Wegweiser

Andreas Dilger

„Das ist Pionierarbeit für die Zukunft des Weinbaus.“
© Lena GiovanazziAndreas Dilger

Ökologisch beim Anbau, solidarisch im Abgang

Andreas Dilger schenkt im Innenhof des historischen Freiburger Straßenbahndepots einen Secco ein. In der Halle hinter ihm lagert sein Wein, der 57-Jährige betreibt ein Weingut mitten in der Stadt. „Ich möchte eine Verbindung zwischen ländlichem Weinbau und städtischem Leben herstellen“, sagt Dilger. Die Menschen kommen persönlich vorbei, um ihren Wein abzuholen.

Die Reben gedeihen auf sechs Hektar am Stadtrand, gleich neben einigen Häusern. „Da ist Pflanzengift nicht zu verantworten“, sagt Dilger, der Sozialpädagogik studiert hat. Den Weinbau brachte er sich selbst bei, nachdem er 1996 den Schrebergarten eines älteren Herrn übernommen hatte. Eigentlich wollte er Gemüse anbauen, doch dort standen auch Reben, Müller-Thurgau, mit denen er herumprobierte. 2001 wurde ein Betrieb draus.

Als Gründünger sät er Rotklee, Ölrettich, Winterroggen, Wicke und Kornrade. „Das baut den Boden auf und sichert die Nährstoffversorgung“, sagt Dilger. Seit 2020 betreibt er seinen Weinbau als Solidarische Landwirtschaft. Wer mit fünfzig Euro monatlich einen Anteil erwirbt, erhält im Gegenzug jeden Monat sechs Flaschen Wein. Inzwischen gibt es zwei solidarische Weinberge mit insgesamt 150 Mitgliedern.

Als erster Winzer in Deutschland baute er ausschließlich „Piwis“ an, pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die mit 75 Prozent weniger Fungiziden als herkömmliche Biosorten auskommen. Bislang machen Piwis nur ein Prozent im deutschen Weinbau aus. Dilger ist sicher: „Da gibt es riesiges Potenzial.“

Piwis galten lange als nicht besonders lecker – auch, weil sie kaum bekannt waren. „Das war halt Pionierarbeit“, sagt Dilger. Mittlerweile werden auch diese Sorten beliebter. Die Trauben gedeihen auf Kalk-, Löss- und Lehmböden, verleihen Apfelaromen und einen klaren Geschmack, Fachleute sprechen von Mineralität.

Ein dritter Soli-Weinberg ist geplant. Dilger will ausprobieren, ob eine neue, robuste Rebsorte auf bestehende Weinstöcke gepfropft werden kann. Auch hier könnte er Erster sein.

© Lena GiovanazziAndreas Dilger

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