Saison

Greenpeace Magazin - Saison: Launiger Lauch

Launiger Lauch

Früher Porree-Power im Pyramidenbau, heute Lauch-Lacher auf dem Pausenhof. Egal, durch welche Zeit er geistert – Allium porrum war, ist und bleibt: das Grün in unserer Suppe

Die Menschheit ist wankelmütig. Mitgeschöpfe, die gestern noch beliebt waren, können heute Witzfiguren sein. „Ich bin ein Lauch!“, bekannte der Hip-Hopper Yung Larry im vergangenen Winter. Sein Geständnis: Er nehme fast nie Drogen, besitze keine Waffe, nutze öffentliche Verkehrsmittel, like Katzenbilder, habe einen Schulabschluss und größten Respekt vor Frauen. Der Song „Lauch“ war eine aufs Feinste gerappte, perfekt produzierte Absage an „Lamborghinis und Chicks in Bikinis“ und alles andere, was Leute wie Bushido und Haftbefehl zu ach so harten Jungs macht – zum Gegenteil eines „La-La-La-Lauch“ eben.

Wie konnte es so weit kommen, dass nette Männer in Charts und auf Pausenhöfen als „Du Lauch!“ geschmäht werden? Und was ritt Yung Larry, sich freimütig ans Gemüsemesser zu liefern? Nun, die Wege der Sprache sind unergründlich. Und Yung Larry gibt es gar nicht. Er ist zwar jung, heißt in Wirklichkeit aber Phil Laude und ist Komiker. Sein Leben als Lauch? Nichts als eine gesalzene Parodie, die Gangster auf den Spaten nimmt, Rap-Klischees umgräbt und ein zu Unrecht gedisstes Suppengrün wieder auf die Karte packt. Bravo! Nur über den Refrain müssen wir noch mal reden: „…ein Lauch, mehr so Spargel als gut gebaut“. Was soll das heißen?

An Kraft mangelt es dem Lauch, aka Porree, ja wohl keineswegs. Glaubt man dem notorisch ungenauen römischen Historiker Herodot, so spielte porrum auf den Weltwunderbaustellen der Pyramiden eine tragende Rolle: als Nahrung der Arbeiter. Gut, vielleicht war es auch die Zwiebel oder der Knoblauch. Aber sind sie nicht alle Mitglieder der erlauchten Familie der Lauchgewächse? Der Lauch höchstselbst jedenfalls soll schon vor mehr als 4000 Jahren in Abrahams Heimatstadt Ur im heutigen Irak kultiviert worden sein. Und als die Israeliten Ägypten verließen und in der Wüste immerzu Manna essen mussten, vermissten sie neben den Fleisch- auch die Lauchtöpfe Ägyptens. In der Antike war der Orientale rings ums Mittelmeer beliebt und wanderte später nordwärts, wo die Germanen ihn mit der Rune laukaz ehrten. Sie wussten, warum.

 Bis heute hält der Lauch im Winter als einziges Gemüse den Stängel hoch. Mit seinem Porree-Potpourri aus Mineralstoffen, Vitaminen und ätherischen Ölen soll er das Immunsystem stärken, den Stoffwechsel anregen und Entzündungen hemmen. Zugleich ist der schlanke, delikate Bruder der runden, süßen Zwiebel ein angenehmer Tischgeselle. Seine frische Schärfe wirkt der Schwere vieler Wintergerichte entgegen. Aber man muss ihn nicht in Speck wickeln, auf Quiche werfen oder in Blauschimmelkäse versenken. Als festes Mitglied im Suppengrün-Bund verträgt er sich mit allen anderen Gemüsen. Außerdem brilliert er solo. Und wenn er mit Anis, Koriander und Fenchel gemeinsame Suppe machen darf – etwa in Vietnams Nationaleintopf Pho – offenbart er seine exotischen Wurzeln. Aber Vorsicht, Lauch ist nichts für jedermann.

Wer erinnert sich nicht an die Szene im Bewegten Mann, in der Joachim Król und Armin Rohde aka Norbert, der Hausmann, und Horst, der Metzger, bei erkalteter Suppe zusammensitzen? Dass in der Terrine echte Tofuwurst schwimmt, ist schon geklärt, da fragt Rohde lauernd: „Ist da Lauch drin?“ – „Bisschen.“ – „Die ganze Suppe schmeckt lauchig. So. Ich hol mir jetzt ne Currywurst.“ So. Ihr Lauchhasser-Würstchen in der Hood. Jetzt lest mal gut mit, denn wir schreiben das hier nur einmal hin: Porree ölte Kaiser Nero schon die Stimmbänder und stand in Germanien bereits für Potenz, als eure Ahnen noch nicht mal Einzeller waren. Respekt, bitte! Sonst gibt’s Beef, ihr Koteletts.

Orientalisches Lauchgemüse
500 g Lauch, 200 ml Kokosmilch, 100 g Datteln, 3 EL Walnusskerne, Abrieb und Saft einer Zitrone, 1  EL Olivenöl, 1 TL Butter, 1 TL Zucker, je 1 Prise Cayennepfeffer, Kurkuma, Muskat, Salz, Sojasauce. Zubereitung: Lauch putzen, waschen, kleinschneiden, Öl in eine Pfanne geben, Lauch bei mittlerer Hitze anbraten, pfeffern. Zitronenabrieb und Kokosmilch zugeben. Einige Minuten bei kleiner Hitze ziehen lassen. Datteln entkernen, in Scheiben schneiden und in zerlassener Butter erwärmen. Nüsse zerkleinern, anrösten. Mit Sojasauce beträufeln, Datteln untermischen. Lauchgemüse mit Zitronensaft und Gewürzen abschmecken und mit den Walnuss-Datteln garnieren.