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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.14

Zu schön, um wahr zu sein

„Deutschland nimmt 55.000 akut hilfsbedürftige Kinder aus Syrien auf und sucht Pflegeeltern sowie finanzielle Förderer.“ Diese überraschende Rettungsaktion verbreitete sich Mitte Mai wie ein Lauffeuer. Innerhalb der ersten 48 Stunden meldeten sich 564 interessierte Pflegeeltern. Doch die Aktion war frei erfunden. Den fiktiven Kinderhilfsaufruf hatte die Künstlergruppe „Zentrum für Politische Schönheit“ in die Welt gesetzt, um auf das Elend der Flüchtlingskinder aufmerksam zu machen und die Bundesregierung unter Druck zu setzen. Die Kampagne spielt auf die legendären Kindertransporte an, durch die im Zweiten Weltkrieg tausende jüdische Kinder ins britische Exil in Sicherheit gebracht wurden. In Syrien sind nach Unicef-Angaben rund 5,5 Millionen Kinder in akuter Not. „Das ist die größte Flüchtlingskrise des 21. Jahrhunderts“, erklärt die UN-Hilfsorganisation. Doch die deutsche Öffentlichkeit nimmt von dem Bürgerkrieg, der seit drei Jahren in Syrien tobt, wenig Notiz. Auch die Politik agiert bisher mit angezogener Handbremse: Die Bundesregierung plant derzeit die Aufnahme von lediglich 10.000 Flüchtlingen.
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