Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ein Baum dem anderen zuruft, und niemand ist da, macht der Baum dann ein Geräusch? Dieses in abgewandelter Form in der Philosophie angesiedelte Gedankenexperiment ist für Biologen tendenziell eher uninteressant. Neue Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass zwischen Bäumen tatsächlich eine Art Kommunikation stattfindet. Bekannt war bereits, dass von Schädlingen befallene Exemplare sogenannte flüchtige organische Stoffe (VOCs) abgeben, um sich in Alarmbereitschaft zu versetzen. Die Blätter bilden als Antwort auf diese biochemischen Signale dann entsprechende Abwehrstoffe.

Forschende vom Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) in Leipzig konnten jetzt darüber hinaus beweisen, dass dies auch eine Art Hilferuf-Funktion erfüllt. Demnach haben manche Feinde von Raupe und Co gelernt, bestimmte VOCs als Hinweis auf ihre Beute zu interpretieren. Praktisch für die Bäume: Auf diese Weise können sie sich Insekten und Vögel herbeiorganisieren, die sie von den Schädlingen befreien.

Über die faszinierenden Wechselbeziehung zwischen Pflanzen, Schädlingen und Nützlingen berichtet natur.de. Bei uns gibt es wie gewohnt die aktuellen Nachrichten zum Mittwoch. Angenehme Lektüre!

Nordsee-Algen sind geschrumpft

Hintergrund, 3 Minuten Lesezeit

Schleichende Miniaturisierung: Die Plankton-Algen im Wattenmeer schrumpfen zusehends, wie eine Langzeitstudie enthüllt. Demnach hat sich das Zellvolumen der Nordsee-Algen in den letzten zehn Jahren um rund 30 Prozent verringert, bei einigen Kieselalgen sogar mehr. Dieser Trend betrifft einen Großteil der Arten – als wahrscheinlichste Ursache sehen die Forschenden die Meereserwärmung und möglicherweise einen Rückgang der Nährstoffe. Die Verkleinerung der Algen könnte verschiedene Folgen nach sich ziehen, sowohl für das Phytoplankton wie auch für die Organismen, die sich von ihm ernähren, wie das Team vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erklärt. Angesichts der großen Bedeutung der Planktonlagen für die marinen Nahrungsketten ist es daher umso wichtiger, diese schleichenden Folge des Klimawandels und weitere Faktoren im Auge zu behalten. Es berichtet scinexx

Online-Petition gegen das „Finning“

Bericht, 2 Minuten Lesezeit

Haifischflossen zählen zu den teuersten Fischprodukten. Über 600 US-Dollar kann ein Kilo des fischigen Knorpelgewebes kosten. Da das restliche Haifleisch weniger wert ist, werden die Haie oft nur wegen ihrer Flossen gejagt und oft auf hoher See zurück ins Wasser geworfen. Ohne Flossen können sich Haie nicht fortbewegen und ihre Kiemen nicht ausreichend mit frischem sauerstoffhaltigem Wasser spülen. Sie sinken auf den Meeresgrund, verbluten oder ersticken langsam. Jährlich werden schätzungsweise 100 Millionen Haie durch den Menschen getötet, viele davon nur für ihre Flossen. Die europäische Bürgerinitiative „Stop Finning“ fordert daher mit einer Petition ein Verbot des gesamten Handels mit Haiflossen in der EU. So dürften die Flossen nicht vom Körper abgetrennt werden – auch nicht für den Export. Hintergründe hat taz.de

Forschung stellt infrage, dass uns Fleischkonsum zum Menschen machte

Hintergrund, 2 Minuten Lesezeit

Viele Fragen der menschlichen Evolution sind ohne Zeitreisen nur schwierig zu beantworten. Fossilienfunde sind relativ rar gesät, und bei ihrer Interpretation sind sich nicht alle Fachleute einig. Was genau sagt es beispielsweise aus, dass der Gattung Homo größere Gehirne zugeschrieben werden, und wie kam es zur folgenreichen Weiterentwicklung? Eine Hypothese lautet, dass durch verstärkten Fleischverzehr und die dadurch proteinreichere Ernährung gute Voraussetzungen bestanden. Eine aktuelle Studie relativiert bisherige Knochenfunde, die in Richtung der Fleisch-bringt-Hirnwachstum-Theorie interpretiert werden. In der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) schreibt die Forschungsgruppe, dass zwar archäologische Beweise für Fleischkonsum mit dem Aufkommen der Spezies Homo erectus stark zunehmen. Jedoch liege dies vor allem daran, dass auf diesem Zeitraum der „Menschwerdung“ ein besonderer wissenschaftlicher Fokus und ein großes Interesse liegt. Das berichtet der Standard

Robo-Hund auf Wanderschaft

Bericht, 2 Minuten Lesezeit

Eine Bergwanderung ist oft ein kleines Abenteuer – zumindest für die meisten Flachlandbewohner. Robotern geht es nicht anders. Normalerweise verbringen sie die meiste Zeit in Laboren. Doch nun hat ein Forscherteam um Marco Hutter von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) ihren Roboterhund ANYmal in die freie Wildbahn am südlichen Ende des Zürichsees geschickt. Dass die Tour gelang, ist keineswegs selbstverständlich. Der Roboter musste lernen, die Bilder und Eindrücke zu deuten und zu priorisieren, um dann zu entscheiden, wie er den Tastsinn seiner Beine auf der Tour an welcher Stelle einsetzten will. Das gelang den Forschern mit einer neuen Steuerungstechnologie, berichten sie im Fachmagazin „Science Robotics“. Nun konnte er lernen, seine visuellen Wahrnehmungen mit seiner sogenannten Propriozeption, dem Tastsinn, zu kombinieren. Dadurch kam er vier Minuten schneller durchs Gelände, als es von einem durchschnittlichen Wanderer zu erwarten wäre. Spiegel Online liefert die Details

Rettung für Indonesiens Mangrovenwälder

Videobeitrag, 6 Minuten Laufzeit

Die Mangrovenwälder waren für die Bewohner der Inseln von Indonesien lange Zeit vor allem eines: Bauholzlieferant und Brennholzquelle. Viele der stattlichen Bäume fielen auch Garnelen- und Fischteichen zum Opfer. Auf diese Weise sind inzwischen rund 40 Prozent der Mangrovenwälder Indonesiens verschwunden. Aber ein Umdenken hat begonnen. Immer mehr Menschen erkennen die Bedeutung der Mangrovenwälder für die Artenvielfalt und den Schutz vor Erosion. Sri Rejeki ist Meeresforscherin und gehört zum Projektteam Associate Mangrove Aquaculture. Gemeinsam mit Fischern legt sie neue Deiche und Schleusensysteme an den Küsten an. Durch die neu geschaffene Zuflussregulierung des Wassers, sammelt sich wieder Schlick an den Ufern. In ihm können die Mangroven auf natürliche Art nachwachsen und dem Land bei Überschwemmungen Schutz bieten. So sichern sie zugleich die Teichanlagen der Fischer. Den Videobeitrag zum Thema gibt es bei der Deutschen Welle

Flusspferde erkennen Freunde an der Stimme

Hintergrund, 3 Minuten Lesezeit

Viele Tiere kommunizieren über Laute und teilen sich dabei die erstaunlichsten Dinge mit, wie Bioakustiker nach und nach herausfinden. Bei den meisten Tierarten ist man aber noch weit davon entfernt, die Bedeutung ihrer Lautäußerungen zu verstehen. Von Flusspferden zum Beispiel weiß man zwar, dass sie ständig Töne von sich geben, und zwar sowohl über als auch unter Wasser. Doch was sich die Tiere damit mitteilen, ist bislang ein Rätsel. Die Biologin Julie Thévenet von der französischen University of Saint-Etienne hat jetzt untersucht, was es mit einer unter Flusspferden besonders häufigen Lautäußerung auf sich hat: dem „Wheeze Honk“, auf Deutsch in etwa "Keuch-Huper", der kilometerweit zu hören ist. Für ihre Studie, die gerade im Fachmagazin „Current Biology“ erschienen ist, untersuchte sie mit ihren Kollegen Rufe von Flusspferden aus verschiedenen Seen in Mosambik. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Tiere gegenseitig erkennen können. Er sei so etwas wie eine „vokale Unterschrift“, heißt es bei sueddeutsche.de

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