Wegweiser

Caroline Seige

„Ich habe einen sechsten Sinn für Vögel in Not.“
Caroline Seige

Nicht nur Menschen brauchen Nester

Eigentlich mag Caroline Seige keine Konflikte. Am liebsten wäre es ihr, wenn nur ein bisschen vorausschauender gebaut würde. „So viele Vögel und Nistplätze könnten gerettet werden, wenn man die Brutzeiten einhalten würde“, sagt sie. Häufig sei das Gegenteil der Fall: „Die Vögel werden vertrieben, ihre Nester zerstört, im schlimmsten Fall werden Küken einfach eingemauert.“

Caroline Seige ist ehrenamtliche Vogelschützerin in Berlin. In ihrer Freizeit rettet sie Spatzen, Mauersegler, Schwalben, Stare und Turmfalken. Alles Vögel, die Unterschlupf und Nistplätze in Häuser spalten finden, unter Dächern, in Mauerritzen, unter Fensterbrettern, in kleinen Löchern und Nischen, in Lüftungsschächten und auf Dachböden. Früher, als Städte noch voller Altbauten waren, war das kein Problem. Heute werden diese Altbauten saniert und Fassaden gedämmt, Löcher und Spalten gestopft. Es fehlt an Platz für die Gebäude brüter. Der Hausspatz beispielsweise steht inzwischen auf der Gefährdungs-Vorwarnliste. In München ist er fast verschwunden.

Vor knapp zehn Jahren hatte Caroline Seige ihren ersten Einsatz. Ein alter DDR-Plattenbau sollte saniert werden. In dessen Lüftungsschächte waren Vögel und Zwergfledermäuse eingezogen. „Und dann spannten die Bauarbeiter einfach Planen davor“, sagt sie. Dabei verbietet die Gebäudebrüterverordnung eine Räumung besetzter Nester. Also wandte sie sich an die Naturschutzbehörde. Mit Erfolg: Der Bauherr musste Nistkästen anbringen, bis heute brüten die Vögel darin.

Ihr nächster Fall war eine Schule im Bezirk Lichtenberg, die ebenfalls saniert wurde. Die Vögel konnten nicht mehr zu ihren Nestern, Seige machte Fotos, sprach mit den Ämtern. „Ich habe einen sechsten Sinn für Vögel in Not entwickelt“, sagt sie. Seitdem läuft sie gezielt Baustellen ab, erfasst Nistplätze, meldet sie und informiert in den sozialen Medien. Inzwischen erhält sie auch Hinweise von Anwohnerinnen und Anwohnern.

Viele Menschen, die bauen wollen, wüssten nichts von ihrer Pflicht, die Vögel zu schützen. Die Naturschutzbehörden seien so unterbesetzt, dass sie selten selbst aktiv werden. Viele ihrer Wochenenden, Feierabende und so mancher Urlaub seien für die Vogelrettung schon draufgegangen. „Aber wir dürfen den Vögeln in der Stadt nicht auch noch ihre letzte Nische rauben. Ich will den Bauherren ja auch nichts Böses. Eben nur, dass sie sich an die Vorschriften halten.“

Caroline Seige

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