Mo, 2015-05-25 14:29
Dietenhofen (dpa)

Angler hat Schnappschildkröte am Haken

Dietenhofen (dpa) - Auf einen Karpfen hatte ein Angler gehofft - doch aus einem Weiher in bayerischen Dietenhofen fischte er eine 70 Zentimeter große Schnappschildkröte. Das Tier hatte sich mit dem Bein im Angelhaken verheddert, blieb aber unverletzt. Der überraschte 62 Jahre alte Angler rief am Sonntag schließlich die Polizei. Das Tier sei dann in die Reptilien-Auffangstation nach München gebracht worden, sagte ein Polizeisprecher am Montag. Bislang ist unklar, wie die Schildkröte in den Weiher gelangen konnte.

Die als aggressiv geltenden Schildkröten kommen ursprünglich aus Amerika und dürfen in Deutschland normalerweise nicht gehalten und verkauft werden. Trotzdem tauchen sie immer wieder in Gewässern auf - im Juli 2014 etwa wurde ein Exemplar aus der Spree gefischt. Bis heute nicht gesichtet dagegen wurde «Lotti», die 2013 einen Sommer lang das schwäbische Irsee in Atem gehalten hatte. Die vergebliche Suche machte bundesweit Schlagzeilen. Gleiches gilt für eine Schildkröte, die im Vorjahr angeblich in einem Karpfenteich bei Erlangen beobachtet wurde - auch sie wurde nicht gefunden.

Mo, 2015-05-25 14:42
Kabul (dpa)

73 Verletzte nach Explosion von Lastwagenbombe in Afghanistan

Kabul (dpa) - Bei einem Anschlag mit einer Lastwagenbombe auf einem belebten Platz in der Nähe des Provinzrates in der südafghanischen Stadt Kalat sind mindestens 73 Menschen verletzt worden. Bei allen Verletzten handele es sich um Zivilisten, sagte ein Polizeisprecher in der Hauptstadt der Provinz Sabul. Vier der Opfer schwebten in Lebensgefahr. Unter den Verletzten seien 16 Frauen und Kinder.

Ein Augenzeuge sagte, zu der heftigen Detonation sei es gekommen, als Kinder am Montag auf dem Nachhauseweg von der Schule gewesen seien. Nach Polizeiangaben wurden die meisten Gebäude um den Anschlagsort herum beschädigt. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat.

Mo, 2015-05-25 14:49
Paju (dpa)

Friedensaktivistinnen überqueren Grenze von Nord- nach Südkorea Von Dirk Godder, dpa

30 Frauen überqueren symbolisch die innerkoreanische Grenze. Es soll ein Marsch für den Frieden sein. Nordkorea schießt verbal quer.

Paju (dpa) - Vor dem 70. Jahrestag der Teilung Koreas haben 30 Aktivistinnen aus aller Welt die schwer bewachte Grenze zwischen Süd- und Nordkorea überquert. Die US-Frauenrechtlerin Gloria Steinem nannte die Überfahrt von Nord- nach Süd mit einem Bus am Sonntag nach der Ankunft in Südkorea einen «großen Triumph» für die Aussöhnung. 

Ihre Hoffnung, durch den Waffenstillstandsort Panmunjom über die Grenze marschieren zu können, hatte sich nicht erfüllt. Nach der Ankunft gingen die Frauen in der Zivilen Kontrollzone einen Kilometer am Sperrzaun entlang. Mit dabei: die Friedensnobelpreisträgerinnen Mairead Corrigan Maguire aus Irland und Leymah Gbowee aus Liberia.

Die Gruppe wehrte sich gegen den Vorwurf, sie habe sich vom kommunistischen Regime in Pjöngjang vereinnehmen lassen. In Nordkorea hatten die Frauen nach eigenen Angaben Bürgerinnen, jedoch keine Regierungsvertreter getroffen. «Wir hatten wirklichen menschlichen Austausch mit nordkoreanischen Frauen», sagte die 81-jährige Steinem. Sie hätten sich als «Bürger-Diplomaten» gefühlt.

Einen Bericht der nordkoreanischen Parteizeitung «Rodong Sinmun», Mitglieder der Gruppe hätten den als Staatsgründer verehrten früheren Präsidenten des Landes, Kim Il Sung, gepriesen, wies Steinem als «unwahr» zurück. Sie hätten gegen den Bericht protestiert. 

Die Frauen riefen beide Länder zu einem Friedensabkommen auf. Ein Friedensvertrag würde auch die Lage der Menschenrechte in Nordkorea verbessern, sagte Maguire. Man müsse sich gegenseitig achten. Beide Koreas befinden sich seit ihrem Bruderkrieg (1950-53) völkerrechtlich noch im Kriegszustand.

Nordkorea hatte jüngst seine Zustimmung für einen Besuch des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon im grenznahen innerkoreanischen Industriepark Kaesong zurückgenommen. Vor fast zwei Jahren hatten fünf Neuseeländer nach einer zweiwöchigen Motorradreise durch das sonst weithin abgeschottete Nordkorea die Landesgrenze nach Südkorea überquert und damit für Aufsehen gesorgt.

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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Mo, 2015-05-25 14:37
Dresden (dpa)

Amnesty fordert mehr Einsatz gegen Rassismus in Deutschland

Ausgerechnet in Dresden hält Amnesty sein Jahrestreffen ab. Rassismus sei nicht allein bei Rechtsextremisten zu finden, lautet eine Botschaft in der Hauptstadt der Pegida-Kundgebungen. Rassismus gebe es mitten in der Gesellschaft.

Dresden (dpa) - Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) hat mehr Engagement gegen Rassismus und einen besseren Schutz für Flüchtlinge gefordert. Die Politik müsse rassistischen Ressentiments mit einer eindeutigen Haltung entgegentreten, verlangte die deutsche Amnesty-Sektion am Montag zum Abschluss ihrer dreitägigen Jahrestagung in Dresden. «Rassismus ist nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft verbreitet», sagte die neue Vorstandssprecherin Gabriele Stein. «Der Einsatz gegen Rassismus ist eine demokratische und menschenrechtliche Grundaufgabe.»

Bereits zuvor hatte Amnesty die Regierung aufgefordert, ein Konzept zur Bekämpfung von Rassismus als Problem der gesamten Gesellschaft vorzulegen. Rassismus sei nicht einfach mit Rechtsextremismus gleichzusetzen, sagte die Generalsekretärin der deutschen Sektion, Selmin Caliskan, der Deutschen Presse-Agentur. Sie kündigte einen Bericht ihrer Organisation über Hassverbrechen in Deutschland an. Derzeit sei ein Ermittlerteam aus dem Londoner Amnesty-Zentrale in Deutschland unterwegs, um rassistische Übergriffe und Verfehlungen von Polizei und Justiz zu dokumentieren.

In einem Beschluss verlangten die Delegierten sichere Zugangswege für Flüchtlinge nach Europa und eine europäische Seenotrettung im Mittelmeer. Zugleich begrüßten sie den Vorschlag der EU-Kommission, eine Quote für die Übernahme von Flüchtlingen aus besonders stark belasteten Mitgliedstaaten einzuführen. Insgesamt fordert ai von der EU erheblich mehr Aufnahmeplätze für Flüchtlinge. Den Vorschlag, mit militärischen Mitteln gegen Schleuser und Fluchthelfer vorzugehen, lehnt die Organisation strikt ab.

An der Jahresversammlung in der Dresdner Messe nahmen rund 400 Delegierte teil. Sie wählten dabei turnusgemäß auch einen neuen Vorstand. Die Mathematikerin Gabriele Stein (58) aus Aachen ist neue Vorstandssprecherin, die Politologin Nadja Wenger (26) aus Erlangen ihre Stellvertreterin. Zwei Frauen und drei Männer komplettieren den Vorstand. Amnesty hat nach eigenen Angaben in Deutschland mehr als 130 000 Mitglieder und Unterstützer.

Mo, 2015-05-25 13:14
Berlin (dpa)

Brandflaschen-Angriff auf Gaucks Amtssitz - Verdächtiger wieder frei

Ein Brandstifter wirft einen Molotowcocktail gegen den Zaun des Schlosses Bellevue. Ein Tatverdächtiger mit möglicherweise rechtsextremistischem Motiv wird schnell geschnappt. Es ist aber nicht der erste vergleichbare Angriff.

Berlin (dpa) - Nach einem Brandflaschen-Angriff auf den Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin hat die Polizei einen mutmaßlichen Tatverdächtigen festgenommen. Gegen den 50-Jährigen wurde jedoch kein Haftbefehl erlassen. Er gelte zwar weiter als Tatverdächtiger, sei aber wieder auf freiem Fuß, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Der Mann soll in der Nacht zum Pfingstsonntag eine Brandflasche auf einen Zaun vor dem Schloss Bellevue geschleudert haben. Bundespolizisten hatten die Flammen sofort gelöscht. Bis auf Rußflecken am Sockel des Zauns sei kein nennenswerter Schaden entstanden, berichtete ein Sprecher der Bundespolizei. Bevor der Täter mit dem Fahrrad geflüchtet sei, habe er noch Flugblätter mit politischen Forderungen über den Zaun geworfen. Ihr Inhalt zeuge von einer rechtsextremen Gesinnung.

Rund eine Stunde später verständigte ein Zeuge die Polizei, weil er einen Mann auf einem Fahrrad von einem anderen Tatort davonfahren sah. Unmittelbar zuvor war in einer nahe gelegenen Straße ein Zigarettenautomat gesprengt worden. Die Polizei nahm daraufhin den 50-Jährigen fest. Aufgrund der räumlichen und zeitlichen Nähe werde geprüft, ob er für beide Taten in Betracht komme, sagte der Sprecher. Er bestreite aber beide Taten.

Erst im April war auf das Paul-Löbe-Haus des Bundestags ebenfalls ein Brandanschlag mit einem sogenannten Molotowcocktail verübt worden. Auch dort wurden Flugblätter hinterlassen und ein flüchtender Radfahrer beobachtet. Im vergangenen Jahr hatte es ähnliche Anschläge auf die CDU-Bundeszentrale und auf den Reichstag gegeben. Gefasst wurde niemand. Die Polizei prüft nach Angaben des Sprechers, ob der vorübergehend Festgenommene auch für diese Taten verantwortlich ist.

Mo, 2015-05-25 13:30
Genf (dpa)

Meteorologen wollen Vorhersagen für Katastrophenschutz verbessern

Den Klimawandel können sie nicht aufhalten. Dennoch wächst die Bedeutung von Meteorologen im Kampf gegen die Folgen der Erderwärmung: Bessere Vorhersagen und Warnungen können Leben retten.

Genf (dpa) - Wetterprognosen müssen nach Überzeugung von UN-Experten deutlich verbessert werden, um verheerende Folgen des Klimawandels abmildern und Menschenleben retten zu können. «Der weitaus größte Teil aller Naturkatastrophen hängt mit dem Wetter, dem Klima und mit Wasser zusammen», erklärte der Generalsekretär der Weltorganisation für Meteorologie (WMO), Michel Jarraud, am Montag in Genf. Wetterkundler müssten mehr zum Kampf gegen die Erderwärmung beitragen, forderte er zum Auftakt der 17. Weltkonferenz für Meteorologie.

2015 sei «ein entscheidendes Jahr für Aktionen im Interesse künftiger Generationen», sagte Jarraud unter Hinweis auf den Weltklimagipfel im Dezember in Paris. «Wir haben die moralische Verantwortung, den Klimawandel einzudämmen.»

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte in einer Video-Botschaft: «Während das globale Thermometer weiter steigt, sind meteorologische Dienste bedeutender denn je zuvor.» Sie müssten Regierungen und Unternehmen alle erforderlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse für Entscheidungen zur Eindämmung des Klimawandels liefern.

Weltkonferenzen der mehr als 190 WMO-Mitgliedstaaten finden alle vier Jahre statt. Die jetzt eröffnete dauert bis zum 12. Juni. Sie soll unter anderem Beschlüsse für eine Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit und mehr Investitionen zur Bekämpfung der Erderwärmung fassen.

Jarraud beschrieb die immer stärker zu beobachtenden Folgen der Erwärmung des Planeten als äußerst besorgniserregend: «Das Maximum der Winterausdehnung des Arktischen Ozeans, die im Februar 2015 erreicht wurde, war die niedrigste, die jemals durch Satellitenbeobachtung erfasst wurde», erklärte er laut einer vor der Konferenz verbreiteten WMO-Mitteilung.

Hauptursachen sind Jarraud zufolge Aktivitäten der Menschen: «Die weltweite durchschnittliche Konzentration von (klimaschädlichem) Kohlendioxid in der Atmosphäre hat im März erstmals seit Beginn der Messungen den Wert von 400 Teilchen pro Million (ppm, parts per million) überschritten. Das setzt unseren Kontinent einer wärmeren Zukunft aus, von der viele kommende Generationen betroffen sein werden.»

Dabei würden bereits jetzt Millionen von Menschen unter wetterbedingten Naturkatastrophen leiden. Jarraud verwies unter anderem auf den Zyklon «Pam», der im März den südpazifischen Inselstaat Vanuatu verwüstete, sowie auf Dürrekatastrophen in Kalifornien und im Südosten Brasiliens und massive Überschwemmungen in Chile und Malawi. «Die Liste extremer Ereignisse ist lang und es gibt immer mehr wissenschaftliche Beweise dafür, dass es wenigstens einige davon ohne den vom Menschen verursachten Klimawandel kaum gegeben hätte.»

Der Weltkongress soll einen strategischen Plan für die Arbeit der WMO in den nächsten Jahren beschließen. Zudem muss ein neuer Generalsekretär ernannt werden, da der 1952 geborene Franzose Jarraud nach drei Amtszeiten seit 2004 zum Jahresende seinen Rücktritt angekündigt hat.

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Mo, 2015-05-25 13:01
Kiew (dpa)

Ein Jahr nach Poroschenkos Wahl ziehen Experten durchwachsene Bilanz

Kiew (dpa) - Am Jahrestag der Wahl des prowestlichen Politikers Petro Poroschenko zum Präsidenten der Ukraine haben Politologen in Kiew eine durchwachsene Bilanz gezogen. Der Staatschef habe kein zentrales Reformversprechen umsetzen können, sagte der Direktor des Instituts für globale Strategien, Wadim Karassjow, am Montag örtlichen Medien zufolge. Gründe dafür seien der andauernde Krieg gegen prorussische Separatisten im Osten der Ex-Sowjetrepublik, aber auch ein nachlassendes Interesse des Westens an dem Land.

Ähnlich sieht es sein Kollege Andrej Solotarjow. «Die EU und die USA unterstützen uns zwar etwa durch die Sanktionen gegen Russland. Aber es gibt weiterhin weder eine Beitrittsperspektive noch eine Aussicht auf visafreies Reisen in die EU», sagte der Politikwissenschaftler in Kiew. Beide Experten kritisierten, dass Poroschenko sich ebenfalls nicht - wie angekündigt - von seinem Süßwarenimperium getrennt habe.

Poroschenko hatte die Abstimmung am 25. Mai 2014 in der ersten Runde mit etwa 53 Prozent der Stimmen gewonnen. Im Separatistengebiet und auf der von Russland annektierten Krim wurde nicht gewählt. Der Urnengang war nach den prowestlichen Protesten in Kiew und der Flucht des bisherigen Präsidenten Viktor Janukowitsch nach Russland angesetzt worden.

Mo, 2015-05-25 13:26
(dpa)

Neue Kämpfe belasten die Friedensgespräche für Kolumbien

Die Friedensverhandlungen in Kolumbien werden auf eine harte Probe gestellt. Trotz neuer Kämpfe und Opfern auf beiden Seiten wollen Regierung und Guerilla aber weiterverhandeln - noch.

Bogotá (dpa) - Eskalierende Gewalt belastet den seit rund zweieinhalb Jahren laufenden Friedensprozess der kolumbianischen Regierung und der marxistischen Farc-Guerilla. Bei gegenseitigen Angriffen wurden seit Donnerstag 37 Rebellen und ein Polizist getötet, wie das Militär und die Rebellen mitteilten. Dennoch wollen beide Seiten die seit Ende 2012 laufenden Friedensgespräche in Havanna weiterführen.

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) kündigten am Freitag ihre seit Dezember geltende, einseitige Waffenruhe auf. Sie reagierten damit auf die Wiederaufnahme der seit März ausgesetzten Luftangriffe seitens der Regierung. Bei zwei Bombardements der Farc-Lager am Donnerstag und Samstag starben insgesamt 37 Rebellen.

Die Guerilla griff ihrerseits am Samstagabend eine Polizeistreife in der Hafenstadt Tumaco an. Ein Beamter kam ums Leben, wie der Rundfunksender RCN berichtete. Zwei weitere wurden demnach verletzt, als ihr Wagen nach einem Granateneinschlag in Flammen aufging. Zuvor hatten die Farc Mitte April eine Heerespatrouille im südwestlichen Departement Cauca attackiert und elf Soldaten getötet.

Die Farc sind die größte und älteste Guerillagruppe des südamerikanischen Landes. In dem 50-jährigen Konflikt wurden mehr als 200 000 Menschen getötet.

Mo, 2015-05-25 13:54
Tunis (dpa)

Vier Tote bei Schießerei in Kaserne in Tunis

Tunis (dpa) - Ein Soldat hat in einer Kaserne in Tunis drei Kameraden erschossen, bevor er selbst getötet wurde. Das Motiv für den Amoklauf in der Bouchoucha-Kaserne im Zentrum der tunesischen Hauptstadt war zunächst unklar. 15 weitere Soldaten erlitten Verletzungen. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TAP unter Berufung auf Beamte des Gesundheitswesens.

Sicherheitskräfte riegelten das Militärgelände ab und begannen umfangreiche Suchaktionen. Hubschrauber schwebten über dem Einsatzgebiet.

Ein Militärsprecher schloss einen terroristischen Hintergrund aus. Tunesische Medien hatten berichtet, dass dem Amokläufer zuvor die Erlaubnis, eine Waffe zu tragen, aberkannt worden war. Die Tatwaffe nahm der Soldat einem Kameraden weg. 

Die Bouchucha-Kaserne liegt nur einen Kilometer vom Bardo-Museum entfernt. Dort hatten Terroristen des Islamischen Staats (IS) bei einem Anschlag im März mehr als 20 Menschen getötet.

Mo, 2015-05-25 12:05
Magdeburg/Schwerin (dpa)

Haseloff: Bund-Länder-Finanzstreit festgefahren - Notfalls Klage

Seit einer gefühlten Ewigkeit ringen Bund und Länder um die künftige Verteilung der Steuereinnahmen. Die Zeit drängt, denn vor den Wahlen 2016 und 2017 würde alles noch komplizierter. Spitzenpolitiker aus dem Osten fordern eine Lösung - und drohen mit Klage in Karlsruhe.

Magdeburg/Schwerin (dpa) - Die Bund-Länder-Verhandlungen über die künftige Verteilung der Steuereinnahmen in Deutschland stecken nach Einschätzung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff in einer Sackgasse. «Die Sache ist fachlich sehr verfahren», sagte der CDU-Politiker und Chef einer schwarz-roten Koalition in Magdeburg der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle weiterhin eine politische Lösung, schließe aber auch einen Gang nach Karlsruhe nicht aus.

Bund und Länder hatten vereinbart, bis Ende Juni einen Kompromiss zur Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen zu finden. Eine Einigung erst nach der Sommerpause gilt als noch schwieriger, weil dann Landtagswahlkämpfe anstehen - und 2017 die nächste Bundestagswahl. Derzeit klagen schon die «Geberländer» Bayern und Hessen vor dem Bundesverfassungsgericht - weil sie weniger Einahmen abgeben wollen.

Die ostdeutschen Länder hätten klar aufgezeigt, dass sie auch nach dem Auslaufen des Solidarpakts II 2019 einen erhöhten Finanzbedarf hätten, sagte Haseloff. Laut Bundesfinanzministerium liegt dort die Steuerkraft pro Einwohner derzeit bei 55 Prozent des Bundesdurchschnitts. Alle Ostländer bräuchten noch sehr lange, bis dieser Prozentsatz wesentlich ansteige, erklärte Haseloff. «Wir haben bisher ein Ausgleichssystem, das gut funktioniert hat. Alles was derzeit diskutiert wird, ist schlechter und kann von uns nicht hingenommen werden.»

Es müsse «eine akzeptable, grundgesetzkonforme Finanzausstattung aller Länder geben», verlangte Haseloff. Eine Anrufung Karlsruhes sei für ihn die letzte Option. «Ich glaube nicht, dass es notwendig sein wird. Aber wenn überhaupt nicht erkennbar ist, dass es zu einer Kompromissfindung kommt, dann ist eine abschließende Klärung durch das Verfassungsgericht in Karlsruhe hilfreich.» Die Richter könnten dann festlegen, wie ein Ausgleichssystem zwischen reicheren und ärmeren Ländern aussehen müsse und damit Planungssicherheit geben.

Mecklenburg-Vorpommerns Finanzministerin Heike Polzin warnte vor einer Zementierung des Wohlstandsgefälles in Deutschland und mahnte ein solidarisches Miteinander der Länder an. Die SPD-Politikerin sagte der dpa: «Wir leben in einem föderalen System. Da kann es nicht sein, dass die Starken allein losmarschieren und die Schwachen einfach zurücklassen.»

Polzin rief die finanzstarken Länder und besonders das CSU-regierte Bayern auf, nicht mit überzogenen Forderungen eine Einigung zu blockieren. «Schließlich hat auch Bayern jahrelang vom Länderfinanzausgleich profitiert und ist erst dadurch zum leistungsfähigen Wirtschaftsstandort und zum Geberland geworden. Jetzt, da sie von ihren Extraeinnahmen abgeben sollen, sträuben sie sich.»

Mo, 2015-05-25 12:17
München/Rathenow (dpa)

Wo Hunde, Katzen & Co. kostenlos tafeln Von Anja Sokolow, dpa

Wenn Tierbesitzer nicht mehr genug Geld fürs Futter haben, helfen Tiertafeln weiter. Experten bezweifeln jedoch den Nutzen.

Berlin/München/Rathenow (dpa) - Schon aus der Entfernung ist das Gebell unüberhörbar. Etwa ein Dutzend Halter und ihre Hunde warten vor einer ehemaligen Hortbaracke in Berlin-Baumschulenweg auf die kostenlose Futterausgabe der Tiertafel. Sie sind aus der ganzen Stadt angereist und viel zu früh da. Schließlich ist es oft sehr voll. «Manchmal stehen die Leute eine Stunde in der Warteschlange», sagt die Chefin der Tiertafel, Linda Oldenburg.

Mit anderen Ehrenamtlichen verteilt sie alle zwei Wochen Futter und Zubehör an Tierbesitzer, die sich die Versorgung ihrer Haustiere nicht oder kaum noch leisten können. «Etwa 220 Halter kommen jedes Mal, im Schnitt haben sie zwei Tiere», erzählt Oldenburg. Meistens seien es Hunde, aber auch Katzen, Nager, Vögel und zum Teil auch Exoten. Außerdem könnten die Besitzer ihre Tiere bei einer Tierärztin zu ermäßigten Preisen behandeln lassen.

Bundesweit, auch in reicheren Städten wie München und Hamburg, gibt es Tiertafeln, die nach einem ähnlichen Prinzip wie die Tafeln für Menschen arbeiten: Ehrenamtliche sammeln Spenden und verteilen sie an Bedürftige. Das sind vor allem Rentner, Arbeitslose, chronisch Kranke und Erwerbsunfähige.

«Die Tendenz ist leider steigend. Immer mehr Menschen sind auf unsere Unterstützung angewiesen», berichtet Andrea de Mello, Vorstandsmitglied der Münchner Tafel. Viele Halter seien verzweifelt, weil sie Angst hätten, dass sie ihr Tier aus finanzieller Not abgeben müssten. «Für die meisten ist das Tier der letzte verbliebene Freund», sagt die ehrenamtliche Helferin.

Die Ursprünge der Tiertafeln liegen im brandenburgischen Rathenow. Dort wurde 2006 der Verein Tiertafel Deutschland gegründet, der die Arbeit zentral koordinierte. Doch die meisten Ausgabestellen, darunter auch die Münchner und Berliner, haben sich vom Rathenower Verein getrennt.

Denn gegen die ehemalige Vereinsvorsitzende ermittelt seit 2013 die Staatsanwaltschaft Potsdam wegen des Verdachts der Untreue. Sie sei bereits vernommen worden, sagte ein Sprecher. Die Ermittlungen dauerten aber noch an, da noch weitere Bankunterlagen aufgetaucht seien. Mehr wollte der Sprecher zu den Vorwürfen nicht sagen. Die Ex-Vorsitzende war trotz mehrfacher Versuche nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Derzeit fungiert Jürgen Degenkolbe aus Magdeburg als Notvorstand des Vereins. Degenkolbe war 2012 bis 2013 Kassenprüfer bei der Tiertafel Deutschland. «Dabei sind mir gewisse Unstimmigkeiten aufgefallen», erzählt er. Da diese nicht intern geklärt werden konnten, habe er den Fall zur Anzeige gebracht. Dabei gehe es um den Verdacht der Veruntreuung von Geldern, die dem Verein zugeflossen sind. «Es ist schade, dass die Sache so aus dem Ruder gelaufen ist», sagt Degenkolbe. Nach seinen Angaben gehören nur noch 2 von einst 18 Tafeln zum Verein.

Durch die Eigenständigkeit sei die Spendenwerbung jetzt einfacher, sagt Linda Oldenburg. Etwa 2,5 Tonnen Futter sammelt und verteilt die Berliner Tiertafel monatlich. Dazu zählen Dosen- und Trockenfutter, aber auch Leckerli und teures Spezialfutter, etwa für Tiere mit Diabetes oder sensiblen Mägen. Die Spenden kommen aus Sammelboxen in Zoohandlungen, Haustierabteilungen in Baumärkten oder werden von Unterstützern im Internet bestellt, wo die Tiertafel eine Wunschliste veröffentlicht hat. «Was fehlt, kaufen wir mit Spendengeld zu», sagt Oldenburg.

Sich in einer schwierigen Situation noch ein Tier anzuschaffen, sei unverantwortlich, betont die Chefin. Solchen Haltern helfe der Verein nicht: «Wir unterstützen nur Leute, die schon ein Tier hatten, als sie in Not geraten sind.» Zu ihnen gehört auch Edeltraut P. aus Spandau. «Ich kaufe auch Futter, aber von dem wird meine Hündin nicht satt», sagt die Hartz-IV-Empfängerin mit Blick auf ihren 13 Jahre alten Border Collie Judy. Sie komme außerdem, weil die Tierärztin für 3,40 Euro statt der sonst üblichen acht Euro die Krallen schneide.

Der Furtwangener Professor für Gesellschaftlichen Wandel, Stefan Selke, bezweifelt, dass die Tafeln das Armutsproblem wirklich bekämpfen. Mit Blick auf die vielen Tafeln für Mensch und Tier spricht er von einer «Vertafelung der Gesellschaft». «Es entstehen hier moralische Unternehmen, die für den Rest der Gesellschaft das gute Gefühl vermarkten, dass den Betroffenen geholfen wird und sonst nichts mehr zu tun sei.

Das führt zu einer Entskandalisierung des eigentlichen Problems und lenkt von der Verantwortung des Staates ab», kritisiert Selke. Es passe aber zum Zeitgeist, dass wir uns viel mehr mit Symptomen beschäftigten als mit den eigentlichen Problemen.

Mo, 2015-05-25 12:44
Abeba (dpa)

Massive Wahlbeteiligung in Äthiopien - «reibungsloser Ablauf»

Addis Abeba (dpa) - Einen Tag nach den Parlamentswahlen in Äthiopien hat sich am Sonntag eine massive Wahlbeteiligung abgezeichnet. Vorläufigen Zählungen zufolge hätten mindestens 92 Prozent der 36,8 Millionen registrierten Wählern an der Abstimmung teilgenommen, sagte der Sprecher der nationalen Wahlbehörde (NEBE), Demisew Benti, der Deutschen Presse-Agentur. Die Wahlen am Samstag waren die ersten seit dem Tod des Langzeit-Regierungschefs Meles Zenawi 2012.

Vorläufige Ergebnisse sollen noch in dieser Woche vorliegen, so NEBE. Beobachter erwarten, dass die Regierungspartei EPRDF, die seit 24 Jahren an der Macht ist, erneut mit riesigem Vorsprung gewinnen wird. Bei der Wahl 2010 hatte sie 99,6 Prozent der Parlamentssitze gewonnen. Die Opposition bekam nur einen einzigen Sitz.

Die Wahlbehörde dankte den Bürgern im zweitbevölkerungsreichsten Land des Kontinents in einer SMS für den «reibungslosen, friedlichen und erfolgreichen» Ablauf. Berichte über Ausschreitungen gab es nicht. 2005 war es nach Bekanntgabe des Ergebnisses zu schweren Unruhen mit Dutzenden Toten gekommen. Tausende Oppositionelle wurden festgenommen.

Äthiopien belegt hinsichtlich der Meinungs- und Pressefreiheit einen der hinteren Plätze weltweit. Menschenrechtler werfen der Regierung vor, politisch Andersdenkende zu unterdrücken. Obwohl die Wirtschaft seit Jahren boomt, lebt der Großteil der Bevölkerung vor allem auf dem Land weiter in bitterer Armut.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

Außerdem Interessant

Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Mo, 2015-05-25 12:03
Moskau (dpa)

Putin gratuliert Duda zu Sieg bei Präsidentenwahl in Polen

Moskau (dpa) - Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem konservativen polnischen Oppositionellen Andrzej Duda zum Sieg bei der Präsidentenwahl gratuliert. Russland setze auf konstruktive Beziehungen zu Polen auf der Basis des gegenseitigen Respekts der Interessen, schrieb Putin nach Kremlangaben am Montag in einem Telegramm. Das Verhältnis zwischen Moskau und Warschau ist durch die Ukrainekrise stark belastet. Duda gewann bei der Stichwahl gegen den Amtsinhaber Bronislaw Komorowkski am Wochenende nach vorläufigen Ergebnissen mit mehr als 53 Prozent der Stimmen.

Mo, 2015-05-25 12:13
Berlin (dpa)

Nahles will Bundesprogramm für Jobmarkt-Integration von Flüchtlingen

Die Arbeitgeber fordern, dass Flüchtlinge besser und schneller für den deutschen Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Aus Sicht von Bundesarbeitsministerin Nahles reichen die bisher dafür vorgesehenen Mittel nicht aus.

Berlin (dpa) - Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) macht sich für ein Bundesprogramm zur Jobmarkt-Integration von Flüchtlingen stark. «Die Zahl der Flüchtlinge steigt und viele Menschen werden aufgrund der Situation in ihren Herkunftsländern dauerhaft in Deutschland bleiben», sagte die Ministerin am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Wenn wir am Anfang in die Menschen investieren, vermeiden wir dauerhafte Sozialausgaben und ermöglichen ihnen ein eigenständiges Leben.»

Auch die Arbeitgeber fordern bessere Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge in Deutschland. Allein bei technischen, IT-, naturwissenschaftlichen oder mathematischen Berufen fehlen den Unternehmen derzeit laut einer vor wenigen Tagen vorgestellten Studie der Wirtschaft mehr als 137 000 Arbeitskräfte.

Nahles sagte: «Es geht um die finanziellen und personellen Voraussetzungen in den Jobcentern, die Flüchtlinge in Arbeit bringen zu können.» Diese Investition in die Zukunft sei bislang unterfinanziert. Über die laufenden Mittel des Europäischen Sozialfonds hinaus «brauchen wir ein eigenständiges Bundesprogramm». Mehr Geld sei nötig für berufsbezogene Sprachkurse und Eingliederung in Arbeit.

Infolge des jüngsten Flüchtlingsgipfels von Bund und Ländern tagt an diesem Dienstag eine Arbeitsgruppe von Bundesministerien und den Ländern. Sie verhandelt über mehr Sprachkurse, Bildung und Berufsvorbereitung. Dies dient der Vorbereitung des nächsten Bund-Länder-Flüchtlingstreffens am 11. Juni.

Mo, 2015-05-25 12:45
Kathmandu (dpa)

Einen Monat nach dem Erdbeben: Leben unter Plastik - Monsun kommt Von Pratibha Tuladhar und Doreen Fiedler, dpa

Vor einem Monat bebte die Erde in Nepal - die Überlebenden kämpfen nun mit vielen Problemen: Die Berge sind instabil, viele Vorräte zerstört, stabile Unterkünfte fehlen. Und bald kommt der Monsun.

Kathmandu (dpa) - Einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben leben Hunderttausende Menschen in Nepal noch unter Konstruktionen aus Bambus und Plastikplanen. «Das ist aber keine dauerhafte Lösung. In zwei bis drei Wochen beginnt der Monsun, dann brauchen die Menschen etwas Stabileres. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit», sagt Johanna Mitscherlich, die für die Hilfsorganisation Care in Nepal ist. Außerdem machen weitere Erdrutsche den Helfern zu schaffen. Einer blockierte am Wochenende den Fluss Kali Gandaki, zeitweise drohte eine Flutwelle. Bei dem Himalaya-Beben vor einem Monat, am 25. April, waren mehr als 8700 Menschen gestorben.

Viele Organisationen seien dazu übergegangen, nun Wellblech-Stücke zu verteilen, sagte Mitscherlich der Deutschen Presse-Agentur. Sie könnten auch nach der Regenzeit beim Bau der Häuser verwendet werden. Rund acht Millionen Menschen sind laut UN-Schätzungen von dem Beben betroffen. Etwa eine halbe Million Häuser wurde zerstört, mehr als 250 000 schwer beschädigt. Begraben sind damit auch die Getreidevorräte und das Saatgut zahlreicher Menschen.

«Normalerweise wird in Nepal mit Ziegeln und Lehm gebaut, aber das wollen die Menschen nicht mehr, sie suchen nach Alternativen», sagte Mitscherlich. Denn sie fürchteten, bei einem erneuten Beben wieder Familienmitglieder zu verlieren. Die internationale Gemeinschaft müsse die Überlebenden darüber aufklären, wie sie erdbebensicherer bauen können, sagte sie. «Nepal hat noch monate- und jahrelang Unterstützung nötig», ist sich Mitscherlich sicher.

Das gewaltige Beben der Stärke 7,8 brachte Hunderte Nachbeben mit sich. Auch am Montag zitterte die Erde wieder - sogar mit Stärke 5,0. Die Erschütterungen lösen immer wieder Erdrutsche aus. Weitere könnten im Monsun folgen, warnt die Diakonie Katastrophenhilfe. Damit könnten wichtige Zugangswege für Hilfsgüter blockiert werden.

«Alles ist so unsicher und beängstigend», sagte Sanji Puja aus dem besonders schwer getroffenen Distrikt Sindhupalchowk. Ihr Dorf Bhotang habe Hilfslieferungen mit Reis, Matten, Decken und Planen erhalten. «Aber das wird uns nicht vor Erdrutschen schützen. Wir müssen gehen», sagte sie.

Menschen wie Ishwor Shrestha aus Sindhupalchowk sind bereits zu Flüchtlingen geworden. «In unserer Ortschaft gab es 283 Haushalte. Die Hälfte der Menschen ist in einen anderen Teil des Landes gezogen», sagte Shrestha. Er habe ein Zimmer am Rand der Hauptstadt Kathmandu gemietet. «Jeder sucht jetzt nach Alternativen, weil der Regen in wenigen Wochen beginnt und es dann nicht mehr möglich sein wird, in Zelten zu leben.»

Ein Erdrutsch formte am Wochenende einen natürlichen Damm für den Fluss Kali Gandaki. Aus Angst, die Blockade könnte brechen, brachten sich Tausende Bewohner flussabwärts in Sicherheit. Schließlich habe das Wasser des aufgestauten Sees den Damm überwunden und sei von selbst abgeflossen, erklärte die Polizei. Lokale Medien zeigten einen reißenden braunen Fluss, der aber seine Ufer nicht brach.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden bei den Beben 26 Krankenhäuser beschädigt. Auf dem Land sei fast keines der Gesundheitszentren mehr benutzbar. Einen Monat nach dem Erdbeben sei die Katastrophe noch lange nicht vorbei, erklärte WHO-Regionaldirektorin Poonam Khetrapal Singh.

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„Rasen ist dumm. Hirn wär’geil!“
(Starke Autos für schwache Egos jetzt unter sixt.de)

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greenpeace-magazin.de/sixt

Erschienen in Ausgabe 3.15

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Kinderarbeit bei der Kakao- und Haselnussernte, Palmöl-Monokulturen im Urwald!
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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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