Wegweiser

Klaus Hensel

„Moore sind einmalige Naturparadiese, wir müssen sie erhalten.“
Klaus Hensel

Der Wind kräuselt das schwarze Wasser, der Boden gibt bei jedem Schritt sanft nach. Klaus Hensel läuft durch das Himmelmoor bei Quickborn. „Neun Kilometer weit kann man hier schauen“, sagt er beim Blick über die karge Landschaft. „Meine Großeltern haben hier bis in die Fünfzigerjahre hinein Torf gestochen, um im Winter damit zu heizen“, erzählt Hensel. Das Hochmoor habe zeitweise halb Hamburg mit Wärme versorgt. Für ihn ist das ehemals größte Hochmoor Schleswig-Holsteins ein Ort der Ruhe, der Erholung. Seit 2005 setzt der pensionierte Werksleiter einer Schokoladenfabrik sich ein für diesen Flecken Erde.

Im Frühjahr beginnt hier das Wollgras zu blühen, seltene Libellen fliegen umher, Kreuzottern wärmen sich an den Sonnenhängen. „Moore sind einmalige Naturparadiese, wir müssen sie erhalten“, sagt der 72-Jährige. Endlich wird hier kein Torf mehr abgebaut, und erstmals seit 240 Jahren wächst das Moor statt zu schrumpfen. Dafür haben sich Klaus Hensel und seine Mitstreiter vom Förderverein Himmelmoor eingesetzt: fünfzig Mitglieder, elf davon sind ortsansässige Vereine. Hensel hat sie alle vor 14 Jahren zusammengebracht, um dem Moor eine Lobby zu verschaffen.

Als das Torfwerk im September 2018 dichtmachte, überfluteten Freiwillige die verbliebenen Abbauflächen im Himmelmoor reichlich mit Wasser – diese „Vernässung“ hebt den Wasserstand und beschleunigt die Renaturierung. Seither arbeitet der Förderverein gemeinsam mit der Naturschutzbehörde des Landes am Erhalt des 415 Hektar großen Feuchtgebiets.

Moore speichern ebenso viel Kohlenstoff wie Wälder, obwohl Moore nur vier Prozent und Wälder immerhin dreißig Prozent der Landfläche bedecken. Das Problem: Sobald die Moore entwässert werden, geben sie CO2 frei statt es zu speichern.

Solche Informationen will Hensel breiter streuen und dabei Schattenseiten nicht unterschlagen: Im Himmelmoor mussten jüdische Strafgefangene während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeit leisten. Nun will der Förderverein die schleswig-holsteinische Landesregierung überzeugen, aus der ehemaligen Unterkunft eine Gedenkstätte zu machen. „Im Moor liegen Vergangenheit und Zukunft nah zusammen“, sagt Hensel. „Es ist unsere Aufgabe, dieses Wissen weiterzugeben.“

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