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Weiter Streit um den Kohleausstieg: Berlin ringt um die Kosten, Aktivisten rüsten sich für Proteste

Weiter Streit um den Kohleausstieg: Berlin ringt um die Kosten, Aktivisten rüsten sich für Proteste

Eigentlich sollte der Kohlekompromiss einen klimapolitischen Burgfrieden besiegeln. Doch während in Berlin über die fünf Monate alte Einigung gestritten wird, kommen im Rheinland erneut zehntausende Klimaschützer zusammen, um Kraftwerke zu blockieren. 

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Mittwoch, 19. Juni 2019

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PKW-Maut verstößt gegen EU-Recht, Empörung über Flug­zeug­lan­dung am Mont Blanc und der Bor­ken­kä­fer als Um­welt­hel­fer

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt Tiere, die leichtgewichtig genug sind, um übers Wasser gehen zu können. Wasserläufer, man­che Wasserspinnen und auch Mücken. Aber Hunde? Bislang hätte man dies wohl verneint – doch das Foto eines dänischen Klimaforschers scheint das Gegenteil zu beweisen. Es zeigt, wie acht Hunde ei­nen Schlitten über azurblaues Wasser ziehen; im Hintergrund ist eine Bergkette zu erkennen. Ent­stan­den ist das Bild im Nordwesten Grönlands. Allerdings ist es nicht der Beweis für ein Wunder – sondern ein weiterer Beleg für die Erderwärmung: Tatsächlich laufen die Hunde nämlich nicht über Wasser, sondern im knöchelhohen Schmelzwasser des zugefrorenen Meeres vor der Stadt Qaanaaq. „Ich habe versucht, eine problematische Situation zu dokumentieren, in die wir während unserer Arbeit hineingelaufen sind“, erklärt der Kopenhagener Klimaforscher Steffen M. Olsen die Umstände des Fotos. Er selbst habe die Situation auch als „etwas surreal“ empfunden. Die ganze Geschichte gibt es nachzulesen beim Guardian.

Auf unserer eigenen Seite geht es nicht um schmelzendes Eis, sondern um eine nach wie vor hitzige Debatte – die um den deutschen Kohleausstieg: Trotz besiegeltem Kompromiss wird in Berlin weiter gestritten. Und im Rheinland kommen Zehntausende zusammen, um Kraftwerke zu blockieren

Damit verabschieden wir Sie ganz friedlich in den Mittwoch. Morgen mehr!

Das Team vom Navigator

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Europäischer Gerichtshof kippt deutsche PKW-Maut 

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Dieses Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hat Seltenheitswert. Nur wenige Male hat bisher ein EU-Staat einen anderen vor dem Gerichtshof in Luxemburg verklagt. Und nur in gleichsam seltenen Fällen entschieden die Richter gegen das vorhergehende Votum des Generalanwalts. Dieser hatte im Februar den Standpunkt der Bundesregierung unterstützt, die PKW-Maut diskriminiere aus­län­di­sche Fahrzeughalter nicht. Die Luxemburger Richter sahen das nun anders und gaben dem Klä­ger Österreich Recht: Die als „Infrastrukturabgabe“ deklarierte Maut stelle eine „mittelbare Diskrimi­nie­rung aus Gründen der Staatsangehörigkeit“ dar, heißt es nüchtern in der Mitteilung des Gerichts. Umweltschützer hatten die Maut kritisiert, seit der frühere Verkehrsminister Alexander Do­brindt (CSU) sie 2015 vorgeschlagen hatte. Weil die Maut nicht pro gefahrener Kilometer, sondern für einen bestimmten Zeitraum bemessen sein sollte, setze sie Anreize, in dieser Zeit möglichst viel zu fahren – so die Befürchtung. Hintergründe bei Klimareporter°. Die SZ kommentiert: Die Maut-Nie­derlage ist vor allem eine Niederlage der CSU, die sie gegen Widerstände durchdrückte. Was der Be­griff „Ausländer-Maut“ in einem Europa der offenen Grenzen anrichtet, scherte sie nicht.

Bericht, 2 Minuten Lesezeit
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Hitzewelle in Indien fordert fast 80 Tote in zwei Tagen

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In Teilen Indiens herrschen derzeit Temperaturen um die 45 Grad. Fast der Hälfte der Bevölkerung – 600 Millionen Menschen – fehlt es an Wasser. Viele Inder haben keinen Wasseranschluss; an den Wasserstellen kommt es zu Prügeleien. Die Hitzewelle wird damit zur Überlebensfrage. Dabei ist Indien eine Atommacht und aufstrebende Wirtschaftsnation – doch für das Wasserproblem hat das Land bisher keine Lösung, wie ZDF-heute im Video berichtet. Unterdessen hat die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) einen Hitzerekord nach offiziellen und unabhängigen Messungen bestätigt: In der Stadt Mitribah in Kuwait wurden am 21. Juli 2016 53,9 Grad aufgezeichnet. Es war der heißes­te bisher aufgezeichnete Tag in Asien. „Wir können jetzt extrem detaillierte Analysen von Wetterex­tre­men durchführen“, zitiert die Tagesschau den WMO-Experten Randall Cerveny. „Diese strengen Untersuchungen bieten eine solide Grundlage für Studien zur Zuordnung von Extremen zum Klima­wan­del.“ Als höchste je geme­sse­ne Temperatur gelten die 56,7 Grad, die am 10. Juli 1913 im Death Valley in Kalifornien erreicht wurden. Allerdings sind diese älteren Daten unter Experten umstritten.

Video, 1 Minute Laufzeit
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Flugzeuglandung am Mont Blanc empört Anwohner

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Zwei Schweizer Bergsteiger sind am Mont Blanc in den französischen Alpen von der Polizei abgefan­gen worden, nachdem sie mit einem Kleinflugzeug auf 4.450 Metern Höhe gelandet waren. Der Bür­ger­meister von Chamonix-Mont-Blanc, Eric Fournier, sprach von einer „Provokation“ der beiden Schwei­zer: Es handle sich um eine „nicht tolerierbare Schädigung der Umwelt im Hochgebirge“. Die Polizei erklärte, man suche noch nach einem passenden Wort für das Vergehen. Wegen der zahl­rei­chen Bergsteiger, die jährlich den Mont Blanc erklimmen, kämpfen die Behörden mit den Sicher­heits­bedingungen und dem Umweltschutz rund um den höchsten Berg Europas. Seit Mai müssen Bergsteiger, die die „normale“ Route zum Gipfel auf 4.810 Metern nehmen, eine Reservierung für eine der Hütten vorweisen – diese waren bisher oft überbelegt. Die Meldung hat Spiegel Online.

Bericht, 2 Minuten Lesezeit
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Taucher in Florida schaffen es ins Guinness-Buch

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9.000 Müllteile haben Taucher vor Deerfield Beach in Florida aus dem Ozean gefischt – darunter allein 3.200 Gegenstände, die offenbar Angler entsorgt hatten. Doch es war nicht diese Zahl, die die Umweltaktion – organisiert von einem örtlichen Tauchverein und einer Frauengruppe – ins Guinness-Buch der Rekorde brachte: Insgesamt kamen für das Aufräumevent unter Wasser 633 Taucher aus ganz Amerika, Europa und Südamerika zusammen. Bisher lag der durchaus skurril anmutende Rekord bei 614 Tauchern, die sich für eine ähnliche Veranstaltung am Roten Meer in Ägypten versammelt hatten. Um die Entsorgung der Müllartikel kümmert sich nach einem Bericht von Forbes jetzt die Stadt. Zu den komplizierteren Teilen dürften dabei Bleigewichte, eine Bootleiter und eine Hantel gehören.

Bericht, 3 Minuten Lesezeit
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Wie der Borkenkäfer hilft, neuen Urwald aufzubauen

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Wenn Sabine Bauling, Försterin im Nationalpark Harz, in den Wald blickt, sieht sie: bleiche Stämme, kahle Äste, traurige Stümpfe. Aber zwischen dem toten Holz schimmert auch frisches Grün – junge Fichten, Sträucher, Moose. Im Harz zeigt sich im Zeitraffer der Zusammenhang von Waldsterben und -wiedergeburt: Es begann mit den Wetterextremen der Jahre 2017 und 2018. Erst regnete es in Strömen, dann rissen Stürme mächtige Schneisen. Im Früh­jahr 2018 setzte dann ein trockener Jahr­hundertsommer ein, der dem natürlichen Feind der Fichte sehr entgegenkam: Der Borkenkä­fer vermehrte sich rasant. Doch im Nationalpark galt – zum Entsetzen von Einheimi­schen und Touris­mus­schaffenden: Natur Natur sein lassen. Bauling zufolge gingen 2018 wohl et­wa 800 Hektar Fich­ten­forst verloren. Doch sie sagt auch: „Die Natur kennt den Begriff Katastrophe nicht.“ Längst schlägt das Ökosystem an den kahlen Stellen zurück. Die Symptome des Klimawandels beschleunigen einen Prozess, für den der Nationalpark in seiner heutigen Form 2006 gegründet wurde: die Zurückver­wand­lung alter Wirtschaftsforste in Urwald. „Der Borkenkäfer hat als Katalysator gearbeitet“, erklärt Bauling: „Das ist eine Waldentwicklung von historischem Ausmaß.“ Mehr bei der SZ.

Bericht, 4 Minuten Lesezeit

Meinung am Mittwoch: Die Selbstkritik der Kanzlerin beim Klima reicht nicht

In der Vergangenheit war es eigentlich selbstverständlich, dass Deutschland beim Klimaschutz nicht auf Seiten der Blockierer, sondern der Vorreiter stand: Doch angesichts der deutschen Klimapolitik der letzten Jahre muss es schon als Fortschritt gelten, dass Deutschland sich nun zumindest verbal dazu verpflichtet hat, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu machen.

Wenn es die Kanzlerin ernst damit meint, dass es beim Klima künftig „kein Pillepalle“ mehr geben darf, muss ihre Partei endlich liefern, findet taz-Redakteur Malte Kreutzfeldt. Eine weitere Vertagung dieser Überlebensfrage darf es nicht geben.

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Weniger Plastik bei Rewe: Prahlen auf tiefem Niveau

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Alle wollen mitschwimmen auf der großen Ökowelle. Nun schaltet Rewe, Deutschlands zweitgrößter Lebensmitteleinzelhändler, Anzeigen mit dem Slogan „Endlich unverpackt“. Zu früh geworben, finden wir, und kontern mit einer Gegenanzeige.

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05.Jun 2019

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Achtung, die Mücken kommen – am Oberrhein droht gar eine Plage. Ein Verein bekämpft die Tiere dort mit dem Insektizid Bti. Es soll nur die Stechmücken töten, doch es mehren sich Untersuchungen, die das Gegenteil beweisen. 

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