Saison

Greenpeace Magazin - Saison: Holde Haselnuss

Holde Haselnuss

Von der Steinzeit bis heute, von Aufstrich bis Auftritt – die Nuss der Nüsse hat es in sich. Sie ist nicht nur reif, sie ist filmreif. Es ist an der Zeit, Corylus avellana in Leinwandgröße zu bewundern
 

Manche Rätsel sind einfach harte Nüsse: „Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht“, haucht die Fremde hinter ihrem rosa Schleier, tanzt davon und schwebt wieder herbei: „Die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht.“ Hm, wer könnte das sein? Okay, dritte Runde: „Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht, mein holder Herr.“ Na, Dame erkannt? Der Prinz wähnt sich jedes Mal im falschen Film.

Immerhin ist es einer der schönsten Märchenfilme aller Zeiten: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gehört zu Weihnachten wie „Dinner for One“ zu Silvester. Zu hinreißend ist das armbrustschießende Aschenputtel, zu fesch der Prinz. Doch wie der Titel schon sagt, geht es in der SSR-DDR-Koproduktion nicht um ein Traumpaar, sondern um ein Traumtrio. Jagddress, Ballrobe, Brautkleid? In Haselnüssen steckt mehr, als man dachte.

Der Legende nach sollte der Film im Sommer entstehen. Aber die Babelsberger Filmcrew hatte keine Zeit. Gut so, denn die Haselnuss reift zwar ab dem Spätsommer, ihren großen Auftritt aber hat sie, wenn nichts mehr wächst. Nicht nur Eichhörnchen sehen das so. Schon in der Steinzeit brachten die haltbaren, nahrhaften Samen des Haselstrauchs die Jäger und Sammler durch den Winter.

Weil das Birkengewächs schon mit den Schneeglöckchen blüht, symbolisierte es von alters her Neubeginn, Fruchtbarkeit und Glück. Nicht zuletzt sagte man ihm Zauberkräfte nach. Lange vor Aschenputtel war die Hasel das Holz, aus dem Wünschelruten waren. Und ihr lateinischer Name verweist auf eine Anbautradition schon im antiken Rom. Corylus avellana ist die Hasel aus Avella, einer Stadt am Vesuv. Die Germanen verehrten die Nuss, bei den Römern wuchs sie besser.

Italien war es auch, wo im 19. Jahrhundert der Nougat aka Gianduja erfunden wurde. Weil Kakao unter Napoleons Kontinentalsperre Mondpreise kostete, streckte ein Chocolatier in Turin Schokolade mit gerösteten, gemahlenen Haselnüssen. Buonissimo! Und in Alba kreierte ein Konditor namens Pietro Ferrero auf dieser Basis 1940 eine Pasta Gianduja im Glas, die später als Nutella den Aufstrichmarkt revolutionieren sollte.

Die buttrig-süße Üppigkeit gerösteter Haselnüsse zieht Kakao magnetisch an. Ansonsten brilliert die Haselnuss auch im Duett mit der Himbeere in Linzertorte und mit der Möhre im Rüblikuchen. Natürlich kann sie auch ganz anders. Als geröstete, gehackte Basis von Pesto mit Knoblauch, Kräutern und Öl verfeinert sie etwa Nudeln und Schmorgerichte. Das alles tut sie leider sehr kalorienreich. Dafür enthält sie aber viele ungesättigte Fettsäuren, viel Vitamin E, Eisen und Kalzium. Das ist Kernenergie von ihrer Schokoladenseite.

Stephen Hawking hat mal versucht, das Universum in a nutshell zu erklären. Gewagt. Ganz sicher passt mehr in eine Haselnuss als Aschenbrödels Kleiderschrank. Wie sonst ist zu erklären, was Kinobesucher 1985 im ersten Otto-Film mit ansehen mussten? Auf einem Friedhof entstiegen sieben Heino-Zombies ihren Gräbern, schmetterten „Schwarzbraun ist die Haselnuss, schwarzbraun bin auch ich“ und roboterten im Stechschritt davon. Hat seither irgendjemand diese Gruselgermanen eingefangen? Nein? Dann muss wohl auch noch der Nussknacker antanzen.

Haselnussbrot
Zutaten:
250 g Weizenvollkornmehl, 250 g Dinkelvollkornmehl, 75 g Haselnüsse, 75 g Sesam, ein Würfel Hefe, 450 ml lauwarmes Wasser, 2 EL Zitronensaft, 2 TL Salz.
Zubereitung: Haselnüsse rösten und hacken. Hefe in Wasser auflösen, mit den Zutaten vermischen. Den Teig gut durchrühren. Eine Stunde gehen lassen, dann noch einmal durchrühren. In eine gefettete Kastenform geben und eine Stunde lang bei 200 Grad backen. Herausnehmen, aus der Form heben, auf ein Blech legen und noch 10 Minuten in den heißen, ausgeschalteten Ofen stellen.
Ein einfacher Genuss mit guter Butter!
Tipp: Das Brot bleibt einige Tage frisch.