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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.17

Zink

Text: Julia Lauter

Was braucht man zum Denken, zum Bauen und für die Wundheilung? Der Rohstoff Zink ist für Ihr Leben wichtiger, als Sie vielleicht annehmen

Das Galmeiveilchen ist auf den ersten Blick ein besonders zartes Pflänzchen: Die violetten oder gelben Blütenköpfe ragen kaum zwischen den Gräsern hervor. Doch die Zerbrechlichkeit ist Fassade: Die Blume wächst auf stark schwermetallbelasteten Böden – und nur dort. Was für andere Gift ist, kann das Veilchen ab. Das steckt schon im Namen: „Galmei“ ist ein bergmännisches Wort für Zinkerze. Wer also das Veilchen findet, weiß: Zink ist nicht weit.

Doch anders als die anderen Stoffe im botanisch wertvollen „Schwermetallrasen“ ist Zink nicht giftig, im Gegenteil: Wir brauchen es – wie alle Lebewesen – als Spurenelement. Und auch als Werkstoff ist es heute kaum noch wegzudenken. Zum Glück ist es eines der Elemente, die in der Erdkruste relativ häufig sind. Das Metall findet sich fast nur in Erzen, also Mineralgemengen, meist in Zinksulfiderzen.

Schon im Altertum mischte man Zink mit anderen Metallen, um Werkstoffen neue Eigenschaften zu verleihen. Mit Kupfer verschmolzen, entsteht Messing: Je mehr Zink, desto niedriger der Schmelzpunkt der Legierung. Wahrscheinlich waren die Römer unter Kaiser Augustus die Ersten, die aus einer Kupfer- und Zinkerzmischung den Rohstoff für Messingmünzen gewannen. Noch heute steckt Zink in unseren Hosentaschen: in der Kupfer-Aluminium-Zink-Zinn-Legierung des goldfarbenen Euro-Kleingeldes.

In Indien wurde Zink um 1200 gewonnen, indem man das Erz indirekt mit Holzkohle in einem Schmelztiegel erhitzte. Im späten 13. Jahrhundert entdeckte Marco Polo auf seinen Reisen durch Persien, dass Zinkoxid zur Heilung von Augenentzündungen genutzt wurde. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts verwendeten dann auch die Europäer vermehrt das Metall.

Heute werden Zinkerze weltweit abgebaut. Von Nordamerika und Peru über Kasachstan und China bis nach Australien wurden im Jahr 2015 fast 14 Millionen Tonnen Zink gefördert. Auch in Deutschland gab es Zinkhütten, heute wird das Erz hier nur noch verarbeitet, 665.000 Tonnen im Jahr. In Irland, Polen, Finnland, Bulgarien und Schweden sind noch Minen aktiv. Oft wird Zink zusammen mit Blei oder Silber abgebaut. Schlecht gesicherte Abraumhalden haben wiederholt Umweltkatastrophen ausgelöst, in Rumänien, Spanien oder Australien zum Beispiel.

So begehrt ist Zink, weil es ein Alleskönner ist. Der größte Teil wird zur Veredelung von Metallen verwendet, vor allem als Korrosionsschutz von Eisen und Stahl. Zinkmetall kommt beim Hausbau, im Maschinenbau und in der chemischen Industrie zum Einsatz; es steckt in Wasserhähnen, Lampen, Batterien, Computern, Mobiltelefonen und selbst in unserer Kleidung – als Hosenknopf oder Reißverschluss. Auch in der Kosmetik spielt es eine Rolle, wirkt in Salben und Zahncremes antiseptisch und trägt zur Wundheilung bei. Zu viel ist aber auch nicht gut: Kinder sollten laut Stiftung Warentest keine zinkhaltige Zahnpasta nehmen, ein Übermaß könne langfristig etwa das Immunsystem schwächen.

Doch täglich rund zehn Milligramm sind „essenziell“: Für Stoffwechsel, Zellwachstum und neurologische Funktionen ist unser Körper auf Zink angewiesen. Zum Glück steckt es in Käse und Fleisch, Vollkorn, Nüssen und Hülsenfrüchten: Wer sich abwechslungsreich ernährt, wird keinen Mangel leiden.

Komplizierter sieht es auf dem Rohstoffmarkt aus – der Preis ist seit Jahren auf Berg- und Talfahrt. 2015 war Zink so billig, dass die Unternehmen den Abbau stark senkten, seit 2012 schlossen sie Minen mit einer Fördermenge von mehr als einer Million Tonnen. Seit Anfang 2016 aber zieht der Preis des Metalls wieder an – um 75 Prozent auf nun gut 2400 Euro pro Tonne.

Und die Nachfrage ist groß, vor allem chinesische Hersteller produzieren derzeit große Mengen verzinkten Stahls. Überdies hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, mit einem groß angelegten Infrastrukturprogramm die Konjunktur anzukurbeln. Sollte ihm das gelingen, wird er Stahl brauchen. Und jede Menge Zink.