast 100 Fußballfeldern versiegelt – aus natürlichem Boden wird Bauland. Wallmerod im Westerwald will dem etwas entgegensetzen. Die Verbandsgemeinde, die aus 21 Dörfern besteht, weist seit 13 Jahren keine Neubaugebiete aus – und wächst trotzdem. Baulücken werden geschlossen und Sanierungen leerstehender Altbauten gefördert. Das ist ökologisch sinnvoll und findet bereits Nachahmer: Die Nachbargemeinde Westerburg mit insgesamt fünf Dörfern setzt das Modell Wallmerod ebenfalls um.

China: Alte Faser neu entdeckt
Als Alternative zur sehr durstigen und bei Schädlingen beliebten Baumwolle haben Forscher in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang neue Hanfsorten entwickelt. Die Anbaufläche wuchs dort von 1000 auf 30.000 Hektar, im nächsten Jahr soll sie nochmals verdoppelt werden. Die Entwicklung ist auch ein Schritt weg von der billigen Massenproduktion von Textilien: Kleidung aus Hanf ist reißfester und langlebiger, braucht zudem weniger Wasser und hat einen kleineren CO2-Fußabdruck.