So, 2015-04-26 21:33
Berlin (dpa)

SPD bleibt hart bei Mindestlohn - Seehofer attackiert Schwesig

Zuletzt fand die große Koalition wieder etwas zueinander. Doch steht ein Koalitionsgipfel an, ist auf eines Verlass: Das Poltern der CSU. Bei dem Treffen wird die Marschroute der nächsten Wochen abgesteckt.

Berlin (dpa) - Der Mindestlohn von 8,50 Euro und die Pflichten zur Dokumentation der Arbeitszeit sollen nach dem Willen der SPD nicht angetastet werden. «Wir werden am Gesetz überhaupt nichts ändern», sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Sonntagabend in der ARD. Zuvor hatte CSU-Chef Horst Seehofer in der «Bild am Sonntag» substanzielle Änderungen angemahnt und «Regelungswut und das Dokumentationswirrwarr beim Mindestlohn» kritisiert. Am späten Sonntagabend war der Streit auch Thema eines Koalitionsgipfels im Kanzleramt. Die Union hätte gerne eine Reduzierung der Pflichten zur Erfassung von Arbeitszeiten.

In den nächsten Wochen will die große Koalition vor allem die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen auf den Weg bringen. Dazu gehört auch die Zukunft des Solidaritätszuschlags («Soli»), den die Union bis spätestens 2029 schrittweise abschaffen will. An den Verhandlungen nahmen neben den Partei- und Fraktionschefs von Union und SPD auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der SPD-Länder-Koordinator für Finanzthemen, Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz, teil. Später kam auch noch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dazu. Die zum Thema Mindestlohn geladene Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) traf gegen 21.30 Uhr ein.

Bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ging es auch um die hohen Flüchtlingszahlen. Schwarz-Rot sieht die Kosten für die Unterbringung und die bundesweit gerechte Verteilung von Flüchtlingen als eine der größten Herausforderungen.

Ebenso müssen wichtige Entscheidungen zum Stromnetzausbau getroffen werden, genauso zur von Gabriel geplanten Klimaabgabe, wenn alte Kohlekraftwerke ein bestimmtes CO2-Limit überschreiten. Damit soll das von Merkel gewollte Ziel von 40 Prozent weniger Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 noch geschafft werden.

Für Unmut sorgten im Vorfeld Sticheleien von CSU-Chef Horst Seehofer. «Wenn die SPD jetzt mit allen Tricks unsere Projekte bekämpft, ist das eine schwere Belastung für die Koalition», sagte er der «Bild am Sonntag». Seehofer kritisierte vor allem den Umgang von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) mit dem Betreuungsgeld, das vom Bundesverfassungsgericht überprüft wird. Er warf ihr vor, für das Betreuungsgeld eingeplante Mittel jetzt schon anders zu verteilen.

«Das ist keine vertrauensbildende Maßnahme für eine Koalition, die noch zweieinhalb Jahre miteinander arbeiten muss», so der CSU-Chef. Überschattet wurde das Treffen von Vorwürfen wegen eines möglichen Skandals bei der Zusammenarbeit des Bundesnachrichtendienstes mit dem US-Geheimdienst NSA. «Offensichtlich ist es so, dass der BND da sein Eigenleben führt und das muss man beenden», sagte Gabriel.

BND und NSA hatten nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vereinbart, dass die NSA nach bestimmten Suchmerkmalen (Selektoren) Zugriff auf Daten bekommt - aber nur zur Terrorbekämpfung und unter Einhaltung deutscher Interessen. Die «Bild am Sonntag» berichtet, dass der BND das Kanzleramt, das für die Kontrolle des BND zuständig ist, in einem streng vertraulichen Bericht schon 2008 über mögliche Grenzüberschreitungen informiert habe. So habe die NSA versucht, Wissen über die Rüstungskonzerne EADS und Eurocopter abzuschöpfen.

So, 2015-04-26 20:20
Berlin (dpa)

Koalitionsspitzen beraten im Kanzleramt - Auch BND-Affäre Thema

Berlin (dpa) - Die Spitzen von Union und SPD sind erstmals seit Februar wieder zu einem Koalitionsgipfel im Bundeskanzleramt zusammengekommen. Auf der Tagesordnung der Partei- und Fraktionschefs von CDU/CSU und SPD standen am Sonntagabend die Bürokratie-Lasten beim Mindestlohn, die Flüchtlingsproblematik und die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen. Dazu gehört unter anderem die Zukunft des Solidaritätszuschlags. An den Verhandlungen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nahmen auch Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der SPD-Länder-Koordinator für Finanzthemen, Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz, teil.

Schwarz-Rot sieht die Kosten für die Unterbringung von Asylbewerbern und die bundesweit gerechte Verteilung von Flüchtlingen als eine der größten Herausforderungen der nächsten Monate. Ebenso müssen wichtige Entscheidungen zum Stromnetzausbau getroffen werden, genauso zur von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplanten Klimaabgabe, wenn alte Kohlekraftwerke ein bestimmtes CO2-Limit überschreiten. Damit soll das von Merkel gewollte Ziel von 40 Prozent weniger Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 noch geschafft werden. Für Unmut sorgten im Vorfeld Sticheleien von CSU-Chef Horst Seehofer in der «Bild am Sonntag» gegen die SPD und eine «Regelungswut und das Dokumentationswirrwarr beim Mindestlohn».

Dies gefährde die Einigungschancen, hieß es aus Koalitionskreisen. Überschattet wird das Treffen von neuen Vorwürfen gegen den Bundesnachrichtendienst (BND) und das Kanzleramt wegen möglicher Beihilfe des BND zu Spionageaktivitäten des US-Geheimdienstes NSA. SPD-Chef Sigmar Gabriel kündigte in der ARD an, die Rolle von BND und Kanzleramt in der Affäre zu thematisieren. «Offensichtlich ist es so, dass der BND da sein Eigenleben führt und das muss man beenden.»

So, 2015-04-26 20:06
Berlin (dpa)

Koalitionsspitzen beraten über Mindestlohn, Flüchtlinge und Finanzen

Berlin (dpa) - Die Spitzen von Union und SPD sind am Sonntagabend zu einem Koalitionsgipfel im Bundeskanzleramt zusammengekommen. Auf der Tagesordnung der Partei- und Fraktionschefs von CDU/CSU und SPD standen die Bürokratie-Lasten des Mindestlohns für die Wirtschaft, die Flüchtlingsproblematik und die geplante Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen. Dazu gehört unter anderem die Zukunft des Solidaritätszuschlags. An den Verhandlungen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nahmen zudem Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und als SPD-Länder-Koordinator für Finanzthemen auch Hamburgs Regierungschef Olaf Scholz teil.

À la Saison

Krautiger Kohlrabi

(Brassica oleracea var. gongylodes)
Ob das deutscheste aller Gemüse wirklich aus Deutschland kommt, liegt – ehrlich gesagt – im Dunkeln. Erfahren Sie mehr über dieses und weitere Geheimnisse aus der Kulturgeschichte des Kohlrabi.

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Es ist ein Irrtum, dass es sich beim deutschesten aller Gemüse um Weißkohl alias Sauerkraut handelt. Zwar hat die vergorene Spezialität den Deutschen in England den Spottnamen Krauts eingetragen, aber fragen Sie mal einen Russen, Ungarn, Japaner, Niederländer, Dänen, Schweden, Franzosen oder Briten, was Kohlrabi in seiner Sprache heißt. Die Antwort mag ka, karalábé, koolrabi, kaalrabi, kålrabbi, colrave oder kohlrabi lauten, phonetisch ist das Ergebnis das gleiche: Die Welt spricht Kohlrabi. Krautiger wird’s nimmer.

Ist es Begeisterung über den süßen, leicht nussigen, dezenten Kohlgeschmack, die Menschen zwischen Washington und Tokio veranlasst, die komisch klingende Knolle im Munde zu führen? Mitnichten. Nur das Wort, nicht das Gemüse kommt ihnen über die Lippen. Kohlrabi ist so deutsch, dass vor allem die Deutschen ihn essen. 40.000 Tonnen im Jahr wachsen hier, und weil das noch zu wenig ist, bauen auch die Niederlande, Polen und Frankreich den Kreuzblütler an – für den Export.

Im Gegensatz zu Weiß- oder Blumenkohl, bei denen Blätter oder Blütenstand verzehrt werden, verdickt sich beim Kohlrabi der untere Teil der oberirdischen Sprossachse und liegt grünweiß oder blauviolett auf der Erdkrume. Innen sind alle Kohlrabis hell. Die größte Sorte heißt „Superschmelz“ und kann – ohne holzig zu werden – zur Größe eines Kohlkopfs anwachsen. Und der einzige Speck, der auch Vegetariern schmeckt, dürfte „Blauer Speck“ sein.

In Wirklichkeit enthält Kohlrabi neben viel Wasser, etwas Zucker und Eiweiß nur 0,1 Prozent Fett. In Deutschland wurde die Knolle im 16. Jahrhundert erstmals erwähnt. Sie war ein Star der Barockküche – beispielsweise in Leipzig, wo sie dem Allerlei den letzten Schliff gab. Das Original hat übrigens nichts mit Erbsen-Möhren-Spargel-Dosenmatsch zu tun, sondern ist ein knackiger Genuss, der – serviert mit heller Soße und luftigen Semmelklößchen – auch Blumenkohl, Morcheln und Flusskrebsschwänze vereint.

Ein Festmahl, das noch nicht ganz vergessen war, als Kurt Tucholskys Alter Ego Peter Panter sich 1928 in einem Speiselokal über breiiges Gemüse beschwerte und die Bedienung antwortete: „Da müssen Sie mal zu meiner Mutter kommen, Herr Panter, die kocht Ihnen ein Leipziger Allerlei ...“ – „Liebe gnädige Frau, es ist so nett von Ihnen ... Aber alle Leute können doch nicht bei Ihrer Mama essen!“

Kohlrabi passt gut zu Rahmsoßen, die auch mal mit Safran oder Chili gewürzt sein dürfen. Am besten gart man ihn im Ganzen und schält und teilt ihn hinterher, damit Aroma und Nährstoffe besser erhalten bleiben: Selen, Senföle und viel Vitamin C stärken das Immunsystem. Roh harmoniert Kohlrabi mit Nüssen, Ziegenkäse, Lachs und Äpfeln. Sein Kraut gehört nicht in den Kompost, denn es enthält viele Mineralien, Karotin, B-Vitamine und Eiweiß. Die zarten Herzblätter schmecken gut in Salat und Suppe oder als Hauptgericht: In Südeuropa bereitet man aus ihrem Grün vegetarische Rouladen oder „Spinat“ zu.

Südeuropa?! Ob das vermeintlich deutsche Gemüse auch aus der Region stammt, in der es so gerne verspeist wird, liegt – um ehrlich zu sein – im Dunkeln. Es könnte genausogut ein Nachfahre des pompejanischen Kohls sein, den der Römer Plinius kurz nach der Zeitenwende beschrieb. Grimms Wörterbuch vermerkte im 19.Jahrhundert, der Begriff Kohlrabi sei „merkwürdig durch seine Gestalt, halb deutsch halb italienisch“. Klar ist: Italien spricht nicht kohlrabisch. Der inoffizielle Kulturbotschafter der Krauts heißt dort cavolo rapa, Kohlrübe.

Neu frisch aus dem Gewächshaus gibt's Kohlrabi ab April, frisch vom Feld im Mai.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen


In jeder Ausagebe des Greenpeace Magazins berichten wir über die Kulturgeschichte von Obst und Gemüse. Unsere neue Ausgabe erhalten Sie am Bahnhofskiosk, in unserem Warenhaus und für nur 33,50€ im Jahresabo

À la Saison

Schlangenmordende Schwarzwurzel

(Scorzonera hispanica)
Die Schwarzwurzel hieß noch im 17. Jahrhundert „Schlangenmord“ oder „Vipergras“. Tatsächlich ist sie eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel

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„Die Wurtzel“ sei „fleischig, saftig und voll Milch“ sowie „süß von Geschmacke, wann sie gesotten worden“, schrieb der französische Chemiker und Arzt Nicolas Lémery 1698 in ein Lexikon. Den Zeitgenossen mochte das gewagt erscheinen. War die Schwarzwurzel doch erst seit kurzem etwas zu Essen. Im Deutschen trug das neue Gemüse die Beinamen „Schlangenmord“ und „Vipergras“, die eher nach Hexenkessel als nach Eintopf klangen.

Schuld war der italienische Botaniker und Mediziner Pietro Andrea Mattioli, der die antike Heilpflanze 1544 erstmals wissenschaftlich beschrieben hatte. Der kaiserliche Leibarzt verwandte die Wurzel des Korbblütlers nicht nur gegen Wundfieber und Knochenbrüche, sondern auch „wider den Natterbiß“. Er taufte sie Scorzonera hispanica nach ihrem Herkunftsland Spanien und dem Namen einer schwarzen Giftschlange. Außerdem setzte er das Gewächs auch „wider die fallende Seuche, zu den Pocken und für die Pest“ ein, wie Lémery 150 Jahre
später notierte. Sie ist, kurzum, eine zu Unrecht vergessene Wunderwurzel.

„Proletenspargel“ oder „Spargel des armen Mannes“ heißt Mattiolis Zaubergemüse im Volksmund heute. Eine Delikatesse, die hierzulande – außer in Bayern – kaum groß--flächig angebaut wird. Wir importieren sie aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden, wo man offenbar weiß, was gut ist. In Wahrheit ist der im Inneren elfenbeinfarbene „Winterspargel“ dem Original überlegen, nicht nur was seine Länge von bis zu einem halben Meter angeht. Die kalzium-, eisen-, magnesium- und vitaminreiche Schwarzwurzel gibt es nicht nur mitten in der kalten Jahreszeit, sie ist auch robust, lagerfähig und wird nicht holzig.

Es ist richtig, dass ihre korkige Rinde beim Schälen ohne Handschuhe hässliche Flecken von großer Haltbarkeit in die Haut gerbt. Und es stimmt, dass ihr milchiger Saft klebt wie Pattex, wenn man sie – Tipp aus dem Kochbuch – erst nach dem Garen häutet. Und damit sie nicht braun anläuft, gehören etwas Zitrone und Milch ins Kochwasser. Ja, die Zubereitung der Scorzonera ist eine Zumutung. Genau das macht sie zur „alten Sorte“ und – einige Jahre nach ihrer nordamerikanischen Schwester Topinambur – zur zumindest unter Spitzenköchen wiederentdeckten Rarität.

Sei es, dass der Kopenhagener René Redzepi sie im Restaurant Noma mit Gotland-Trüffeln als Hors d’œuvre anrichtet, der spanische Molekularkoch Ferran Adrià sie zu Steinbutt serviert oder in einem Berner Grandhotel das Steak auf „seinem Bett von Schwarzwurzelragout“ kommt – sie harmoniert. Anders als der geltungssüchtige Spargel kann, aber muss sie kein Solo auf dem Teller spielen. Ganz gleich ob die Sorte „Hoffmanns Schwarzer Pfahl“, „Schwarzer Peter“ oder „Russischer Riese“ heißt – in der Schwarzwurzel verbindet sich das Beste (unbittere) des Spargels mit zarten Nussaromen und winterlicher Erdigkeit. Besonders gut schmeckt sie zu zerlassener Butter und gerösteten Semmelbröseln. Aber auch mit Béchamelsoße oder im Soufflé und selbst roh in den Salat geraspelt ist sie ein Genuss.

In Sachen Pest hat Mattioli die Wunderwurzel aber zweifellos überschätzt. Der Gelehrte starb 1577 am „Schwarzen Tod“ – und das vermutlich nicht, weil gerade keine Schwarzwurzel zur Hand war.

Neu frisch vom Feld gibt's die Schwarzwurzel ab Oktober, regional verfügbar ist sie den ganzen Winter über.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Querulante Quitte

(Cydonia oblonga)
Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. Aber die Mühe lohnt sich. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente.

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„Wenn Krieg kommt und ich hätte nichts zu essen, dann ess’ ich die auch“, sagt eine Dame und hält den Quittenschnitz mit spitzen Fingern. „Hässlicher Apfel“, kommentiert ein anderer Teilnehmer. Und eine Oma schüttelt den Kopf: „Würde ich mir nicht kaufen.“ Der Mann von der Marktforschung nickt. Verstanden. Dann fliegt eine Schrift ins Bild. „Wir machen es trotzdem.“ „Quitteschön!“, plakatierte Bionade im Frühjahr 2009 frech. Aber Frechheit siegte nicht. Letzten Sommer musste der Limobrauer die Sorte unter regem Desinteresse der Öffentlichkeit wieder vom Markt nehmen. Was ist das für ein Land, in dem die Leute zwar so etwas Exotisches wie Holundersprudel bechern, aber Quittenbrause boykottieren?

Vor 154 Jahren reimte Wilhelm Busch: „Das Quarz sitzt tief im Bergesschacht, die Quitte stiehlt man bei der Nacht“. Seither hat die Wertschätzung der „Schönen aus dem Morgenland“ rapide abgenommen. In Deutschland liegt der kommerzielle Anbau so am Boden, dass praktisch jede Quitte ein Bio-Liebhaberstück ist. „Quitten für die Menschen zwischen Emden und Zittau“, forderte Max Goldt schon vor 20 Jahren in einem Plädoyer für das „unbeliebteste heimische Obst“. Aber auch er konnte die „Unverzehrbarkeit der Quitte im rohen Zustand“ nicht wegargumentieren: „Zum Zerteilen und Schälen bediene man sich der Erzeugnisse der Firma Black & Decker.“ Es hilft nichts. Die Quitte ist ein vergessenes Obst wie viele andere: Wiedersehen macht Mühe. (Aber die Mühe lohnt sich.)

Das Wort Quitte kommt vom lateinischen malum cidonium – Apfel aus Kydonia. Dort, im heutigen Chania auf Kreta, entdeckten die Römer einst das holzige Obst. Ursprünglich stammt es aus Vorderasien und ist viel älter als seine Kernobstgeschwister Apfel und Birne. Der „Zankapfel“ des Paris ist wohl eigentlich eine Quitte. Die goldene Frucht der Liebesgöttin Aphrodite galt in Griechenland als Symbol von Glück und Fruchtbarkeit. Bräute knabberten daran, um dem Atem Süße zu verleihen.

Quitten helfen aber nicht nur gegen Mundgeruch, sie sind auch gesund. Schon Hippokrates nutzte die rohe Frucht zum Blutstillen. Quitten enthalten mehr Vitamin C als die meisten Äpfel, viele Mineralstoffe und Spurenelemente. Das Wichtigste aber: Sie sind die letzten Sommerfrüchte und bringen, kühl und luftig gelagert, bis nach Weihnachten Sonne auf den Teller. Manch erdigem Herbstmahl verleihen ihre Rosen-, Honig- oder Birnennoten Leichtigkeit. Nuancen von Ananas und Mango wärmen mit tropischer Intensität aus der Region knurrende Wintermägen.

Das sture Obst fördert außerdem die Geduld. Quittengelee braucht zwei, Quittenbrot gar bis zu vier meditative Herbsttage. Noch in den Fünfzigerjahren war Quittenbrot das Konfekt des kleinen Mannes. Doch mit dem Aufstieg der Tafelschokolade begann sein Fall und damit auch der Niedergang der Quitte. Dabei schmeckt sie auch zu Fleisch oder im Apfelkuchen. Und Quittenchutney passt hervorragend zu Jakobsmuscheln. Alles ist erlaubt – außer Quittenmarmelade. Laut einer EG-Verordnung von 1982 darf Marmelade nämlich nur Zitrusfrüchte enthalten. Sonst muss sie Konfitüre heißen. Das ist natürlich grober Unsinn. Schließlich ist die Quitte die Mutter aller Marmeladen. Marmelade kommt von marmelo – Portugiesisch für Quitte.

Neu frisch vom Feld gibt's die Quitte ab Oktober.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

À la Saison

Beschwippste Johannisbeere

(Ribes)
Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in die Johannisbeere eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern.

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Aus Mario Adorf spricht schiere Verzweiflung: „Isch scheiß dich so was von zu mit meinem Jeld, dass du keine ruhje Minute mehr hast!“, droht er in der Rolle des rheinischen Klebstofffabrikanten Heinrich Haffenloher dem Klatschreporter Baby Schimmerlos. Denn der will ihn partout nicht in seiner Society-Kolumne erwähnen. Die Szene stammt aus der Fernsehserie „Kir Royal“. Mitte der Achtziger ausgestrahlt, heißt die bitterböse Persiflage der Münchner Schickeria nach dem Trendgetränk der Zeit: nicht zu verwechseln mit „Kir“, der nur Sekt enthält. In der königlichen Variante gehört der Johannisbeerlikör bitteschön mit Champagner aufgegossen!

In Wirklichkeit war diese neue Mode mit mindestens 30 Jahren Verspätung über den Rhein geschwappt. Benannt ist der Aperitif nach Félix Kir, dem Bürgermeister von Dijon. Der Legende nach war dem katholischen Geistlichen der Wein in seiner Stammkneipe zu sauer, weshalb er Crème de Cassis vom Nachbartisch hineingoss. Dieser Cocktail mit dem Likör der Schwarzen Johannisbeere soll ihm derart gemundet haben, dass er fortan beim Wirt nur noch „Kir“ bestellte. Im November 1951 erlaubte er einem Cassis-Produzenten, mit seinem Namen zu werben.

Ihren hochdeutschen Namen haben die Früchte, die in Österreich nach ihrem lateinischen Namen Ribiseln und in der Schweiz aus ungeklärten Gründen Meertrübeli heißen, vom traditionellen Erntebeginn am Johannistag: Um den 24. Juni herum reifen zuerst die weißen, dann die roten Rispen. Diese leichtlebigeren Schwestern der bittersüßen Schwarzen Johannisbeere müssen nicht erst verbacken, verkocht oder vergoren werden, um ihr Aroma ganz zu entfalten. Die lieblich-süßen Weißen Johannisbeeren (Ribes album) schmecken zwar zu allem, sogar zu Linsen. Am besten sind sie aber frisch vom Strauch, wo Sonnenlicht ihre Haut durchschimmert. Die delikate Säure Roter Johannisbeeren (Ribes rubrum) bereichert roh zum Beispiel Obstsalate aus süßeren Früchten und harmoniert mit Quark, Vanilleeis und gezuckertem Eischnee.

Die komplexeste der drei Ribiseln aus der Familie der Stachelbeergewächse ist jedoch die Schwarze (Ribes nigrum), die im Juli reift. Dank ihres fast schon übelriechenden Moschusdufts verliebt man sich in sie eher auf den zweiten Blick. Aber diese Liebe kann umso länger dauern: Denn die „Gichtbeere“ ist nicht nur ein Rheumamittel, sie hat auch den höchsten Eisengehalt aller Beeren und mehr als dreimal so viel Vitamin C wie Zitronen. Zudem wirkt diese volksmedizinische Wunderwaffe blutdrucksenkend, entzündungshemmend und vieles mehr. Verständlich, dass ihr Most in Kriegszeiten für Krankenhäuser reserviert war. Prosit ist übrigens auch Latein – und heißt: Es möge nützen!

Neu frisch vom Feld gibt's die Johannisbeere ab Juni.

Text: Katja Morgenthaler
Foto: Hans Hansen

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So, 2015-04-26 19:57
Berlin (dpa)

Bericht: Bundesregierung wusste von Abschuss-Gefahr in der Ostukraine

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hatte nach Medienberichten vor dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine im Juli 2014 klare Gefahrenhinweise für Linienflüge über der umkämpften Ostukraine. Das berichten WDR, NDR und «Süddeutsche Zeitung» unter Verweis auf vertrauliche Berichte des Auswärtigen Amtes. Diese Erkenntnisse habe die Bundesregierung aber nicht als Warnung an deutsche Fluggesellschaften für Überflüge weitergegeben.

In den sogenannten Drahtberichten vom 15. Juli 2014, zwei Tage vor der Katastrophe von Flug MH17, habe das Auswärtige Amt über eine sehr besorgniserregende Lage in der Ostukraine berichtet. Als Grund sei in den als «VS - nur für den Dienstgebrauch» eingestuften Unterlagen der Abschuss eines ukrainisches Militärflugzeugs vom Typ Antonow An-26 in einer Flughöhe von mehr als 6000 Metern am Vortag genannt worden.

Der Abschuss eines Flugzeuges auf dieser Höhe sei für Militärexperten ein klares Zeichen, dass auch Ziele in sehr viel größeren Höhen getroffen werden können, was auch eine Gefahr für zivile Passagiermaschinen darstellt. Auch der Bundesnachrichtendienst habe der Bundesregierung mehrfach in seinen täglichen Berichten mitgeteilt, dass die Luftsicherheit über dem Konfliktgebiet in der Ostukraine nicht gegeben sei.

Das Bundesverkehrsministerium habe auf Anfrage geantwortet, dass die Bundesregierung vor dem MH17-Absturz keine Informationen über eine etwaige Verschärfung der Sicherheitslage für zivile Überflüge gehabt habe.

Flug MH17 war vermutlich von einer Rakete über der Ostukraine abgeschossen worden. Alle 298 Menschen an Bord kamen ums Leben.

So, 2015-04-26 18:57
Berlin (dpa)

Rufe nach zweiter Amtszeit von Bundespräsident Gauck

Joachim Gauck hat seinen eigenen Kopf. Seine Amtsführung als Bundespräsident gefällt den Parteien nicht immer. Doch er genießt viel Sympathie. Nun wird über eine zweite Amtszeit debattiert.

Berlin (dpa) - Zwei Jahre vor Ablauf der Amtszeit von Bundespräsident Joachim Gauck haben sich mehrere Spitzenpolitiker für eine neuerliche Kandidatur des 75-Jährigen ausgesprochen. «Wenn er sich entscheidet, noch einmal zu kandidieren, dann werden wir das nachhaltig unterstützen», sagte SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel am Sonntagabend im ARD-«Bericht aus Berlin». Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Grünen-Chef Cem Özdemir sagten Gauck ihre Unterstützung zu. CSU-Chef Horst Seehofer lobte auch Gaucks Amtsführung und ließ durchblicken, dass dieser bei einer weiteren Kandidatur nicht mit Gegenwind aus Bayern rechnen müsste.

Özdemir nannte Gauck einen «großartigen Bundespräsidenten». Auf einem kleinen Grünen-Parteitag in Berlin dankte er dem Staatsoberhaupt ausdrücklich für dessen klare Worte in der Debatte über die Massaker des Osmanischen Reichs an den Armeniern. Gauck sei vor der absehbaren Reaktion der Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht zurückgeschreckt: «Er hat nicht auf Erdogan gehört, er hat auf sein Herz gehört.» Dem ARD-Hauptstadtstudio sagte Özdemir: «Wenn er möchte, hat er unsere hundertprozentige Unterstützung.»

Auch Steinmeier sprach sich für eine zweite Amtszeit Gaucks aus. «Ich habe eine klare Vorstellung, und das, was ich mir wünsche, ist, dass Joachim Gauck ein zweites Mal antritt», antwortete er auf die Frage des «Spiegel», ob er sich selbst vorstellen könnte, Bundespräsident zu werden. Seehofer sagte im oberbayerischen Kloster Andechs, die Frage einer neuerlichen Kandidatur Gaucks werde jetzt noch nicht entschieden. Er fügte aber hinzu: «Ich sage, dass die Amtsführung des Bundespräsidenten Gauck sehr auf Zustimmung der Bayern und der CSU stößt.»

Gauck (75) wurde 2012 von der Bundesversammlung mit breiter Mehrheit aus Union, SPD, Grünen und FDP gewählt. Seine aktuelle Amtszeit läuft bis 2017. Sollte der frühere Pastor aus Rostock nochmals antreten, dürfte seine Wiederwahl sicher sein. Er wäre dann das älteste Staatsoberhaupt, das die Bundesrepublik je hatte. Gauck selbst äußerte sich bisher noch nicht zum Thema Wiederwahl.

So, 2015-04-26 19:37
Bagdad (dpa)

Mindestens 20 Tote bei Anschlägen im Großraum Bagdad

Bagdad (dpa) - Bei einer Serie von Bombenanschlägen sind am Sonntag im Großraum Bagdad mindestens 20 Menschen getötet worden. Dutzende weitere Personen erlitten Verletzungen, bestätigten Sicherheitskreise in der irakischen Hauptstadt. Sprengsätze und Autobomben explodierten demnach im Innenstadt-Viertel Bab al-Scheich sowie in der Vorstadt Bajaa und in Mahmudija, 35 Kilometer südlich von Bagdad.

Die Lage im Irak ist instabil. Sunnitische Extremisten setzen die schiitisch dominierte Regierung mit Terroranschlägen unter Druck. Die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kontrolliert darüber hinaus weite Gebiete im Norden und Westen des Iraks. 

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So, 2015-04-26 19:48
Kiew (dpa)

EU-Ukraine-Gipfel tagt in Kiew

Kiew (dpa) - Vertreter der Europäischen Union und der Ukraine kommen an diesem Montag in Kiew zu einem Gipfeltreffen zusammen. Angekündigt haben sich unter anderem EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Ratspräsident Donald Tusk.

Im Kriegsgebiet in der Ostukraine beklagen die Konfliktparteien seit Wochen massive Verstößen gegen die Feuerpause. Die prorussischen Separatisten werfen dem Militär vor, von den Aufständischen beherrschte Gebiete zu beschießen. Die Seiten forderten sich am Wochenende gegenseitig auf, den im Februar in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarten Friedensplan umzusetzen.

Der Konflikt hatte im April vorigen Jahres begonnen. Seither starben mehr als 6000 Menschen. Zehntausende wurden verletzt.

So, 2015-04-26 19:39
Berlin (dpa)

Schwarz-Rote Brocken und Seehofers Sticheleien Von Georg Ismar, dpa

Es soll ein «Frühjahr der Entscheidungen» werden. Die große Koalition muss bis zum Sommer richtig dicke Bretter bohren. Und da ist das immer größer werdende Flüchtlingsthema. Aber es gibt Reibereien und Misstrauen. Bei der SPD fordern sie ein Machtwort der Kanzlerin.

Berlin (dpa) - Horst Seehofer hat ein großes Talent, pünktlich zu einem Koalitionsgipfel den Regierungspartner mächtig zu ärgern. In der «Bild am Sonntag» spricht er von «Kontrollwahn» beim Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde - dem Lieblingsprojekt der SPD. «Die Regelungswut und das Dokumentationswirrwarr beim Mindestlohn sind auch Gründe für die schlechten Umfrageergebnisse der SPD.»

Die Sozialdemokraten sind mächtig angefasst über die Aussagen. Bevor SPD-Chef Sigmar Gabriel am Sonntag zum Treffen der Spitzen von Union und SPD im Kanzleramt aufbricht, lässt er den CSU-Chef in der ARD wissen: «Wir werden am Gesetz überhaupt nichts ändern.» Seehofer sei ein Problem für Kanzlerin Angela Merkel, die SPD sei der stabile Faktor dieser Bundesregierung. Das klingt schon fast nach Wahlkampf - aber bis zum Sommer soll es ein Frühjahr der Entscheidungen geben.

Noch gibt sich die SPD gelassen, aber die Ratlosigkeit ob der eigenen Umfrageschwäche liegt wie Mehltau über der Partei. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann rechnet mit einer erneuten Kandidatur Merkels bei der Bundestagswahl 2017. «Sie wird - weil sie muss. Denn ohne Merkel geht die Union unter», argumentiert Oppermann. Bei der SPD fürchten sie Schwarz-Grün.

Gabriel würde gerne die Steuerpolitik der SPD moderater gestalten. Aber Seehofer ist es, der die SPD hier an einer empfindlichen Stelle kitzelt. Hinter dem sperrigen Wort «Bund/Länder-Finanzbeziehungen» verbirgt sich eine der größten Reformen, die die Koalition noch schaffen will. Was soll etwa aus dem ungeliebten Solidaritätszuschlag werden, wenn er 2019 ausläuft? Die SPD würde ihn gerne danach in die Einkommensteuer integrieren, damit die klammen Länder auch etwas von den bisher dem Bund zustehenden Milliardeneinnahmen bekommen. Die Union will ihn zwar auch nicht gleich beerdigen, aber schrittweise abschaffen. Spätestens bis 2029. Seehofer spricht vollmundig von der «größten Steuersenkung aller Zeiten» mit 20 Milliarden Euro Volumen.

Der CSU-Chef droht, das «Soli»-Thema ohne Einlenken der SPD 2017 zum großen Wahlkampfthema zu machen - und die Union als Steuersenkungspartei zu profilieren. Zu dem geplanten Finanz-Paket gehört auch die Frage, ob der Bund sich stärker als bisher an den Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen beteiligen muss. Dieses Thema - das zeigen die Katastrophen im Mittelmeer - wird noch eine enorme Herausforderung, auch was die Verteilung von Flüchtlingen in Deutschland anbelangt und die Toleranz der deutschen Bevölkerung. Anders als Gabriel hat Merkel aber kein Flüchtlingsheim besucht, um vor Ort ein Zeichen zu setzen.

Fast klein wirkt dagegen der Streit um die Bürokratielasten beim seit Januar geltenden Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde. Die Union hätte es gern, wenn die Lohngrenze für die Dokumentation von Anfang, Dauer und Ende der Arbeitszeit von 2958 Euro auf 1900 Euro gesenkt würde. Dabei geht es um für Schwarzarbeit anfällige Branchen, wie Bau und Gastronomie. Zudem wird seit Wochen um mehr Flexibilität etwa für Gastwirte, Schausteller, Landwirte und Ehrenamtliche gerungen.

Seehofer knöpft sich auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) vor. Sie hoffe auf ein juristisches Scheitern des CSU-Projektes Betreuungsgeld für Eltern, die ihr Kind nicht in die Kita geben. Er wirft ihr vor, die Gelder schon anders zu verteilen. Eine Idee ist, freiwerdende Mittel zur Entlastung von Alleinerziehenden einzusetzen.

Zwar mag vieles aus dem Koalitionsvertrag abgearbeitet sein und Zündeleien zum Handwerk so ungleicher Partner gehören, aber es war schon bei der großen Koalition von 2005 bis 2009 so, dass äußere Krisen den Handlungsdruck erhöhten - damals war es die Finanzkrise.

Heute weiß keiner, wie sich das Flüchtlingsthema entwickelt und ob Griechenland in der Eurozone gehalten werden kann. Und wie sich der Konflikt im Osten der Ukraine entwickelt. Die Lage bleibt fragil. Laut ARD-Deutschlandtrend sind 56 Prozent der Bürger mit der Arbeit der Koalition zufrieden. Doch es zeigen sich durchaus auch feine Risse - jenseits der Seehoferschen Seitenhiebe. «Dies ist eine Regierung. Jedes Projekt jedes einzelnen Ministers ist auch ein Projekt unserer gesamten Regierung», hatte Kanzlerin Merkel im Januar 2014 bei der Kabinettsklausur in Meseberg als Leitmotiv ausgegeben.

Dazu gehört das Projekt, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Um das Klimaziel zu schaffen, schlug Wirtschaftsminister Gabriel eine Sonderabgabe für alte Kohlekraftwerke vor. Aber die Union kämpft an Seite der Gewerkschaften und der Wirtschaft dagegen. «Es wäre praktisch, wenn Merkel jetzt mal Stellung beziehen würde», heißt es bei der SPD genervt. Der Kohle-oder-Klima-Streit soll auch bis zum Sommer gelöst werden, genauso wie der von Seehofer bekämpfte Bau von Stromtrassen nach Bayern. Es sind strukturelle Weichenstellungen von großer Tragweite. Und alle wissen: Dieses Jahr ist wegen der vielen Landtagswahlen 2016 wohl das letzte Jahr, in dem diese übergroße Koalition noch einmal richtig Politik machen könnte.

So, 2015-04-26 17:56
Kathmandu (dpa) 

Heftiges Himalaya-Erdbeben tötet mehr als 2500 Menschen

Sie stehen vor Trümmern und arbeiten bis zum Umfallen: Die Helfer in Nepal berichten von grauenhaften Folgen des starken Erdbebens. Und die Zahl der Toten steigt weiter.

Kathmandu (dpa) - Das gewaltige Erdbeben im Himalaya hat mehr als 2500 Menschen den Tod gebracht. Vor allem im armen Touristenland Nepal waren die Zerstörungen enorm. Dort stapelten sich Leichen vor den Krankenhäusern, ganze Bergdörfer waren zerstört, am Mount Everest töteten Lawinen mehrere Bergsteiger.

«Die Zahl der Toten steht bisher bei 2450. Ungefähr 6000 Menschen wurden bei dem Erdbeben verletzt», sagte Laxmi Dhakal vom nepalesischen Innenministerium am Sonntagabend (Ortszeit) der Deutschen Presse-Agentur. Im benachbarten Indien wurden 62 Tote gezählt, in Tibet 6 und in Bangladesch 1 Opfer.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 war die stärkste Erschütterung des Bodens in Nepal seit mehr als 80 Jahren. Es begann am Samstag und brachte zahlreiche Nachbeben mit sich. Das ganze Ausmaß der Zerstörung war noch nicht abzusehen, weil viele abgelegene Dörfer zunächst nicht erreicht wurden. Eine internationale Hilfswelle lief an.

Der Erdstoß zerstörte große Teile der Infrastruktur Nepals, viele alte Häuser sowie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten. Die Bewohner von Kathmandu flohen auf die Straßen und trauten sich wegen der Nachbeben nicht in ihre Häuser zurück. Alle Parks, Gehwege und öffentlichen Plätze hätten sich in Zeltstädte verwandelt, sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. Präsident Ram Baran Yadaf habe ebenfalls in einem Zelt geschlafen, sagte sein Sprecher in einem lokalen Radio. Selbst Krankenhäuser sind so überfüllt, dass sie im Freien behandeln.

«Hier sind 800 Leichen aufgestapelt, und wir arbeiten sie ab, checken eine nach der anderen», sagte die Krankenschwester Pramila Pradhan vom Lehrkrankenhaus in Nepals Hauptstadt Kathmandu. «Es gibt Babys mit zerschmetterten Gesichtern. Väter tragen ihre Babys herein und bitten uns, sie zu behandeln. Wie behandeln wir jeden und wo beginnen wir - wir wissen es nicht.»

Hilfsorganisationen entsandten Experten und kündigten - auch medizinische - Nothilfe an. Nepal rief den Notstand in den betroffenen Gebieten aus, in denen 6,6 Millionen Menschen leben. Die Krankenhäuser seien überfüllt, Blutkonserven und Medikamente gingen zur Neige, erklärten die Vereinten Nationen (UN). Schulen und Universitäten bleiben für eine Woche geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigt hat, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.

Koordiniert wird die Hilfe für Nepal vom UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung (OCHA). Hilfsflugzeuge aus aller Welt erreichten Kathmandu mit Gütern wie Nahrungsmitteln, Medikamenten und Kommunikationsgeräten. Die Landebahn des Flughafens wurde laut Polizei am Wochenende wegen Nachbeben für Linienflüge immer wieder geschlossen. Deswegen sitzen zahlreiche Touristen in Nepal fest. Derzeit ist dort Hauptsaison für Bergsteiger und Wanderer.

Am Mount Everest starben mindestens 19 Menschen, als eine viele Stockwerke hohe Staublawine über das Basislager des höchsten Berges der Welt fegte. Dort hielten sich rund 1000 Menschen auf. 65 Verletzte seien aus dem Lager ausgeflogen worden, sagte der Vizepräsident der nepalesischen Bergsteigervereinigung, Santa Bir Lama. Zu etwa 100 Menschen in der Everest-Region bestehe derzeit kein Kontakt. Viele von ihnen könnten in höheren Camps sein, hieß es.

Das Epizentrum des Bebens lag etwa 80 Kilometer westlich von Kathmandu. Dort lägen die Dörfer direkt an großen Berghängen und die Häuser bestünden aus einfachen Stein- und Felskonstruktionen, sagte Matt Darwas von der Hilfsorganisation World Vision. «Viele dieser Dörfer sind nur mit Geländewagen und zu Fuß erreichbar, manche Stunden oder sogar Tagesmärsche von der Hauptstraße entfernt.» Das Finanzministerium in Kathmandu erklärte, die Familie jedes Todesopfers erhalte umgerechnet 360 Euro.

Nepals Regierungschef Sushil Koirala bat «ausländische Freunde» um Hilfe und Unterstützung. «Wir werden diese dunkle Zeit zusammen durchstehen», sagte er. Papst Franziskus sprach den Opfern der Erdbebenkatastrophe sein Beileid aus. Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel zeigten sich in ersten Reaktionen tief betroffen. Millionenbeträge verschiedener Regierungen sollen die Not lindern helfen.

Fast nirgendwo in Kathmandu gab es Strom, manche Menschen halfen sich mit Solarlampen und luden ihre Handys an Autobatterien. Wie es in den abgelegenen Städte und Dörfern in dem Himalaya-Land aussah, war zunächst kaum zu überblicken. Das Dorf Barmak am Epizentrum des Bebens sei fast vollständig zerstört, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Augenzeugen berichten, dass Helfer an vielen Orten mit bloßen Händen nach Überlebenden graben.

«Ich habe meine Angehörigen und alle meine Nachbarn verloren», sagte eine Frau aus dem Ort Jaybageshwari einem örtlichen Radiosender. «Kann jemand, der überlebt hat, uns helfen? Wir haben weder Essen noch Kleidung. Alles ist weg.»

Hilfsorganisationen riefen die Menschen in Deutschland zum Spenden auf. Care etwa plant, bis zu 75 000 Menschen mit Notunterkünften, Nahrungsmitteln, Wasserreinigungstabletten und dem Bau von Latrinen zu unterstützen. Das Deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor packt Verbands- und Nahtmaterialien, chirurgisches Besteck, Schmerzmittel, Antibiotika und Spritzen für seine Partner.

«Die größte Herausforderung für die Helferinnen und Helfer ist nun, die Betroffenen schnell zu erreichen. Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Erde. Es gab sowieso nur wenige asphaltierte Straßen und die Kommunikationssysteme sind überlastet. Nun wird der Einsatz zum Kampf gegen die Zeit», sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. Indische Meteorologen sagten schlechtes Wetter in der Region voraus, das die Hilfe verzögern könnte.

Augenzeugen berichteten, vielfach hätten die Menschen nur noch Kekse und Trockenfrüchte übrig. Hilfsorganisationen fürchten, dass bald auch das Wasser und die Medikamente ausgehen. Auch die Ärzte sind an vielen Orten bereits überlastet. «Unter den Toten sind viele Kinder», sagte Doktor Pratab Narayan aus dem Teaching-Krankenhaus. «Wir sind völlig überwältigt von der Zahl an Menschen.»

Die deutsche Botschaft in Kathmandu wurde ebenfalls beschädigt. Das Auswärtiges Amt rät Touristen von Touren in die Erdbebengebiete zunächst ab.

Geht doch!

Landgang für Bohrinseln

Nordsee 20 Jahre nach Brent Spar: Ein Riesenkatamaran wrackt ausgediente Plattformen ab, um sie an Land zu entsorgen

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Rund 600 alte Stahlkolosse stehen in der Nordsee. Seit Anfang der 70er-Jahre haben sie Gas und Öl aus dem Meeresboden gepumpt. Nun versiegen die Vorkommen, und die Bohrinseln müssen entsorgt werden. Im Mai 1995 hatte Greenpeace die Shell-Plattform Brent Spar besetzt, in der Folge boykottierten Autofahrer europaweit Shell-Tankstellen. Der Konzern lenkte schließlich ein und ließ die Brent Spar an Land schleppen. Seit 1998 verbietet das internationale Übereinkommen zum Schutz des Nordostatlantiks, die sogenannte Ospar-Konvention, grundsätzlich die Versenkung von Plattformen. Um die Anlagen abzuschleppen, hat die Schweizer Unternehmensgruppe Allseas nun für 1,3 Milliarden Euro eigens einen Riesenkatamaran gebaut. In diesen Tagen soll das größte Arbeitsschiff der Welt zu seinem ersten Einsatz in See stechen. Mit Spezialkränen kann die 124 Meter breite „Pioneering Spirit“ bis zu 48.000 Tonnen heben, das entspricht mehr als 80 voll beladenen Airbus 380. „Abtransport und Entsorgung werden die Industrie Milliarden kosten“, sagt David Booth von der Universität Sydney. Bis 2025 werden weltweit 6500 Öl- und Gasplattformen überflüssig sein – ein Geschäft mit Zukunft.
Illustration: Christoph Niemann

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Dänemark
Während hierzulande neue Kohlekraftwerke wie in Hamburg-Moorburg ans Netz gehen, will Dänemark schon 2025 kohlefrei sein – fünf Jahre schneller als
geplant. Energieminister Rasmus Helveg Petersen lässt derzeit prüfen, ob die Regierung die Nutzung von Kohle als Brennstoff verbieten kann. Bislang deckt sie ein Fünftel des dänischen Strombedarfs. Der Anteil der Windenergie soll weiter steigen: bis 2020 von 30 auf 50 Prozent.

Mexiko-Stadt
Wer auf Bus oder Bahn wartet, soll Fitnessübungen machen. Mit dieser Kampagne will die Verwaltung der mexikanischen Hauptstadt das Übergewicht in der Bevölkerung bekämpfen. An Haltestellen wurden Gesundheitsposten eingerichtet, die als Belohnung für zehn Kniebeugen ein Gratisticket ausgeben. Die vor gut einem Jahr eingeführte Fast-Food-Steuer konnte die Adipositas-Epidemie nicht eindämmen. Rund 70 Prozent der Mexikaner sind übergewichtig oder gar fettleibig.

Schweden
Weltweit tragen 37 gefährdete Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten ein GPS-Armband. Im Notfall müssen sie nur die Glieder auseinanderziehen, um Alarm auszulösen. Die schwedische Menschenrechtsorganisation Civil Rights Defenders organisiert sofort Hilfe im Umfeld der Aktivisten. „Das Armband hat mich von der Angst befreit“, sagt die Kenianerin Phyllis Omido. Sie kämpft in Mombasa gegen die Bleiverseuchung ihres Stadtviertels und ist schon mehrmals bedroht worden.
nataliaproject.org

Geht doch!

Styropor „To Go“

USA Mehr als 70 Städte verbieten aufgeschäumtes Plastik. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio nimmt den Kampf mit dem Müll auf.

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Ab Juli verbannt er Einwegbecher, -teller und andere Behältnisse aus Styropor. Auch Verpackungsfüllmaterial aus Schaumstoff darf dann nicht mehr verwendet werden. Laut Abfallbehörde hat sich eine Wiederverwertung ökologisch und ökonomisch als nicht sinnvoll erwiesen. Jedes Jahr hat die Müllabfuhr in der Metropole fast 30.000 Tonnen Abfall aus aufgeschäumtem Polystyrol eingesammelt, der Großteil stammt aus der Gastronomie. „Diese Produkte verursachen reale Umweltschäden“, sagt de Blasio. Sein Appell fruchtet auch bei Behörden: Ab Sommer sollen Styroporbehälter aus Schulkantinen verschwinden. Warum das Essen künftig auf kompostierbaren statt auf Keramiktellern serviert wird, lässt sich allerdings nicht nachvollziehen. Schon mehr als 70 US-Städte, darunter Washington, San Francisco, Oakland und Seattle, haben sich vom Einwegplastik losgesagt. In Deutschland dagegen wird der biologisch nicht abbaubare Schaumstoff weiterhin großflächig eingesetzt: nicht nur für Fastfood-Verpackungen, sondern auch für die Wärmedämmung von Gebäuden.
Illustration: Christoph Niemann

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Grenoble: Bäume statt Werbung
Die französische Alpenstadt will die erste werbefreie Stadt Europas werden: Der grüne Bürgermeister Éric Piolle hat alle Reklameverträge gekündigt. Wo bisher freie Sicht auf riesige Plakate herrschen musste, will er Bäume pflanzen lassen. Den Verzicht auf die optische Umweltverschmutzung lässt sich die Stadt jährlich 150.000 Euro kosten – so viel hat Grenoble bisher durch vermietete Werbeflächen pro Jahr eingenommen. Bislang verbietet nur eine Stadt Werbung im öffentlichen Raum: São Paulo in Brasilien, und das schon seit 2010.

Frankreich: Zu schnell kaputt
Mit bis zu zwei Jahren Haft und 300.000 Euro Geldstrafe will Frankreich eingebaute Fehler, die zum vorzeitigen Verschleiß von langlebigen Verbrauchsgütern führen, als Betrug ahnden. Ein entsprechendes Gesetzesvorhaben ist auf dem Weg. Niedersachsen will solche Art der Verbrauchertäuschung auch nicht hinnehmen. Landesverbraucherschutzminister Christian Meyer erwägt eine Verlängerung der Garantie bei bestimmten Produkten.

Hamburg: Steckdose für Cruiser
Die Bewohner des Elbufers können ein wenig aufatmen: Im Hafen liegende Kreuzfahrtschiffe werden ab diesem Sommer mit erneuerbarem Landstrom versorgt und können die luftverpestenden Dieselmotoren abstellen. Umweltschützern reicht das nicht. Sie fordern, dass in Zukunft auch Containerschiffe zum Anschluss an den sauberen Landstrom verpflichtet werden.
 

Geht doch!

Fit für Krisen

Weltweit wollen „Transition Town“-Initiativen einen Kultur- und Energiewandel bewirken. Inzwischen gibt es mehr als 4000 in etwa 50 Ländern.

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England: Es begann in der britischen Stadt Totens
Genug geredet, jetzt wird gehandelt! Nach diesem Motto agieren inzwischen mehr als 4000 „Transition Town“-Initiativen in etwa 50 Ländern. Sie alle wollen in ihren Städten den „Übergang“ (Transition) zu einem nachhaltigen Lebensstil einleiten. Gemeinsam bauen sie Solaranlagen auf Hausdächer, führen Regio-Währungen ein, teilen Maschinen, Werkzeug und Besitztümer, reparieren Elektrogeräte, gärtnern auf öffentlichen Plätzen oder gründen Gemeinwohlunternehmen. Dass sich die Erde erwärmt, das Öl zur Neige geht und der Ressourcenverbrauch unsere Lebensgrundlagen zerstört, war längst bekannt, als der britische Umweltaktivist Rob Hopkins im Jahr 2006 in seiner Heimatstadt Totens die erste „Transition Town“-Initiative startete. Ein Weiter-so-wie-bisher kam für ihn und die wachsende Übergangsbewegung nicht in Frage. Gerd Wessling, Netzwerksprecher für die rund 120 Initiativen im deutschsprachigen Raum, begreift das Ganze als langfristiges Experiment. Ihm ist klar, dass Lastenfahrräder und Blumenkübel allein die Welt nicht retten können. Die Summe aller Aktivitäten könnte aber einen Wandel bewirken, hofft er. Wessling fühlt sich bestärkt durch das kontinuierliche Anwachsen der Bewegung. Es zeige, dass die Idee viele anstecke und jeder Einzelne in seinem Umfeld sehr wohl etwas ändern könne.
transition-initiativen.de
Illustration: Christoph Niemann

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Bodensee: Wild und bunt
Auf rund 65 Hektar blühen in den Landkreisen Schwarzwald-Baar und Konstanz Malven, Steinklee und zwei Dutzend weitere Wildpflanzen. Die bunte Vielfalt erfreut Imker, Jäger, Touristen – und Bauern. Denn sie gewinnen aus der Ernte Biogas. Allerdings liegt der Ertrag dieser Biomasse etwa ein Drittel unter dem von Mais, berichtet die Bodensee-Stiftung. Sie fördert den Wildpflanzenanbau und will so die Monokulturen der Energiepflanzen eindämmen. Dafür müssen weniger Pestizide gespritzt werden.
bioenergie-region-bodensee.de

Steiermark: Laubbläser verboten
Sie stinken, lärmen und verpesten die Luft – deshalb ist der Einsatz von Laubbläsern seit dem 1. Oktober im österreichischen Bundesland Steiermark verboten. Verstöße sollen mit Geldstrafen bis zu 7250 Euro geahndet werden. Ausschlaggebend war eine Studie der Universität Graz: Laubbläser wirbelten am Boden abgelagerte Ruß- und Staubpartikel auf, stellten die Forscher fest. Im Vergleich zur Besenreinigung gelange so zehnmal mehr Feinstaub in die Luft.

Südtirol: Pestizidfreie Gemeinden
Die Gemeinde Malosco in der italienischen Provinz Trentino ist Vorreiter im Kampf gegen Pestizide: Trotz heftigen Widerstands der Bauernlobby hat der Bürgermeister den Einsatz vieler Agrargifte verboten. Er will die Gesundheit seiner Bürger schützen. Auf diesen Präzedenzfall beruft sich die Kommune Mals im benachbarten Vinschgau. Anfang September hat das Dorf abgestimmt: 76 Prozent votierten für ein Verbot aller giftigen, gesundheits- und umweltschädlichen Pestizide auf dem Gemeindegebiet.

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So, 2015-04-26 18:55
Montevideo (dpa)

Ex-Guantánamo-Häftlinge in Uruguay fordern Unterstützung der USA

Montevideo (dpa) - Mehrere von Uruguay aufgenommene Ex-Häftlinge des US-Gefangenenlagers Guantánamo fordern von Washington finanzielle Hilfe. Die US-Regierung solle zumindest anfangs für ihre Unterbringung aufkommen, hieß es in einer Mitteilung. Der am Sonntag veröffentlichte Text stammt von vier der insgesamt sechs Ex-Häftlinge.

Sie seien 13 Jahre ohne Anklage inhaftiert gewesen, hieß es in dem Schreiben. Finanzielle Unterstützung sei das Wenigste, was die USA für sie tun könnten. Sie wollten zwar in Uruguay leben und arbeiten, aber der Aufbau einer eigenen Existenz brauche Zeit, schrieben die Männer aus Syrien und Tunesien. Zunächst müssten sie beispielsweise Spanisch lernen.

Die früheren Häftlinge waren im Dezember vergangenen Jahres nach einer Einigung zwischen den USA und Uruguay nach Südamerika überstellt worden. Drei der Männer protestieren seit Freitag vor der US-Botschaft in Montevideo.

So, 2015-04-26 17:11
Bergen-Belsen (dpa)

Gauck spricht in Bergen-Belsen von «unermesslicher Schuld»

Aus der Verantwortung für die Gräueltaten der Nazis leitet der Bundespräsident eine Verpflichtung ab. «Wo wir nur können, werden wir Unrecht ein Ende setzen», sagt Gauck in Bergen-Belsen. Der Jüdische Weltkongress beklagt ein Wiederaufleben des Antisemitismus.

Bergen-Belsen (dpa) - Bei der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen vor 70 Jahren hat Bundespräsident Joachim Gauck zum Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen weltweit aufgerufen. Das Staatsoberhaupt erinnerte an die «unermessliche Schuld» der Deutschen: Orte wie Bergen-Belsen, Buchenwald oder Dachau seien Symbole für die politische, moralische, kulturelle und humanitäre Katastrophe, zu der das «Dritte Reich» geführt habe. Zu der Gedenkfeier auf das Gelände des ehemaligen KZ waren am Sonntag mehr als 1000 Menschen gekommen, darunter auch rund 90 Überlebende.

Gauck betonte, Deutschland sei Teil einer Verantwortungsgemeinschaft, die sich dazu bekenne, die Würde des Menschen zu verteidigen. «Wo wir nur können, werden wir Unrecht ein Ende setzen.» Der Bundespräsident dankte dem britischen Militär für die Befreiung des Lagers kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. «Die britischen Soldaten waren Botschafter einer demokratischen Kultur, die nicht auf Rache am Feind bedacht war, sondern dem Recht und der Menschenwürde auch in Deutschland wieder zu neuer Geltung verhelfen sollte.»

Am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg in Bayern rief Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) alle Demokraten zu großer Wachsamkeit auf. «Wir müssen für unsere Werte kämpfen», sagte Seehofer in der Oberpfälzer Gedenkstätte. «Menschenverachtende Ideologien dürfen bei uns nie wieder Fuß fassen.» Im einstigen KZ Natzweiler-Struthof im Elsass enthüllte der französische Präsident François Hollande Gedenkplatten für die Opfer.  

In Bergen-Belsen beklagte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, ein Wiederaufleben des Antisemitismus. «Im Jahr 2015 sehen wir den Antisemitismus auf dem Vormarsch in Europa.» Ein jüdischer Junge mit Kippa könne nicht durch Paris oder London laufen, ohne um sein Leben zu fürchten. Neonazi-Gruppen gewännen Parlamentssitze in Ungarn und Griechenland, und der Iran drohe regelmäßig mit der Auslöschung Israels.

Lauder hob den Überlebenswillen der befreiten Juden hervor, die von einem Displaced Persons Camp für heimatlose Juden von Bergen-Belsen aus die Gründung Israels vorangetrieben hatten. Dieser Staat habe immer wieder sich selbst und die Juden weltweit verteidigt. Israel werde den neuen Bedrohungen nicht tatenlos zusehen, sagte Lauder.

An die Überlebenden gerichtet betonte er: «Wenn Sie diesen Ort heute ein letztes Mal verlassen, bedenken Sie: Es gibt eine jüngere Generation von Juden, die sich verpflichtet hat sicherzustellen, dass das jüdische Volk nie mehr Opfer eines solchen Bösen wird.»

Der Präsident des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, äußerte die Hoffnung, dass einige der noch lebenden NS-Täter noch zur Verantwortung gezogen würden. «Viel zu viele Täter sind ungeschoren davongekommen.» Im nördlich gelegenen Lüneburg steht der frühere SS-Mann Oskar Gröning wegen seines Einsatzes im KZ Auschwitz vor Gericht.

200 000 Menschen waren in das Lager Bergen-Belsen am Südrand der Lüneburger Heide deportiert worden. Über 70 000 Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge kamen ums Leben, darunter die 15-jährige Anne Frank, die durch ihre Tagebücher posthum weltbekannt wurde. Als britische Soldaten das Lager befreiten, fanden sie rund 10 000 Leichen auf dem Gelände. Die Schreckensbilder gingen um die Welt.

So, 2015-04-26 17:42
Bagdad (dpa)

Widersprüchliche Aussagen zu angeblicher Massenhinrichtung im Irak

Das Militär in Bagdad dementiert, dass die Terrormiliz IS 185 seiner Soldaten hingerichtet hätte. Den Tod eines Divisionskommandeurs bestätigt es. Selbstmordanschlag oder Fall einer kompletten Militärbasis - in der Unruhe-Provinz Anbar hat die Armee einen schweren Stand.

Bagdad (dpa) - Im Irak sind Nachrichten über die angebliche Massenhinrichtung von über 180 Offizieren und Soldaten der Armee widersprüchlich kommentiert worden. Ein Sprecher des Militärkommandos in Bagdad dementierte am Sonntag Berichte, wonach Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine Militärbasis am Tharthar-See nördlich von Ramadi erobert und die stationierten Soldaten nach ihrer Gefangennahme erschossen hätten. Dies hatten tags zuvor Sicherheitskreise in der Provinz Anbar berichtet.

«Die Nachricht stimmt nicht», sagte General Saad Maan am Sonntag der Webseite «iraqinews.com». Bei einem Selbstmordanschlag von Dschihadisten vor dem Eingang der Militärbasis seien lediglich 13 Soldaten getötet worden, erklärte er. Unter den Opfern sei der Kommandeur der Ersten Division der irakischen Streitkräfte, General Hassan Abbas Tufan, gewesen, bestätigte er.

Sicherheitskreise in Anbar hatten zuvor von der angeblichen Einnahme der Basis am Tharthar-See durch IS-Kämpfer gesprochen, nachdem den Verteidigern die Munition ausgegangen sei. Dieser Darstellung zufolge wurden 140 Soldaten und Offiziere an Ort und Stelle erschossen. Weitere 45 Männer seien nach Falludscha gebracht und dort umgebracht worden.

Die Stadt 70 Kilometer westlich von Bagdad ist eine Hochburg des IS in der westlichen Provinz Anbar. Von unabhängiger Seite ließ sich keine der Versionen bestätigen.

Die Tötung eines Divisionskommandeurs wirft nach Meinung von Beobachtern - unabhängig davon, ob die komplette Militärbasis in die Hände des IS fiel oder nicht - ein Schlaglicht auf die Schwierigkeiten, mit denen die irakischen Streitkräfte bei ihren Aktionen in Anbar zu kämpfen haben.

Ein Gutteil der Provinz wird von der Miliz IS beherrscht, die in großen Teilen des Iraks und Syriens ein Kalifat ausgerufen hat. Die Provinzhauptstadt Ramadi ist umkämpft. Die reguläre irakische Armee, die hauptsächlich aus Schiiten besteht, konnte bislang den Fall Ramadis verhindern. Im Umland scheint sie aber gegen die gut ausgerüsteten IS-Kämpfer taktisch unterlegen zu sein.

Bei zwei Bombenanschlägen in der Provinz Dijala wurden indes mindestens 18 Zivilisten getötet. Das, bestätigten Sicherheitskreise in der Provinzhauptstadt Bakuba 60 Kilometer nördlich von Bagdad. 28 weitere Menschen erlitten Verletzungen, als am Sonntag Sprengsätze in Bakuba und in der Kleinstadt Muktadija explodierten. Dijala ist gemischt bevölkert und häufiger Schauplatz von Anschlägen sowie von Zusammenstößen sunnitischer Milizen mit den Sicherheitskräften.

Drei Selbstmordattentäter aus Belgien, Frankreich und dem Senegal griffen am Samstag den Übergang Trebil an der Grenze zu Jordanien an. Dabei seien mindestens vier irakische Grenzwächter getötet und sechs weitere verletzt worden, berichtete Al-Sumeria News. Jordanien erließ in der Folge ein Verbot für Frächter und Taxi-Unternehmen, den einzigen Grenzübergang zwischen dem haschemitischen Königreich und dem Irak zu benutzen.

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Erschienen in Ausgabe 3.15

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Wir schotten uns ab, behandeln Flüchtlinge wie Kriminelle und missachten die Menschenrechte.

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Mehr Informationen: amnesty.de/laenderbericht/australien; sorryasylumseekers.com

Nicht autorisiert von Australiens Regierung, Capital Hill, Canberra




 

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Nur bei uns: Alle 12 Monate Dein „altes“ Smartphone zum Fenster rauswerfen.* Mit Vodafone NextPhone.
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Teuerstes Wegwerf-Produkt aller Zeiten.
*„Kaum habe ich heute ein neues Smartphone gekauft, steht bereits die Ankündigung des nächsten Flaggschiff-Modells eines weiteren Herstellers an“: Mit diesem entsetzlichen Dilemma preist Vodafone seinen Kunden die neue Vertragsoption NextPhone an. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt im Tausch gegen sein „altes“ schon nach 12 Monaten ein neues subventioniertes Smartphone – das abgegebene Gerät werde dann weiterverwendet. Eine „umweltschädliche Marketingstrategie“ kritisiert Germanwatch. Der Slogan fördere die Wegwerfmentalität.

Erschienen in Ausgabe 5.14

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Wasser, sechs Würfelzucker, kaum Saft – schmeckt supersüß, ist superungesund.

Trotzdem machen wir auf allen Kanälen grelle Reklame, locken mit Spielen, Stickern und Sportevents. Aber falls sich jemand daran stößt:
Diese Werbung ist gar nicht an Kinder gerichtet!

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Früher gehörten zum Picknick: Ein Korb. selbstgemachte Leckereien, Gemütlichkeit. Und heute? Plastik, Fabrikfrikadellen*, Bequemlichkeit.

*Mit Fleisch aus Massentierhaltung und Gen-Soja im Tierfutter

Erschienen in Ausgabe 3.14

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Born to be Pauschalurlauber.
Weiche Betten für harte Kerle. Von Florida nach Kalifornien heizen inkl. Harley-Einwegmiete, Leihhelm und 15 Hotelübernachtungen – und auf echt heißen Stühlen die ständigen Hitzerekorde im Süden der USA weiter anfeuern.

Erschienen in Ausgabe 2.14

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Datensicherheit made in USA.
Mit der Einführung des Fingerabdrucks als Passwort-Ersatz für das neue iPhone beweisen wir Fingerspitzengefühl: Pünktlich zur Veröffentlichung des NSA-Überwachungsskandals kannst Du neben all den anderen Daten, die wir von Dir haben, jetzt auch Deinen Fingerabdruck auf dem iPhone abspeichern. Vollkommen sicher und ohne Zugriffsmöglichkeiten für Geheimdienste versteht sich – wie Du es von Produkten aus den USA gewohnt bist.

iSpy5s

Erschienen in Ausgabe 1.14

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Der neue Range Rover Superstupid

VON 0 AUF HIRNLOSE BESCHLEUNIGUNG.

Der neue Range Rover Superstupid speziell für Dummys: Er röhrt wie ein Hirsch, ruiniert blöderweise das Klima und hat für alle, die das nächste Jahrhunderthochwasser zu spät bemerken, eine um 15 Zentimeter erhöhte „Wat-Tiefe“.

Verbrauchs- und Emissionswerte „Range Rover Sport Supercharged“: Kraftstoffverbrauch (l/100 km): außerorts 9,7, innerorts 18,3, kombiniert 12,8; CO2-Emission: 298 g/km; CO2-Effizienzklasse: G. Schlechter geht’s nicht. (Dabei sind dicke Autos in der CO2-Kennzeichnung schon im Vorteil. Gerechterweise müsste das hoffnungslos übermotorisierte Protz-SUV in Effizienzklasse T landen, nur reicht die Skala nicht so weit)

Land Unter
ABSURD AND BEHIND

Erschienen in Ausgabe 6.13

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Manche Rechenkünstler haben geniale Ideen. Unsere haben gute Beziehungen. Endlich bringen auch wir ein Elektroauto auf den Markt – das sollen die Brüsseler Bürokraten gefälligst belohnen! Unser genialer Plan: Für jeden BMWi dürfen wir ungestraft mehrere Spritschlucker verkaufen. Zwar verfehlen wir so das CO2-Ziel. Aber Hauptsache, Kanzlerin Merkel macht beim Schönrechnen mit – und bremst für uns in der EU den Klimaschutz aus.
Bremser in Brüssel.

BMW
GANG

Erschienen in Ausgabe 5.13

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Bei Lesern beliebt, bei Umweltfrevlern gefüchtet: unsere Fake-Seite, auf der wir Anzeigen von Markenartikeln satirisch verfremden und so deren Werbelügen entlarven. Auch Regierung oder Wirtschaftsverbände nehmen wir schon mal aufs Korn. Dagegen sind die Mächtigen machtlos - denn die Anzeigen sind ja deutschlich als Satire gekennzeichnet. Deshalb können wir Ihnen die Weiterverwendung der Motive (ausdrucken, verschicken etc.) ausdrücklich nur gestatten, wenn sie mit dem Hinweis "keine Anzeige" versehen sind!

Antithese 01 Hühner erkunden gern mal eine Wiese, picken nach einem Käfer oder nehmen ein Sonnenbad.

Daran ändern auch die modernen Werbemethoden der deutschen Geflügelwirtschaft nichts. Trotzdem haben fast alle Masthühner in Deutschland ihr kurzes Leben lang ein Dach überm Kopf, drängeln sich zu Zigtausenden in riesigen Hallen und fressen sich aus Langweile in nur fünf Wochen schlachtreif. Das macht sie oft krank, am Ende sind sie lahm und gehbehindert.

Finden Sie das okay? Ihre Meinung ist gefragt:
www.geflügel-thesen.de

Wo Turbomast Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelwirtschaft in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 4.13

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Mit Klimaschutz Reibach machen.

222 Autos mit fossilem Antrieb zu gewinnen!

Bier, Auto, Umwelt.
Bei uns irgendwie ein Gebräu!

Jeder Kronkorken ein Gewinn!
Für VW als millionenfache Minireklame und natürlich für uns.

Bier trinken, Auto fahren, Umwelt schützen – das lieben die Deutschen. Passt zwar alles überhaupt nicht zusammen, aber egal. Wir von Krombacher haben daraus mithilfe eines WWF-Regenwaldschutzprojekts ein irres Marketinggebräu zusammengerührt. Jetzt kaufen die Leute im ganzen Land unser industrielles Einheitsbier, und kleine, regionale Brauereien machen dicht. Zwar hat deren Bier schon deshalb eine bessere CO2-Bilanz, weil es nicht so weit durch die Gegend gefahren werden muss, aber egal. Wir von Rei-, äh, Krombacher werben einfach alle anderen nieder.

Erschienen in Ausgabe 3.13

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Nichts bringt Sie so nah heran wie Ihre ganz persönliche Emission.

Begegnen Sie den schönsten Opfern des Klimawandels, solange es sie noch gibt. Auf echten Emissionsschiffen, die Schweröl und Schiffsdiesel verbrennen. Ohne Rußfilter, aber mit höchstem Komfort.

MS Hanseatic – MS Bremen
Emissionskreuzfahrten

Hapag-Lloyd Heizfahrten
Große Folgen. Ganz exklusiv.

Mehr unter  www.russfrei-fuers-klima.de

Erschienen in Ausgabe 2.13

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Nichts Neues.

Wir haben im September die sechste Version unseres iPhones auf dem Markt gebracht - unsere Arbeiter behandeln wir aber immer noch mies.

iSlave 5

Erschienen in Ausgabe 1.13

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Die harte Wahrheit über weiches PVC
Alle reden übers Klima – Kritik an der Chlorchemie klingt doch ökomäßig nach den 80ern. Da kann man’s ja mal versuchen, dachten wir von der PVC-Industrie uns, und haben eine Anzeigenserie entwickelt mit echt coolen Sprüchen wie „PVC ist cool“, „PVC klingt gut“ und „PVC spielt mit“. Vielleicht merkt ja keiner, dass wir immer noch dieses üble Billigzeug verkloppen, das bei der Verbrennung hochgiftige Dioxine freisetzt, das Weichmacher mit nicht genau bekanntem Gefahrenpotenzial enthält (weshalb das Umweltbundesamt rät, „vorsorglich auf Weich-PVC ganz zu verzichten“) und das die Meere verschmutzt, weil es sich kaum zersetzt. Hm. Aber irgendwas ist hier schiefgelaufen.

Erschienen in Ausgabe 6.12

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Gestatten, Rainer Wendt. Führender Lobbyist der deutschen Hühnermäster.

Meine Branche hat ein mieses Image. Wir vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, dessen Vizepräsident ich bin, werben deshalb jetzt mal in Holzoptik und machen auf Transparenz. Auf www.deutsches-geflügel.de kann man sich ansehen, wie Masthühner heute produziert werden – nämlich wie Massengut. Wir zeigen aber nicht, dass die überzüchteten Tiere im eigenen Kot stehen, oft krank werden und dann meist der ganze Stall Antibiotika bekommt. Wir Geflügelhalter sind zumeist abhängige Vertragsmäster riesiger Futtermittel- und Schlachtkonzerne, die uns die Hühnchen zu Dumpingpreisen abnehmen. Aber ich habe schon drei 40.000er-Ställe und liefere Wiesenhof mehr als 800.000 Hühnchen im Jahr. Man muss die Sache halt groß aufziehen.

Wo Qualzucht Quantität erzeugt.
Wir, die Geflügelfabrikanten in Deutschland.

Erschienen in Ausgabe 5.12

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Langes Wochenende. Kurz das Klima killen. Einfach so.

Klimawandel hin oder her
ab 99€
mal eben quer durch Europa jetten

z.B. nach Mallorca (trocknet aus), Venedig (säuft ab), Helsinki (taut auf) oder innerhalb Deutschlands – obwohl da überall die Bahn fährt.

Erschienen in Ausgabe 4.12

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"Ich hab's nicht so mit Broteschmieren."

Ich hasse es, täglich Pausenbrote zu belegen und Äpfel zu waschen. Für das Hungergefühl zwischendurch stecke ich mir und meinen Kindern einfach eine Milch-Schnitte ein. Die enthält zwar mehr Zucker, Fett und Kalorien als Schoko-Sahne-Torte. Aber wir tun einfach mal so, als sei es eine sportlich-leichte Zwischenmahlzeit.*

*Ferrero erhielt deshalb von Foodwatch den Goldenen Windbeutel für die „dreisteste Werbelüge des Jahres 2011“

Erschienen in Ausgabe 3.12

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Ja, aaaber...

9 Tage Mittelmeer 2,3 Tonnen CO2 p.P.*

Ja, das mit dem Klimawandel und der dreckigen Luft, das ist echt blöd. Wir bei AIDA wissen natürlich, dass man solche Themen heute nicht mehr einfach so umschiffen kann, aaaber: Wir sind doch nicht allein Schuld! Jaja, schon gut, wir machen jetzt auch mal auf Umweltschützer, retuschieren auf Werbefotos die Qualmwolken unserer Schiffe weg und trennen an Bord schön den Müll, aaaber: Aufs billige Schweröl verzichten und Rußfilter einbauen? Das machen doch die anderen auch nicht!

*Durchschnittswert für ein mittelgroßes Kreuzfahrtschiff laut Atmosfair-CO2-Rechner

Erschienen in Ausgabe 2.12

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Er grinst noch immer.
Nur schamloser.
Darf ein Auto Gefühle zeigen? Zum Beispiel für die Opfer des Klimawandels? Der 21st Century Heatle antwortet darauf mit einem breiten Grinsen. Nicht nur die Form erinnert an seine Vorfahren. Auch Verbrauch und CO2-Ausstoß* sind noch so hoch wie beim Käfer vor 40 Jahren. Egal, dass es auf der Erde bis zum Jahr 2100 rund sechs Grad heißer wird. Schnurzpiepe, dass dadurch Dürren, Fluten und Volks-, äh, Völkerwanderungen ausgelöst werden. Hauptsache, mit dem Heatle kann man ordentlich heizen. *Protzmotor mit 147 kW (200 PS), Spritverbrauch, l/100 km innerorts 10,3 / außerorts 6,1 / kombiniert 7,7 / CO2-Emission kombiniert 179 g/km. Zeitgemäße Autos verbrauchen halb so viel.

Erschienen in Ausgabe 1.12

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Pfui! Drama Unersättlich!
Probieren Sie jetzt den Geschmack von Urwaldzerstörung und Vertreibung!
Unilever kauft drei Prozent der weltweiten Ernte an Palmöl und mischt es beispielsweise in die neue Rama Unwiderstehlich! Obwohl in Indonesien für Palmölplantagen noch immer Urwälder abgeholzt und Menschen vertrieben werden.

Erschienen in Ausgabe 6.11

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Immer noch - umweltschädlicher Becher Becher wird künftig vielleicht recycelt. ActiIrreführus - bringt Ihrer Umwelt leider nichts.

Erschienen in Ausgabe 5.11

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Tödlich.  Hungerlöhne. Ausbeutung. Selbstmord. Das iPhone, auch in Weiß nicht unschuldiger. iSlave4

Erschienen in Ausgabe 4.11
 

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Die lohnt sich für Bahn- und Stromkonzernchefs.  Jetzt 3 Monate "ausgesetzt". Satte 25%. So groß ist der Atom-Anteil im Strommix der Bahn. Der Super-Spar-Strom stammt aus dem Risiko-AKW Neckarwestheim. Zwar hat Schwarz-Gelb Block 1 jetzt urplötzlich stillgelegt, aber Block 2 soll laut derzeit "ausgesetzter" Laufzeitverlängerung, die Bahnchef Rüdiger Grube lautstark gefordert hat, bis etwa 2037 am Netz bleiben. Obwohl auch dieser Reaktor total veraltet ist und in einem Erdbebengebiet steht. Die Bahn riskiert viel.

Erschienen in Ausgabe 3.11
 

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WENN ES DARUM GEHT, UNSERE MÜLLBERGE GUT AUSSEHEN ZU LASSEN, STIEHLT CHRISTOPHE GEORGE CLOONEY DIE SCHAU.  Christophe ist Projektleiter für Nachhaltige Entwicklung bei Nespresso. Er hilft uns, die miese Ökobilanz unserer Alukapseln zu beschönigen. „Aluminium ist zu 100 % und unendlich oft recycelbar und trägt so zum Schutz natürlicher Ressourcen bei“, schreiben wir in der Werbung. Dabei landen in Deutschland nur 70 % des Aluminiums im Gelben Sack. Und für die Folien der Kapseln verwenden wir sowieso Primär-Aluminium, dessen Herstellung extrem energieaufwendig ist. Weil in Nespresso-Maschinen nur Nespresso-Kapseln passen, sind unsere Kunden also genötigt, nachhaltig die Umwelt zu versauen. Und müssen dafür auch noch bis zu 35 Euro pro Pfund Kaffee zahlen.  Erpresso Die Leere des Portemonnaies

Erschienen in Ausgabe 2.11
 

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Schaurige Leistung. Wir schicken im Januar wieder unsere fiesen Touaregs zur Rallye Dakar. Denn wir fürchten weder Klimawandel noch Hirnverbranntheit, sondern nur, als Langweiler-Automarke zu gelten. Jaja, schon klar, ein Hersteller namens „Volkswagen Group“ sollte eigentlich bei der Entwicklung vernünftiger, sparsamer Autos Weltspitze sein, aber das wäre doch irgendwie zu naheliegend. Deshalb bauen wir lieber spritschluckende Audis, Bugattis, Lamborghinis, Phaetons und Touaregs und bieten unsere effizienten „Blue Motion“-VWs nur mit Aufpreis an. So landen wir zwar beim CO2-Ranking des europäischen Umweltverbands „Transport & Environment“ noch hinter BMW auf dem drittletzten Rang. Aber dafür belegen unsere „Race Touaregs“ regelmäßig die ersten Plätze bei der gefährlichsten Rallye der Welt (60 Tote seit 1978). Und das ist uns noch nicht mal peinlich. VW Das Böse.

Erschienen in Ausgabe 1.11

 

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Schneller Geld verschleudern! Stuttgart 21: bis zu 8,7 Mrd. € Ulm-Stuttgart: bis zu 10 Mrd. € Gesamtkosten: bis zu 18,7 Mrd. € Einen Sparpreis gibt's mal wieder nicht. Wer Bahn fährt, verliert Geld: einfach überteuerte Fahrkarten kaufen und Hirn abschalten. Und als Steuerzahler blechen sie sogar doppelt. So kann die Bahn ihren Größenwahn ausleben und Kostenexplosionen von Projekten wie Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm finanzieren. Aber nur solange der Vorrat an willfährigen Politikern reicht.

 

www.kopfbahnhof-21.de  Der Widerstand macht mobil.

Erschienen in Ausgabe 6.10
 

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Wir fördern Gier und Pfusch. Statt Alternativen. Seit Jahren basteln wir fleißig an unserem grünen Image. Doch anstatt konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen, plündern wir die letzten Ölreserven unseres Planeten – zum Beispiel im Golf von Mexiko. Ohne Skrupel. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und ohne Plan B, falls was schiefgeht – wie jetzt. bp big problems

Erschienen in Ausgabe 4.10

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Ohne Garantie: Palmöl und Urwald in Harmonie Terror Activ. Unser neuer Reiniger glänzt mit einem zweifelhaften Siegel. Damit putzen wir alles weg. Sogar den Regenwald.

 

www.regenwald.org/rspo-siegel

Erschienen in Ausgabe 3.10

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