Sa, 2015-05-30 20:09
Houston (dpa)

Obama bezeichnet Fluten in Texas als «schweres Desaster» - 42 Tote

Houston (dpa) - Die Überschwemmungen nach den schweren Unwettern im US-Südstaat Texas haben nach Einschätzung von Präsident Barack Obama ein katastrophales Ausmaß erreicht. «Ein schweres Desaster existiert im Staat Texas», teilte Obama in der Nacht zum Samstag mit und ordnete an, örtliche Behörden mit Bundesmitteln zu unterstützen. Das Geld soll unter anderem für Notunterkünfte, Reparaturarbeiten sowie günstige Kredite für Menschen eingesetzt werden, deren Besitz nicht versichert ist. Es seien bereits Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde FEMA in der Region.

Texas wird seit mehr als drei Wochen von schweren Stürmen, Tornados, starken Winden und Sturzfluten geplagt. Dabei kamen CNN zufolge in Texas und im Nachbarstaat Oklahoma mindestens 28 Menschen ums Leben. Im südlich benachbarten Mexiko waren in den vergangenen Tagen mindestens 14 Menschen durch Unwetter gestorben. Damit steigt die Zahl der Toten auf mindestens 42. Auch für Samstag sagte der Nationale Wetterdienst Stürme, Hagel und teils schwere Regenfälle voraus und warnte vor Sturzfluten.

Sa, 2015-05-30 19:10
Berlin (dpa)

Özdemir: Merkel versteckt sich in No-Spy-Affäre hinter Pofalla

Berlin (dpa) - Der Grünen-Parteivorsitzende Cem Özdemir wirft hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Wegducken in der Affäre um das No-Spy-Abkommen mit den USA vor. «Wir fordern von ihr lupenreine Aufklärung, wenn sie verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen will», sagte Özdemir am Samstag der «Süddeutschen Zeitung».

Özdemir bezeichnete es als Zeichen der Schwäche, dass die Kanzlerin in diesem Zusammenhang ihren früheren Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und dessen Äußerungen verteidige. Merkel suche Deckung hinter «den Unwahrheiten» Pofallas. «Die Bundeskanzlerin ist durch die BND-Affäre belastet.» Merkel hatte zuvor erstmals persönlich Vorwürfe zurückgewiesen, das Kanzleramt habe im Bezug auf einen geplanten gegenseitigen Spionageverzicht mit den USA gelogen.

Im August 2013, wenige Wochen vor der Bundestagswahl, hatte Pofalla verkündet, die USA hätten nach massiven Spähvorwürfen den Abschluss eines No-Spy-Abkommens angeboten. Wie NDR, WDR und «Süddeutsche Zeitung» kürzlich berichteten, wusste Merkel aber zu diesem Zeitpunkt, dass die US-Regierung die Bitte nach einem solchen Abkommen lediglich zu prüfen bereit war. Eine Zusage habe es nicht gegeben. Später waren die Verhandlungen nach den Berichten ganz gescheitert.

Sa, 2015-05-30 19:00
Jerusalem (dpa)

Steinmeier zu Besuch in Israel und Palästinensergebieten

Jerusalem (dpa) - Außenminister Frank-Walter Steinmeier beginnt an diesem Sonntag einen zweitägigen Besuch in Israel und in den Palästinensergebieten. In Jerusalem steht ein Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf dem Programm, der zur Zeit auch die Geschäfte als Außenminister führt.

Anschließend reist Steinmeier nach Ramallah weiter, wo die Palästinensische Autonomiebehörde ihren Sitz hat. Am Montag will er den Gazastreifen besuchen. Dort leidet die palästinensische Bevölkerung immer noch schwer unter den Folgen des Kriegs im vergangenen Jahr.

Ziel der Reise ist es, neuen Schwung in die völlig festgefahrenen Bemühungen um einen Nahost-Friedensprozess zu bringen. Netanjahu hatte im Wahlkampf eine Kehrtwende vollzogen und einen eigenen Palästinenserstaat abgelehnt. Nach seiner Wiederwahl relativierte er seine Aussagen.

Ziel der Bundesregierung ist es, dass sich beide Seiten auf dem Verhandlungsweg auf eine Zwei-Staaten-Lösung einigen. Deutschland und Israel feiern in diesem Jahr auch das 50-jährige Bestehen von diplomatischen Beziehungen.

 

 

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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der Woche
Sa, 2015-05-30 18:45
Berlin (dpa)

Özdemir stellt Doppelspitzen der Grünen zur Debatte

Berlin (dpa) - Grünen-Parteichef Cem Özdemir hat eine Debatte über den Sinn von Doppelspitzen in der Grünen-Führung angestoßen. Sie sind seiner Ansicht nach ein Grund für die fehlende Durchschlagskraft der Partei. Özdemir sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (F.A.S.): «Die doppelte Doppelspitze der Grünen macht es nicht leichter, personelles Profil zu gewinnen und Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner zuzuspitzen.»

Bei den Grünen gibt es sowohl in der Parteiführung als auch in der Bundestagfraktion jeweils zwei Vorsitzende. In der Doppelspitze muss mindestens eine Frau vertreten sein. Auch bei den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 soll es eine doppelte Besetzung geben.

Zuletzt hatte der grüne Umweltminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, angekündigt, sich für eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl zu bewerben. In der «F.A.S.» warf Habeck den Grünen politische Verzagtheit vor. Um in die Regierungsverantwortung zu kommen, müsste die Partei bereit sein, Abstriche an ihren Forderungen zu machen. «Regieren bedeutet, Kompromisse einzugehen», sagte er.

Sa, 2015-05-30 17:15
Baltimore (dpa)

US-Demokrat Martin O'Malley geht ins Rennen ums Weiße Haus

Baltimore (dpa) - Der Ex-Gouverneur von Maryland und ehemalige Bürgermeister von Baltimore, Martin O'Malley, steigt in das Rennen ums Weiße Haus ein. Dies gab der 52 Jahre alte Demokrat am Samstag offiziell bekannt. Unter Anspielung auf die demokratische Kandidatin Hillary Clinton sowie den vermuteten Kandidaten Jeb Bush, die beide mit Ex-Präsidenten verwandt sind, sagte er: «Die Präsidentschaft ist keine Krone, die zwischen zwei adligen Familien hin- und hergereicht wird.» 2008 hatte O'Malley Clintons Kandidatur noch öffentlich unterstützt.

Der in Washington geborene O'Malley begann seine politische Karriere im Stadtrat der Ostküstenmetropole Baltimore, wo es nach dem Tod des Afroamerikaners Freddie Gray in Polizeigewahrsam zu schweren Krawallen gekommen war. In seiner Zeit als Bürgermeister (1999-2007) sorgte er für Wirtschaftswachstum und senkte die hohen Kriminalitätsraten. Er setzte aber auch Polizei-Taktiken durch, die bis heute als diskriminierend kritisiert werden.

O'Malley ist ein ausgesprochener Liberaler. Er ist für die Abschaffung der Todesstrafe, die weitere Legalisierung der Homo-Ehe, für bezahlbare Bildung, die Erhöhung des Mindestlohns und strengere Waffengesetze. Er präsentiert sich als junges Gesicht der neuen demokratischen Generation, was auch als Hieb gegen die 67 Jahre alte Clinton gedacht ist. 

O'Malley ist mit einer Richterin verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Baltimore. Neben ihm und Clinton hat auch der unabhängige Bernie Sanders offiziell seine Kandidatur erklärt.

Sa, 2015-05-30 17:47
Dülmen (dpa)

Volksfest im Münsterland: Dülmen fängt seine Wildpferde Von Carsten Linnhoff, dpa

Einmal im Jahr wird aus dem Naturschutzgebiet Merfelder Bruch ein Treffpunkt für Pferdefreunde aus ganz Deutschland. Aus einer Herde wilder Ponys werden die einjährigen Hengste aussortiert.

Dülmen (dpa) - Um kurz vor halb zwei läuft die Vorbereitung noch wie am Schnürchen. Försterin Friederike Rövekamp schaut in die Wildpferdearena im Merfelder Bruch. «Eigentlich läuft alles zu glatt», sagt die Frau, die 90 Minuten später zusammen mit den Fängern die Tiere in die Arena treibt. Doch zu früh gefreut. Kurze Zeit später geht ein Unwetter über dem Münsterland nieder. Es regnet und graupelt. Den 15 000 Zuschauern läuft das Regenwasser bis in die Unterwäsche. Da helfen auch die aufgespannten Regenschirme nur bedingt. Wer einen Stehplatz hat, flüchtet unter die Bäume - oder an den Bierstand.

Pünktlich zum Start des traditionellen Wildpferdefangs gegen 15 Uhr aber scheint wieder die Sonne. In der Herde leben rund 400 Tiere. Das Donnern der Hufe ist schon zu hören, als die Tiere noch nicht zu sehen sind. Zwei Drittel der gesamten Herde kommen jetzt im wilden Galopp durch einen schmalen Durchgang in das Oval gelaufen. Die Veranstaltungsregie fährt die Musik runter. Der Anblick ist imposant. Stuten, Fohlen und eben die Jährlingshengste stürmen in das Rund. Um sie geht es.

32 Männer müssen sie jetzt einfangen. Dirigiert von der Försterin, die im Auftrag des Herzogs von Croÿ die Herde das ganze Jahr über im Blick hat. Die Junghengste müssen von der Herde getrennt werden. Passiert das nicht, würden sie im Laufe der Zeit zu viele Nachkommen zeugen. Die Herde würde zu groß für das Naturschutzgebiet mit seinen 400 Hektar.

Die Zuschauer kommen aus ganz Deutschland. «Wir sind aus der Nähe von Cloppenburg kurz vor Ostfriesland angereist», erzählt eine Familie vor dem Wildfang. Seit Jahren wollen sie sich das Spektakel anschauen. In diesem Jahr hat es mit der Kartenbestellung übers Internet geklappt. «Wir hatten Glück, nach 30 Minuten waren ja alle Karten vergeben», erzählt der Familienvater.

Wie er haben sich Tausende mit ihren Autos über die Landstraße zwischen Dülmen und Coesfeld in Richtung Wildfang-Arena geschoben. Kurz vor dem Eingang zum Naturschutzgebiet bilden ein Dutzend Tierschützer ein Spalier. Mit Transparenten prangern sie an: «Tiere sind keine Ware.»

Seit Jahren passt der kritisierte Herzog die Veranstaltung an den Tierschutz an. Die Fänger werden regelmäßig geschult. Das wilde Herunterreißen der Hengste am Hals auf den Boden ist längst Geschichte. Eine Veterinärin hat alles im Blick. Der Wildpferdefang ist seit Jahrzehnten ein gesellschaftliches Ereignis im Münsterland. Neben der Arena stehen VIPs-Zelte, in die benachbarte Scheune laden die Stadtwerke Dülmen Gäste ein. Dass die jungen Hengste nach dem Fang versteigert, also als Waren gehandelt werden, stört hier niemanden.

Einer der 32 Fänger darf diesmal nur die Halfter anreichen, die die Hengste nach dem Einfangen um den Kopf gelegt bekommen. Seine Verlobte hat ihm jeden anderen Einsatz verboten. «Er soll ohne blaue Flecken zur Hochzeit kommen», erzählt der Arena-Sprecher. Die Zuschauer applaudieren. Die harte Arbeit müssen jetzt die anderen erledigen. Nach einem Blick zwischen die Beine, wenn klar ist, dass es ein Hengst ist, packen die Fänger zu. Meist zu dritt werden die Tiere gegen die gepolsterten Zäune gedrückt, dann wird das Halfter angelegt. Geschafft: Dieses Pony wird demnächst wahrscheinlich ein Kind durch die Reithalle tragen.

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Sa, 2015-05-30 17:16
Havanna (dpa)

Kuba begrüßt Streichung von US-Terrorliste

Havanna (dpa) - Kuba freut sich darüber, nach 33 Jahren nicht länger auf der US-Terrorliste zu stehen. Nun sei dem Land Gerechtigkeit widerfahren, schrieb die kommunistische Parteizeitung «Granma» am Samstag. Bislang hat sich die Regierung in Havanna noch nicht offiziell zu der historischen Entscheidung geäußert. «Granma» gilt allerdings als Sprachrohr der Führung um Präsident Raúl Castro.

Am Freitag hatte US-Außenminister John Kerry endgültig entschieden, den Karibikstaat von der Staatenliste der Terrorunterstützer zu streichen. Damit fiel ein weiteres Hindernis für die im Dezember begonnene diplomatische Annäherung der Nachbarstaaten nach jahrzehntelanger Eiszeit. Im nächsten Schritt dürfte nun die Wiedereröffnung der Botschaften in den Hauptstädten verkündet werden.

Sa, 2015-05-30 17:08
Havanna (dpa)

Kuba begrüßt Streichung von US-Terrorliste

Havanna (dpa) - Kuba freut sich darüber, nach 33 nicht länger auf der US-Terrorliste zu stehen. Nun sei dem Land Gerechtigkeit widerfahren, schrieb die kommunistische Parteizeitung «Granma» am Samstag. Bislang hat sich die Regierung in Havanna noch nicht offiziell zu der historischen Entscheidung geäußert. «Granma» gilt allerdings als Sprachrohr der Führung um Präsident Raúl Castro.

Am Freitag hatte US-Außenminister John Kerry endgültig entschieden, den Karibikstaat von der Staatenliste der Terrorunterstützer zu streichen. Damit fiel ein weiteres Hindernis für die im Dezember begonnene diplomatische Annäherung der Nachbarstaaten nach jahrzehntelanger Eiszeit. Im nächsten Schritt dürfte nun die Wiedereröffnung der Botschaften in den Hauptstädten verkündet werden.

Sa, 2015-05-30 16:51
Karlsruhe (dpa)

«Keine Ehe 2. Klasse!» in Karlsruhe gefordert

Karlsruhe (dpa) - Unter dem Motto «Bunt gefächert» sind in Karlsruhe rund 1000 Menschen gegen die Diskriminierung von Homo-, Trans- und Intersexuellen durchs Stadtzentrum gezogen. Die Teilnehmer des Christopher Street Day (CSD) nahmen dabei auch Bezug auf die aktuelle Debatte über das Ehe- und Adoptionsrecht für Homosexuelle. Auf einem Transparent hieß es «Keine Ehe 2. Klasse!».

Die SPD verteilte rote Lollis, die Grünen bekannten sich auf einem Flugblatt zu ihrer «Lieblingsstellung: Gleichstellung». Auch die Linke oder Amnesty International waren vertreten.

Der Name CSD erinnert an eine Straße in New York, in der es Ende Juni 1969 nach Razzien der Polizei gegen Homosexuelle zu schweren Zusammenstößen kam.

Sa, 2015-05-30 16:44
Ludwigshafen (dpa)

Von Zwergflusspferd bis Sudoku-Software: Junge Forscher geehrt Von Christian Jung, dpa

Mathematische Exoten, einbeinige Roboter, uralte Fossilien: Zum 50. Mal trafen sich die besten deutschen Nachwuchswissenschaftler zum Finale des Bundeswettbewerbs «Jugend forscht». Der Bundespräsident zeigte sich begeistert von den Teilnehmern und ihren Arbeiten.

Ludwigshafen (dpa) - Bundespräsident Joachim Gauck und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) haben am Samstag in Ludwigshafen die besten deutschen Nachwuchswissenschaftler geehrt. Die prämierten Arbeiten beschäftigten sich unter anderem mit dem automatischen Lösen von Sudokus, dem Lernverhalten von Eseln oder mit Rollstühlen, die mit den Augen steuerbar sind.  

Beim Finale des 50. Bundeswettbewerbs «Jugend forscht» bekam der 18 Jahre alte Gymnasiast Lukas Stockner aus dem bayerischen Altötting den Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit: Er entwickelte ein computerbasiertes Verfahren, mit dem sich fotorealistische Bilder von Lichtbrechungen erstellen lassen, die zum Beispiel von gefüllten Gläsern erzeugt werden.

Gauck zeigte sich begeistert von den Teilnehmern: Er wisse, dass er beruhigt auf sein Rentenalter zugehen könne. Die Jungforscher machten ihn «glücklich». «Allerdings gilt auch: Sie schaffen all das, weil sie in ihrem Umfeld die nötige Anregung und Unterstützung finden.» Als Beispiele nannte er Lehrer, die Mut machen, und Schulen, die mehr sein wollten als «bloße Kopieranstalten für bekanntes Wissen». 

Den Preis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit erhielten Florentine Mostaghimi-Gomi (18) und Ole Keim (17) aus Hamburg. Anhand versteinerter Überreste eines von ihnen gefundenen Zwergflusspferdes zeigten sie, dass die Insel Zypern möglicherweise schon viel früher von Säugetieren besiedelt wurde als bislang angenommen.

In der Sparte «Beste interdisziplinäre Arbeit» setzten sich Jakob Dichgans (17), Daniel Riesterer (18) und Lumen Haendler (18) aus dem baden-württembergischen Überlingen durch. Sie beschäftigten sich mit der Frage, wie man Ökostrom bei Überproduktion speichern und dann in Erdgas umwandeln kann. Die Duisburger Gymnasiasten Myrijam Stoetzer (14) und Paul Foltin (15) entwickelten für Menschen, die etwa wegen einer Verletzung der oberen Halswirbel weitgehend gelähmt sind, einen mit dem Auge und einer Spezialbrille steuerbaren Rollstuhl und gewannen damit den Bundespreis in der Kategorie «Arbeitswelt».

Sieger im Fach «Biologie» wurde die 18-jährige Mara Lauer aus Kaiserslautern. Sie beschäftigte sich mit dem Lernverhalten von Eseln und Maultieren. Im Fach «Chemie» entwickelte Sieger Maximilian Albers (17) aus Montabaur eine spezielle Wärmebatterie. Patricia Asemann (16) und Robin Heinemann (16) aus Kassel berechneten anhand von zwei 450 Lichtjahren entfernten Planeten die «Bahndaten extrasolarer Systeme» und gewannen bei den «Geo- und Raumwissenschaften».

Der beste Nachwuchsforscher bei den Mathematikern und Informatikern ist Nils Waßmuth (19) aus Bonn. Er nahm mathematische Exoten genauer unter die Lupe - und zwar sogenannte Sedenionen. Das sind vereinfacht gesagt 16-dimensionale, hyperkomplexe Zahlen. Anselm von Wangenheim (18) überzeugte in der «Physik» und zeigte mit Simulationen, das auch einbeinige Roboter stabil stehen und sich fortbewegen können. Paul Kutzer (18) aus Regensburg überzeugte im Fach «Technik» mit einer Software zum automatischen Lösen von Sudokus.

Insgesamt nahmen 195 Jugendliche in 113 Projekten auf Einladung des Chemiekonzerns BASF an dem Bundesfinale teil. Der Mädchenanteil lag dieses Jahr bei knapp 20 Prozent. Am Samstag mit dabei auch die rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Gauck betonte, zum wissenschaftlichen Arbeiten gehöre es, Raum für neugieriges Ausprobieren zu finden, aber auch für Scheitern und Neubeginn. Er rief die jungen Menschen dazu auf, ihr schon erworbenes Wissen an zukünftige Generationen weiterzugeben.

Sa, 2015-05-30 16:22
Berlin (dpa)

Özdemir stellt Doppelspitze der Grünen zur Debatte

Berlin (dpa) - Grünen-Parteichef Cem Özdemir hat eine Debatte über den Sinn von Doppelspitzen in der Grünen-Führung angestoßen. Sie sind seiner Ansicht nach ein Grund für die fehlende Durchschlagskraft der Partei. Özdemir sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» (F.A.S.): «Die doppelte Doppelspitze der Grünen macht es nicht leichter, personelles Profil zu gewinnen und Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner zuzuspitzen.»

Bei den Grünen gibt es sowohl in der Parteiführung als auch in der Bundestagfraktion jeweils zwei Vorsitzende. In der Doppelspitze muss mindestens eine Frau vertreten sein. Auch bei den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 soll es eine doppelte Besetzung geben.

Zuletzt hatte der grüne Umweltminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, angekündigt, sich für eine Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl zu bewerben. In der «F.A.S.» warf Habeck den Grünen politische Verzagtheit vor. Um in die Regierungsverantwortung zu kommen, müsste die Partei bereit sein, Abstriche an ihren Forderungen zu machen. «Regieren bedeutet, Kompromisse einzugehen», sagte er.

Sa, 2015-05-30 16:28
Berlin/Hamburg (dpa)

Bundesweiter Protest gegen Kohle - Greenpeace-Aktion vor Kanzleramt

Deutschland will bis 2020 die eigenen CO2-Emissionen erheblich drosseln. Doch der Vorstoß, alte Kohlekraftwerke mit einer Zwangsabgabe zu belegen, sorgt für Widerstand. Nun macht Greenpeace auf der Gegenseite Druck.

Berlin/Hamburg (dpa) - Vor dem Kanzleramt in Berlin und in Dutzenden weiteren Städten haben Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen die Verstromung von Kohle demonstriert. In insgesamt 61 Städten habe es am Samstag Aktionen für mehr Klimaschutz gegeben, sagte eine Greenpeace-Sprecherin in Hamburg. Die Umweltschützer forderten Kanzlerin Angela Merkel auf, beim G7-Gipfeltreffen mit den führenden westlichen Industrienationen am kommenden Wochenende in Oberbayern mehr Einsatz für den Klimaschutz zu zeigen.

«Wir wollen ein Zeichen an die G7 setzen und fordern, dass sich Bundeskanzlerin Merkel wirklich für den Klimaschutz einsetzt und es nicht bei Lippenbekenntnissen belässt», sagte der Energieexperte von Greenpeace in Karlsruhe, Wolfgang Mexner. Die Kanzlerin hat betont, die Vorbereitung des UN-Klimagipfels im Dezember in Paris sei für sie eines der wichtigsten Themen beim bevorstehenden G7-Gipfel.

Vor dem Kanzleramt trugen die Greenpeace-Demonstranten Merkel-Masken und hielten Transparente mit der Frage «Klima- oder Kohlekanzlerin?» hoch. Zudem stellten sie zwei Schilder mit den Aufschriften «Klimaschutz» und «Kohlekraft» auf, die in entgegengesetzte Richtungen zeigten. Rund 25 Aktivisten beteiligten sich nach Angaben der Polizei an der Aktion.

Andernorts wie etwa in Hannover zeigten die Protestler große Banner mit «Kohlekraft stoppen» und «Klima- oder Kohle-Kanzlerin», informierten Passanten und sammelten Unterschriften für eine Petition an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Darin wird der Minister aufgefordert: «Schalten Sie die dreckigsten und ineffizientesten Kohlemeiler ab!». Die Petition solle Gabriel Ende Juni übergeben werden, kündigte Greenpeace an. Die deutschen Proteste waren Teil eines globalen Aktionstages gegen Kohle und Atom in mehr als 30 Ländern.

Deutschland wird nach Einschätzung von Experten sein Klimaziel im Jahr 2020 nur dann erreichen, wenn die Kohleverstromung deutlich reduziert wird. Deshalb hat Wirtschaftsminister Gabriel eine vor allem von den Energiekonzernen und Gewerkschaften kritisierte Klimaabgabe auf alte Kohlekraftwerke vorgeschlagen.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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Sa, 2015-05-30 15:32
Berlin/Hamburg (dpa)

Bundesweiter Protest gegen Kohle - Greenpeace-Aktion vor Kanzleramt

Deutschland will bis 2020 die eigenen CO2-Emissionen erheblich drosseln. Doch der Vorstoß, alte Kohlekraftwerke mit einer Zwangsabgabe zu belegen, sorgt für Widerstand. Nun macht Greenpeace auf der Gegenseite Druck.

Berlin/Hamburg (dpa) - Vor dem Kanzleramt in Berlin und in Dutzenden weiteren Städten haben Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace gegen die Verstromung von Kohle demonstriert. In insgesamt 61 Städten habe es am Samstag Aktionen für mehr Klimaschutz gegeben, sagte eine Greenpeace-Sprecherin in Hamburg.

In Berlin forderten die Umweltschützer von Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr Einsatz zum Schutz der Erde. Vor dem Kanzleramt trugen die Demonstranten Merkel-Masken und hielten Transparente mit der Frage «Klima- oder Kohlekanzlerin?» hoch. Zudem stellten sie zwei Schilder mit den Aufschriften «Klimaschutz» und «Kohlekraft» auf, die in entgegengesetzte Richtungen zeigten. Rund 25 Aktivisten beteiligten sich nach Angaben der Polizei an der Aktion.

Greenpeace forderte die Regierungschefin in einer Mitteilung dazu auf, ihren internationalen Versprechungen «endlich national Taten folgen zu lassen» und einen schrittweisen Ausstieg aus der Kohlekraft anzukündigen.

Andernorts wie etwa in Hannover zeigten die Protestler große Banner mit «Kohlekraft stoppen» und «Klima- oder Kohle-Kanzlerin», informierten Passanten und sammelten Unterschriften für eine Petition an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Darin wird der Minister aufgefordert: «Schalten Sie die dreckigsten und ineffizientesten Kohlemeiler ab!». Die Petition solle Gabriel Ende Juni übergeben werden, kündigte Greenpeace an. Die deutschen Proteste waren Teil eines globalen Aktionstages gegen Kohle und Atom in mehr als 30 Ländern.

Deutschland wird nach Einschätzung von Experten sein Klimaziel im Jahr 2020 nur dann erreichen, wenn die Kohleverstromung deutlich reduziert wird. Deshalb hat Wirtschaftsminister Gabriel eine vor allem von den Energiekonzernen und Gewerkschaften kritisierte Klimaabgabe auf alte Kohlekraftwerke vorgeschlagen.

Sa, 2015-05-30 14:57
Berlin (dpa)

«Es ist mir eine Ehre»: Russen verweigern 89 Europäern die Einreise Von Christoph Sator und Thomas Lanig, dpa

Die Existenz der Liste ist keine Überraschung. Jetzt ist klar, wem genau Moskau die Einreise verweigert. Aber warum? Darüber darf gerätselt werden.

Berlin (dpa) - Der eine fühlt sich in seinen Rechten verletzt, der andere nimmt es als Auszeichnung: «Das ist mir eine Ehre», sagte der frühere tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg der Zeitung «MF Dnes». Seiner ist einer von 89 Namen auf der «Schwarzen Liste» derer, denen Moskau die Einreise nach Russland verwehrt. Ebenso wie der des Grünen-Europapolitikers Daniel Cohn-Bendit: «Es ehrt mich, wenn mich ein totalitäres System wie Russland als Feind des Totalitarismus brandmarkt», sagte auch er der «Bild»-Zeitung.

Die Liste ist prominent besetzt, aber doch auch kurios in der Zusammensetzung amtierender und ehemaliger Entscheidungsträger. Vor allem aber: Am Samstag konnte niemand sagen, wie alt die Aufstellung wirklich ist. Sie könnte auch schon vor einem Jahr geschrieben worden sein, als Reaktion auf die von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland wegen der Annexion der Krim.

Unter den 89 Europäern sind acht Deutsche. Dazu gehören neben Karl-Georg Wellmann (CDU) und Rebecca Harms (Grüne), die in Moskau bereits abgewiesen wurden, unter anderen auch Michael Fuchs (CDU), Bernd Posselt (CSU) und eben Cohn-Bendit. Für Kenner besonders pikant: Auch Uwe Corsepius, der künftige Europa-Berater von Kanzlerin Angela Merkel, taucht dort auf. Und Katrin Suder, Staatssekretärin und Vertraute von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Mit dabei sind aber auch Namen wie die des 77-Jährigen Schwarzenberg, schon seit 2013 außer Diensten, des belgischen Ex-Premiers Guy Verhofstadt, protokollarisch besonders hochrangig, und des ehemaligen britische Vize-Regierungschefs Nick Clegg. Auffällig viele Polen und allein 20 baltische Namen. Und dann der französische Philosoph Bernard-Henri Levy. Warum?

Ein namentlich nicht genannter russischer Diplomat hatte vor wenigen Tagen der Staatsagentur Ria Nowosti gesagt, die Liste richte sich gegen «Bürger, die eine antirussische Politik betreiben». «Jeder Name befindet sich aus einem ganz konkreten triftigen Grund dort.»

Die wohlwollende Interpretation, die auch von einigen auf deutscher Seite zu hören ist, lautet, dass die Russen mit der Übergabe der Liste nun «Transparenz» schaffen wollten. Jetzt wissen die Betroffenen also, was sie am Moskauer Flughafen erwartet. Andere sprechen dennoch von einem «diplomatischen Eklat».

Klar ist jedenfalls, dass es sich um eine Retourkutsche für die Namensliste der Europäer handelt, die schon 2014 auf dem Höhepunkt der Ukraine-Krise Einreiseverbote für Russen verhängt hatten, unter ihnen enge Mitarbeiter von Präsident Wladimir Putin. Dabei gibt es allerdings grundsätzliche Unterschiede. Zum Beispiel die Tatsache, dass die EU-Liste gleich nach dem Beschluss bekanntgemacht wurde.

Das meinte Außenminister Frank-Walter Steinmeier, als er am Samstag bei einem Besuch in der Ukraine betonte: «Es wäre das mindeste gewesen, dass man den Betroffenen Mitteilung macht, welche Vorbehalte gegen sie bestehen und die Liste öffentlich macht. Ich halte es nicht für besonders klug, solche Einreiseverbote überhaupt auszusprechen. »

Auf die Frage, ob diese Einschätzung auch für die EU-Einreiseverbote gelte, antwortete er nur: «Ich arbeite dafür, dass wir baldmöglichst wieder Umstände schaffen, in denen wir mehr miteinander reden als übereinander.»

Die Bundesregierung war am Samstag bemüht, die «Schwarze Liste» nicht für eine weitere Verschärfung des Konflikts mit Moskau einzusetzen. Aus deutscher Sicht der Dinge gibt es aus Russland in Sachen Ukraine in letzter Zeit einigermaßen widersprüchliche Signale. Die Liste passt demnach nicht wirklich zu jüngsten Versuchen Moskaus, das Verhältnis zum Westen wieder zu verbessern. 

Für manche Betroffene allerdings ist es eben nicht nur eine Ehre, als Feind Russlands aufgelistet zu werden. Es ist auch ein politisches Signal. Die Grünen-Europaabgeordnete Rebecca Harms sprach von einem «schweren Schlag für die Beziehungen zu Russland». Dies müsse Konsequenzen haben, fordert sie.

Sa, 2015-05-30 15:37
Aleppo (dpa)

Aleppo: Fassbomben des Assad-Regimes töten 71 Menschen

Aleppo (dpa) - Mindestens 71 Menschen sind nach Angaben von Aktivisten durch sogenannte Fassbomben in der nordsyrischen Stadt Aleppo getötet worden. Die international geächteten Fassbomben sind mit Sprengstoff und Metallsplittern gefüllte Eisentonnen, die von Helikoptern abgeworfen werden. Nur die Truppen des Machthabers Baschar al-Assad verfügen über Hubschrauber.

Bei den zwei Abwürfen am Samstag seien vor allem Zivilisten getötet worden, unter ihnen etliche Kinder, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die beiden betroffenen Stadtviertel werden von Aufständischen kontrolliert. Bilder, die Aktivisten ins Internet stellten, zeigten in langen Reihen in weiße Leinentücher gehüllte Leichen von Männern, Frauen und Kindern.

Wegen ihrer Streuwirkung töten Fassbomben in Wohngebieten immer auch viele Zivilisten. Eine von ihnen traf am Samstag einen Markt im Stadtteil Al-Bab. Allein bei dieser Bombardierung starben 59 Menschen. Der Stadtteil ist unter Kontrolle der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS).

Die andere Fassbombe, die über dem Stadtteil Al-Schaar niederging, tötete zwölf Menschen, unter ihnen vier Frauen und drei Kinder. Al-Schaar wird von einer gemäßigten Rebellenallianz kontrolliert.

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Erschienen in Ausgabe 3.15

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

Uns doch egal, ob Ihr vor Krieg, Folter und Verfolgung flieht – wir waren schließlich zuerst da. Wir zwingen Eure jämmerlichen Boote zur Umkehr und riskieren tödliche Havarien. Schafft Ihr es trotzdem zu uns, sperren wir Euch in Gefangenenlager auf entlegenen Inseln. Das gilt übrigens für alle, auch für Familien und Kinder, egal was Ihr hinter Euch habt. Wir nennen Euch einfach „illegal“ – obwohl es ein Menschenrecht ist, per Boot Asyl zu suchen.
Australien: Isoliert und Paranoid am Ende der Welt

Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Ist es vermessen, mit Sonnenenergie zu prahlen, wenn man fast keine verkauft?
Energie aus Sonnenkraft ist einfach genial. Deshalb schalten wir ständig diese seltsamen Anzeigen mit der Vogelscheuche und der komischen Dosenöffnerlasche im Hintergrund. Zwar erzeugen wir weiter vor allem Kohle- und Atomstrom und haben unsere Investitionen in Erneuerbare gerade erst zurückgeschraubt. Aber vielleicht bleibt ja bei irgendwem hängen, dass wir eigentlich ganz harmlos sind.

Wir hinken hinterher. Steigen Sie um: atomausstieg selber-machen.de

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Jedes Jahr ein Wegwerf-Smartphone
Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
Vodafone Power to waste 

Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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