Wegweiser

Simone Kraus

„Warum sind uns Parkplätze wichtiger als die Zukunft unserer Kinder?“
© Julia SellmannSimone Kraus

„Kidical Mass“ tritt für Radwege ins Pedal
In vielen deutschen Städten wächst das Radwegenetz, immer öfter weisen Fahrbahnmarkierungen einen Teil der Straße den Radfahrenden zu. Eigentlich eine gute Entwicklung, doch Simone Kraus ist das zu wenig: „Ein bisschen Farbe macht eine vielbefahrene Straße nicht zum sicheren Radweg“, sagt die 43-jährige Ingenieurin. „Wir brauchen Radwege, für die man nicht mutig sein muss und die auch für Kinder und Jugendliche sicher sind.“

Seit einem Jahr setzt Kraus sich dafür ein, dass in Köln Fahrradwege angelegt werden, die baulich von den Autospuren getrennt sind – wenigstens durch kleine Poller, im besten Fall durch eine separate Verkehrsführung. „Ich wünsche mir, dass meine Kinder durch die Stadt fahren können, ohne dass ich vor Angst umkomme.“ Damit ist die dreifache Mutter nicht allein: Mit dem Team von „Kidical Mass“ macht sie sich für kinderfreundliche Städte stark. Auch die Jüngsten sollen sich sicher mit dem Fahrrad in den Städten bewegen können.

Auslöser für die Bewegung in Köln war ein Unfall, bei dem 2018 ein siebenjähriger Junge von einem abbiegenden Müllauto überrollt wurde. Tödliche Unfälle wie dieser sind trauriger Alltag in Deutschland, im letzten Jahr war jeder siebte Verkehrstote ein Radfahrer oder eine Radfahrerin, insgesamt starben 445. „Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet, weil sie kleiner sind und zum Beispiel hinter parkenden Autos von anderen Verkehrsteilnehmern nicht gesehen werden“, sagt Simone Kraus. „Die Frage lautet: Warum sind uns Parkplätze wichtiger als die Sicherheit unserer Kinder?“

Um diese Frage auf die Straße zu tragen, organisieren Kraus und ihr Lebensgefährte Fahrraddemos. Zuletzt demonstrierten im September 1500 Menschen allein in Köln, in anderen Städten in Deutschland, Belgien, England, Österreich und der Schweiz fanden an diesem Tag ebenfalls Proteste statt. Insgesamt waren laut Veranstaltern Zehntausende Menschen auf den Straßen. Die „Kidical Mass“-Bewegung fasst in immer mehr kleinen und großen Städten Fuß, die Kölner Sektion, in der Simone Kraus sich engagiert, vernetzt die Bewegung hierzulande. Im Frühjahr 2021, so der Plan, sollen die nächsten Aktionen starten.

Ein Bild motiviert Simone Kraus besonders für ihren Einsatz: „Wenn bei Sperrungen mal alle Autos weg sind“, erzählt sie, „dann merkt man: Der Platz ist eigentlich da, wir müssen nur anfangen, ihn anders zu nutzen.“

© Julia SellmannSimone Kraus

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