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Ethiker über Preisträgerinnen: Von Beginn ethische Komponente gesehen

Berlin (dpa) - Die frischgebackenen Chemie-Nobelpreisträgerinnen bekommen Lob für ihren differenzierten Blick auf das enorme Potenzial der von ihnen entwickelten Genschere. «Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna haben von Anfang an die ethische und soziale Komponente ihrer Forschung mitbedacht. Das hat mich sehr beeindruckt», sagte Peter Dabrock, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Ethikrats am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Deshalb freue er sich sehr über die Auszeichnung der beiden Forscherinnen.

Mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas9 lässt sich das Erbgut von Mikroorganismen, Pflanzen, Tieren und auch Menschen vergleichsweise gezielt verändern. Diese Möglichkeit wirft ethische Frage auf. Als zentrale Fragestellungen sieht Dabrock:

- «Wollen wir, dass mit Hilfe von Crispr/Cas9 gentechnisch veränderte Babys geboren werden dürfen?» Theoretisch ist es denkbar, mit der Genschere bestimmte Erbkrankheiten bei Babys im Vorhinein zu verhindern.

- «Glauben wir, die Evolution steuern zu können?» Damit bezieht sich Dabrock auf die Möglichkeit, mit Hilfe der Genschere das Erbgut freilebender Tiere und ganzer Populationen dauerhaft zu verändern. Mit diesem Ansatz könnten beispielsweise Mücken eingedämmt werden, die Krankheiten übertragen.

- «Sollten wir die Chancen, die Crispr in der Landwirtschaft bietet, neu diskutieren?» Befürworter argumentieren, dass Crispr/Cas9 großes Potenzial hat, besonders ertragreiche und widerstandsfähige Nutzpflanzen zu erzeugen - insbesondere in Hinblick auf die fortschreitende Klimaerwärmung und die wachsende Weltbevölkerung. Viele Menschen in Deutschland lehnen aber genmanipulierte Lebensmittel bislang ab.

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