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„Wir müssen offen über die Periode sprechen können.“

Roksana Witusinski
„Wir müssen offen über die Periode sprechen können.“

Binden für Benachteiligte

Binden oder Abendessen? Eine Frage, über die viele noch nie nachgedacht haben, die sich andere aber jeden Monat stellen müssen. Katja Dill kam 2019 erstmals mit Periodenarmut in Kontakt, als sie Notunterkünfte für Obdachlose besuchte. Im darauffolgenden Jahr gründete sie mit Undine Mothes in Berlin den Verein „Social Period“. Ihr Ziel: Obdachlose Frauen mit Menstruationsprodukten versorgen und Periodenarmut sichtbar machen. In Deutschland sind rund 78.000 Frauen ohne Wohnung, allein in Berlin sind es etwa 2500.

Dill und Mothes stellten in Drogerien und Supermärkten Spendenboxen auf, in die Kundinnen und Kunden Binden und Tamponpackungen legen können. Roksana Witusinski half von Anfang an mit. Die Dreißig-Jährige kümmert sich ehrenamtlich um den Social-Media-Auftritt, den Kontakt mit Partnerorganisationen und holt auch mal Spenden ab.

„Ich möchte Menschen helfen, die nicht so privilegiert sind wie wir“, sagt sie. Auch ihr habe die Arbeit bei Social Period die Augen geöffnet. „Ich habe vorher nie darüber nachgedacht, dass es Menschen gibt, für die es ein Problem ist, sich Periodenprodukte zu kaufen, und mir ist aufgefallen, wie wichtig es für die Gleichberechtigung ist, die Periode zu enttabuisieren.“

Inzwischen sind mehr als sechzig Ehrenamtliche für den Verein aktiv und kümmern sich um derzeit 34 Spendenboxen in Berlin und Hamburg. Die Spenden gehen dorthin, wo der Bedarf am größten ist, momentan vermehrt an Einrichtungen, die Menschen aus der Ukraine unterstützen.

Nachhaltigkeit sei immer wieder Thema, sagt Witusinski. Dabei werde jedoch vergessen, dass wohnungslose Menschen oft nicht genug auf Hygiene achten können, um Menstruationstassen und Periodenunterwäsche zu nutzen. „Meist gibt es keinen Zugang zu heißem Wasser und Waschmaschinen, deswegen nutzen Menschen, die auf der Straße leben, bevorzugt Binden.“ Ihr ist besonders die Aufklärung wichtig. „Die Periode muss sichtbarer werden, nur so finden wir eine Lösung für alle Benachteiligten.“

„Wir müssen offen über die Periode sprechen können.“

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