Greenpeace Magazin Ausgabe 6.97

Zynischer "Service" in Louisiana

Eine amerikanische RWE/DEA-Tochterfirma jagt Chemiegifte in die Luft – und die Anwohner ins Haus.

Wenn die Sirene heult, flüchten die Nachbarn des DEA-Werks in Mossville im US-Südstaat Louisiana in ihre Häuser. Sie sperren Fenster und Türen zu, schalten die Klimaanlage aus und den Fernseher ein. „Shelter in Place“ heißt dieser Alarmplan, den der lokale TV-Sender KPLC den Zuschauern immer wieder mit Strichmännchen zu lustiger Blasmusik erklärt – Schutz vor Chemieunfällen leichtgemacht. Finanziert wird die Werbung von Firmen wie „Condea Vista“, einer Tochter des deutschen Mineralölkonzerns DEA, der dem Essener Stromriesen RWE gehört. Gleich neben den Häusern der 4500 Bürger von Mossville produziert Condea Vista Vorprodukte für den Problemkunststoff PVC, und dabei gibt es häufig Giftalarm. Mit Folgen, wie Anlieger glauben: „Mein Auto ist regelmäßig von schwarzem Staub oder milchigen Flüssigkeiten bedeckt. Meine vier Kinder haben mit nicht mal 30 Krebs oder Nierenleiden“, sagt Dave Prince. Das sei „Umweltrassismus“. Er und 1500 Mitbürger aus dem fast nur von Schwarzen bewohnten Mossville verklagten Condea Vista auf Schadensersatz. Unternehmenssprecherin Nancy Tower verteidigt das Verfahren als „Service“ für die Anwohner. Man sei „lieber übervorsichtig als zu lasch“, auch wenn es für „unnötige Aufregung“ sorge. Seit 1992 warnten die Sirenen 14mal. Jeder zweite Alarm kam von Condea Vista. Anke Reif von der deutschen RWE/DEA kann sich das nicht erklären: „DEA räumt der Umwelt an allen Standorten den gleichen hohen Stellenwert ein.“