Ihrer Erscheinung und ihrem Namen nach könnten sie dem zamonischen Fantasiereich von Walter Moers entsprungen sein. Doch Goldene Löwenäffchen sind von dieser Welt – und mit Obst bestechlich. „Man kann sie leicht fangen“, sagt der Biologe Carlos Ramon Ruiz-Miranda von der Universität Rio de Janeiro. „Wir locken sie mit Aufnahmen ihrer Rufe zu Fangplattformen im Wald und legen eine Banane in die Falle.“ Affe drin, Klappe zu.

Doch ihre Vorliebe für Früchte ist nicht ihr größtes Pro blem. Jahrhundertelange Waldrodungen sowie Fänge für den Zoo- und Heimtierhandel ließen den Bestand von Leontopithecus rosalia bis Anfang der Siebzigerjahre auf etwa 400 Tiere schrumpfen. Nur in den kleinen Resten des Atlantischen Regenwaldes an Brasiliens Küste nordöstlich von Rio überlebten sie. Bis 2014 ließ ein aufwendiges Nachzucht- und Umsiedlungsprogramm ihre Zahl wieder auf 3700 steigen – und machte sie zu Wappentieren des Artenschutzes. Dann kam das Virus.

© Carsten Raffel

Es begann damit, dass Anfang 2017 ein totes Äffchen am Straßenrand lag. „Das war sehr ungewöhnlich“, sagt Ruiz-Miranda. Gelbfieber hatte es dahingerafft, eine Krankheit, die im Vorjahr nach Jahrzehnten in den Süden Brasiliens zurückgekehrt war, Tausende Menschen infiziert und fast 400 getötet hatte. Nun wütete sie unter den Löwenäffchen, zum Jahresende waren mehr als tausend tot. Für Ruiz-Miranda ein schwerer Rückschlag.

Er arbeitet seit Jahrzehnten für den Schutz der Tiere, die in Gruppen in fast isolierten Teilgebieten oder „Manage ment Units“ leben (MU, siehe Karte). Einige haben kaum Menschenkontakt, mit anderen sind Ruiz-Miranda und seine Leute auf Du und Du. Mithilfe von GPS-Sendern haben sie etwa erforscht, ab welcher Breite baumlose Schneisen, zum Beispiel Straßen, ein Hindernis für die Äffchen sind. „So konnten wir, als die mitten durchs Gebiet führende Fernstraße BR-101 vierspurig ausgebaut wurde, den Bau von Brasiliens erster Grünbrücke durchsetzen.“

In einigen Gebieten überlebte kein Äffchen die Epidemie. „Zufällig kam heraus, dass ein Mitglied unserer Artenschutzinitiative ein Institut leitet, das Gelbfieberimpfstoffe für Menschen herstellt“, erzählt Ruiz-Miranda. Kurzerhand wurde das Vakzin auf Äffchendimension – eins wiegt ein gutes Pfund – verdünnt. Nach mehreren Testphasen werden nun seit Ende 2020 Äffchenfamilien gefangen, von denen einzelne Mitglieder Peilsender tra gen. Sie werden sediert, im Labor untersucht und erhalten dann die schützende Spritze. „Danach bringen wir sie in den Wald zu rück“, sagt Ruiz-Miranda, als Entschädigung gibt es wieder Bananen. Insgesamt will sein Team 500 der rund 2500 verbliebenen Äffchen immunisieren. Zugleich werden Tiere aus affenreichen Teil gebieten (MU 12 und 13) in affenlose Areale (6a und 6b) umgesiedelt.

Die Impfungen könnten auch den Menschen zugutekommen. Agrargebiete und Millionenstädte sind nah, da springen Krankheiten wie das von Mücken übertragene Gelbfieber leicht über. In der Vergangenheit wurden immer wieder Affen getötet, weil sie im Verdacht standen, Epidemien zu verstärken. Geimpfte Löwenäffchen wären also doppelt geschützt.

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