Wegweiser

Jonte Mai

„Ich kämpfe gegen das Insektensterben.“
Jonte Mai

Aus Kaugummiautomaten werden Saatgutspender

Münze einwerfen, drehen – und schon kullern Schmuck, Spielzeug oder Süßes unten raus. Die umgebauten Kaugummiautomaten von Jonte Mai hingegen spucken Blumensamen aus. Sein halbes Leben kümmert sich der 15-Jährige um eigene Bienenvölker auf dem heimischen Dach in Bremen-Findorff. Seinen Honigbienen gehe es gut, erzählt er, aber es habe ihn geschockt, als er hörte, dass Wildbienen immer weniger Futter finden. „Mit den Automaten möchte ich helfen und gegen das Insektensterben kämpfen“, sagt er.

Die Idee kam ihm, als er 2019 auf einem Flohmarkt in Berlin einen alten Kaugummispender fand. Zusammen mit seinem Vater hat er im Keller daran gesägt und geschraubt, danach die Konstruktion neu bemalt. Anderthalb Stunden braucht er für einen Umbau. Mai findet: „Eigentlich kein Hexenwerk.“ Die Automaten befüllt er mit regionalen und saisonalen Samen oder Blumenzwiebeln: Im Herbst mit Frühblühern wie Winterlingen, die er in Walnussschalen hüllt, ansonsten Mischungen mit Wilder Möhre, Ringelblume, Wildem Stiefmütterchen, Kornblume und Bienenweide in Plastikkapseln, die er zurücknimmt und neu befüllt. Gerade experimentiert er mit „Bienenpralinen“ – Bällen aus einem Lehmgemisch, in dem die Samen stecken.

Sein erster Automat steht neben der Einfahrt zu seinem Elternhaus. „Ich mag es, wenn die Leute es cool finden, etwas zu pflanzen, und wenn die Bienen zu ihnen in den Garten kommen“, sagt er. Schon zwanzig Exemplare hat Jonte Mai umgebaut, aus denen früher Kaugummis oder Kondome gezogen wurden. Regelmäßig sucht er nach alten Modellen auf Trödelplattformen im Internet. Seine Kreationen stehen vor Unverpacktläden, an Kindergärten oder am Tempelhofer Feld in Berlin. Einen Euro kostet eine Portion, aus der bis zu drei Quadratmeter Blumenwiese sprießen. Von dem Geld kauft er neue Samen und Automaten, den Rest spendet er.

Mittlerweile baut Jonte Mai nicht nur selbst Automaten um, er gibt sein Wissen auch weiter: In Workshops für Kinder und Jugendliche sowie auf seinem InstagramAccount @naturschutz2go. Eine Bauanleitung mit Video hat er ins Netz gestellt. Er findet, beim Kampf gegen das Insektensterben passiere noch zu wenig. „Ich möchte die Leute anregen, dass sie selber was tun können“, sagt er. Zum Beispiel Blumen säen.

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