Wegweiser

Sebastian Sielmann

„Wir drehen das Werbepost-System einfach um.“
Sebastian Sielmann

Gegen die Papierflut im Hausflur

Digital lesen, Einwegbecher vermeiden, im Büro weniger ausdrucken – Papier lässt sich auf vielen Wegen einsparen. Sebastian Sielmann sah vor allem in seinem Briefkasten Potenzial, in dem sich unerwünschte Werbung häufte. Deswegen gründete er den Verein „Letzte Werbung“. Denn die Prospekte sind nicht nur nervig, wenn sie ungebeten im Hausflur landen. Die häufig in Plastik verpackten Broschüren sind auch ein Umweltproblem, sie machen rund 14 Prozent des privaten Papiermülls in Deutschland aus.

Oft schaffen es die Werbeblätter nur bis zum nächsten Abfalleimer. Was den Berliner Sielmann auf die Idee brachte, das System umzudrehen: „76 Prozent der Deutschen sind gar nicht an der Werbung interessiert. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Werbepost nur in Briefkästen eingeworfen werden darf, wenn diese explizit mit einem Aufkleber gekennzeichnet sind“, so Sielmann. Laut einer Studie des Vereins und der Uni Gießen könnten so jährlich eine Million Bäume gerettet werden. In manchen niederländischen Städten wurde das Modell bereits erfolgreich umgesetzt – Amsterdam kommt eigenen Angaben zufolge jährlich mit 700 Müllabfuhren weniger aus.

„Unser Ansatz ist logisch und einleuchtend, die Zustimmung aus der Bevölkerung ist groß“, sagt Sebastian Sielmann. Seine Petition zur Umkehr des Werbesystems wurde mehr als 100.000-mal unterschrieben, den Newsletter von „Letzte Werbung“ beziehen rund 30.000 Menschen. „Am Ende werden wir sogar die Werbeindustrie aufwerten, da diese sich mehr Mühe geben muss, relevant zu werben.“

Davon wollen er und die sechs anderen ehrenamtlichen Mitglieder von „Letzte Werbung“ nun auch die Abgeordneten im Bundestag, in Städten und in Gemeinden überzeugen. An Ideen mangelt es nicht. Von der Gründung eines Städtebündnisses über Lehrmaterial, das an Schulen über Papierverschwendung aufklären soll, bis hin zu einer Anlaufstelle für alle, die gegen unerwünschte Werbung vorgehen wollen – der Verein hat zahlreiche Initiativen gestartet. „Der nächste große Schritt ist nun“, erklärt Sebastian Sielmann, „dass unser Konzept auch in den Wahlprogrammen zur Bundestagswahl berücksichtigt wird.“

Sebastian Sielmann

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