Es ist die wohl größte illegale Plastikmülldeponie Deutschlands. Am Rande des Dorfes Schönermark in der Uckermark liegen rund 62.000 Tonnen Abfälle – illegal, über Jahre dort aufgetürmt. Die Reporter Michael Billig und Marius Münstermann haben die Halde vor einigen Monaten inspiziert und Proben genommen. Das Ergebnis: Auf der Deponie befinden sich Giftstoffe, die Mensch und Umwelt gefährden (Greenpeace Magazin 2.21). Nun hat das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg auf Basis dieser Recherche Ermittlungen gegen den Betreiber eingeleitet. Das bestätigte ein Sprecher auf Anfrage.

Schon vor zehn Jahren hatte das LKA gegen den Chef der Entsorgungsfirma ermittelt. Das Verfahren wurde damals gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Das Abladen von Müll aber ging danach weiter, wie die Reporter des Greenpeace Magazins nachwiesen. Sie fanden Müll, der erst in den vergangenen Jahren dort gelandet sein kann. Dabei hatte die Umweltbehörde im Jahr 2012 der Firma die Annahme von Abfällen untersagt.

Die Funde des Greenpeace Magazins stellen für das LKA nun offenbar eine neue Spur dar. Es gehe um mögliche Straftaten, die noch nicht verjährt sein könnten. „Das Kommissariat Schwere Umweltkriminalität führt das Ermittlungsverfahren“, teilte ein LKA-Sprecher mit. Auch die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet. Zum aktuellen Stand äußerte sich der Sprecher nicht. Sicher ist: Eine fachgerechte Entsorgung der Abfälle ist auch weiterhin nicht in Sicht.

Bewegung kommt auch in den Fall einer Brache in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern, wo seit 1994 insgesamt 14.000 Tonnen Abfall illegal abgelagert wurden. Auch auf dieser Halde haben die Reporter giftige Substanzen gefunden, darunter Schwermetalle wie Quecksilber und Arsen. Brisant: Die Deponie liegt in einem Trinkwasserschutzgebiet.

Die zuständige Umweltbehörde hatte kurz vor den Reportern ebenfalls Proben genommen und besorgniserregende Werte festgestellt. Doch ausgerechnet den wohl gefährlichsten Dreck, vermutlich Filterstaub aus einem Kraftwerk, hatte sie bei ihrer Untersuchung übersehen. Als das Greenpeace Magazin die Behörde mit seinen Laborergebnissen konfrontierte, veranlasste diese eine weitere Untersuchung. Das Ergebnis bestätigt nun: „Es handelt sich um gefährlichen Abfall“, so die Behörde. In der Zwischenzeit habe sie versucht, die mutmaßlich Verantwortlichen zur Entsorgung der Abfälle in Güstrow zu bewegen, allerdings vergeblich. Nun werde daher das Land Mecklenburg-Vorpommern einspringen – und die vier Millionen Euro für die Räumung bezahlen. 

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