Wegweiser

Ole Seidenberg

„Wir machen, was die Natur macht. Nur gezielter.“
© Espen EichhöferOle Seidenberg© Espen Eichhöfer

Wie man einen Wald sät

Im Prinzip tut „Skyseed“ es den Bäumen gleich: „Auch wir lassen Samen aus der Luft fallen, aber mithilfe von Drohnen, und zwar dorthin, wo sie die besten Chancen haben“, sagt Ole Seidenberg, einer der drei Gründer des Berliner Start-ups. Bei einem Waldspaziergang fragte eines ihrer Kinder, warum der Wald denn so kaputt sei und was man dagegen tun könne. So entstand die Idee, für die Seidenberg Ingenieure, Programmiererinnen, Drohnenpiloten und Forstleute an Bord holte und Geldgeber fand.

Trockenheit und Hitze, Stürme und Käfer setzen dem Wald zu. 277.oo0 Hektar sind bereits zerstört, vor allem eintönige Fichtenforste. Auf den riesigen Flächen sollen neue Wälder wachsen, das Ziel sind klimastabile Mischwälder. Neben dem Einrichten von Wildnisgebieten (Greenpeace Magazin 2.22) werden oft großflächig Setzlinge aus Baumschulen gepflanzt. Der Nachteil: Setzlinge sind teuer, erfordern Arbeit und Pflege, und beim Pflanzen leiden ihre Wurzeln.

Skyseed sät Bäume aus der Luft, einen Hektar in zwanzig Minuten, auch dort, wo man zu Fuß nur schwer hinkommt. Dazu trägt die Drohne einen Behälter, aus dem ein Abwurfmechanismus die Samen von Lärchen, Eichen, Birken, Weißtannen oder Elsbeeren heraus fallen lässt – dank Mikrochip auf das Flugtempo abgestimmt. Bald sollen Sensoren den Boden scannen und verhindern, dass Samen auf Felsen oder Baumstümpfen landen.

Die Saat wird mit einem Mix aus organischen Materialien ummantelt, den sich die Entwickler patentieren lassen wollen. Die Hülle soll Feuchtigkeit speichern, die Nährstoffaufnahme erleichtern und Vögel und Mäuse fernhalten. „Wir machen das, was die Natur macht. Nur gezielter“, sagt Seidenberg.

In der Testphase hatte das zwölfköpfige Team festgestellt, dass die ummantelten Samen mindestens doppelt so häufig keimten und wuchsen wie bloße Samen. Dieses Jahr wollen sie die ersten kommerziellen Aufträge annehmen, von Privatwaldbesitzern oder öffentlichen Forstbetrieben. „Aber keine reinen Monokulturen“, sagt Ole Seidenberg. „Wenn wir eine vielfältige Mischung gesät haben, ist das ein gutes Gefühl.“

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