Liebe Leserinnen und Leser,

dass sich die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar in Sachen Menschenrechte nicht gerade mit Ruhm bekleckert, dürfte inzwischen hinreichend bekannt sein. Da ändert auch die aus Sicht vieler recht halbherzige Geste der deutschen Nationalspieler wenig, die sich gestern vor ihrer 2:1-Niederlage gegen Japan beim Teamfoto kollektiv ihre Hände auf den Mund legten. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International geht davon aus, dass seit der WM-Vergabe 2010 tausende Arbeitsmigranten in dem Emirat zu Tode gekommen sind.

Unterdessen vermarkten die Organisatoren den diesjährigen FIFA World Cup als erste klimaneutrale WM in der Geschichte. Eine Analyse der Umweltorganisation Carbon Market Watch in Brüssel zeigt jedoch auf, dass die Veranstalter den CO2-Ausstoß offenbar dramatisch untertrieben haben. Mindestens 1,6 Millionen Tonnen seien schlichtweg unterschlagen worden, mal ganz abgesehen von diversen Umweltproblemen – beginnend von der Müllentsorgung bis hin zum hohen Wasserverbrauch.

Die Deutsche Welle hat sich näher mit dem Thema beschäftigt. Wir starten in die donnerstägliche Presseschau und wünschen angenehme Lektüre. Los geht’s!

Internationales Plastikabkommen könnte zu kurz greifen

Bericht, 2 Minuten Lesezeit

Die Vereinten Nationen entwickeln gerade ein internationales, rechtsverbindliches Instrument gegen Plastikverschmutzung. Doch manche Wissenschaftler befürchten, dass die Weltgemeinschaft diese einmalige Gelegenheit nicht ausreichend nutzen wird. So sorgen sich zum Beispiel Zhanyun Wang von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in der Schweiz und Antonia Praetorius von der Universität Amsterdam, dass die hochdiverse chemische Zusammensetzung von Kunststoffen bei den Verhandlungen nicht genug Beachtung finden könnte. Denn aktuell können in Kunststoffen mehr als 10.000 verschiedene Chemikalien stecken, was sich negativ auf deren Recycling auswirkt, berichtet wissenschaft.de

Schwerster noch flugfähiger Vogel heilt sich selbst

Bericht, 2 Minuten Lesezeit

Großtrappen (Otis tarda) sind die schwersten flugfähigen Vögel der Welt – und können sich selbst heilen. Wie eine Studie nun zeigt, suchen sie aktiv nach zwei Pflanzen mit Wirkstoffen, die Krankheitserreger abtöten. Sie betreiben also Selbstmedikation. Zwei Arten werden von den Großtrappen häufiger gefressen, als aufgrund ihres Vorkommens zu erwarten wäre: Klatschmohn (Papaver rhoeas) und Wegerichblättriger Natternkopf (Echium plantagineum). Forschungsergebnisse zeigen, dass Extrakte aus beiden Pflanzen Protozoen und Nematoden in vitro hochwirksam hemmen und abtöten, während die Natternkopfpflanze auch aktiv gegen Pilze wirkt. Details liefert das Spektrum Magazin

Hoffnung auf Nashorn-Nachwuchs aus dem Labor

Radiobeitrag, 8 Minuten Laufzeit

Der letzte Bulle des Sumatra-Nashorns in Malaysia starb im Jahr 2019: Es ist die älteste und kleinste Nashornart. Nun haben Forschende aus Berlin Gewebe aus seiner Haut zu Stammzellen umgewandelt. Daraus möchten sie Spermien herstellen und Nashorn-Embryonen im Labor zeugen, um das Überleben der bedrohten Art zu sichern. „Das Sumatra-Nashorn ist eine ‚Flagship-Art‘ und das bedeutet, dass sie ganz oben steht in der Hierarchie von verschiedenen Nahrungs- und Lebenskaskaden“, erklärt Thomas Hildebrand vom Leibniz Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. „Damit ist das Sumatra-Nashorn mit hunderten, wenn nicht sogar tausenden anderer Arten direkt oder indirekt verbunden – verteilt also zum Beispiel Pflanzensamen und produziert Kot für hunderte Insektenarten“

Deutscher Nachholbedarf vor Weltnaturkonferenz in Montreal

Hintergrund, 5 Minuten Lesezeit

Wenn die Staaten der Erde ab Anfang Dezember in Montreal die heiße Phase im Ringen um ein weltweites Naturschutzabkommen einläuten, spielt Deutschland im Team Ambition. Ziel des informellen Staatenbündnisses ist es, mehr globalen Naturschutz durchzusetzen – allen voran den Schutz von 30 Prozent der Land- und der Meeresfläche des Planeten. Allerdings könnte auch beim Blick auf die Bilanz im eigenen Land etwas mehr Ambition nicht schaden: Auch in Deutschland steht es nicht gut um den Zustand der Natur. Gleich ob in den Roten Listen, den Rechenschaftsberichten der Bundesregierung zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie oder den Bilanzen zur Verwirklichung der EU-Naturschutzrichtlinien: Beinahe alle wissenschaftlichen Analysen zur Lage der Natur in Deutschland zeichnen ein düsteres Bild mit nur wenigen Lichtblicken. Mehr zum Thema gibt es bei sueddeutsche.de

Wie misst man Wohlstand?

Hintergrund, 4 Minuten Lesezeit

Wertschöpfung, Investitionen, Einkommen – das lässt sich gut messen. Simplizität wiederum lässt sich einfach kommunizieren und darstellen. Perfekt für eine Kurve, die immer ein Stückchen weiter klettert und signalisiert: Alles ist gut. Kein Wunder also, dass der am weitesten verbreitete Index für die Wohlstandsmessung das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist. Der Gedanke daran, dass die Wohlstandskurve nach unten gehen könnte, weckt Ängste. Es kann also nicht nur darum gehen, auf Wohlstand zu verzichten. Stattdessen könnten zwei Fragen weiterhelfen: Welche Bedürfnisse befriedigen wir eigentlich mit dem neuen Smartphone, der Immobilie, dem Auto? Und wie können diese anders, nämlich klima-, ressourcen- und gesellschaftsverträglicher befriedigt werden? Svenja Bergt analysiert bei taz.de, warum es an der Zeit für Alternativen zum BIP ist – und welche Möglichkeiten es gibt

Wie aktivistisch Klimaforschung sein darf

Hintergrund, 4 Minuten Lesezeit

Angesichts einer trägen Klimapolitik begehrt weltweit eine junge Generation auf. Zuerst in regelmäßigen Demonstrationen und jüngst auch in einzelnen, teilweise drastischen Maßnahmen. „Wir steuern derzeit auf eine Klimakatastrophe zu, die Forschung ist eindeutig“, unterstreicht Daniel Huppmann, der am IPCC-Sonderbericht 2018 über die globale Erwärmung von 1,5 Grad mitgearbeitet hat. Die Forderungen junger Aktivistinnen und Aktivisten sieht er weder als überzogen noch als aus der Luft gegriffen. Angesichts dieser Bewertung fragt sich, welche Rolle und Verantwortung der Wissenschaft in einer Situation zwischen politischer Trägheit und zivilem Protest zukommt. Besonders, da sie um die potenziell verheerenden Folgen einer ungebremsten globalen Erwärmung weiß. Muss sich die Wissenschaft stärker einbringen? Darf sie das überhaupt? Mit diesen Fragen hat sich der Standard näher beschäftigt