Wegweiser

Reinhard Geßl

„Apfelhühner sind nützlich und haben ein glückliches Leben.“
Reinhard Geßl

Pick-Patrouille im Obstgarten

Fünf österreichische Biobauern hatten eine Idee: Hühner könnten aus ihren Apfelplantagen in der Steiermark doch eine Art Kreislaufsystem machen. Sie könnten zwischen den Bäumen umherlaufen, Schädlinge verputzen, das Ganze düngen – und Eier legen, die sich zusätzlich verkaufen lassen. Reinhard Geßl, Ingenieur am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Wien, machte es möglich, er berät die Bauern und begleitet das Projekt wissenschaftlich. Wie sollen die Ställe gebaut sein? Wie lassen sich die Hühner in den Arbeitsalltag integrieren?

Heute tummeln sich rund achtzig Hühner auf jeder Plantage – für einen Euro pro Tier kaufen die Bauern altgediente Bio-Legehennen, die sonst im Suppentopf landen würden. „Als Apfelhühner sind sie noch nützlich und wir schenken ihnen ein paar glückliche Monate oder sogar Jahre“, sagt Reinhard Geßl.

Morgens öffnet sich die Stalltür per Zeitschaltuhr, die Hühner verteilen sich, picken und scharren, beseitigen so Schädlinge wie Apfelwickler oder Apfelsägewespe. Deren Raupe frisst sich durch die Äpfel, danach lässt sie sich fallen, um sich in der Erde zu verpuppen. „Nicht, wenn unten Hühner patrouillieren“, sagt Geßl. Abends kehren die Hühner artig in den Stall zurück. Noch muss sich zeigen, wie effektiv die Idee ist, der Ingenieur geht von einem langfristigen Vorteil aus.

Täglich sehen die Bauern nach den Hühnern, füllen Heu und Wasser nach und sammeln die Eier, rund fünfzig Stück am Tag. Irgendwann merkten sie, dass Hühner fehlten. Dann fanden sie die Federn – der Fuchs war da. Also musste ein Elektrozaun her. „Die Bauern haben schon mehr Arbeit. Dafür ist jetzt mehr los auf dem Hof. Besucher bleiben am Zaun stehen, kommen her, weil sie Eier kaufen wollen. Das gibt Bestätigung und macht Spaß.“

Die Apfelhühner wären ein Weg, Obsthöfe im Sinne der biologisch-dynamischen Landwirtschaft vielfältiger zu machen. „Oben die Äpfel, unten die Hühner, beide profitieren ganz natürlich voneinander“, sagt Reinhard Geßl.

Reinhard Geßl

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