Im Vulkan-Nationalpark von Ruanda leben drei Primatenarten in friedlicher Koexistenz: Berggorillas, Öko-Touristen und Wissenschaftler. Vorsichtig schleichen sie im üppigen Regenwald umeinander, denn zwischen Mensch und Tier gilt ein Abstandsgebot von sieben Metern. Das Interesse ist ungleich verteilt: Manch Touristin erfüllt sich mit der kurzen Begegnung einen Lebens traum, Forschende warten stundenlang konzentriert auf Action. Für die Affen aber sind die Menschen nur „Teil der Landschaft“, sagt Edward Wright.

© Carsten Raffel

Der Brite ist Biologe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, forscht aber am liebsten in situ. Ein Jahr hat er bei den Flachlandgorillas in Gabun verbracht, 18 Monate Berggorillas im ugandischen Bwindi-Nationalpark beobachtet und zuletzt ebenso lang deren Art genossen in Ruanda. Besonders interessieren ihn die geschlechtsreifen Männchen.

In unregelmäßigen Abständen richtet sich solch ein „Silberrücken“ auf, spitzt die Lippen und trommelt sich auf die Brust. Das entstehende Geräusch erinnert an schnelles Fingerploppen mit der Backe und ist rund tausend Meter weit zu hören. Die muskelbepackten Tiere strotzen in diesen Momenten nur so vor Selbstbewusstsein. Wright hat zahlreiche Ton- und Filmaufnahmen davon gemacht und einige Beispiele auf Youtube hochgeladen (hier und hier).

„Es ist bekannt, dass Körpergröße im Tierreich ein Schlüsselwert ist“, erklärt Wright. In früheren Studien hat sein Team per Laser verschiedene Tiere vermessen und gezeigt, dass große Männchen höhere Ränge und mehr Nachwuchs haben. Im nächsten Schritt erkundeten sie deren akustische Machoallüren.

Dabei stießen Wright und Kollegen auf einen Zusammenhang: Je breiter das Kreuz, desto tiefer der Sound. Das Brusttrommeln sei somit „ein ehrliches Signal der Wettbewerbsfähigkeit“, berichteten sie nun im Fachblatt „Scientific Reports“. Nicht nur Weibchen seien davon beeindruckt. Womöglich, sagt Wright, erübrige sich auch manch Rangkampf unter Männchen.

Die tiefsten Trommelwirbel der untersuchten Tiere erzeugte „Agahozo“, der erst kurz vor den Messungen zwölf Jahre alt und ein Silberrücken geworden war – auch Jüngere haben also eine Chance. Hinter Wrights Schreibtisch in Leipzig hängt ein Porträtfoto des Prachtkerls. Der Forscher vermutet, dass auch die anderen Trommelvariablen wie Dauer, Schlagzahl und Schnelligkeit Botschaften transportieren. Sie unterscheiden sich von Tier zu Tier und könnten eine Art persönliche Signatur darstellen, spekuliert Wright.

Man kann es befremdlich finden, dass im ruandischen Urwald Touristen aufkreuzen und Gorillas anstarren, doch solange sie keine Grippeoder Coronaviren einschleppen, was eine ständige Befürchtung ist, lässt ihre Anwesenheit die Affen kalt. Die Eintrittsgelder – vor der Pandemie waren es 1500 Dollar pro Besuch – sind ein Segen für das Land und ermöglichen den besten Schutz der Gorillas. Ihr Bestand, rund tausend Tiere, nahm zuletzt sogar wieder zu.

Sorgen bereitet Edward Wright aber die Erderhitzung, deren Folgen für die Affen er derzeit erforscht. Im nahen Virunga-Nationalpark leben sie bereits in Gipfelnähe – und können bei steigenden Temperaturen nicht nach oben ausweichen.

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