Wegweiser

Johanna Spallek

„Damit können wir das Leben von Versuchskaninchen retten.“
Johanna Spallek

Fingerübung für Hirnchirurgen
Johanna Spallek legt eine knubbelige Röhre aus Kunstharz vor sich auf den Tisch: nur wenige Millimeter dick und so lang wie ein kleiner Finger. Daran üben Ärzte komplizierte Eingriffe an Blutgefäßen im Hirn. „Wir haben sie mit 3D-Druckern nachgebaut – damit können wir die Behandlungsqualität verbessern und das Leben von Versuchskaninchen retten“, sagt die 30-jährige Maschinenbauerin. Denn die Röhre gehört zum „Hamburger anatomischen neurointerventionellen Simulationsmodell“, das Spallek liebevoll HANNES nennt.

Konkret geht es um die Behandlung von Aneurysmen, Ausstülpungen von Blutgefäßen im Gehirn, die Blutungen auslösen können. Neuroradiologen können diese Knubbel per Katheter behandeln, etwa indem sie einen Stent setzen – diese Eingriffe an teils schwer zugänglichen Stellen üben sie nun eins zu eins am Modell. Bisher mussten dafür narkotisierte Kaninchen herhalten. Dank Spalleks zehnköpfigem Team aus Produktentwicklern der Technischen Universität und Neuroradiologen des Universitätsklinikums Hamburg gibt es nun mit HANNES eine Alternative. „Die Mediziner sind begeistert, weil das Training am Simulator den Eingriffen am Menschen in Dimension und Aufwand viel mehr entspricht und sie die Behandlung verschiedener Aneurysmen-Typen einfach nachstellen können“, sagt Spallek.

Seit 2014 arbeiten die Mediziner und Produktentwickler zusammen und mussten erst eine gemeinsame Sprache finden. Allein in diesem Jahr sollen 26 Kurse zur Erprobung von Verfahren stattfinden. Alle ohne Kaninchen. Die Mediziner hätten die Technik gern angenommen. „Die Tiere nach dem Training einzuschläfern war für die Ärzte immer sehr unangenehm – sie wollen ja Leben retten und nicht beenden“, sagt sie. „Ich bin immer wieder begeistert, was wir mit klug angewandter Technik bewirken können.“

Johanna Spallek

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