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Fr, 2016-08-26 09:53
Istanbul (dpa)

Mindestens acht Tote bei neuem Terroranschlag auf Polizei in Türkei

Die Terrorwelle in der Türkei reißt nicht ab. Nach dem verheerenden Anschlag auf eine Hochzeitsgesellschaft in Gaziantep wird wieder die türkische Polizei zum Ziel eines Terroranschlags.

Istanbul (dpa) - Bei einem Terroranschlag im Südosten der Türkei sind am Freitag mindestens acht Polizisten getötet wurden. Weitere 45 Menschen wurden nach Angaben der Behörden verletzt, als ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen an einem Kontrollpunkt nur etwa 50 Meter vor dem Gebäude der Bereitschaftspolizei am Stadtrand von Cizre explodierte. Das dreistöckige Polizeigebäude glich nach der Detonation einer Ruine, wie Fernsehbilder zeigten. Ein Materiallager stand in Flammen. Die Behörden sprachen umgehend von einem Anschlag der verbotenen kurdische Arbeiterpartei PKK.

Erst am Vortag war im Nordosten des Landes der Konvoi eines Spitzenpolitikers der Opposition angegriffen worden. Dabei wurden drei Soldaten verletzt, einer von ihnen tödlich. Der Politiker Kemal Kilicdaroglu, Vorsitzender der Mitte-Links-Partei CHP, blieb bei dem Anschlag in der Nordostprovinz Artvin unversehrt.

Der neue Anschlag auf die Polizei in Cizre reiht sich ein in eine Terrorwelle, die das Land derzeit erschüttert. Vor einer Woche hatte sich ein Selbstmordattentäter mit einem Auto vor dem Polizeipräsidium der Stadt Elazig in die Luft gesprengt und drei Polizisten mit in den Tod gerissen, Dutzende Menschen wurden verletzt.

Beim schlimmsten Terroranschlag der vergangenen Tage waren in Gaziantep im Südosten der Türkei mehr als 50 Teilnehmer einer kurdischen Hochzeitsfeier getötet worden. Für diese Attacke machte die Türkei die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich. Drei Tage nach dem Anschlag in Gaziantep überquerte die türkische Armee die Grenze nach Nordsyrien und nahm zusammen mit Kämpfern der Freien Syrischen Armee die seit gut zwei Jahren vom IS kontrollierte syrische Grenzstadt Dscharablus ein.

Fr, 2016-08-26 09:21
Sydney (dpa)

Australische Mutter ringt mit aggressivem Känguru

Sydney (dpa) - Eine australische Mutter hat sich einen Kampf mit einem Känguru geliefert, um ihre kleine Tochter Mileah zu retten. Das Beuteltier sei ungefähr so groß wie sie selbst und ziemlich stark gewesen, zitierte der «Fraser Coast Chronicle» Argie Abejaron im Bundesstaat Queensland am Freitag. Dem Zeitungsbericht zufolge griff das Känguru ihre vor dem Haus spielenden Kinder am Dienstag an.

Die Mutter sah, wie das Tier ihre zweijährige Tochter zu Boden drückte: «Ich rang mit ihm, es versuchte mich zu packen, aber es bekam an mir nichts zu fassen», erzählte die Frau, die Prellungen und Schrammen erlitt. Schließlich lenkten die Schreie eines Nachbarn das Beuteltier ab, so dass sich Abejaron mit ihren Kindern in Sicherheit bringen konnte. Die Zweijährige war bewusstlos und kam mit schweren Kratzwunden an der Brust ins Krankenhaus.

Wildtierhüter zählten 93 Kängurus im nahen Umkreis des Hauses in Point Vernon. Die Familie meidet laut der Zeitung seither ihr Zuhause - zu groß sei die Angst vor den aggressiven Beuteltieren. Sie vermutet, dass das beengte Leben auf einem nahen Feld die Tiere so angriffslustig mache. Die Eltern forderten die Behörden auf, die Tiere umzusiedeln. «Kängurus waren früher Mileahs Lieblingstiere, aber jetzt nicht mehr», erzählte die Mutter. «Nun sagt sie: «böses Känguru».»

Fr, 2016-08-26 09:22
Wiesbaden (dpa)

Rekordstand bei Gewerbe- und Grundsteuer in den Kommunen

Wiesbaden (dpa) - Deutschlands Städte und Gemeinden haben im vergangenen Jahr so viel Gewerbe- und Grundsteuer eingenommen wie nie zuvor. Das Aufkommen der wichtigsten kommunalen Steuern stieg im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent auf rund 58,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Der größte Anteil entfiel dabei auf die Gewerbesteuer mit 45,7 Milliarden Euro (plus 4,5 Prozent). Grund für den Anstieg waren höhere Steuersätze und die gute Konjunktur. Der Hebesatz der Gewerbesteuer wurde im bundesweiten Durchschnitt um 2 Prozentpunkte auf 399 Prozent angehoben. Auch bei der Grundsteuer für Grundstücke sowie für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft stiegen die Hebesätze.

Fr, 2016-08-26 09:44
Berlin (dpa)

Asylbewerber - Asylberechtigte - Flüchtlinge

Berlin (dpa) - Wie lange Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, in Deutschland bleiben können, ist unterschiedlich. Das hängt auch von ihrem Aufenthaltsstatus ab. Ein Überblick:

ASYLBEGEHRENDE: Sind nach Deutschland eingereist, um hier um Asyl zu bitten, haben aber noch keinen Asylantrag gestellt. Alle in Deutschland ankommenden Asylsuchenden müssen sich bei oder unmittelbar nach ihrer Einreise bei einer staatlichen Stelle melden. Sie werden - so die Regel - registriert und erhalten einen Ankunftsnachweis. Damit dürfen sie sich in Deutschland aufhalten. Außerdem stehen ihnen staatliche Leistungen zu - wie Wohnraum, medizinische Hilfe und Essen.

ASYLBEWERBER: Haben Asyl beantragt und befinden sich noch im Verfahren.

ASYLBERECHTIGTE: Haben erfolgreich ihr Asylverfahren durchlaufen und bekommen Schutz in Deutschland - nach Artikel 16a des Grundgesetzes («Politisch Verfolgte genießen Asylrecht»). Asylberechtigte erhalten eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Danach können sie unter bestimmten Voraussetzungen - etwa wenn sie ihren Lebensunterhalt überwiegend selbst verdienen und gut Deutsch sprechen - eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erhalten. Wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge - kurz BAMF - nicht widerspricht.

FLÜCHTLINGE: Ganz allgemein werden als Flüchtlinge oft alle bezeichnet, die ihre Heimat unter Druck oder aus großer Not verlassen - unabhängig von den Gründen und Asylchancen. Im engen juristischen Sinn sind es aber nur jene Menschen, die nach einem erfolgreichen Asylverfahren Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention bekommen, weil sie «wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung» verfolgt werden. Das ist die häufigste Variante bei einem positiven Asylbescheid. Beim Aufenthaltstitel gilt für Flüchtlinge dasselbe wie für Asylberechtigte.

SUBSIDIÄR SCHUTZBERECHTIGTE: Werden in ihrer Heimat zwar nicht individuell verfolgt, dürfen aber dennoch wegen Gefahr für Leib und Leben vorläufig in Deutschland bleiben. Sie erhalten in der Regel zunächst eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr. Dieses Papier kann dann für jeweils zwei Jahre verlängert werden. Ein Daueraufenthaltsrecht kann ihnen nach fünf Jahren zuerkannt werden, wenn weitere Voraussetzungen erfüllt sind.

GEDULDETE: Hatten keinen Erfolg mit ihrem Asylantrag, werden aber trotzdem vorerst nicht aus Deutschland abgeschoben, zum Beispiel weil sie keine Papiere haben oder krank sind. Die Duldung wird oft im Abstand von einigen Monaten immer wieder erneuert. Frühestens nach 18 Monaten können Betroffene eine Aufenthaltserlaubnis bekommen.

KONTINGENTFLÜCHTLINGE: Das sind bestimmte Gruppen von Menschen aus Krisenregionen, die im Rahmen internationaler Hilfsaktionen Zuflucht bekommen. Sie müssen keinen Asylantrag stellen und können auf Anordnung des Bundes oder der Länder direkt eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.

Fr, 2016-08-26 09:36
Mogadischu (dpa)

Opferzahl nach Anschlag auf Restaurant in Somalia steigt auf zehn

Mogadischu (dpa) - Die Zahl der Opfer nach einem Terroranschlag auf ein Restaurant in Somalias Hauptstadt Mogadischu ist auf zehn gestiegen. Rund 30 Menschen seien von den Angreifern der radikalislamischen Terrororganisation Al-Shabaab zeitweise als Geiseln gefangen gehalten worden, erklärte die Polizei am Freitag. Mindestens 15 Menschen wurden demnach verletzt.

Die Angreifer hatten das Restaurant Banadir am beliebten Lido-Strand am Donnerstagabend zunächst mit einer Autobombe angegriffen, dann schossen Kämpfer der Gruppe dort um sich und nahmen Geiseln. Die Sicherheitskräfte bekamen die Lage erst nach fast acht Stunden am frühen Freitagmorgen unter Kontrolle.

Der Anschlag ereignete sich zum Beginn des islamischen Wochenendes, wenn viele Stadtbewohner die Lido-Strandpromenade besuchen. Al-Shabaab hat dort bereits mehrfach Ziele angegriffen.

Al-Shabaab bekannte sich in einer Radiobotschaft zu dem Anschlag. Die sunnitischen Extremisten führen immer wieder Angriffe und Anschläge in Somalia aus. Sie kämpfen seit Jahren um die Vorherrschaft in dem Staat am Horn von Afrika, um dort einen sogenannten islamischen Gottesstaat zu errichten. 

Fr, 2016-08-26 09:38
Berlin (dpa)

Kipping verurteilt türkische Angriffe auf syrische Kurden

Berlin (dpa) - Die Linkspartei hat das militärische Vorgehen der türkischen Streitkräfte gegen kurdische Stellungen in Nordsyrien scharf kritisiert. «Es geht (dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip) Erdogan nicht darum, den Terror zu bekämpfen», sagte die Parteivorsitzende Katja Kipping am Freitag im ARD-«Morgenmagazin». Die türkische Führung wolle vielmehr eine Autonomie der Kurden verhindern und sich in der syrischen Grenzregion ein Aufmarschgebiet für die eigene Armee sichern.

Kipping bekräftigte die Forderung der Linkspartei, die Bundesregierung müsse das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei stoppen und weitere Konsequenzen aus der innenpolitischen Entwicklung in der Türkei ziehen. «Generell, finde ich, ist das Bündnis mit Erdogan abzubrechen.» Die Bundesregierung müsse jetzt endlich Flagge zeigen. Es gehe nicht, dass der gesamten kurdischen Bevölkerung der Krieg erklärt werde.

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Fr, 2016-08-26 09:58
Mayen (dpa)

Das gute Geschäft mit Sortenhonigen

Mayen (dpa) - Sortenhonig ist für Imker ein gutes Geschäft - der Preis für Brombeer-, Edelkastanien- oder Weißtannenhonig kann doppelt so hoch sein wie für Mischhonige, etwa Blüten- oder Waldhonige. Imker stellen ihre Bienenstöcke so auf, dass die Insekten zu der gewünschten Pflanzenart in der Nähe fliegen - die Biene ist dabei «blütenstet», sie steuert so lange die gleiche Pflanzenart an, bis deren Bestand abgeerntet ist. Normalerweise fliegt die Biene bis zu einem Kilometer weit.

Damit deutsche Imker Sortenhonig verkaufen können, muss der Pollenanteil der Pflanze je nach Art bei 20 bis 80 Prozent liegen. Manche Pflanzen wie die Robinie haben nur wenig Pollen - hat man also einen Anteil von 20 Prozent an den Gesamtpollen, liegt der Mengenanteil des zu Honig gewandelten Nektars deutlich höher.

Ausschließlich von Kastanienbäumen oder Brombeerbüschen kommt kein Honig - dies liegt daran, dass einzelne Bienen auch andere Pflanzen ansteuern, damit die Nahrungszufuhr möglichst breit abgesichert und der Fortbestand des Volkes somit sicherer ist.

Etwa 80 Prozent des in Deutschland konsumierten Honigs kommen übrigens aus dem Ausland. Die wichtigsten Importländer sind Mexiko, die Ukraine, China und Argentinien. Innerhalb der EU stammt viel Honig aus Bulgarien, Spanien, Ungarn und Rumänien. Häufig wird der süße Saft aus diesen Ländern gemischt, wodurch der Geschmack und die Konsistenz gleich bleiben. Ausgezeichnet werden muss die Herkunft nicht - daher liest man oft die unbestimmte Bezeichnung «Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern» auf den Gläsern.

Fr, 2016-08-26 09:18
Islamabad (dpa)

13 Tote bei Angriffen von Extremisten in Pakistan

Islamabad (dpa) - Bei mehreren Angriffen von Extremisten auf Sicherheitskräfte und andere Gruppen sind in Pakistan nach Behördenangaben in der Nacht und Freitagmorgen 13 Menschen getötet worden.

Sieben Polizisten seien bei einem Angriff mutmaßlicher Separatisten am Donnerstagabend in der unruhigen Provinz Baluchistan ums Leben gekommen, sagte ein örtlicher Beamter, Faiz Ali, am Freitag. Sie hätten das Fahrzeug der Polizisten zuerst mit einer Rakete, dann mit Gewehren beschossen.

Der Angriff geschah in der Hafenstadt Gwadar, Zentrum eines milliardenschweren Handelsabkommens mit China. Pakistan hatte für die Sicherung des mit großen Hoffnungen verbundenen Wirtschaftskorridors Zehntausende Sicherheitskräfte dorthin verlegt.

Außerdem fand die Polizei am Morgen in den Stammesgebieten unter Bundesverwaltung (Fata) drei Tote. Es handele sich offenbar um eine gezielte Tötung durch Extremisten, sagte ein Beamter, Iqbal Khan.

Einen ähnlichen Hintergrund vermuten Behörden hinter der Ermordung dreier Männer in der terrorgeschüttelten Nachbarprovinz Khyber Pakhtunkhwa (KP). Sie seien am Morgen im Nowshera-Bezirk mit Kopfschüssen getötet worden. Sowohl in KP als auch in Fata haben pakistanische Taliban in der Vergangenheit ihre Feinde auf ähnliche Weise hingerichtet.

Fr, 2016-08-26 09:45
Wolfsburg/Berlin (dpa)

VW-Betriebsratschef bringt Beteiligung an Zulieferern ins Gespräch Von Heiko Lossie, dpa und Marco Engemann, dpa-AFX

Mit einem Zukunftspakt will der VW-Betriebsrat Leitplanken bauen, um in der Abgaskrise Sparkurs und Innovationsdruck zu vereinen. Dabei fordern die Arbeitnehmer nun erste Schritte. Konsequenzen regt der Betriebsrat auch nach dem jüngst befriedeten Zuliefererstreit an.

Wolfsburg/Berlin (dpa) - VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh bringt nach dem Streit mit Zulieferern ein stärkeres Engagement bei den Partnern ins Gespräch. «Ich muss unser Management nicht verteidigen, aber die Schuld liegt hier aus meiner Sicht nicht bei Volkswagen. Dennoch brauchen wir womöglich jetzt aufgrund der Erfahrungen aus den vergangenen Tagen noch ein zusätzliches Warnsystem, um derartige Risiken für Volkswagen weiter zu reduzieren. Ein denkbarer Ansatz dabei sind Minderheitsbeteiligungen - oder Vorkaufsrechte», sagte Osterloh bei einem Besuch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Er denke dabei auch an die Aufstellung des japanischen Rivalen Toyota. «Toyota ist im Endeffekt an vielen seiner Zulieferer beteiligt. Ich will damit jetzt nicht sagen, dass sich VW an all seinen Zulieferern beteiligen soll. Aber an verwundbaren Schlüsselstellen wäre das vielleicht ein Weg», sagte Osterloh, der als Kontrolleur im VW-Präsidium sitzt, dem Kern des Aufsichtsrats.

Ein Streit mit zwei Zulieferern hatte die Produktion bei Europas größtem Autobauer über Tage empfindlich gestört, im Stammwerk Wolfsburg kam sogar die Produktion des Verkaufsschlagers Golf zum Erliegen. Auslöser waren eine gekündigte Entwicklungskooperation und Entschädigungsforderungen daraus. Anfang der Woche hatten VW und die Teilehersteller den Konflikt mit einem Kompromiss befriedet.

Beim Ringen um einen Zukunftspakt für mehr Planungssicherheit bei der kriselnden VW-Kernmarke sieht Osterloh indes die Arbeitgeberseite am Zug. Sie müsse nun strategische Leitplanken für Zukunftsprodukte, Fabrikschwerpunkte und den Personalschlüssel dazu skizzieren.

Bei dem Zukunftspakt verhandeln Betriebsrat und Unternehmen über die Aufstellung der Kernmarke VW-Pkw. Das soll bis zur nächsten Budget-Planungsrunde in diesem Herbst abgeschlossen sein. Dann sollen nach dem Willen des Betriebsrates für die deutschen VW-Werke feste Zusagen für Investitionen, Produkte und Stückzahlen feststehen. «Wir reden dabei über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren», sagte Osterloh zur Dauer der Regelungen. «Wir müssen dabei zunächst die Frage des Henne-Ei-Prinzips klären: Wir brauchen schon ein paar Aussagen des Unternehmens dazu, in welche Richtung das laufen kann. Sonst wird das schwierig mit einem Zukunftspakt.»

Der Betriebsrat hatte die Unternehmensseite im Frühjahr für den Pakt an den Verhandlungstisch gerufen. Zuvor war bekanntgeworden, dass die Kernmarke um Golf und Passat laut Plänen aus dem Management bis Ende 2017 rund jede zehnte Verwaltungsstelle abbauen soll. Das wären gut 3000 Jobs. Osterloh wähnte Sparwut nach der Rasenmähermethode.

Die Kernmarke leidet seit Jahren unter ihrer Renditeschwäche. Der milliardenteure Skandal um weltweit elf Millionen Dieselfahrzeuge verschärfte den Druck. Um einer möglichen Salamitaktik zu begegnen, forderte Osterloh den Zukunftspakt für Perspektiven im Gesamtpaket. Einen Zukunftstarifvertrag gab es zuletzt bei VW 2006. Die 120 000 VW-Haustarifmitarbeiter genießen zwar eine Beschäftigungssicherung. Doch damit ist Jobabbau dennoch möglich, etwa über Altersteilzeit.

Auch ein Beispiel für die vom Betriebsrat gewünschten Rahmendaten nannte Osterloh: «Wenn wir irgendwann eine Million Elektro-Autos pro Jahr bei der Marke VW haben wollen, dann muss ich doch sagen, wie viele davon in China gemacht werden und wie viele in Europa. Und wie unsere Werke in Deutschland und Europa an der Wertschöpfung in der Elektromobilität profitieren.» Das Reich der Mitte ist der größte VW-Markt und sehr zukunftsträchtig für E-Autos.

Auch der Elektromobilitätstrend selbst ist ein Unsicherheitsfaktor. Was machen etwa die Werker im Verbrennungsmotorenwerk in Salzgitter, wenn Diesel und Benziner bald zurückgehen? Schwerpunkte für die neue E-Mobilität könnten dann dort ein Gegengewicht bilden. Osterloh wies dabei das Argument zurück, in Europa und vor allem in Deutschland seien die Personalkosten zu hoch. «Das alles steht auch vor dem Hintergrund, wo wir mit der Marke das Geld verdienen. Dazu kann ich Ihnen sagen: Europa soll dabei nicht ganz unwichtig sein.»

Mit Blick auf die Folgen der Abgas-Affäre sieht Osterloh indes nicht überall genug Sensibilität. «Beim Management muss ich manchmal schon deutlich werden und einigen erklären, dass wir vor dem Hintergrund der Milliardenbelastungen aus dem Abgas-Skandal operieren. Und dass wir für Elektromobilität, Digitalisierung und autonomes Fahren weitere Milliarden für unsere Zukunft aufwenden müssen. Ich glaube, dass das im Volkswagen-Konzern noch nicht alle ausreichend verinnerlicht haben.» Konzern-Chef Matthias Müller und Finanzvorstand Frank Witter marschierten aber «genau in die richtige Richtung».

Geht doch!

Können Regierungen Unsinn einfach verbieten?

Saures für Süßes – ein Pioniergesetz verbietet Naschereien, die Kinder mit Spielzeug locken

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Können Regierungen Unsinn einfach verbieten?

Mit einem strengen Gesetz will Chile seine Kinder und Jugendlichen vor ungesunder Nahrung schützen: Seit Anfang Juli dürfen Süßigkeiten mit einer Spielzeug-Beigabe im ganzen Land nicht mehr verkauft werden. Überraschungseier von Ferrero und Kindermenüs von McDonald’s sind jetzt also illegal. Die Neuregelung legt außerdem fest, welche Lebensmittel als gesundheitsschädlich gelten. Alle, die pro 100 Gramm mehr als 400 Milligramm Salz, vier Gramm gesättigter Fettsäuren, 275 Kalorien oder zehn Gramm Zucker enthalten, müssen gut sichtbar mit Warnhinweisen gekennzeichnet sein. An Schulen dürfen sie nicht verkauft oder beworben werden. Der Grund für das Gesetz: In Chile ist inzwischen jedes dritte Kind unter sechs Jahren übergewichtig. Hersteller und auch einige Kritiker der Süßigkeitenindustrie bezweifeln aber, dass ein Verbot die richtige Maßnahme ist, um eine gesündere Ernährung zu erreichen. Entscheidend sei die konsumierte Menge, eine bessere Aufklärung der Kinder und vor allem gute Vorbilder – zum Beispiel gesünderes Schulessen.

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San Francisco: Styropor gebannt
Konsequent verfolgt San Francisco seine „Zero Waste“- Strategie: Die kalifornische Stadt verbietet ab Juli 2017 Kaffeebecher, Einweggeschirr und Lebensmittelverpackungen aus Styropor. Mit dem Bann dieser  Wegwerfprodukte will sie ihrem Ziel,  bis 2020 müllfrei zu sein, einen großen Schritt näherkommen. Inzwischen machen rund 100 US-Städte gegen Waren aus Schaumkunststoff mobil.

Russland: Gentechnik unerwünscht
Gentechnisch modifizierte Organismen dürfen in Russland künftig weder angebaut noch importiert werden. Einzige Ausnahme: Zu Forschungszwecken sind gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere erlaubt. Bei Verstößen drohen Geldstrafen von bis zu 6500 Euro. Das beschloss die Staatsduma in dritter und abschließender Lesung.

Marokko: Plastiktüten ade
Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von jährlich 900 Plastiktüten zählt das nordafrikanische Land zu den Negativ-Spitzenreitern. Doch seit Juli sind dort Kunststofftüten verboten – mit Ausnahme von Gefrier- und Müllbeuteln. Hierzulande soll eine Anfang Juli eingeführte Gebühr den Verbrauch drosseln.

 

Geht doch!

Konfliktfrei surfen

Konzerne müssen Rohstoffe aus Krisengebieten offenlegen – Europa ringt um eine verpflichtende Regelung

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Konfliktfrei surfen

Ausgerechnet die USA machen vor, wie man große Firmen an die kurze Leine nimmt – zumindest in punkto Konfliktrohstoffe. Der „Dodd-Frank Act“ verpflichtet börsennotierte Unternehmen, offenzulegen, ob Handys, Laptops oder Autos Mineralien enthalten deren Verkauf Kriege oder bewaffnete Kämpfe in der DR Kongo und deren Nachbarländern finanziert. Dass das seit 2010 geltende Transparenzgesetz für Gold, Tantal, Wolfram und Zinn Wirkung zeigt, belegt nun ein Report des „Enough Project“: Inzwischen gebe es im Kongo mehr als 160 Minen, die als „konfliktfrei“ gelten, ermittelte die US-Organisation. Auch EU-Bürger wollen keine „blutigen“ Produkte. Deshalb verhandeln EU-Kommission, -Parlament und -Rat derzeit über eine Sorgfaltsregelung. Wie verbindlich diese sein wird, ist bislang offen. „Die EU-Regeln dürfen nicht hinter die US-Standards zurückfallen, das wäre ein Armutszeugnis“, sagt Christian Wimberger von der Christlichen Initiative Romero. Selbst eine verpflichtende Regelung für Konfliktmineralien könne nur ein erster Schritt sein. Als nächstes müsse der verbindliche Schutz von Menschenrechten und Umwelt auf alle industriellen Bergbauprojekte wie die Förderung von Coltan, Kupfer und Kohle ausgeweitet werden.
ci-romero.de (Rohstoffkampagne)
stop-mad-mining.org

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Mailand: Cash fürs Radeln
Seit Jahren leiden die Mailänder unter Staus und schlechter Luft. Nun ergreift die Verwaltung der norditalienischen Metropole eine ungewöhnliche Maßnahme: Sie will jedem Pendler, der künftig mit dem Rad zur Arbeit fährt, eine Pauschale von 25 Cent pro gefahrenem Kilometer zahlen. Für das Anreizprogramm stehen insgesamt 35 Millionen Euro bereit. Die Fahrten sollen per App dokumentiert werden.

London: Strom von der Themse
Im Mai hat die britische Hauptstadt den größten schwimmenden Solarpark der Welt in Betrieb genommen. Für 7,3 Millionen Euro wurden in der Themse 23.000 Paneele mit einer Kapazität von 6,3 Megawatt verankert. Der produzierte Strom soll die Wasseraufbereitungsanlagen in und um London versorgen. Der Vorteil der schwimmenden Sonnenkraftwerke: Sie sind leichter und billiger herzustellen als Anlagen an Land, werden durch das fließende Wasser konstant gekühlt und nehmen keinen Platz weg.

Frankreich: Palmöl – teurer durch Steuer
Um den Konsum zu drosseln und so die verheerenden Umweltschäden des Plantagenanbaus zu mindern, will die französische Regierung Palmöl besteuern: Ab 2017 sollen 30 Euro pro Tonne fällig werden, bis 2020 wird sich die Abgabe verdreifachen. In Deutschland ist bislang keine Palmölsteuer geplant. Der „Save Wildlife Conservation Fund“ drängt die Politik hierzulande schon länger zu diesem Schritt. Anders als in Frankreich dürfte sogenanntes „nachhaltiges Palmöl“ allerdings nicht ausgenommen werden, sagt eine Sprecherin der Stiftung, da es dafür noch immer keine verlässlichen Zertifizierungen gebe.
zeropalmoel.de

Geht doch!

Saubere Profite

Als erste deutsche Stadt investiert die westfälische Kommune nur noch in ethisch-ökologische Anlagen

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Saubere Profite

Dem Stadtkämmerer von Münster bereiten die RWE-Verluste keine schlaflosen Nächte: Als erste deutsche Stadt hat die westfälische Grünen-Hochburg zum Jahresbeginn alle Geldgeschäfte mit Klimasündern eingestellt. Rückstellungen für die Beamtenpensionen – das sind immerhin 460 Millionen Euro – dürfen nicht mehr in Fonds angelegt werden, die Aktien von Öl- und Kohleunternehmen beinhalten. Mehr noch: Auch Atomenergiekonzerne, Gentechnikfirmen und Rüstungsindustrie sind tabu. Drahtzieher dieser „Divestment“-Premiere waren die örtliche Fossil-Free-Gruppe und die Grünen. Seit Sommer 2013 machten die Klima-Aktivisten Druck auf der Straße, und die Partei überzeugte schließlich den Stadtrat. „Jeder, der nicht will, dass seine Stadt durch ihre Geldgeschäfte den Klimawandel befeuert, kann eine solche Kampagne starten“, sagt Tine Langenkamp von der Klimaschutzorganisation 350.org. „Dafür muss man kein Finanzexperte sein.“ Vom Ausstieg profitiere nicht nur das Klima, er rechne sich auch noch. „Ethisch-ökologische Geldanlagen können sogar mehr Renditen abwerfen als konventionelle“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Otto Reiners, „deshalb erwarten wir einen Domino-Effekt.“
gofossilfree.wordpress.com
gofossilfree.org/de

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Frankreich: La vie est belle
Eben noch hat Frankreich Schlagzeilen gemacht, weil Supermärkte keine Lebensmittel mehr wegwerfen dürfen und in Restaurants „Doggy Bags“ eingeführt werden. Nun gibt das Nachbarland in anderen Bereichen Gas: In den nächsten fünf Jahren sollen tausend Kilometer Straßenbelag mit neuartigen Solarpaneelen ausgerüstet werden – bereits zwanzig Quadratmeter könnten den Strombedarf eines Single-Haushalts decken. Und schon in diesem Sommer werden in Paris tausend E-Roller stehen, die jeder mieten kann – sie sollen für bessere Luft sorgen.

Thailand: Autarke Solarschule
In der Sisaengtham-Schule im Nordosten Thailands lernen schon kleine Kinder, nachhaltig zu leben: Sie pflanzen nicht nur ihr eigenes Gemüse an, sondern installieren und reparieren auch Solarzellen. Ziel des als „Solar-Mönch“ bekannten Gründers Phra Khru Wimon Panyakhun ist es, dass sich die Schule in allen Bereichen selbst versorgt. Die Energieernte deckt bereits den Bedarf. Außerdem entwickelten die Kinder mobile Ladestationen, mit denen Bauern die Bewässerungspumpen für ihre Reisfelder mit der Kraft der Sonne statt mit Dieselgeneratoren betreiben können.

Kamerun: Häuser aus Plastikmüll
Roger Milla, die afrikanische Fußball-Legende aus Kamerun, betreibt in seinem Heimatland eine Recyclinganlage. Aus Plastikmüll werden dort Bausteine gepresst: „Wir wollen die Umweltverschmutzung verringern und Arbeitsplätze für Jugendliche schaffen“, sagt Milla. Ein ähnliches Projekt verfolgt die dänische Ingenieurstudentin Lise Fuglsang Vestergard in Indien: Sie lässt zerkleinerten Plastikmüll im „Solargrill“ zu Ziegelsteinen einschmelzen. 

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Fr, 2016-08-26 08:51
Adelaide (dpa) 

Kein Sharknado: Australische Polizei findet Hai in Pfütze

Adelaide (dpa) - Etwa 25 Kilometer vom Meer entfernt hat die Polizei in Australien einen Hai in einer Pfütze gefunden. Der kleine Port-Jackson-Stierkopfhai habe noch gelebt, sagte die Polizei in One Tree Hill, einem Vorort von Adelaide, am Donnerstag. Leider sei das Tier später gestorben. Wie der Hai in die Pfütze gelangt sei, wisse niemand: «Es ist ein Rätsel, aber die Polizei schließt die Möglichkeit eines Sharknados aus», heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Im US-Kultfilm «Sharknado» (2013) werden lebende Haie durch Tornados in die Stadt Los Angeles gewirbelt. Die Haie töten nichtsahnende Menschen. Die Polizei vermutet, dass der Hai aus der Pfütze entweder gefangen und weggeworfen wurde oder aus einem Aquarium stammte, für das er zu groß geworden war.

Fr, 2016-08-26 08:15
Nürnberg (dpa)

Verbraucherstimmung verbessert sich trotz Terrors und Brexit-Votums

Die Deutschen sind weiter in Kauflaune - allen Sorgen um Brexit, Flüchtlinge oder Terror zum Trotz. Nach Ansicht von Konsumforschern hat das vor allem einen Grund.

Nürnberg (dpa) - Trotz Terrorangst und Brexit-Sorgen hat sich die Verbraucherstimmung in Deutschland wieder leicht verbessert. Der geplante EU-Austritt Großbritanniens habe die deutschen Konsumenten nur kurz verunsichert, teilte das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK am Freitag mit. Und auch die Anschläge in Würzburg und Ansbach führten nicht zu einer Zurückhaltung im Kaufverhalten. «Das hat keine nachhaltige Wirkung gezeigt», sagte Konsumforscher Rolf Bürkl. Daher steigt der GfK-Konsumklimaindex für September auf 10,2 Punkte - nach 10,0 Zählern im August.

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung beurteilen die Verbraucher zwar weiter eher zurückhaltend; der Konjunktur-Indikator ging dementsprechend leicht zurück. «Dennoch gehen die Bürger nach wie vor davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten weiterhin moderat wachsen wird», hieß es von der GfK.

Bei den Einkommen erwarten die Konsumenten dagegen wieder eher mehr im Geldbeutel. Dieser Indikator legte dementsprechend deutlich um 8,6 Punkte auf 58,3 Zähler zu und machte die Verluste im Vormonat damit fast wieder wett. Die Einkommenserwartung liege damit weiter auf sehr hohem Niveau. Auch in Bezug auf ihre eigene finanzielle Lage seien die Konsumenten «geradezu euphorisch».

Und dies sei durchaus berechtigt: «Eine sehr gute und stabile Beschäftigungslage, deutlich steigende Einkommen für Beschäftigte und Rentner sowie eine kaum vorhandene Inflation werden auch in den kommenden Monaten für einen ausgeprägten Einkommensoptimismus sorgen.» Dies sei das «Geheimnis» hinter der sehr stabilen und noch verbesserten Verbrauchenstimmung, sagte Bürkl. Auch die Kauflust bleibt ungebrochen groß: Die Anschaffungsneigung gewinnt weiter leicht dazu.

«Das stützt meine These, dass der entscheidende Faktor für die Konsumstimmung der Arbeitsmarkt ist», sagte Bürkl. «Speziell die Frage, ob die Beschäftigten konkret Angst um ihren eigenen Arbeitsplatz haben.» Diese Angst sei in Deutschland sehr gering bzw. kaum vorhanden und das schon über einen längeren Zeitraum. Dadurch hätten die Verbraucher Planungssicherheit im Hinblick auf größere Anschaffungen. Im Moment sehe es zudem so aus, dass die Zinsen auch in den kommenden Monaten im Keller bleiben. «Dies dürfte den Konsum zusätzlich stützen», sagte der Forscher.

Die große Zahl von Flüchtlingen habe die Deutschen übrigens nicht nachhaltig verunsichert, sagte Bürkl. «Bei den Konjunkturerwartungen und den Erwartungen an die Arbeitslosigkeit generell hat sich das Thema im vergangenen Spätsommer und Herbst bemerkbar gemacht und auch beispielsweise den Abgasskandal bei VW klar in den Schatten gestellt.» Inzwischen seien hier jedoch keine Auswirkungen mehr erkennbar. Auf die Konsumstimmung habe das Thema schon vor einem Jahr weit weniger Einfluss gehabt. «Die Menschen wissen, dass es gesamtwirtschaftlich eine Belastung sein kann. Aber sie hatten keine Angst, dass die Flüchtlinge ihnen den Arbeitsplatz weg nehmen», sagte Bürkl.

Fr, 2016-08-26 08:31
Istanbul (dpa)

Mindestens acht Tote bei Terroranschlag auf Polizeiposten in Türkei

Istanbul (dpa) - Bei einem Terroranschlag auf einen Kontrollpunkt der Polizei in Cizre im Südosten der Türkei sind am Freitag mindestens acht Polizisten getötet worden. Weitere 45 Menschen wurden nach ersten Angaben der Behörden verletzt. Während der Kontrollen der Polizei sei ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen explodiert, teilte das Gouverneursamt der Provinz Sirnak mit. Die Behörde sprach von einem Anschlag der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK.

À la Saison

Woher nimmt der Apfel seine Zauberkraft?

(Malus domestica)

Ohne ihn säßen wir noch im Paradies. Doch wir sollten Eva nicht gram sein. Den Apfel durften wir beim Auszug ja mitnehmen. Und der schmeckt einfach paradiesisch.

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Woher nimmt der Apfel seine Zauberkraft?

Beginnen wir ausnahmsweise bei Adam, Eva und dem Baum der Erkenntnis. Dass dieser ein Apfelbaum gewesen sein soll, steht in der Bibel nirgends. Doch die Selbstverständlichkeit, mit der aus dem Wort „Frucht“ im Lauf der Jahrtausende „Apfel“ wurde, zeigt, dass dieser die Frucht schlechthin ist. Es gibt kein wichtigeres Kulturobst. Vom goldenen Zankapfel in Homers Ilias bis zum Reichsapfel als Emblem kaiserlicher Macht, von Martin Luthers Versprechen, im Angesicht des Weltuntergangs ein Apfelbäumchen zu pflanzen bis zu Schneewittchens Biss in ein vergiftetes Exemplar, von Wilhelm Tells Armbrustakrobatik bis zu Isaac Newtons von Fallobst inspiriertem Schwerkraft-gesetz, von René Magrittes Granny Smiths bis zu den Apple Records der Beatles und schließlich zum globalen Siegeszug als Firmenlogo einer kalifornischen Computermarke – ist die abendländische Geschichte ein gewaltiger Apfelstrudel. Unmöglich, sie ganz zu erzählen.

Dabei ist die Paradiesfrucht noch weit älter als das Alte Testament. Lange ging man davon aus, dass die ersten Äpfel um 3000 vor Christus im Baltikum wuchsen. Mithilfe von DNA-Analysen fanden Oxford-Forscher vor zehn Jahren jedoch heraus, dass Malus domestica seinen Ursprung wohl in Zentralasien hat. Sie fanden seinen Vorfahren, den Asiatischen Wildapfel, an den Hängen des Tienschan im Norden Chinas. Vielleicht schmecken Äpfel aus kühlerem Klima deshalb so gut.

Schon die Germanen machten daraus Mus und Met. Wie die Frucht nach Europa gekommen war, ist unklar. Der Ruf eines wundervollen Heilmittels eilte ihr voraus. Das englische Sprichwort An apple a day keeps the doctor away ist so berühmt, dass es sogar jenseits der anglophonen Welt oft unübersetzt zur Anwendung kommt. In vielen Fällen notgedrungen – wie Max Goldt einst mit dem Versuch deutlich machte, die Sentenz ins Deutsche zu übertragen. Das Resultat „Ein Apfel am Tag und der Arzt fährt nach Prag“ entschuldigte er mit der Bemerkung, es sei erstaunlich, wie wenige Wörter sich auf Tag reimten. Immerhin erlaube das dem Mediziner eine sicher wohlverdiente Städtereise. Experten sagen übrigens, dass ein Apfel am Tag zwar keine Garantie ist, den Arzt dauerhaft an die Moldau zu verabschieden. Doch die Chancen stehen nicht schlecht –
so viel Gutes enthält die Frucht, vor allem Pektin, Vitamin C und Flavonoide.

Der wichtigste Grund für die Aura des Apfels, der schon Eva verfiel, ist natürlich sein Geschmack. Er hat eine aromatische Bandbreite von Zitronen- über Erdbeer- bis hin zu Walnussnoten. Abseits der fünf, sechs globalen Handelsmarken sorgen alte würzige Varietäten für Küchenglück. Interessanter als in Klassikern mit Kuchenteig, Zimt und Nelken verhält der Apfel sich zu den erdigen Komponenten von Wildbret, Blutwurst oder Roter Bete. Apfelsoße kontrastiert auf der Zunge perfekt zum Fett gegrillter Makrele. Und was wären Kohlsalat oder Rotkohl ohne die süße Säure? Zu Hartkäse mit roher Zwiebel passt das Kernobst ebenso wie zu Nüssen und dunklen Beeren. Unschlagbar ist es in Kombination mit Beifuß als Füllung der Weihnachtsgans.

Aber noch ist Sommer, die Ernte beginnt gerade erst. Bis der letzte Cox gepflückt ist, vergehen noch Monate. Die Frucht schlechtin ist – streng botanisch gesehen – übrigens eine Scheinfrucht! Niemand entlarvt das Blendwerk eleganter als die 2004 in Leipzig gegründete Satire-Organisation Front Deutscher Äpfel. Die FDÄ parodiert rechtsextreme Parteien und spielte mit der Wahl ihres Namens auf den damaligen NPD-Vorsitzenden Holger Apfel an. Die Künstler und Aktivisten agitieren gegen eine Überfremdung des deutschen Obstbestands und fordern: „Südfrüchte raus!“ Jemand sollte ihnen sagen, dass auch der Apfel ein Ausländer ist. 

Frisch vom Baum gibt's Äpfel ab Septemberl

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Himmlische Himbeere

(Rubus idaeus)

Was haben glühende RAF-Terroristinnen und eiskalte Banker gemeinsam? Sie machen zu oft Ferien im Himbeerreich. Da wollen Sie auch hin? Ein Wegweiser.

 

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Himmlische Himbeere

Schokolade, Zigaretten, Marshmallows – für diese Schätze aus dem „Himbeerreich“ bedankt sich Gudrun Ensslin 1968 per Gefängnispost bei ihrem Verlobten und bestellt noch eine luxuriöse Feuchtigkeitscreme hinterher. Die üppige BRD-Warenwelt versüßt der Pfarrerstochter, die kurz darauf die RAF mitgründen wird, ihr Zellenleben. Das Dialektische daran ist Ensslins Haftgrund: Brandanschläge auf zwei Kaufhäuser. „Wer Himbeerreiche anzündet, kann nicht erwarten, deren Früchte zu ernten“, sinniert 2013 der Chauffeur Hans Helmut Hinz. Er meint aber keine konsumaffinen Linksterroristinnen, sondern bonusgetriebene Bankvorstände, deren Limousinen er durch die Finanzkrise kutschiert. Hinz ist eine Figur aus dem Theaterstück „Das Himbeerreich“. Dessen Autor Andres Veiel will uns ausdrücklich nicht sagen, dass Banker Terroristen sind. Aber eines wissen sie wohl so gut wie Bombenleger (und wir alle): Wo Himbeeren wachsen, wartet das Paradies.

Rubingleich funkeln die fragilen Früchte am stacheligen Strauch. Sie duften betörend, netzen die Fingerspitzen purpurn wie Theaterblut und zergehen sonnenwarm auf der Zunge – seit Jahrtausenden. Samenfunde in Steinzeitsiedlungen belegen, dass es sich um eine der ältesten Naschereien der Welt handelt. Die Himbeere ist echt „paläo“. Kultiviert wurde sie schon im alten Rom, wo sie als Heilpflanze auch gegen Schlangenbisse und Skorpionstiche helfen sollte. Der Erfolg ist fraglich. Gesund ist die Himbeere aber durchaus. Sie enthält enorme Mengen Vitamin C, viel Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Das stärkt den Kreislauf, das Immunsystem und wirkt entgiftend sowie entzündungshemmend.

Die Römer nannten die Beere, die eigentlich eine Sammelsteinfrucht ist, Rubus idaeus – nach der Nymphe Ida. Einst soll die Tochter des kretischen Königs ein weinendes Kind in den Bergen gefunden haben, den jungen Göttervater Jupiter. Als sie ihm eine Himbeere pflückte, stach sie sich an den Dornen. Blut tropfte auf die ehedem weißen Früchte und färbte sie rot. Toll, diese antiken Sagen. Diese aber hat der französische Arzt Henri Leclerc 1925 für sein Buch „Les fruits de France“ dreist erfunden. Es ist auch eher öde, dass wohl der türkische Berg Ida Namenspate des Obstes war. Und „Himbeere“ kommt vom althochdeutschen Wort hintperi – Beere der Hirschkuh, vielleicht weil sie sich in lichten Wäldern so wohlfühlt.

In der Küche ist diese Frucht ein Naturtalent: Sie ist vollkommen, so wie sie ist. Ein paar gute Begleiter gibt es aber doch. Alles Cremige unterstreicht ihren Wohlgeschmack, Ziegenkäse steht im würzigen Kontrast dazu. Mit Pfirsich (Melba!), Mandel und Rosenwasser verträgt sie sich schwesterlich. Immerhin stammen sie alle aus der Großfamilie der Rosengewächse. Haselnüsse stehen ihr – traditionell in Linzertorte – ebenfalls gut. Auch dunkle Schokolade, Minze und – ja – Zucker, etwa in Marmelade, kann sie aushalten. Die Kerne mögen stören, sorgen aber auch für feine Holznoten. Nicht zuletzt harmoniert das berauschende Aroma reifer Himbeeren ausgezeichnet mit Alkohol, in Sekt etwa oder köstlichem Himbeergeist.

Es gibt auch schwarze, weiße, rosa und gelbe Sorten. Sobald Himbeeren zu sehr glänzen, ist aber Vorsicht geboten. Etwa in Hollywood. Seit 1981 verleihen Cineasten am Vorabend der Oscars den Antipreis „Goldene Himbeere“. Der Name der Plastiktrophäe spielt auf die Redewendung to blow a raspberry an: laut losprusten. Die so geehrten Schauspieler erscheinen selten persönlich. Im Jahr 2005 stellte sich Halle Berry aka Catwoman der Schmach und sprach die wahren Worte: „Wer kein guter Verlierer ist, kann kein guter Gewinner sein.“ So golden munden Niederlagen nur mit Himbeere. Liebe Banker, es ist nie zu spät, die eigene Leistung infrage zu stellen. Möge der Sommer himbeerreich sein.

Frisch vom Feld gibt's Himbeeren ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Sagenhafter Spinat

(Spinacia oleracea)

Damit du groß und stark wirst? Von wegen! Spinat enthält gar nicht besonders viel Eisen. Weiß leider jedes Kind. Doch woher nimmt Popeye dann seine stahlharten Fäuste? Es ist... Ein Küchenkrimi.

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Sagenhafter Spinat

„Ich hab’ es geschafft. Der Spinat gab mir Kraft!“, singt ein Zeichentrickmann mit ballongroßen Unterarmen zu Militärmusik. „Ich bin Popeye der Seeheemann!“ Wir schreiben den 13. März 1942, und der Spinatmatrose hat irgendwo im Pazifik eine japanische Flotte zerlegt – im Alleingang, versteht sich. Alles, was er dafür braucht, ist eine Dose Spinat auf ex. Schon kommen die Superkräfte. Es ist die Zeit, in der selbst Comic-Helden im Dienst der US-Kriegspropaganda stehen. Die Botschaft „Der Spinat gab mir Kraft“ (im englischen Original: Strong to the finish, ’cos he eats his spinach) geht nicht nur an die Soldaten da draußen, sondern mindestens ebenso an deren Kinder daheim.

„Iss deinen Spinat!“ Wie viele Generationen hat dieser Befehl wohl gequält. Wie viel Leid war in der Welt, seit ein obskurer Chemiker im 19. Jahrhundert ein Komma falsch gesetzt und den Eisengehalt auf das Zehnfache potenziert hatte? Das Fuchsschwanzgewächs enthält gar nicht mehr von dem Spurenelement als andere Gemüse, enthüllte der Krebsexperte Terence Hamblin 1981 im British Medical Journal und folgerte spitz: „Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehren sollen.“ Gute Pointe? Hier ist eine bessere: Den Rechenfehler hat es nie gegeben. Der Volksglaube, mit dem Hamblin ausgerechnet unter der Überschrift Fake! (Schwindel) aufräumte, ist selbst eine Sage. Ein „Supermythos“, wie Mike Sutton sagt. Der Kriminologe machte sich 2010 auf Spurensuche und fand: keine Quelle, nirgends. Als er Hamblin damit konfrontierte, mailte der zurück, er könne sich nicht recht erinnern. Er sei sich aber sicher, die Geschichte nicht erfunden zu haben.

Verbürgt sind Popeyes Verdienste um den Spinatabsatz in den USA. Dort hat der Matrose seine eigene Marke. Mehrere Gemeinden widmeten ihm Denkmäler. Crystal, Texas, und Alma, Alabama, konkurrieren sogar um den selbst erdachten Titel „Welthauptstadt des Spinats“. Er ist ein globales Gemüse. Im Fernen Osten zum ersten Mal kultiviert, verdankt er seinen Namen dem persischen aspanakh oder einem arabischen Poeten, der ihn als isfanatsch, Prinz aller Gemüse, pries. Im frühen Mittelalter erreichte er Spanien und verdrängte ein paar Jahrhunderte später auch seine Verwandte, die Gartenmelde, aus der deutschen Küche.

Frühjahrsspinat taugt zu mehr als grüner Pampe in Rahm. Zitrusfrüchte, auch Zitronengras stehen in frischem Kontrast zu den erdigeren Noten seiner Blätter. Als Salat oder gedünstet verträgt er sich mit gerösteten Pinienkernen, gebratenem Speck, salzigen Anchovis und beliebigen Mengen Knoblauch. Auch Joghurt schmeichelt ihm, wie die indische Küche beweist. Und Eiergerichte wie Soufflé ergänzt Spinat aufs Feinste. Aber natürlich: An kalten Apriltagen hat auch der durchpürierte Klassiker mit Muskat und „Blubb“ seine tröstende Berechtigung. Nur ein halber Mythos ist, dass man Spinat nicht wieder aufwärmen darf. Er enthält zwar Nitrat, das Bakterien in krebserregendes Nitrit umwandeln. Stellt man Reste aber rasch in den Kühlschrank, kann man die Entstehung giftiger Substanzen verzögern. Spinat à la Saison, frisch vom Feld und in Bioqualität, enthält übrigens am wenigsten Nitrat.

Und Superkräfte setzt der zarte Grüne wirklich frei. Forscher haben Eiweiße aus seinen Blättern isoliert und tüfteln damit an „Spinatzellen“ für künstliche Fotosynthese, die einst mehr leisten sollen als Solarzellen. Popeyes spinach power speist sich allerdings aus einer anderen Quelle: Im Juli 1932 isst der Matrose zum ersten Mal Spinat – frisch vom Beet. Seine Freundin Olivia ruft: „Lieber Himmel, bist du ein Pferd?“ Popeye spricht mit Pfeife im Mund: „Spinat ist voller Vitamin A. Das macht Menschen stark und gesund.“ Wie wahr. Und hoffentlich gilt das auch für Kettenraucher.

Frisch vom Feld gibt's Spinat ab März.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Fr, 2016-08-26 08:55
Adelaide (dpa) 

Kein Sharknado: Australische Polizei findet Hai in Pfütze

Adelaide (dpa) - Etwa 25 Kilometer vom Meer entfernt hat die Polizei in Australien einen Hai in einer Pfütze gefunden. Der kleine Port-Jackson-Stierkopfhai habe noch gelebt, sagte die Polizei in One Tree Hill, einem Vorort von Adelaide, am Freitag. Leider sei das Tier später gestorben. Wie der Hai in die Pfütze gelangt sei, wisse niemand: «Es ist ein Rätsel, aber die Polizei schließt die Möglichkeit eines Sharknados aus», heißt es in einer Mitteilung der Polizei.

Im US-Kultfilm «Sharknado» (2013) werden lebende Haie durch Tornados in die Stadt Los Angeles gewirbelt. Die Haie töten nichtsahnende Menschen. Die Polizei vermutet, dass der Hai aus der Pfütze entweder gefangen und weggeworfen wurde oder aus einem Aquarium stammte, für das er zu groß geworden war.

Fr, 2016-08-26 08:21
Cupertino (dpa)

Mächtige Spionage-Software für iPhones entdeckt

Experten sprechen von der «ausgeklügeltsten Attacke», die sie je auf einem Gerät gesehen haben: Ein Spionage-Programm verschaffte sich dank Software-Schwachstellen weitreichenden Zugang zu iPhones. Ein Rückschlag für Apple, das mit der Sicherheit seiner Geräte wirbt.

Cupertino (dpa) - Eine neu entdeckte Spionage-Software hat sich einen bisher noch nie gesehenen Zugriff auf iPhones und andere Apple-Geräte verschaffen können. Der IT-Sicherheitsfirma Lookout zufolge konnte das Programm dank drei bisher unbekannten Software-Schwachstellen unter anderem Nachrichten und E-Mails mitlesen, Anrufe verfolgen, Passwörter abgreifen, Tonaufnahmen machen und den Aufenthaltsort des Nutzers verfolgen. Nach Erkenntnissen von Experten wurde das Programm auch gegen Menschenrechtler und Journalisten eingesetzt. Apple stopfte die Sicherheitslücken im iPhone-System iOS am Donnerstag - rund zwei Wochen nach dem ersten Verdacht.

Es ist beispiellos, dass eine Software zur Überwachung von iPhones mit derartigen Fähigkeiten, die meist nur Geheimdiensten zugeschrieben werden, entdeckt und analysiert werden konnte. Den Experten zufolge steckt hinter dem Programm ein Unternehmen aus Israel, das von einem Finanzinvestor übernommen wurde und als eine Art Cyberwaffen-Händler gelte.

Aufgeflogen sei das Schadprogramm, als ein bekannter Menschenrechtler aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Verdacht bei einer Nachricht mit einem Link zu angeblichen Informationen über Folter von Häftlingen in dem Land geschöpft habe, hieß es. Statt den Link anzuklicken, habe Ahmed Mansur die Sicherheitsforscher eingeschaltet. Sie gaben dem entdeckten Überwachungsprogramm den Namen «Pegasus».

«Pegasus ist die ausgeklügeltste Attacke, die wir je auf einem Endgerät gesehen haben», resümierte Lookout. Das Programm profitiere davon, dass mobile Geräte tief in den Alltag integriert seien. Zudem vereinten sie eine Vielzahl an Informationen wie Passwörter, Fotos, E-Mails, Kontaktlisten, GPS-Standortdaten. Die Spionage-Software sei modular aufgebaut und greife zu Verschlüsselung, um nicht entdeckt zu werden. Lookout lässt iPhone-Nutzer inzwischen mit einer App prüfen, ob ihr Gerät befallen wurde.

Das kanadische Citizen Lab fand auch Hinweise darauf, dass ein mexikanischer Journalist und bisher nicht näher bekannte Zielpersonen in Kenia mit Hilfe von «Pegasus» ausgespäht worden seien. Insgesamt blieb jedoch zunächst unklar, wie breit und wie lange sie eingesetzt worden sein könnte.

Ein Sprecher der aus Urheber vermuteten Firma NSO Group erklärte der «New York Times», man verkaufe nur an Regierungsbehörden und halte sich streng an Ausfuhrbestimmungen. Er wollte keine Angaben dazu machen, ob Software des Unternehmens in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Mexiko im Einsatz sei.

Die von Apple veröffentlichte iOS-Version 9.3.5. ist für iPhones, iPad-Tablets und den Multimedia-Player iPod touch gedacht. Für den Konzern ist das Spionageprogramm ein schmerzlicher Dämpfer: Die Sicherheit der Geräte ist ein wichtiger Pfeiler des Apple-Marketings und der Konzern investiert viel in Verschlüsselung und andere Sicherheitsmechanismen. Apple betonte, man empfehle den Nutzern immer, die neueste iOS-Version zu nutzen.

Sogenannte «Zero-Day»-Sicherheitslücken, die dem Anbieter einer Software nicht bekannt sind, werden von Geheimdiensten und kriminellen Hackern genutzt. Auch der Computer-Wurm «Stuxnet», der das iranische Atomprogramm sabotierte, griff mehrere solcher Lücken an. «Zero-Day»-Schwachstellen in iPhones werden teuer gehandelt und können auch eine Million Dollar kosten. Dass «Pegasus» gleich drei von ihnen nutzte, ist deshalb relativ ungewöhnlich.

Fr, 2016-08-26 07:12
Berlin (dpa)

Merkels Entscheidung - Wie eine Nacht das Land verändert Von Kristina Dunz und Kay Nietfeld , dpa

Vor einem Jahr lässt Kanzlerin Merkel in einer Ausnahmesituation Tausende Flüchtlinge ohne große Kontrollen ins Land kommen. Sie bewegt die Welt - doch in Deutschland wachsen die Probleme. «Wir schaffen das», sagt sie bis heute. Ausgang offen.

Berlin (dpa) - Es ist die Nacht vom 4. auf den 5. September 2015, in der Bundeskanzlerin Angela Merkel eine folgenschwere Entscheidung trifft. In Ungarn wird das Versagen der Europäischen Union (EU) in der Flüchtlingspolitik gerade für alle Welt sichtbar, der rechtsnationale Ministerpräsident Victor Orban verschärft die Lage mit Zäunen und Abschottungsrhetorik. Tausende Flüchtlinge, viele davon aus dem Bürgerkriegsland Syrien, flehen um Hilfe. Erschöpft, verzweifelt, traumatisiert - mit einem Rest an Energie schaffen es manche, zu Fuß auf Autobahnen und Bahngleisen gen Westen zu laufen.

CDU-Chefin Merkel und Österreichs damaliger sozialdemokratischer Kanzler Werner Faymann befürchten Tote. Sie entscheiden, die Menschen unbürokratisch in ihre Länder zu lassen. Was eine Ausnahme sein sollte, entwickelt dann aber eine eigene Dynamik. Merkel sagt: «Wir schaffen das.» Das sagt sie bis heute. Vom «Septembermärchen» 2015 und was daraus geworden ist - nach Berichten aus dem Kanzleramt, der CSU, der Koalition, aus Ungarn, Österreich, Brüssel, den Geheimdiensten, von Helfern und Neuankömmlingen:

DER VORLAUF:

Im Frühjahr ertrinken an einem einzigen Tag fast 1000 Menschen im Mittelmeer, nachdem ihr Boot auf dem Weg von Libyen nach Italien gekentert ist. Die EU-Staats- und Regierungschefs sind noch so mit dem griechischen Schuldendesaster beschäftigt, dass sie sich nicht zeitgleich der nächsten Krise stellen wollen - die viel schlimmer werden wird. Im Sommer verdoppelt sich die Zahl der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge von Monat zu Monat. Im August sprechen die Behörden von vermutlich 800 000 Flüchtlingen 2015. Entlang der sogenannten Balkanroute drängen immer mehr Menschen nach Westeuropa.

26. AUGUST 2015: Erstmals in ihrer bis dahin zehnjährigen Kanzlerschaft besucht Merkel ein Flüchtlingsheim. Im sächsischen Heidenau. SPD-Chef Sigmar Gabriel war zwei Tage vor ihr da gewesen und hatte rechte Hetzer und Ausländerfeinde als «Pack» beschimpft. Als Merkel aus ihrer schwarzen Limousine steigt, hört sie von der anderen Straßenseite Rufe. Reflexhaft setzt sie zum Winken an. Meistens jubeln Bürger ihr zu, wenn sie die Kanzlerin erkennen. Erst mit Verzögerung versteht Merkel, was gerufen wird: «Volksverräter.» Sie ist irritiert, kann solche Attacken gegen sich jedoch aushalten. Angewidert ist sie aber von Hass und Gewalt gegen Menschen, die alles verloren haben. Das Grauen des Folgetages ahnt sie noch nicht.

27. AUGUST: Österreichs Regierung richtet die Westbalkan-Konferenz aus, die sich um die Beziehungen der Balkanländer, Maßnahmen für einen EU-Beitritt und Migration kümmert. Kanzler Faymann mahnt bei der Eröffnung am Mittag zum Kampf gegen Schlepperbanden: «Wir haben gemeinsam die Pflicht, etwa jene, die an diesem Leid auch noch verdienen, in ihre Schranken zu weisen.» Nur eine Stunde später, es ist kurz nach 13 Uhr, verbreitet sich eine Schreckensnachricht. 40 Autominuten entfernt wurde ein abgestellter Kühllaster mit ungarischem Kennzeichen entdeckt. Seine Fracht: 71 Flüchtlinge - alle tot. Merkel sagt beklommen: «Das waren Menschen, die auf dem Weg waren, um mehr Sicherheit und Schutz zu suchen.» Sie sieht den «reichen Kontinent» Europa in der Pflicht, Flüchtlinge zu retten.

Europas Asylpolitik mit dem Dublin-Verfahren hält sie längst für wirklichkeitsfremd. Danach ist derjenige Staat für Asylverfahren zuständig, in dem Flüchtlinge erstmals EU-Boden betreten. Deutschland theoretisch also fast nie. Flüchtlinge, die es dennoch in ein anderes Land schaffen, sollen in ihr Einreiseland an der EU-Außengrenze zurückgebracht werden. In der Praxis funktioniert das schon lange nicht mehr. In Deutschland sind so viele angekommen, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge mit Prüfung und Abschiebung nicht mehr hinterherkommt. Die Behörde entscheidet, das Verfahren bei Syrern «zum gegenwärtigen Zeitpunkt weitestgehend faktisch nicht zu verfolgen». Was als interne Anweisung gedacht ist, gelangt an die Öffentlichkeit und erzeugt Fragen. Also macht das BAMF die Vorgabe am 25. August via Twitter selbst publik. Über soziale Medien verbreitet sich der Tweet bis nach Syrien - was viele als Einladung missverstehen. Merkel korrigiert den Kurs nicht. Syrer schreiben ihr im Internet Liebesbotschaften.

31. AUGUST: An einem herrlichen Sommertag gibt Merkel um 13.30 Uhr ihre traditionelle Jahrespressekonferenz. Sie trägt einen Blazer in kräftigem Rosé. Wie immer ist sie akribisch vorbereitet. Ihre Stimme ist fest, ihre Stimmung gut. Diesmal will sie eine Botschaft verkünden. Das Leid von Flüchtlingen lindern, dem C im Namen ihrer CDU die originäre christliche Bedeutung zumessen - und das Land verändern. Um 13.44 Uhr sagt sie: «Wir schaffen das, und wo uns etwas im Wege steht, muss es überwunden werden.» Wir schaffen das, dieser Satz wird ihre Kanzlerschaft prägen. Das ist schon in diesem Moment klar. Nie zuvor hat Merkel so an den Mut und die Herzen der Menschen appelliert. Und selbst so viel Courage und Wärme ausgestrahlt. Zeitgleich winkt Ungarn Flüchtlinge unregistriert gen Westen durch. Die Bundespolizei warnt in diesen Tagen intern, dass Zehntausende Flüchtlinge von Ungarn nach Deutschland wollen.

2. SEPTEMBER: Aylan Kurdi, syrisches Flüchtlingskind, drei Jahre alt, wird am Strand in Bodrum in der Türkei angespült. Tot. Auf der Flucht ertrunken. Sein Bruder und seine Mutter auch. Das Bild des Jungen geht um die Welt. «Es gibt so viele Aylans», klagt einer aus der oberen Etage im Kanzleramt. Sie wissen dort um die Wucht der Bilder. Und werden selbst davon getroffen, von Aylan. Ungarn baut weiter an einem Zaun zu Serbien und lässt Flüchtlinge spüren, wie unerwünscht sie sind. In Budapest sitzen weiterhin Tausende am Bahnhof fest. Die Lage ist angespannt. Sie rufen «Germany». Auf einem Pappschild steht «Mama Merkel help us».

3. SEPTEMBER: Ungarische Behörden locken Flüchtlinge in einen vermeintlich zur Grenze fahrenden Zug. Doch die Polizei stoppt ihn nahe einem Lager. Panik bricht aus. Regierungschef Orban sagt, Ungarn sei ein Land der Christen und wolle keine Muslime. Er spricht von einem «deutschen Problem», weil die Flüchtlinge nicht in Ungarn bleiben, sondern nach Deutschland wollten. Merkel ist gerade in der Schweiz, als sie das hört. Stocksauer lässt sie Orban wissen: «Deutschland tut das, was moralisch und rechtlich geboten ist.» Ungarn nicht, steht zwischen ihren Zeilen. Frankreichs Staatschef François Hollande telefoniert viel mit Merkel. Sie vereinbaren eine Initiative für Flüchtlings-Aufnahmequoten in der EU. Orban will aber gar keine Menschen aufnehmen. Andere EU-Länder wollen es auch nicht.

DIE NACHT DER ENTSCHEIDUNG, 4./5. SEPTEMBER:

08.30 Uhr: Merkel ist zur Besprechung - genannt Morgenlage - im Kanzleramt, bevor sie nach München fliegt. Nicht zur Gedenkfeier zum 100. Geburtstag des früheren bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Übervaters Franz Josef Strauß. Sondern zu einer Schule in Buch am Erlbach und einem Unternehmen in Garching. Es gibt Befürchtungen, dass die Situation in Ungarn eskaliert. In einer Runde mit Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) wird der Verdacht geäußert, Orban mache das mit Absicht, um Druck aufzubauen. Ein anderer sagt, dem Law-and-Order-Mann entgleite die Sache.

Vormittags: Viele Hundert Menschen machen sich vom Budapester Ostbahnhof zu Fuß auf in Richtung Österreich. Die Grenze liegt etwa 175 Kilometer entfernt. Am Ende sind es wohl rund 2000 Menschen - Kinder, Frauen, viele junge Männer, aber auch Alte, Verletzte. Sie schleppen sich auf Krücken oder werden im Rollstuhl gefahren. Einer trägt ein Bild von Merkel vor der Brust. Der «Marsch der Hoffnung». Das verbreitet sich auch über Twitter.

Mittags: Vor Journalisten sagt Regierungssprecher Steffen Seibert: «Der Umstand, dass Deutschland syrische Flüchtlinge derzeit nicht nach Ungarn zurückschickt (...), ändert nichts an der rechtlich verbindlichen Pflicht Ungarns, ankommende Flüchtlinge ordnungsgemäß zu registrieren, zu versorgen und die Asylverfahren unter Beachtung der europäischen Standards in Ungarn selbst durchzuführen.»

16.30 Uhr: Merkel ist nach Essen zu einer Veranstaltung der CDU Ruhr zur Oberbürgermeisterwahl gefahren. Sie warnt: «Es kann nicht sein, dass wir oder fünf Länder die ganze Last tragen.» Dort werfen ihr Kritiker noch eine herzlose Flüchtlingspolitik vor. Ein Journalist beobachtet, wie eine Frau der Kanzlerin das Foto mit dem Flüchtlingsjungen Aylan zusteckt.

18.30 Uhr: Merkel ist mit dem Hubschrauber nach Köln geflogen, um auch bei «70 Jahre CDU» dabei zu sein. Sie will die Christdemokraten bei der Ehre packen und erinnert an ihre Parteigründer: «Wenn die den ganzen Tag überlegt hätten, ob sie das nun schaffen, oder ob sie es nicht schaffen, dann wären wir heute nicht da, wo wir heute sind.»

Österreichs Kanzler Faymann versucht, Merkel anzurufen. Er kann sie aber nicht erreichen, weil sie auf der Bühne steht. Er will sie bitten, in einem deutsch-österreichischen Akt der Humanität die Flüchtlinge erstmal einfach einreisen zu lassen. Sie stehen ja schon fast vor seiner Tür. Allein möchte er diesen Schritt nicht wagen und hofft auf die deutsche Amtskollegin.

Nach der CDU-Veranstaltung kommt das Gespräch zustande. Es geht um eine Ausnahmeregelung, alle Augen bei den Formalien zuzudrücken. Keine bürokratischen Hürden, keine großen Kontrollen. Bei den Geheimdiensten läuten die Alarmglocken. Sie fürchten, dass Terroristen ins Land kommen. Später machen sie die Erfahrung, dass sich Mörder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) durchaus gern registrieren lassen wollen, um die Flüchtlinge zu diskreditieren.

Gegen 20.30 Uhr: Merkel berät sich mit Altmaier, der auf dem Weg ins französische Evian zu einer Veranstaltung ist. Sie erwischt ihn am Genfer Flughafen. Informiert werden noch Innenminister Thomas de Maizière (CDU), der mit hohem Fieber daniederliegt, Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), der gerade mit seinen EU-Amtskollegen in Luxemburg zusammensitzt, und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel. Jetzt überschlagen sich die Ereignisse.

Gegen 21.00 Uhr: In Budapest tagte gerade der Krisenstab der Regierung. Orbans Staatskanzleichef Janos Lazar verkündet danach, alle gestrandeten Flüchtlinge sollten zur österreichischen Grenze gebracht werden. Nach Recherchen der Wochenzeitung «Die Zeit» hat die ungarische Botschaft in Berlin kurz zuvor an Altmaier gemailt, dass Ungarn die Flüchtlinge nicht mehr registrieren könne und mit Bussen an die Grenze schicken werde, es sei mit vier- bis sechstausend Flüchtlingen zu rechnen. Orban, der sich ansonsten ein Fußballspiel Ungarn gegen Rumänien ansehen will, habe versucht, mit Faymann zu telefonieren. Der habe ihn erst auf den nächsten Morgen vertröstet, dann aber nach 23 Uhr angerufen. Auch das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, das Gespräch habe es wohl gegen Mitternacht gegeben. Merkel spricht mit Orban erst am nächsten Abend.

Ein entscheidender Mitstreiter steht aber an diesem historischen Freitagabend noch auf Merkels Anrufliste: CSU-Chef Horst Seehofer.

Nach 23 Uhr: Merkel wählt die Handy-Nummer des bayerischen Ministerpräsidenten. Er ist, so heißt es hinterher, in seinem Ferienhaus in Schamhaupten im Altmühltal. Aber er geht nicht ran. Altmaier wendet sich an die Amtschefin der Staatskanzlei, Karolina Gernbauer. Sie versucht ebenfalls erfolglos, Seehofer ans Telefon zu bekommen. In Merkels Umfeld versteht man nicht, wie ein Ministerpräsident nicht erreichbar sein kann. Gernbauer zieht nicht das Register, die Polizei zu kontaktieren, damit diese Seehofer rausklingelt. Allerdings heißt es später, Altmaier habe Gernbauer die Brisanz nicht klar gemacht. Schließlich sagt Merkel Faymann zu, ohne den dritten Koalitionspartner, den Chef der Schwesterpartei CSU und Ministerpräsidenten jenes Landes gesprochen zu haben, in dem Stunden später Tausende Flüchtlinge ankommen werden.

00.42 Uhr: Eilmeldung der Deutschen Presse-Agentur: «Die aus Ungarn kommenden Flüchtlinge können nach Österreich und Deutschland einreisen.» Faymann sagte das kurz zuvor Österreichs Nachrichtenagentur APA unter Verweis auf die Abstimmung mit Merkel.

01.20 Uhr: Vize-Regierungssprecher Georg Streiter bestätigt der dpa, dass die Entscheidung nach Gesprächen am Freitagabend gefallen ist. Etwa zeitgleich kommt bereits ein erster Bus mit Flüchtlingen aus dem ungarischen Zsambek nahe Budapest an der österreichischen Grenze an. Die Menschen gehen zu Fuß auf die andere Seite und werden von Österreichern mit Applaus, Willkommensplakaten und Essen begrüßt.

Gegen 8 Uhr: Seehofer meldet sich bei Merkel. Er sagt später der dpa: «Ich habe dann morgens gegen 8 Uhr mit ihr telefoniert und gesagt, dass ich die Entscheidung für einen Fehler halte. Und sie hat geantwortet: Da bin ich jetzt aber betrübt, dass du das so siehst.» Seehofer ist zutiefst getroffen. Für ihn ist das ein Vertrauensbruch. «Ich hätte nie eine solche Entscheidung ohne den Koalitionspartner getroffen. Die Politik des Durchwinkens ist am 4. September autorisiert worden.» Das Verhältnis wird in dieser Nacht zerstört.

09.00 Uhr: Altmaier informiert von Evian aus per Telefonschalte die Chefs der Staatskanzleien der Länder. Die Merkel-Faymann-Vereinbarung lautet: «Aufgrund der heutigen Notlage an der ungarischen Grenze stimmen Österreich und Deutschland in diesem Fall einer Weiterreise der Flüchtlinge in ihre Länder zu, unter Beibehaltung der Dublin-Kriterien bis zum Beschluss eines besseren Systems.» Altmaiers Zuhörer sind verstimmt, dass sie in die Entscheidung nicht einbezogen wurden, nun aber die Menschen versorgen müssen.

Spät am Nachmittag: Seehofer beruft eine Telefonschalte des CSU- Präsidiums ein. Das Gremium kritisiert Merkels Vorgehen als falsche Entscheidung. Mitglieder warnen vor einer «zusätzlichen Sogwirkung».

Abends: Streiter teilt nach dem Merkel-Orban-Telefonat mit, die Aufnahme der Flüchtlinge sei «eine Ausnahme aufgrund der Notlage an der ungarischen Grenze» gewesen. «Wir haben jetzt eine akute Notlage bereinigt.» Im ARD-«Brennpunkt» betont Altmaier noch einmal, dass es sich um eine Ausnahme handele. In München kommen an dem Wochenende etwa 20 000 Menschen an.

DER FORTGANG:

Zwei, die zusammenhalten müssten, haben sich gründlich entzweit: die Chefs der Schwesterparteien CDU und CSU, Merkel und Seehofer. Die Kanzlerin wird in Teilen des Auslands für ihre Geste der Offenheit gefeiert. Viele Behörden jedoch sind überfordert, freiwillige Helfer geraten an ihre Grenzen. Rechtspopulisten - darunter die Alternative für Deutschland - bekommen Zulauf und viele Bürger Angst. Die große Koalition verschärft im Herbst 2015 das Asylrecht.

In der Silvesternacht werden Frauen in mehreren deutschen Städten, am schlimmsten in Köln, von Migranten und Asylbewerbern sexuell belästigt. Ein großer Teil soll aus Nordafrika stammen. Zweifel an Willen und Fähigkeit zur Integration wachsen. Merkels Umfragewerte sinken. Österreich ändert seine Flüchtlingspolitik, im Mai tritt Faymann zurück. In Ansbach und Würzburg verüben Flüchtlinge im Sommer 2016 islamistisch-motivierte Anschläge. 20 Menschen werden verletzt.

27. JULI 2016: In der Berliner Flüchtlingshilfe «Moabit hilft» trifft sich der 20-jährige Saman aus der nordsyrischen Grenzstadt Kamischli mit Freunden. Er ist seit über einem Jahr in Deutschland und träumt von einer Ausbildung. Geflohen ist er, wie er sagt, weil er für das Assad-Regime oder den IS hätte kämpfen, «in jedem Fall Menschen töten müssen». Betreuerin Christiane Beckmann sagt: «Die Flüchtlinge kommen trotz ihrer Erschöpfung mit unglaublich viel Elan hier an.» Sie müssten sofort beschäftigt werden, Deutsch lernen, Arabisch lehren. Aber hier gucken sie erst einmal gegen die Wand.» Die Bürokratie sei eine Last. Ihre Kollegin Diana Henniges ergänzt: «Sie stellen sehr schnell fest, dass «Mama Merkel» eine Vision war.»

Plötzlich sind Saman und seine Freunde aufgeregt. Sie schauen sich auf dem Handy ein Video von einer Bombardierung mit Toten und Verletzten an. Samans Augen zucken. Das Video wurde am Morgen aufgenommen. In Kamischli.

28. JULI 2016: Merkel unterbricht wegen der Anschläge in Bayern ihren Urlaub und zieht ihre für August geplante Sommer-Pressekonferenz vor. Sie nennt die Anschläge eine Verhöhnung Deutschlands und der vielen Helfer sowie der Flüchtlinge. Sie sagt: «Das Ganze stellt uns auf die Probe.» Aber ihre Botschaft bleibt: «Ich bin heute wie damals davon überzeugt, dass wir es schaffen, unserer historischen Aufgabe (...) gerecht zu werden.» CSU-Chef Seehofer sagt dazu: «So wie bisher schaffen wir es nicht.» Den Bruch mit Merkel will er aber nicht.

Fr, 2016-08-26 07:33
Singapur (dpa)

Ölpreise leicht gesunken

Singapur (dpa) - Die Ölpreise haben am Freitag leicht nachgegeben. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 49,57 US-Dollar. Das waren zehn Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um drei Cent auf 47,30 Dollar.

Jüngste Äußerungen des Energieministers von Saudi-Arabien, Khalid Al-Falih, gaben den Ölpreisen keine klaren Impulse. Der Minister äußerte sich positiv zu einem Einfrieren der Produktionsmenge durch wichtige Förderländer, schloss aber eine Reduzierung der Fördermenge aus.

Ende September will sich das Ölkartell Opec mit anderen Produzenten treffen, um über die Lage am Rohölmarkt zu beraten. Es geht vor allem um die Möglichkeit, mit Förderobergrenzen die Preise zu beeinflussen.

Fr, 2016-08-26 06:40
Francisco (dpa)

VW-Vergleichsangebot im Abgas-Skandal kommt bei US-Kunden gut an

San Francisco (dpa) - Volkswagens mit US-Klägern ausgehandelter Milliarden-Vergleich in der Abgasaffäre trifft bei den geschädigten Kunden auf breite Zustimmung. Über 200 000 Dieselbesitzer hätten sich bereits registriert, um das Angebot anzunehmen, teilten Klägeranwälte am Donnerstag (Ortszeit) mit. «Tausende weitere registrieren sich täglich», sagte Elizabeth Cabraser von der Kanzlei Lieff Cabraser Heimann & Bernstein, die das Komitee der Klägeranwälte leitet.

Der hohe Zuspruch in so kurzer Zeit sei ein starkes Zeichen, dass die außergerichtliche Einigung gelinge, sagte Steve Berman von der Kanzlei Hagens Berman. Seiner Einschätzung nach dürfte mit der bisherigen Zustimmung bereits eine kritische Masse erreicht sein, um den Vergleich zu schließen.

VW hatte sich mit Hunderten Klägern im US-Rechtsstreit um rund 480 000 Dieselwagen, die mit einer Software zur Manipulation von Abgaswerten ausgestattet wurden, auf einen Vergleich von bis zu 14,7 Milliarden Dollar (13,0 Mrd Euro) geeinigt. Ende Juli hatte das zuständige US-Gericht seine vorläufige Zustimmung dazu gegeben. Entscheidend ist nun, dass die Kunden die Lösung auch akzeptieren.

VW bietet den Dieselbesitzern in den USA je nach Modelltyp und Baujahr zwischen 5100 und 10 000 Dollar pro Fahrzeug als Entschädigung. Zudem muss der Konzern Rückkauf oder Umrüstung der Dieselwagen in einen gesetzeskonformen Zustand anbieten. In Deutschland und anderen Ländern sträubt der Konzern sich bislang gegen vergleichbare Angebote zur Wiedergutmachung. Weltweit sind etwa elf Millionen Dieselwagen vom Abgas-Skandal betroffen.

US-Richter Charles Breyer will am 18. Oktober verkünden, ob er dem Milliarden-Vergleich endgültig zustimmt. Vor allem die Frage, wie viele VW-Kunden die Entschädigung annehmen wollen, dürfte ihn interessieren. Um die Umrüstung von weiteren etwa 85 000 größeren Fahrzeugen mit 3,0-Liter-Motoren, die ebenfalls eine verbotene Abgas-Software an Bord haben, ringt VW noch mit den US-Behörden.

Fr, 2016-08-26 07:00
Rodewald (dpa)

Brüder machen weltweit Jagd auf die schönsten Trecker Von Christina Sticht, dpa

Tammo und Jörn Gläser inszenieren Feldhäcksler und Gülletechnik wie großes Kino. Die DVDs der Filmemacher von der Ernte in Niedersachsen, Kanada oder Australien werden in fünf Sprachen übersetzt. Haben Landmaschinen wirklich Sex-Appeal?

Rodewald (dpa) - Sie fotografieren, filmen und lassen eine Kamera-Drohne steigen: Wer Jörn und Tammo Gläser mit ihrer Ausrüstung sieht, könnte denken, dass hier ein Musikvideo entsteht. Die Brüder zücken ihre Kameras allerdings für keinen Popstar, sondern für einen Trecker samt Kurzscheibenegge. «Das ist ein Fendt 939 Vario, vorgestellt erst im letzten Herbst, gebaut im Allgäu», sagt Tammo Gläser (30) mit strahlenden Augen. «Er hat ein komplett neues Grün.» Sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jörn ist für den Dreh auf einem Feld in der niedersächsischen Provinz extra aus Augsburg angereist.

Fotos aus Rodewald im Kreis Nienburg stellen sie noch am gleichen Abend auf Facebook ein. Zudem werden ein paar Minuten der fünfstündigen Dreharbeiten auf einer neuen DVD landen. Die jungen Männer haben, inspiriert von ihrer Leidenschaft für Traktoren, Mähdrescher & Co., ein florierendes Unternehmen aufgebaut: Inzwischen reisen sie um die Welt, um Landwirte in den USA, Australien oder Russland bei der Arbeit zu begleiten.

Ihre in der Wedemark bei Hannover produzierten DVDs werden in fünf Sprachen übersetzt und europaweit versandt. Stundenlang sind darauf über Felder rollende gigantische Maschinen zu sehen, Motoren dröhnen, und Staub wirbelt auf. Manches ist mit Musik unterlegt, der Sprecher informiert über Erträge und Struktur der jeweiligen Betriebe. Seine Stimme kann aber auch ausgeschaltet werden, um allein die Bilder zu genießen.

Wer schaut sich so etwas an? «Es sind Stadtmenschen darunter, die auf dem Land aufgewachsen sind», sagt Tammo Gläser. Viele Frauen kauften die DVDs für ihre Männer oder Söhne als Weihnachtsgeschenk. Jörn Gläser zeigt auf seinem Smartphone ein von einem Kunden geschicktes Foto: Kleine Jungs sitzen in einer Scheune auf Spielzeug-Treckern, auf einer Großleinwand flimmert eine Landtechnik-DVD. Genaue Absatzzahlen wollen die Filmemacher aber nicht nennen.

Christoph Götz vom Maschinenbauverband VDMA beobachtet auch auf Berufswahlmessen eine besondere Anziehungskraft der Landmaschinen. «Die High-Tech-Trecker mit GPS werden immer bestaunt. Ich glaube, dass die Symbiose aus Technik und Natur die Faszination ausmacht», sagt Götz. Der Verband habe mit eigenen Filmen aus der Landwirtschaft große Klickzahlen auf Youtube erzielt.

Das Videoportal Youtube ist ein Konkurrent der Gläser-Brüder, die schon 2002 ihre ersten Videokassetten von niedersächsischen Äckern bei Ebay verkauften. Bundesweit gibt es nach Schätzungen über 100 Facebook-Fanseiten von Landtechnik-Liebhabern, die eigene Fotos und Filme hochladen. «Auch sehr aktiv sind die Fotografen auf Instagram», sagt der Student Max Meyer, der die Internetplattform «Agrartechnik im Einsatz» betreibt. Es gebe auch mehrere Anbieter von DVDs.

«Ich finde es beeindruckend, dass es für die Filme überhaupt einen Markt gibt», sagt Bauer Kai Zettel (42), während er mit seinem neuen Traktor im Wert eines Einfamilienhauses seine Runden dreht. Tammo Gläser kniet auf dem Feld, um den Fendt bei der Stoppelbearbeitung von unten in Szene zu setzen. Jörn Gläser hat seine Kamera im Anschlag. Die beiden sehen ein bisschen aus wie Tierfilmer, die in der Savanne auf den Auftritt des Löwen lauern. Zettel kennt die Brüder schon seit über zehn Jahren. Damals kamen sie mit dem Fahrrad, um Fotos zu machen, oder wurden von ihrer Mutter gebracht.

Selbst auf einem Hof aufgewachsen sind die Landtechnik-Fans nicht. Die Ferien verbrachten die Brüder jedoch oft bei einem Onkel auf einem Milchviehbetrieb in Ostfriesland. Tammo Gläser erinnert sich: «Wenn unsere Eltern uns dann abholten, um nach Gran Canaria zu fliegen, haben wir protestiert.»

Fr, 2016-08-26 06:15
Frankfurt/Main (dpa)

Die Kandidaten für den Stada-Aufsichtsrat

Frankfurt/Main (dpa) - Auf der Hauptversammlung der Stada AG am kommenden Freitag wird eine Kampfabstimmung über die sechs Kapitalvertreter im Aufsichtsrat erwartet. Bis auf den Aufsichtsratschef Martin Abend und seinen Stellvertreter Carl Ferdinand Oetker sind sämtliche Kandidaten bislang nicht für das Unternehmen tätig. Die Bewerber im Einzelnen:

DIE STADA-RIEGE

Martin Abend (53): Chef des Stada-Aufsichtsrates seit 2009, tritt wieder an, vom Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) abgelehnt. Rechtsanwalt und Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer

Carl Ferdinand Oetker (43): Vizechef des Aufsichtsrates und Vorsitzender des Prüfungsausschusses, tritt wieder an, von AOC abgelehnt. Ökonom, Manager Bankhaus Lampe, Oetker-Familie (Sohn Rudolf August Oetker in 3. Ehe)

Birgit Kudlek (49): Vorschlag Stada, von AOC abgelehnt. Pharmazeutin, Wirtschaftswissenschaftlerin und Managerin unter anderem bei Sandoz

Gunnar Riemann (57): Vorschlag Stada, von AOC abgelehnt. Pharmazeut, Doktor der Biochemie, Pharma-Manager Bayer, selbstständiger Unternehmensberater

ZWEI KANDIDATEN VON ALLEN UNTERSTÜTZT

Rolf Hoffmann (57): Vorschlag Stada, von AOC unterstützt, Philologe, Sportwissenschaftler und Pharma-Manager u.a. bei Amgen und Eli Lilly

Tina Müller (47): Vorschlag Stada, von AOC unterstützt, Diplom-Kauffrau und Marketing-Expertin unter anderem bei Henkel, Erfinderin der Opel-Kampagne «Umparken im Kopf»

DIE AOC-RIEGE

Klaus-Joachim Krauth (1961 in Stuttgart geboren): Vorschlag AOC, Luxemburg, Wirtschaftsingenieur, Funktionen als CFO bei der Hexal AG und Verantwortung für Private Equity

Hans-Helmut Fabry (1956 in Bochum geboren): Vorschlag AOC, Unternehmensberater mit Novartis-Vergangenheit, Diplom-Psychologe

Eric Cornut (1957 in Basel geboren): Vorschlag AOC, Jurist und langjähriger ranghoher Novartis-Manager. Soll Nachfolger von Aufsichtsratschef Abend werden

Ursula Schütze-Kreilkamp (1959 in Bonn geboren): Vorschlag AOC, promovierte Humanmedizinerin, doppelte Fachärztin für Gynäkologie und Psychotherapie, Leiterin Personalentwicklung bei der Deutschen Bahn, soll Carl Ferdinand Oetker ersetzen.

EIN AUßENSEITER

Roland Kirchner (58): Aktionär, der sich selbst als Aufsichtsrat vorgeschlagen hat, Wirtschafts-Ingenieur und Diplom-Betriebswirt, zuletzt selbstständiger Solar-Unternehmer

Fr, 2016-08-26 05:30
Reno (dpa)

#election2016 - Alles, was Sie wissen müssen

Clinton hält Trump für Rassisten

Reno (dpa) - Hillary Clinton hat ihren Kontrahenten Donald Trump in die Nähe von Rassisten gerückt. «Ein Mann, der lange Zeit rassistische Diskriminierungen geäußert hat, der düstere Verschwörungstheorien auf der Basis von Berichten in Revolverblättern und den Tiefen des Internets wälzt, sollte niemals unsere Regierung führen oder den Befehl über unser Militär haben», sagte Clinton am Donnerstag auf einer Kundgebung in Reno (Nevada).

Citigroup: Wahl Trumps könnte zu globaler Rezession führen

New York (dpa) - Ein Sieg Donald Trumps bei der Wahl im November könnte nach Ansicht des Chefökonomen der Citigroup, Willem Buiter, einen Schock für die globalen Finanzmärkte bedeuten. Ein Trump-Sieg könnte eine globale Rezession ausweiten, erklärte Buiter. Eine größere Unsicherheit und eine angespanntere Gesamtsituation könnten eine signifikante wirtschaftliche Abschwächung sowohl in den USA aber auch weltweit bedeuten. Konsum und Investitionen würden in größerer Unsicherheit abnehmen.

Clinton spricht auf Niveau von Achtklässern - Trump nicht ganz

Washington (dpa) - Wortwahl und Grammatik der US-Präsidentschaftskandidaten erreicht immerhin gutes Schulniveau. Hillary Clinton rede auf dem Niveau von Achtklässern, ermittelte der Blog Quote.com in einer Vergleichsstudie. Damit bewegt sie sich auf einer Ebene mit Rocksängerin Taylor Swift. Ihr Kontrahent Donald Trump erreicht das nicht ganz und spricht auf dem Level von Siebtklässern. Bernie Sanders, inzwischen ausgeschiedener innerparteilicher Kontrahent Clintons, erreichte der Studie zufolge immerhin Neuntklässer-Niveau.

Fr, 2016-08-26 05:27
Cupertino (dpa)

Mächtige Spionage-Software für iPhones entdeckt

Experten sprechen von der «ausgeklügeltsten Attacke», die sie je auf einem Gerät gesehen haben: Ein Spionage-Programm verschaffte sich dank Software-Schwachstellen weitreichenden Zugang zu iPhones. Ein Rückschlag für Apple, das mit der Sicherheit seiner Geräte wirbt.

Cupertino (dpa) - Eine neu entdeckte Spionage-Software hat sich einen bisher noch nie gesehenen Zugriff auf iPhones und andere Apple-Geräte verschaffen können. Der IT-Sicherheitsfirma Lookout zufolge konnte das Programm dank drei bisher unbekannten Software-Schwachstellen unter anderem Nachrichten und E-Mails mitlesen, Anrufe verfolgen, Passwörter abgreifen, Tonaufnahmen machen und den Aufenthaltsort des Nutzers verfolgen. Nach Erkenntnissen von Experten wurde das Programm auch gegen Menschenrechtler und Journalisten eingesetzt. Apple stopfte die Sicherheitslücken im iPhone-System iOS am Donnerstag - rund zwei Wochen nach dem ersten Verdacht.

Es ist beispiellos, dass eine Software zur Überwachung von iPhones mit derartigen Fähigkeiten, die meist nur Geheimdiensten zugeschrieben werden, entdeckt und analysiert werden konnte. Den Experten zufolge steckt hinter dem Programm ein Unternehmen aus Israel, das von einem Finanzinvestor übernommen wurde und als eine Art Cyberwaffen-Händler gelte.

Aufgeflogen sei das Schadprogramm, als ein bekannter Menschenrechtler aus den Vereinigten Arabischn Emiraten Verdacht bei einer Nachricht mit einem Link zu angeblichen Informationen über Folter von Häftlingen in dem Land geschöpft habe, hieß es. Statt den Link anzuklicken, habe Ahmed Mansur die Sicherheitsforscher eingeschaltet. Sie gaben dem entdeckten Überwachungsprogramm den Namen «Pegasus».

«Pegasus ist die ausgeklügeltste Attacke, die wir je auf einem Endgerät gesehen haben», resümierte Lookout. Das Programm profitiere davon, dass mobile Geräte tief in den Alltag integriert seien. Zudem vereinten sie eine Vielzahl an Informationen wie Passwörter, Fotos, E-Mails, Kontaktlisten, GPS-Standortdaten. Die Spionage-Software sei modular aufgebaut und greife zu Verschlüsselung, um nicht entdeckt zu werden. Lookout lässt iPhone-Nutzer inzwischen mit einer App prüfen, ob ihr Gerät befallen wurde.

Das kanadische Citizen Lab fand auch Hinweise darauf, dass ein mexikanischer Journalist und bisher nicht näher bekannte Zielpersonen in Kenia mit Hilfe von «Pegasus» ausgespäht worden seien. Insgesamt blieb jedoch zunächst unklar, wie breit und wie lange sie eingesetzt worden sein könnte.

Ein Sprecher der aus Urherber vermuteten Firma NSO Group erklärte der «New York Times», man verkaufe nur an Regierungsbehörden und halte sich streng an Ausfuhrbestimmungen. Er wollte keine Angaben dazu machen, ob Software des Unternehmens in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Mexiko im Einsatz sei.

Die von Apple veröffentlichte iOS-Version 9.3.5. ist für iPhones, iPad-Tablets und den Multimedia-Player iPod touch gedacht. Für den Konzern ist das Spionageprogramm ein schmerzlicher Dämpfer: Die Sicherheit der Geräte ist ein wichtiger Pfeiler des Apple-Marketings und der Konzern investiert viel in Verschlüsselung und andere Sicherheitsmechanismen. Apple betonte, man empfehle den Nutzern immer, die neueste iOS-Version zu nutzen.

Sogenannte «Zero-Day»-Sicherheitslücken, die dem Anbieter einer Software nicht bekannt sind, werden von Geheimdiensten und kriminellen Hackern genutzt. Auch der Computer-Wurm «Stuxnet», der das iranische Atomprogramm sabotierte, griff mehrere solcher Lücken an. «Zero-Day»-Schwachstellen in iPhones werden teuer gehandelt und können auch eine Million Dollar kosten. Dass «Pegasus» gleich drei von ihnen nutzte, ist deshalb relativ ungewöhnlich.

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Presto, presto statt Buon appetito – jetzt gibt’s Pasta als Prodotto finito!
So lernen schon die Bambini, wie man Bio-Nudeln zubereitet: Folie einstechen und ab in die Mikrowelle.

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Das Wissen zu den Anlagetricks von morgen.

Und die Skrupellosigkeit meines Beraters. 
Unsere Experten analysieren globale Trends im Geldwäschesektor. Panama war gestern, morgen finden wir anderswo ein trockenes Plätzchen für Ihr Schwarzgeld. Vertrauen Sie uns: Wir mischen aus Tradition in jedem Finanzskandal mit. Und ob Waffenfabriken, Atom- oder Kohlekraftwerke – wir stecken Ihr Geld in jede tödliche Industrie.
Mehr Infos: greenpeace-magazin.de/deutschebank

Unser Wissen für Ihr schmutziges Geld.
Gewissenlos aus Gewinnsucht

Kohleschlote? Atomwaffensilos? Keine Ahnung. Wir lassen Gras über die Sachen wachsen.

 

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STUPID.T ist die erste und einzige Maschine, die auf Knopfdruck Zweifel an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Zivilisation erzeugt. Man stecke eine überteuerte Einwegkapsel mit etwas 08/15-Tee ins Gerät, betätige die Taste – und schon gibt’s jede Menge bunten Alu- und Plastikabfall.

Entdecken Sie die neue, besonders überflüssige Art der Müllerzeugung.
Mehr auf greenpeace-magazin.de/special-t.

 

 

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Der Marktführer bei Industriewurst*

*in Plastik verpackt, bei Aldi & Co. verkloppt

Mehr über die Wursttruppe unter greenpeace-magazin.de/boeklunder

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Komplett neben der Spur.

Der Lüguan. Lässt Kontrollen links liegen.

Jeder hat doch mal eine abwegige Idee. Warum sollte das bei den Ingenieuren und Managern von Volkswagen anders sein. Wenn es einfach nicht klappen will, einen Motor so hinzubekommen, dass er sauber läuft und trotzdem ordentlich Wums hat, kann man schon mal die ausgetretenen Pfade verlassen und die Schikanen kontrollwütiger Umweltfreaks ausmanövrieren. Dass da ein paar Asthmatiker am Straßenrand ins Gras beißen, dass Kundenrechte und fairer Wettbewerb auf der Strecke bleiben, dass am Ende der ganze Konzern erst auf die schiefe Bahn und dann ins Schleudern gerät, das alles sieht von hinten betrachtet natürlich dreckig aus. Aber da lag nun mal so verdammt viel Schotter auf der Straße.

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AUSSEN GRÜN.*
INNEN BRAUN.*
KALORIEN-AMPEL ROT.**

Die neue Coca-Cola Lie hat ein grünes Etikett. Das soll ja bei Imageproblemen helfen.
Es sind aber immer noch drei gehäufte Teelöffel Zucker in einer 0,33-Liter-Flasche. Schließlich macht nicht die Cola dick, sondern Bewegungsmangel, haben Forscher*** herausgefunden.
Mehr Infos unter greenpeace-magazin.de/coke

*  MIT FARBSTOFF
** COCA-COLA LIE MIT STEVIA-EXTRAKT ENTHÄLT 37 % WENIGER ZUCKER. DAS REICHT IMMER NOCH, UM MIT EINER MINI-FLASCHE DIE VON DER WHO EMPFOHLENE TAGESDOSIS ZU KNACKEN. DIE KALORIEN-AMPEL LEUCHTET WEITER IM SCHÖNSTEN COLA-ROT.
*** DIE COCA-COLA GESPONSERT HAT 

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Deutsche See – Wir schalten auf stur 

HÖCHSTE QUANTITÄT UND SKRUPELLOSE GESCHÄFTE MIT WALFÄNGERN.

Unser Rotbarsch stammt aus Beständen vor den Küsten Islands. Dort haben wir Verbündete gefunden, die unsere große Leidenschaft für Geld teilen. Das kleine Inselvolk ist seit 2006 wieder auf Waljagd. Denn rund um Island erstreckt sich ein einzigartiges Ökosystem. Der Schutz dieses Naturschatzes liegt einigen Isländern genauso fern wie uns. Geld, das wir dem Fischereiunternehmen HB Grandi für den Rotbarsch überweisen, fließt in die illegale Jagd auf gefährdete Finnwale.

Unseren Rotbarsch beziehen wir von unserem Komplizen: HB GRANDI – Fieser Fisch

greenpeace-magazin.de/deutschesee

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Wie kaschiert man eigentlich miese Qualität?
Mehr zu Lidls Schönfärberei jetzt auf www.greenpeace-magazin.de/lidl

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

Mehr unter
greenpeace-magazin.de/sixt

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Die Lage ist ernst!
Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
Mehr infos hier

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

VeRWEgen werben


 

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb, selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.
 

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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„Ich hab's nicht so mit Broteschmieren.“

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“
 

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

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