Was das Team um Jörg Melzheimer über die Geparde von Namibia herausgefunden hat, kann man als ideales Forschungsergebnis bezeichnen – mit größtem Nutzwert für menschliche wie tierische Beteiligte und für alle anderen einfach interessant. „Wir haben ein System entdeckt, über das Geparde miteinander in Kontakt bleiben, obwohl sie von Natur aus sehr selten sind“, erklärt der Ökologe vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. „Unsere Daten können helfen, Konflikte mit Farmern in der Region deutlich zu entschärfen.“

Der Clou sind übers Land verstreute Kommunikationshotspots, an denen sich die Katzen der Art Acinonyx jubatus verabreden „wie in Szenekneipen“, so Melzheimer. Markante Bäume, Felsen oder Termitenhügel im Zentrum dieser Gebiete fungieren als Schwarzes Brett: Hier hinterlassen die Tiere ihre Botschaften in Form eines gezielten Urinstrahls, „in stolzer Körperhaltung“ abgesetzt. Ein oder mehrere territoriale Männchen kontrollieren die Hotspots, doch regelmäßig schauen auch Halbstarke vorbei sowie, oft mit Nachwuchs im Schlepptau, die Weibchen. Auch sie hinterlassen Duftmarken – und prüfen etwa, ob der „heiße Typ vom letzten Jahr“ noch in der Gegend ist, wie Melzheimer sagt.

© Carsten Raffel

Geparde sind vor allem für ihre Höchstgeschwindigkeit bekannt – die sie auf deutschen Landstraßen nicht ausleben dürften. Dass ihr ungewöhnliches Revierverhalten trotz ihrer Popularität so lange unentdeckt blieb, liegt daran, dass sie so rar sind und Beobachtungen in freier Wildbahn schwierig. Erst durch das Langzeitprojekt der Biologinnen und Biologen um Melzheimer, die 106 territorialen Männchen GPS-Halsbänder umlegten und überdies Kamerafallen installierten, sind die Katzentreffpunkte schließlich aufgeflogen.

Melzheimers Team überzeugte daraufhin einige Viehzüchter, Kuhherden mit Kälbern – von denen die Geparde immer wieder welche reißen – in jene Teile ihrer ausgedehnten Farmen zu verlegen, die weit entfernt von den Hotspots liegen. Und siehe da: „Die Zahl der gerissenen Kälber ging um bis zu 85 Prozent zurück.“ Es stellte sich heraus, erklärt der Forscher, dass es nicht „Problemtiere“ gibt, wie die Farmer zuvor gedacht hatten, sondern vielmehr Problemgebiete – zwischen denen große Zonen mit viel geringerer Raubkatzendichte liegen.

Geparde sind nämlich, was ihre Beute angeht, Opportunisten, wie Fachleute sagen. Kreuzt nicht gerade ein unbedarftes, appetitliches Kalb ihren Weg, jagen sie Oryx-, Kuh- und andere Antilopen. Namibias Wildtierbestände seien noch recht ursprünglich, erklärt Melzheimer, und die Viehzäune für sie kein Hindernis. Nur die Löwen hätten die Farmer „recht effizient“ ausgerottet. Die Entdeckung der Savannenhotspots steigert nun die Hoffnung, dass den Geparden, die derzeit noch zu oft geschossen werden, dieses Los erspart bleibt.

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