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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.17

Zwei, die gerne einkaufen

Text: Kerstin Eitner

Der eine: Philanthrop und Fast-Food-Fan. Der andere: Ex-Leistungssportler und Asket. Doch was essen die tonangebenden Großinvestoren der Lebensmittelbranche, wenn sie nicht gerade Konzerne schlucken? Unsere Autorin Kerstin Eitner hat den „Big Playern“ auf die Teller geschaut

Warren Buffett ist eine treue Seele. Nicht eine einzige Coca-Cola-Aktie hat er seit seinem Einstieg 1988 verkauft. Seine Karriere begann mit der klebrigen Brause: Schon als Sechsjähriger kaufte Buffett diese in Sixpacks und vertickte die Einzelflaschen mit Aufschlag weiter. Fünf Colas trinke er täglich, verriet der größte Einzelinvestor des Konzerns dem US-Magazin „Fortune“.

Jorge Paulo Lemann, Besitzer von Burger King, kann Fastfood nichts abgewinnen, isst überhaupt wenig, trinkt – wiewohl Inhaber des weltgrößten Bierkonzerns AB Inbev – nur Mineralwasser und knabbert zwischendurch gern mal Trockenfrüchte. Ob Lemann Eis mag? Wer weiß. Jedenfalls überrollt er derzeit mit seiner Eismarke Diletto Brasilien und womöglich auch Felice, das Start-up zweier Landsleute, deren handgemachtes und preisgekröntes Eis sehr populär ist.

Lemann, 77, Sohn eines nach Brasilien ausgewanderten Emmentaler Käsehändlers, gilt mit einem Vermögen von rund 28 Milliarden Euro als reichster Schweizer. Seine Ambitionen als Tennisprofi ließ er fallen, als er merkte, dass er es nicht unter die Top Ten schaffen würde. Stattdessen beschloss er, „Weltmeister der Wirtschaft“ zu werden. Motto seiner Investmentfirma 3G Capital: „Kosten sind wie Fingernägel. Sie müssen ständig gekürzt werden.“ Im Gegensatz zum leutseligen Buffett meidet Lemann Medien und Öffentlichkeit. Nur als sparsam und bescheiden in der Lebensführung gelten beide.

2012 taten sich die beiden ungleichen Großinvestoren zusammen und schluckten den Ketchup-Giganten Heinz, drei Jahre später dessen Konkurrenten Kraft. Deren Fusion machte Kraft Heinz zum sechstgrößten Lebensmittelkonzern der Welt – und kostete 15.000 Heinz-Mitarbeiter den Job. Der nächste Schritt Richtung Welt AG, die Übernahme der britisch-niederländischen Unilever, scheiterte jedoch Ende Februar dieses Jahres. Der neue Megakonzern wäre mit einem Umsatz von rund 75 Milliarden Euro nahe an den Marktführer Nestlé (81,5 Milliarden Euro) herangerückt.

Die Jagd nach den besten Happen geht weiter. Doch am Horizont zeichnen sich strategische Neuausrichtungen ab: Bio lockt mit einer Wachstumsprognose von 16 Prozent jährlich bis 2020. Gerade hat der weltgrößte Joghurtproduzent Danone den US-amerikanischen Biokonzern Whitewave (Alpro-Sojamilch, Provamel) übernommen. Und eine Gruppe von vierzig Finanzhäusern mit einer Investitionssumme von 1,1 Billionen Euro im Rücken hat Konzerne wie Nestlé und Kraft Heinz schriftlich aufgefordert, weniger tierische und mehr pflanzliche Proteine zu produzieren. Bio? Gemüse? Zumindest Warren Buffett dürfte das schwer im Magen liegen.